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Reiki

Die Kapitel zu komplementären und alternativen Therapieverfahren wurden auf der Grundlage von Übersetzungen der evidenzbasierten Zusammenfassungen (CAM Summaries) des europäischen Projektes CAM Cancer erstellt. Diese sind strukturierte Übersichtsarbeiten, in denen Daten zu Grundlagen und Anwendung komplementärmedizinischer Verfahren in Form von kurzen Monographien aufbereitet wurden.

Dies ist die aktuell gültige Version des Dokuments

Reiki

Stand: Juli 2016
Autoren: CAM-Cancer Consortium, Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie - KOKON Helen Seers und Edzard Ernst (Englische Originalversion: CAM-Cancer Consortium. Reiki [online document]. http://www.cam-cancer.org/CAM-Summaries/Mind-body-interventions/Reiki - March 11, 2015). Übersetzung und Ergänzungen durch KOKON - Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie

1Zusammenfassung

Reiki, eine Form der „Energieheilung“, die ihren Ursprung in Japan hat, ist ein Verfahren in dem Heilung durch Auflegen der Hände und Transfer von Energie vom Reiki-Praktizierenden auf den Empfänger vermittelt werden soll. Reiki wird als lindernde oder unterstützende Behandlung bei Tumorpatienten eingesetzt.

Die grundlegenden Konzepte von Reiki befinden sich nicht in Übereinstimmung mit wissenschaftlichen Kenntnissen.

Nur wenige klinische Studien zu Reiki sind bisher veröffentlicht. Sie berichten über positive Wirkungen von Reiki bei Depression, Angst und Schmerzen. Die Studien haben jedoch aufgrund methodischer Mängel kaum Aussagekraft. Demgegenüber ist es unwahrscheinlich, dass durch die Anwendung von Reiki direkter Schaden entstehen kann.

2Grundlagen

2.1Beschreibung

Reiki ist eine Form der „Energieheilung“, die ursprünglich aus Japan stammt, wo sie im frühen 20. Jahrhundert von dem buddhistischen Mönch Mikao Usui entwickelt und bekannt gemacht wurde. Ein Reiki-Praktizierender glaubt, dass er mit einer leichten Berührung die „Reiki-Energie“ in den Patienten bzw. Klienten überleiten kann [12].

2.2Terminologie

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2.3Zusammensetzung

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2.4Anwendung

Der Reiki-Praktizierende verwendet entweder eine leichte Berührung oder sendet die Reiki-„Energie“ per Fernheilung zum Patienten. Der Begriff wird in Anführungszeichen gesetzt, weil es sich dabei nicht um Energie im wissenschaftlichen Sinne handelt. Die Therapie kann so oft wie gewünscht erfolgen, üblich sind mehrere Male pro Woche. Ein Behandlungszyklus kann aus sechs oder mehr Sitzungen bestehen und wird durch die Vorlieben bzw. Bedürfnisse des Patienten und des Praktizierenden bestimmt. Reiki wird gewöhnlich zusätzlich zu einer konventionellen Therapie in unterschiedlichsten Situationen angewendet.

2.5Geschichte

Der japanische Theologe Mikao Usui soll die Technik im späten 19. Jahrhundert wiederentdeckt haben. Offensichtlich gehen ihre Wurzeln auf den altertümlichen tibetischen Buddhismus zurück. Reiki wird von Reiki-Meistern in drei aufeinander aufbauenden Graden gelehrt.

Die Anbieter erhalten von einem erfahrenen Reiki-Meister eine Einführung über bis zu drei Stufen an Bestimmung.

2.6Indikationen

Die Reiki-„Energie“ soll die „Balance“ und Selbstheilung stimulieren und wird zur Aufrechterhaltung des Wohlbefindens und zur Unterstützung der Behandlung der meisten Erkrankungen oder Symptome einschließlich Beschwerden infolge von Tumortherapien eingesetzt.

Anekdotischer Evidenz zufolge kann Reiki Symptome wie Schmerzen oder Angst lindern. Einige Befürworter gehen sogar soweit, dass sie behaupten, dass Reiki den natürlichen Verlauf bösartiger Tumore beeinflussen kann.

