Sie sind hier: Startseite Leitlinien Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS)

Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS)

Dies ist die aktuell gültige Version des Dokuments

Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS)

Stand: August 2010
Autoren: Martin Kortüm, Hermann Einsele, Hartmut Goldschmidt, Peter Liebisch, Ralph Naumann, Dietrich Peest

1Definition und Basisinformationen

Die Monoklonale Gammopathie Unklarer Signifikanz (MGUS) ist definiert durch den laborchemischen Nachweis kompletter oder inkompletter, monoklonaler Immunglobuline im Serum von Personen ohne klinische Symptomatik. Der Ausdruck MGUS wurde 1978 von Kyle geprägt und löste die bisherige Bezeichnung „benigne Gammopathie“ ab [4]. Die monoklonalen Immunglobuline sind als so genanntes „Paraprotein“ oder M Protein nachweisbar. Die aktuellen Kriterien wurden von der International Myeloma Working Group definiert, Tabelle 1 [2].

Tabelle 1: Kriterien der Monoklonalen Gammopathie Unklarer Signifikanz (MGUS) 

M Protein < 30 g / l

< 10 % klonale Plasmazellen im Knochenmark

Fehlen von Symptomen, die mit einer malignen Erkrankung der Plasmazellen assoziiert sind (CRAB Kriterien: Anämie, Hyperkalzämie, Niereninsuffizienz, Osteolysen), außer wenn diese Symptome durch eine andere Ursache erklärt werden können

Die MGUS hat per se keinen Krankheitswert. Sie kann aber die Vorstufe einer malignen lymphoproliferativen Erkrankung (Multiples Myelom, Morbus Waldenström, Non Hodgkin-Lymphom) oder einer Amyloidose sein [5]. Eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz gilt als gesicherte Präkanzerose für die Entwicklung eines Multiplen Myeloms [8], siehe Leitlinie Multiples Myelom. Ursprünglich war der Begriff MGUS auf Schwerketten-Immunglobuline mit Nachweis des Paraproteins in der Eiweíßelektrophorese begrenzt. Kürzlich wurde auch eine Leichtketten-MGUS definiert [3].

2Häufigkeit

Eine MGUS findet sich bei 1-3% von Personen im Alter über 50 Jahre [6]. Die Inzidenz steigt mit dem Alter. Männer sind etwas häufiger als Frauen betroffen. Das Risiko ist erhöht für Personen mit Verwandten ersten Grades, bei denen eine MGUS nachgewiesen wurde.

3Risiko der Progression

Für MGUS mit Schwerketten-Immunglobulinen beträgt das Risiko für den Übergang in ein Multiples Myelom oder ein anderes malignes Lymphom ca. 1-1,5% pro Jahr [457]. Epidemiologische Untersuchungen belegen große individuelle Schwankungen in der Progressionswahrscheinlichkeit von MGUS zum Multiplen Myelom. Der wichtigste Risikofaktor ist die Höhe des M-Proteins. Patienten mit einem M-Protein > 25 g / l haben ein Progressionsrisiko von etwa 50 % nach 20 Jahren, verglichen mit einem Risiko von etwa 15 % bei Personen mit einem M Protein < 5 g / l. Die relevanten Risikofaktoren für eine Progression sind in Tabelle 2 zusammengefasst.

Tabelle 2: Risikofaktoren für eine Progression der Monoklonalen Gammopathie Unklarer Signifikanz 

monoklonales Protein >15 g/l

abnormaler Quotient der freien Kappa- und Lambda-Leichtketten im Serum [9]

nicht IgG MGUS

Beim Nachweis aller drei Risikofaktoren wird von einem Hochrisiko-MGUS gesprochen. Bei diesen Personen liegt die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer malignen Erkrankung oder einer Amyloidose nach 20 Jahren bei über 50%, bei MGUS-Patienten ohne diese Risikofaktoren lediglich bei 5%.

Für MGUS mit Leichtketten-Immunglobulinen beträgt das Risiko für den Übergang in eine lymphoproliferative Erkrankung ca. 0,3% pro Jahr [3].

4Diagnose

Sorgfältige Anamnese und komplette körperliche Untersuchung sind Grundlagen rationeller Diagnostik. Beim MGUS haben die betroffenen Personen bereits den Befund eines M-Proteins. Das weitere Vorgehen ist eine Risiko-adaptierte Ausschlussdiagnostik, s. Abbildung 1.

Abbildung 1: Diagnostik bei V. a. Monoklonale Gammopathie Unklarer Signifikanz 
Diagnostik bei V. a. Monoklonale Gammopathie Unklarer Signifikanz
1andere Symptome - Symptome, die auf ein therapiebedürftiges Multiples Myelom hinweisen;2 damit ist ein MGUS bereits ausgeschlossen;
Tabelle 3: Stufendiagnostik bei V.a. MGUS 

Basisdiagnostik

Blutbild einschließlich Differentialblutbild

Elektrolyte (Natrium, Kalium, Kalzium)

Nierenretentionsparameter (Kreatinin einschl. berechneter GFR, Harnstoff)

