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Fieber unbekannter Genese (FUO) bei neutropenischen Patienten

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Fieber unbekannter Genese (FUO) bei neutropenischen Patienten

Stand: Juni 2018
Autoren: Werner Heinz, Dieter Buchheidt, Maximilian Christopeit, Oliver A. Cornely, Hermann Einsele, Meinolf Karthaus, Marie von Lilienfeld-Toal, Hartmut Link, Rolf Mahlberg, Silke Neumann, Helmut Ostermann, Olaf Penack, Markus Ruhnke, Michael Sandherr, Xaver Schiel, Jörg Janne Vehreschild, Florian Weißinger, Georg Maschmeyer für die Arbeitsgemeinschaft Infektionen (AGIHO) der DGHO

1Zusammenfassung

Fieber kann das einzige klinische Symptom zu Beginn einer Infektion bei neutropenischen Tumorpatienten während oder nach myelosuppressiver Chemotherapie sein. Eine rasche Diagnostik und Therapie ist zwingend erforderlich. Empfohlen wird die Stratifikation in eine Standardrisiko- und eine Hochrisiko-Gruppe.

Die Leitlinie ‚Diagnosis and empirical treatment of fever of unknown origin (FUO) in adult neutropenic patients’ wurde von der Arbeitsgemeinschaft Infektionen der DGHO (AGIHO) für die Diagnostik und Therapie dieser Patienten erstellt [1]. Grundlagen der Empfehlungen sind eine systematische Literaturrecherche, die einheitliche Bewertung der Evidenzstärke [2] und ein Konsensfindungsprozess. Dies ist die Kurzfassung dieser Empfehlungen.

2Grundlagen

2.1Definition

2.1.1Neutropenie

Es gibt keinen Grenzwert für die Zahl von Neutrophilen, der eindeutig Patienten ohne erhöhtes Infektionsrisiko von Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko und erhöhter Mortalität diskriminiert. Die meisten Leitlinien und klinischen Studien definieren Neutropenie als

  • Neutrophile (Stab- und Segmentkernige) <500/µl oder

  • Neutrophile (Stab- und Segmentkernige) <1.000/µl mit einem vorhersehbaren Abfall <500/µl innerhalb der nächsten 2 Tage.

2.1.2Fieber

Fieber wird unterschiedlich definiert. Den folgenden Empfehlungen werden diese Definitionen zugrunde gelegt:

  • Temperatur >38,3 0C, einmal oral gemessen, oder

  • Temperatur >38,0 0C, mit Dauer über mindestens 1 h oder zweimal innerhalb von 12 h gemessen.

Beim Fehlen nicht-infektiöser Ursachen wie z. B. eine fieberhafte Reaktion auf Zytokine, auf Zytostatika wie Cytarabin oder Bleomycin, oder auf eine Transfusion mit Blutprodukten ist von einer infektiösen Komplikation auszugehen. Es ist zu berücksichtigen, dass Fieber durch den Einsatz von antipyretisch wirksamen Arzneimitteln zur Schmerztherapie wie Prednison, nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAID) oder Metamizol verschleiert werden kann.

2.1.3Risikostratifikation

Das Infektionsrisiko korreliert mit dem Nadir und der Dauer der Neutropenie. Dennoch ist der Verlauf beim individuellen Patienten schwer vorhersehbar. Wir schlagen die Stratifikation in zwei Risikogruppen vor:

  • Standardrisiko: vermutliche Dauer der Neutropenie ≤7 Tage

  • Hochrisiko: vermutliche Dauer der Neutropenie >8 Tage

Die Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) hat auf der Basis individueller Faktoren einen Risiko-Score etabliert [3], siehe Tabelle 1.

Tabelle 1: MASCC Score bei febriler Neutropenie  

Charakteristikum

Gewicht

Belastung durch febrile Neutropenie mit keiner oder geringer Symptomatik

5

Keine Hypotonie (systolischer Blutdruck >90 mmHg)

5

Keine chronisch obstruktive Lungenerkrankung

4

Solider Tumor oder hämatologische Neoplasie ohne vorhergehende Pilzinfektion

4

Keine Dehydration, keine Indikation zur parenteralen Substitution von Flüssigkeit

3

Belastung durch febrile Neutropenie mit moderater Symptomatik

3

Ambulanter Patient

3

Alter <60 Jahre

2

Ein Score von ≥21 definiert einen Standardrisiko-Patienten. Die beiden Charakteristika zu „Belastung durch febrile Neutropenie“ sind nicht kumulativ. Der maximale Punkte-Score liegt bei 26.

3[Kapitel nicht relevant]

4[Kapitel nicht relevant]

5Diagnose

5.1[Kapitel nicht relevant]

5.2Diagnostik

Die Diagnostik vor Beginn einer Neutropenie-induzierenden Chemotherapie ist in Tabelle 2, Monitoring asymptomatischer Patienten auf Pilzinfektionen in Tabelle 3, die Assoziation klinischer Symptome mit charakteristischen Erregern in Tabelle 4, die Diagnostik bei neutropenischem Fieber in Tabelle 5 zusammengefasst.