2.7Wirkmechanismen

Laut einigen Autoren wirkt Reiki auf einer physiologischen Ebene und bewirkt, dass die Moleküle im Körper eine höhere Energiestufe erreichen. Reiki soll dadurch „Energie-Blockaden“ beseitigen [3]. Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Wirkmechanismen bislang nicht plausibel dargelegt.

2.8Verbreitung

In Japan ist Reiki seit vielen Jahrzehnten bekannt. In jüngerer Zeit verbreitet sich seine Anwendung auch in anderen Ländern. Es gibt nur wenige verlässliche Daten, um die Verbreitung seiner Anwendung bei Tumorpatienten genau zu beschreiben [456]. In Großbritannien bieten 43% der Krebszentren, die Formen der ergänzenden oder alternativen Medizin anbieten, auch Reiki als supportive oder palliative Therapie an [7].

2.9Zulassung

In den meisten Ländern sind Reiki-Praktizierende keine Angehörigen der Gesundheitsberufe. Jeder kann ungeachtet der Ausbildung, Schulung oder Erfahrung behaupten, ein Reiki-Praktizierender oder Reiki-Meister zu sein. In einigen Ländern, wie etwa in Großbritannien, dürfen Reiki-Praktizierende nicht behaupten, dass sie Krebs heilen können.

2.10Kosten

Einige Reiki-Praktizierende berechnen nichts für die Behandlung. Teilweise werden jedoch bis zu 60 Euro pro Sitzung verlangt.

3Wirksamkeit

3.1Supportive Therapie

3.1.1Systematische Übersichtsarbeiten

Es gibt keine systematischen Übersichtsarbeiten, die nur Studien mit Tumorpatienten eingeschlossen hatten. Die hier erwähnten Reviews befassen sich mit Reiki entweder krankheitsübergreifend oder aber im breiteren Sinne der sogenannten „Energieheilung“.

Lee et al. veröffentlichten einen systematischen Review von neun randomisierten kontrollierten Studien (RKS) zu Reiki als Behandlung für verschiedene Erkrankungen, einschließlich Tumorerkrankungen (die Ergebnisse waren nicht nach Erkrankung aufgeschlüsselt) [8]. Insgesamt ließen die Ergebnisse nur unzureichende Evidenz für die Wirksamkeit von Reiki bei Depression, Schmerzen, Angst, Stress und Hilflosigkeitsgefühl erkennen. Bei den meisten dieser Studien waren ernsthafte methodische Mängel festzustellen.

Eine weitere systematische Übersichtsarbeit zu verschiedenen Formen der Energieheilung speziell für Krebserkrankungen enthielt sechs quantitative und zwei qualitative Studien und kam zu einem sehr ähnlichen Schluss: „Die vorliegenden Forschungsarbeiten erlauben keine Schlussfolgerungen hinsichtlich der Wirksamkeit der Energieheilung[9].

Eine aktuelle, nicht-systematische Übersichtsarbeit, die den Effekt von Reiki auf Schmerzen und Angst bei allen Krankheiten einschließlich Malignomen untersuchte, fand vier randomisierte, kontrollierte Studien, in welchen positive Wirkungen von Reiki auf Schmerzen und Angst beschrieben wurden [10].

3.1.2Klinische Studien

Folgende klinische Studien wurden nach den oben genannten Übersichtsarbeiten veröffentlicht.

In einer 3-armigen RKS [11] wurde die Wirkung von Reiki auf das Wohlbefinden von 189 Krebspatienten während der Chemotherapie untersucht und mit einem „Placebo-Reiki“ und keiner zusätzlichen Intervention verglichen. In dieser Studie hatten sowohl Reiki als auch das „Placebo-Reiki“ positive Wirkungen, die der Nicht-Behandlung über legen waren.

Orsak et al. führten eine randomisierte, kontrollierte Pilotstudie mit 36 Mammakarzinom-Patientinnen durch, die entweder Reiki, eine persönliche Begleitung („Companion“) oder die Standardversorgung während der Chemotherapie erhielten [12]. Die Bewertungen der Lebensqualität (FACT B – Functional Assessment of Cancer Therapy: Breast Cancer) und der Stimmung (POMS - Profile of Mood States) erwiesen sich in der Reiki- und der begleiteten Gruppe als besser im Vergleich zur Standardversorgung.