Gesamteiweiß und Albumin im Serum

Immunglobuline (IgG, IgA, IgM) quantitativ

freie Kappa- und Lambda-Leichtketten im Serum quantitativ incl. Berechnung des Quotienten

qualitativer Test auf Eiweiß im Urin

Erweiterte Diagnostik s. Multiples Myelom

5Verlaufskontrolle

Ziele von Verlaufskontrollen sind initial der Ausschluss einer behandlungsbedürftigen lymphoproliferativen Erkrankung in einem früheren Stadium und in weiteren Verlauf eine möglichst frühzeitige Erfassung der Entwicklung hin zu einem behandlungsbedürftigen Multiplen Myelom oder einem anderen B-Zell Lymphom. Eine aktuelle, retrospektive Studie legt nahe, dass eine langfristige regelmäßige Kontrolle nur bei Hochrisiko-Patienten indiziert ist [12]. Daraus ergibt sich folgendes Vorgehen:

Tabelle 4: Kontrollen bei MGUS 

Zeitpunkt

Patientenkollektiv

Kontrolle

Erstdiagnose

alle

nach 3 und 6 Monaten

Verlauf

Hochrisiko

alle 6-24 Monate

Niedrigrisiko

keine regelmäßigen Kontrollen; Kontrolle bei klinischer Symptomatik;

6[Kapitel nicht relevant]

7[Kapitel nicht relevant]

8[Kapitel nicht relevant]

9Literatur

  1. Bianchi G, Kyle RA, Colby CL et al.: Impact of optimal follow-up of monoclonal gammopathy of undetermined significance (MGUS) on early diagnosis and prevention of myeloma-related complications. Blood 116:2019-2025, 2010. DOI:10.1182/blood-2010-04-277566

  2. Criteria for the classification of monoclonal gammopathies, multiple myeloma and related disorders: a report of the International Myeloma Working Group. Br J Haematol 2003;121:749-57. PMID:12780789

  3. Dispenzieri A, Katzmann JA, Kyle RA et al.: Prevalence and risk of progression of light-chain monoclonal gammopathy of undetermined significance: a retrospective population-based cohort study. Lancet 2010;375:1721-1728. PMID:20472173

  4. Kyle RA: Monoclonal gammopathy of undetermined significance. Am J Med 1978;64:814-826. PMID:645746

  5. Kyle RA, Therneau TM, Rajkumar SV et al.: A long-term study of prognosis in monoclonal gammopathy of undetermined significance. N Engl J Med 2002;346:564-569. PMID:11856795

  6. Kyle RA, Therneau TM, Rajkumar SV, et al.: Prevalence of monoclonal gammopathy of undetermined significance. N Engl J Med. 2006;354:1362-1369. PMID:16571879

  7. Kyle RA, Durie BGM, Rajkumar SV et al.: Monoclonal gammopathy of undetermined significance (MGUS) and smoldering (asymptomatic) multiple myeloma: IMWG consensus perspectives risk factors on progression and guidelines for monitoring and management. Leukemia 2010;24:121-1127. DOI:10.1038/leu.2010.60

  8. Landgren O, Kyle RA, Pfeiffer RM, et al. Monoclonal gammopathy of undetermined significance (MGUS) consistently precedes multiple myeloma: a prospective study. Blood 2009;113:5412-5417. DOI:10.1182/blood-2008-12-194241

  9. Rajkumar SV, Kyle RA, Therneau TM, et al. Serum free light chain ratio is an independent risk factor for progression in monoclonal gammopathy of undetermined significance. Blood 2005;106:812-817. DOI:10.1182/blood-2005-03-1038

10[Kapitel nicht relevant]

11[Kapitel nicht relevant]

12[Kapitel nicht relevant]

13[Kapitel nicht relevant]

14[Kapitel nicht relevant]

15Anschriften der Verfasser

Dr. Martin Kortüm
Universitätsklinik Würzburg
Med. Klinik und Polikinik II
Oberdürrbacherstr. 6
97080 Würzburg
Tel: 0931 201-0
Prof. Dr. med. Hermann Einsele
Universitätsklinikum Würzburg
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Oberdürrbacher Str. 6
97080 Würzburg
Tel: 0931 201-40001
Fax: 0931 201-640001
Prof. Dr. med. Hartmut Goldschmidt
Universitätsklinikum Heidelberg
Medizinische Klinik V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel: 06221 56-8003
Fax: 06221 56-6824
PD Dr. med. Peter Liebisch
Onkologische Praxis Moers
Xantener Str. 40
47441 Moers
Tel: 02841 921660
Fax: 02841 921661
Prof. Dr. med. Ralph Naumann
St. Marienkrankenhaus Siegen gGmbH
Medizinische Klinik III
Hämatologie, Medizinische Onkologie und Palliativmedizin
Kampenstr. 51
57072 Siegen
Tel: 0271 231-1302
Fax: 0271 231-1309
Prof. Dr. med. Dietrich Peest
Medizinische Hochschule Hannover
Zentrum für Innere Medizin und Dermatologie
Abteilung Hämamtologie und Onkologie
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel: 0511 532-3623
Fax: 0511 532-5648

15Erklärungen zu möglichen Interessenkonflikten

nach den Regeln der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie und den Empfehlungen der AWMF (Version vom 23. April 2010) und internationalen Empfehlungen

16[Kapitel nicht relevant]