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Venetoclax (Venclyxto®)

Dokument Wechselwirkungen und Nebenwirkungen
Stand Januar 2026
Dies ist die aktuell gültige Version des Dokuments

1Wechselwirkungen

1.1Pharmakokinetische Wechselwirkungen

1.1.1Resorption

1.1.2Distribution

Venetoclax weist eine sehr hohe Plasmaeiweißbindung auf. Dadurch kann es andere stark an Plasmaproteine gebundene Arzneistoffe aus der Plasmaeiweißbindung verdrängen. Dies kann bei Arzneistoffen mit geringer therapeutischer Breite zu einer Verstärkung erwünschter und unerwünschter Wirkungen führen, wenn deren Abbau- und Ausscheidungswege eingeschränkt sind.

1.1.3Metabolismus und Elimination

Der Abbau von Venetoclax erfolgt hauptsächlich hepatisch über CYP3A4. Die gleichzeitige Behandlung mit Venetoclax und starken oder moderaten Induktoren von CYP3A4 kann die systemische Verfügbarkeit von Venetoclax und somit dessen klinische Wirksamkeit verringern. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Venetoclax und starken oder moderaten Inhibitoren von CYP3A4 können vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten. Der transmembranöse Transport von Venetoclax erfolgt über P-Glykoprotein (Efflux). Die gleichzeitige Behandlung mit Venetoclax und Inhibitoren von P-Glykoprotein kann die systemische Verfügbarkeit von Venetoclax erhöhen und somit vermehrt unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Die Wirkung von Induktoren von P-Glykotprotein wurde nicht explizit untersucht. Es ist aber damit zu rechnen, dass die gleichzeitige Anwendung von Induktoren von P-Glykoprotein mit Venetoclax die systemische Verfügbarkeit von Venetoclax senkt und damit dessen Wirksamkeit beeinträchtigen kann.

Venetoclax kann die unerwünschten Wirkungen von Warfarin und Substraten von P-Glykoprotein verstärken.

1.2Pharmakodynamische Wechselwirkungen

Eine durch Venetoclax verursachte und sehr häufig auftretende Myelosuppression kann durch die gleichzeitige Anwendung anderer myelosuppressiver Arzneistoffe verstärkt werden. Insbesondere besteht das Risiko von Tumorlysesyndromen und Neutropenien. Von besonderer klinischer Bedeutung ist das Risiko einer Infektion bei gleichzeitiger Gabe von Venetoclax mit Azacitidin in der Behandlung der AML, siehe Kapitel 3.

1.3Einfluss der Nahrungsaufnahme auf die Bioverfügbarkeit

Wird Venetoclax mit einer fettarmen Mahlzeit eingenommen, ist dessen orale Bioverfügbarkeit im Vergleich zur Einnahme im nüchternen Zustand um das 3,4-Fache erhöht. Bei der Einnahme von Venetoclax mit einer fettreichen Mahlzeit erhöht sich dessen orale Bioverfügbarkeit um das 5,2-Fache.

2Maßnahmen

Die gleichzeitige Behandlung mit Venetoclax und Arzneistoffen, die moderate und starke CYP3A4-Induktoren sind, sollte vermieden werden. Ist die gleichzeitige Anwendung von Venetoclax mit Arzneistoffen, die starke CYP3A4-Inhibitoren sind, erforderlich, muss die Anfangsdosierung von Venetoclax um 75% reduziert werden und eine sorgfältige Überwachung erfolgen. Starke CYP3A4-Inhibitoren sind zu Beginn und während der Aufdosierungsphase kontraindiziert. Bei gleichzeitiger Anwendung von Venetoclax mit Arzneistoffen, die moderate CYP3A4-Inhibitoren sind, muss die Anfangsdosierung von Venetoclax um mindestens 50% reduziert werden und eine sorgfältige Überwachung erfolgen (EPAR Product Information, Stand: 24.04.2020). Die gleichzeitige Behandlung mit Venetoclax und Inhibitoren oder Induktoren von P-Glykoprotein sollte vermieden werden. Während der gesamten Dauer der Behandlung mit Venetoclax ist auf den Verzehr von Grapefruits, grapefruitartigen Früchten (z.B. Pomelo, Bitterorange) und deren Zubereitungen zu verzichten.