4Sicherheit

4.1Nebenwirkungen

Keine bekannt.

4.2Kontraindikationen

Keine bekannt.

4.3Interaktionen

Keine bekannt.

5Literatur

  1. Birocco N, Guillame C, Storto S et al.: The effects of Reiki therapy on pain and anxiety in patients attending a day oncology and infusion services unit. Am J Hosp Palliat Care 29: 290-294, 2012. DOI:10.1177/1049909111420859

  2. Jonas WB: Mosby's Dictionary of Complementary and Alternative Medicine. St Louis US: Elsevier Mosby. 2005.

  3. Barnett H: The Which? Guide to Complementary Therapies. Which? Books, London. 2002.

  4. Lorenc A, Peace B, Vaghela C et al.: The integration of healing into conventional cancer care in the UK. Complement Ther Clin Pract 16: 222-228, 2010. DOI:10.1016/j.ctcp.2010.03.001

  5. Pierce B: The use of biofield therapies in cancer care. Clin J Oncol Nurs 11: 253-258, 2007. DOI:10.1188/07.CJON.253-258

  6. Talmi YP, Yakirevitch A, Migirov L et al.: Limited use of complementary and alternative medicine in Israeli head and neck cancer patients. Laryngoscope 115: 1505-1508, 2005. DOI: 10.1097/01.mlg.0000172205.31559.8d

  7. Egan B, Gage H, Hood J et al.: Availability of complementary and alternative medicine for people with cancer in the British National Health Service: results of a national survey. Complement Ther Clin Pract 18: 75-80, 2012. DOI:10.1016/j.ctcp.2011.11.003

  8. Lee MS, Pittler MH, Ernst E: Effects of reiki in clinical practice: a systematic review of randomised clinical trials. Int J Clin Pract 62: 947-954, 2008. DOI:10.1111/j.1742-1241.2008.01729.x

  9. Agdal R, von B Hjelmborg J, Johannessen H: Energy healing for cancer: a critical review. Forsch Komplementmed 18: 146-154, 2011. DOI:10.1159/00032931

  10. Thrane S, Cohen SM: Effect of Reiki therapy on pain and anxiety in adults: an in-depth literature review of randomized trials with effect size calculations. Pain Manag Nurs 15: 897-908, 2014. DOI:10.1016/j.pmn.2013.07.008

  11. Catlin A, Taylor-Ford RL: Investigation of standard care versus sham Reiki placebo versus actual Reiki therapy to enhance comfort and well-being in a chemotherapy infusion center. Oncol Nurs Forum 38: E212-E220, 2011. DOI:10.1188/11.ONF.E212-E220

  12. Orsak G, Stevens AM, Brufsky A et al.: The effects of reiki therapy and companionship on quality of life, mood, and symptom distress during chemotherapy. J Evid Based Complementary Altern Med 20: 20-27, 2015. DOI:10.1177/2156587214556313

6[Kapitel nicht relevant]

7[Kapitel nicht relevant]

8[Kapitel nicht relevant]

9[Kapitel nicht relevant]

10Anschriften der Experten

CAM-Cancer Consortium
NAFKAM - The National Research Center
in Complementary and Alternative Medicine
UiT The Arctic University of Norway
NO 9037 Tromsø
Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie - KOKON
Klinik für Innere Medizin 5, Schwerpunkt Onkologie/Hämatologie
Universitätsklinik der Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Klinikum Nürnberg
Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1
90419 Nürnberg

11Erklärungen zu möglichen Interessenskonflikten

KOKON wird gefördert durch die Deutsche Krebshilfe.

CAM-Cancer erhält finanzielle Unterstützung von der Krebsliga Schweiz und der Stiftung Krebsforschung Schweiz für die deutschen Übersetzungen.

12Deutsche Übersetzung und Bearbeitung

Das Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie – KOKON koordinierte den Prozess der Fachübersetzung. Die englische Originalversion übersetzten Martha Bohus und Christa Heiß, Conference Consulting, Interpreting and Translations, Königsbrunn. Die Begutachtung und Bearbeitung der deutschen Version erfolgte durch KOKON und wurde durch CAM-CANCER freigegeben.