Tabelle 2: Diagnostik vor Beginn der Neutropenie-induzierenden Chemotherapie 

Untersuchung

Empfehlung und Evidenz [2]

Erhebung vorheriger und prävalenter Infektionen, die während einer Therapie-induzierten Neutropenie klinisch relevant werden können.

A-III

Körperliche Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf Infektion der Haut, Schleimhaut, Punktionsstellen, ZVK-Einstichstellen, Stirn- und Kieferhöhlen, Lungen, Abdomen und Perianalregion

A-III

Hautallergie-Test bei Eigenanamnese einer Penicillin-Allergie

BIIt

Basislabor: Blutbild, Leberenzyme (SGPT, SGOT, gamma-GT), Gesamtbilirubin, alkalische Phosphatase, LDH, Kreatinin, Harnstoff, Gerinnung (INR, aPTT), C-reaktives Protein (CRP), Urin-Analyse

B-III

Röntgen-Thorax (evtl. CT-Thorax bei Hochrisiko-Patienten) als Ausgangsbefund, sofern keine Bildgebung der Lunge (z. B. im Rahmen des Staging) vorliegt

C-III

Tabelle 3: Screening und Monitoring asymptomatischer neutropenischer Patienten 

Untersuchung

Empfehlungsgrad und Evidenz [2]

Bei Hochrisikopatienten und langdauernder Neutropenie: regelmäßige Wiederholung des Basislabors, mit Ausnahme der Urin-Analyse, z. B. 2mal / Woche.

B-III

Regelmäßiges Monitoring (mindestens 2mal/Woche) mittels Aspergillus Galactomannan im Blut bei Hochrisiko-Patienten, die keine antimykotische Prophylaxe oder Therapie mit Aktivität gegen Aspergillus spp. erhalten

B-IIu

Regelmäßiges Monitoring (mindestens 2mal/Woche) mittels Aspergillus PCR bei Hochrisiko-Patienten

C-III

Monitoring mit nicht-kulturbasierten Methoden, sind kein Ersatz für klinische, bildgebende, endoskopische oder andere mikrobiologische Diagnostik.

B-III

Ziele der diagnostischen Maßnahmen beim Auftreten von Fieber in Neutropenie sind:

  • Ausschluss nicht-infektiöser Ursachen

  • Identifikation eines Infektionsfokus und/oder der kausalen Pathogene

  • Bewertung der Schwere des entzündlichen Prozesses und Identifikation von Patienten mit Bedarf an intensivmedizinischer Behandlung

Häufige klinische Symptome und die oft verantwortlichen Erreger sind in Tabelle 4, die empfohlenen diagnostischen Maßnahmen in Tabelle 5 zusammengefasst.

Tabelle 4: Charakteristische Pathogene und klinisches Bild 

Klinisches Bild

Häufige Erreger

Erythem und/oder Schmerzen am venösen Zugang

Koagulase-negative Staphylokokken

Schleimhautulcera

α-hämolysierende Streptokokken

Candida spp.

einzelne, punktförmige Hautläsionen

Gram-positive Kokken

Candida spp.

Nekrotisierende Hautläsionen

Pseudomonas aeruginosa,

Fadenpilze

Diarrhoe, Meteorismus

Clostridium difficile

Enterokolitis, perianale Läsionen

multiple Erreger, einschl. Anaerobier

Lungeninfiltrate + Sinusitis

Fadenpilze, Pneumocystis jirovecii

Retina-Infiltrate

Candidämie

Tabelle 5: Diagnostik bei Auftreten von Fieber in Neutropenie 

Untersuchung

Empfehlungsgrad und Evidenz [2]

Diagnostische Maßnahmen dürfen den Beginn einer angemessenen, antibotischen Therapie nicht verzögern.

A-IIt

Bei klinisch instabilen Patienten ist der unmittelbare Beginn einer antimikrobiellen Therapie erforderlich.

A-I

Die sorgfältige klinische Untersuchung soll bei hospitalisierten, febrilen Patienten täglich wiederholt werden.

A-III

Mindestens 2 getrennte Paare (aerob, anaerob) von Blutkulturen sollen vor Beginn der antibiotischen Therapie abgenommen werden. Bei liegendem ZVK soll ein Paar aus der peripheren Vene, ein Paar aus dem ZVK entnommen werden.

A-III

Die Erfolgsrate der Blutkulturen kann durch Entnahme von drei Paaren von Blutkulturen gesteigert werden.

B-IIt

Multiplex-PCR basierte Methoden sind kein Ersatz für Standard-Verfahren der Mikrobiologie

C-IIu

Nur im Falle einer respiratorischen Symptomatik wird bereits bei Auftreten von Fieber ein CT Thorax empfohlen.