Bei einer gleichzeitigen Anwendung von Venetoclax mit Substraten von P-Glykoprotein sollte auf unerwünschte Wirkungen dieser Arzneistoffe geachtet werden. Eine gleichzeitige Anwendung von Venetoclax und Dabigatran sollte vermieden werden.

Während der Behandlung mit Venetoclax sollte auf eine mögliche Verminderung der Werte einzelner oder aller Blutzellreihen geachtet werden. Gegebenenfalls sind entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Venetoclax sollte zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Dies entspricht den Einnahmebedingungen der relevanten Zulassungsstudien.

3Besondere Behandlungssituationen und Dosisanpassung bei AML

Bei Kombination von Venetoclax mit Azacitidin in der Behandlung der AML besteht ein erhöhtes Risiko für infektiöse Komplikationen, insbesondere für febrile Neutropenie, Pneumonie und Sepsis [1].

Spezifische Empfehlungen zur Reduktion des Infektionsrisikos bei der Gabe von Venetoclax im Rahmen dieser Kombinationstherapie sind:

  • Nach Erreichen einer Remission und bei erstmaligem Auftreten einer Neutropenie Grad 4 mit einer Dauer von mind. 7 Tagen Verzögerung des folgenden Zyklus der Kombinationstherapie bis zum Abklingen auf Grad 1 oder 2.

  • Nach Erreichen einer Remission und bei wiederholtem Auftreten einer Neutropenie Grad 4 mit einer Dauer von mind. 7 Tagen Verzögerung des folgenden Zyklus der Kombinationstherapie bis zum Abklingen auf Grad 1 oder 2 sowie Wiederaufnahme mit einer verkürzten Gabe von Venetoclax um 7 Tage (d.h. 21 statt 28 Tage).

  • Wenn klinisch angezeigt, Gabe von G-CSF

  • Dosisanpassung von Venetoclax bei gleichzeitiger Gabe von starken CYP3A-Inhibitoren (Clarithromycin, Posaconazol, Voriconazol) in Abhängigkeit des Behandlungszeitpunktes: In der Aufdosierungsphase Anpassung wie folgt: Tag 1: 10 mg, Tag 2: 20 mg, Tag 3: 50 mg, Tag 4: 100 mg oder weniger. Nach der Aufdosierungsphase Reduzierung auf ≤100 mg oder weniger. Bei mittelstarken CYP3A-Inhibitoren (Ciprofloxacin, Erythromycin, Fluconazol) Reduktion der Venetoclax-Dosis um mind. 50%.

Die hier explizit aufgeführten interagierenden Arzneistoffe orientieren sich an der aktuellen Versorgungspraxis. Entsprechende Wechselwirkungen können in dieser besonderen Behandlungssituation aber auch mit anderen moderaten und starken CYP3A4-Inhibitoren auftreten.

Maßnahmen zum Umgang mit Infektionen sind in den Leitlinien Infektionen bei hämatologischen und onkologischen Patienten – Übersicht, u.a. Fieber unbekannter Genese (FUO) bei neutropenischen Patienten dargestellt.

4Literatur

  1. Maschmeyer G, Bullinger L, Garcia-Vidal C et al.: Infectious complications of targeted drugs and biotherapies in acute leukemia. Clinical practice guidelines by the European Conference on Infections in Leukemia (ECIL), a joint venture of the European Group for Blood and Marrow Transplantation (EBMT), the European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC), the International Immunocompromised Host Society (ICHS) and the European Leukemia Net (ELN). Leukemia 36:1215-1226, 2022. DOI:10.1038/s41375-022-01556-7

5Glossar

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Reference:

Quellenangabe:

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