B-III

Konventionelle Röntgenaufnahmen des Thorax werden nicht empfohlen.

D-IIt

Verstopfte Nase und Symptome einer Sinusitis sollten Anlass für ein CT der Nasennebenhöhlen sein.

B-III

Gastrointestinale Symptome oder Laborauffälligkeiten sollten Anlass für eine Sonographie Abdomen sein.

Ein CT Abdomen ist eine Alternative bei Verdacht auf eine neutropenische Enterokolitis.

B-IIu

 

B-IIu

Persistierendes Fieber, fortschreitende oder neu auftretende Lungeninfiltrate und/oder Entzündungsparameter nach 7 Tagen der antimikrobiellen Therapie sind Indikation für eine Wiederholung der mikrobiologischen Diagnostik und einen Wechsel der antimikrobiellen Therapie.

A-III

6Therapie

6.1Therapiestruktur

Die Therapieentscheidungen bei Patienten mit febriler Neutropenie beruhen auf der Stratifikation in Standard- und Hochrisiko, siehe Tabelle 6. Bei Patienten mit niedrigem Risiko, die alle Kriterien von Tabelle 7 erfüllen, kann eine ambulante Therapie erwogen werden.

Tabelle 6: Individuelle Kriterien für eine primär ambulante Therapie bei neutropenischem Fieber 

Kategorie

Kriterium

Allgemein

  • keine Symptome einer Infektion des Zentralnervensystems (ZNS), einer schweren Pneumonie oder einer ZVK-Infektion

  • keine Symptome von Sepsis oder Schock

  • keines der folgenden Symptome/Krankheitsbilder:

    • Infekt-assoziiertes Organversagen

    • abdominelle Schmerzen + Diarrhoe

    • Dehydratation

    • wiederholtes Erbrechen

    • Bedarf an intravenöser Therapie

    • Notwendigkeit permanenter oder enger Überwachung, z. B. metabolische Dekompensation, Hyperkalzämie

  • keine neue schwere Organbeeinträchtigung

Orale Antibiotika

  • keine Fluorochinolon-Prophylaxe oder –Therapie in den letzten 7 Tagen

  • orale Therapie möglich

  • gute Compliance bei oraler Therapie erwartet

Ambulante Betreuung

  • medizinische Versorgung gewährleistet

  • Patient lebt nicht allein; Patient/Umfeld haben Telefon; Patient kann eine Klinik mit Erfahrung in der Betreuung neutropenischer Patienten innerhalb von 1 h erreichen

  • Patienten ist bei Bewusstsein, kennt und versteht die Risiken

Der gesamte Algorithmus des klinischen Managements von Hochrisiko-Patienten ist in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Diagnostik und Therapie bei Hochrisiko-Patienten mit febriler Neutropenie 
Diagnostik und Therapie bei Hochrisiko-Patienten mit febriler Neutropenie
1 zur Definition von Standardrisiko- und Hochrisiko-Patienten siehe Tabelle 12  ZVK – zentralvenöser Katheter3  z. B. Urinkultur, CT der Nasennebenhöhlen, Echokardiographie und/oder Virus PCR4  MDR – Multidrug resistant5  MRSA - Methicillin-resistant Staphylococcus aureus; VRE - Vancomycin-Resistant Enterococci; ESBL-E Extended Spectrum Beta-Lactamase-producing Enterobacteria, 6  Tachypnoe, Dyspnoe, Husten, pleuritische Symptome7  CT – Computertomographie

6.1.1Empirische antibakterielle Therapie

6.1.1.1Erstlinientherapie

Die empirische Erstlinientherapie richtet sich nach der Risiko-Stratifikation. Empfehlungen für Hochrisiko-Patienten sind in Tabelle 7, Empfehlungen für Standardrisiko-Patienten sind in Tabelle 8 aufgeführt.

Tabelle 7: Antibakterielle Arzneimittel für die empirische Erstlinientherapie bei Hochrisiko-Patienten1 

Empfehlungen

Empfehlungsgrad und Evidenz [2]

Bei Hochrisiko-Patienten sollen Gram-negative Enterobakterien, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus und Streptokokken erfasst werden.

A-I

Die Behandlung soll umgehend (innerhalb von 2 h) nach Beginn des Fiebers begonnen werden.

A-IIt

Eine orale Prophylaxe mit Fluorochinolonen soll nicht fortgeführt werden.

A-III

Geeignete Arzneimittel für die empirische Erstlinientherapie sind

  • Piperacillin/Tazobactam

  • Imipenem

  • Meropenem

  • Cefepim

  • Ceftazidim

A-I

Eine Alternative bei Hypersensitivität vom Soforttyp ist

  • Aztreonam

Wegen der fehlenden Aktivität gegen Gram-positive Bakterien kann eine Kombination mit Vancomycin oder Teicoplanin erwogen werden.

 

C-IIu

C-III

Es gibt keine Evidenz für die Überlegenheit von Kombinationstherapien gegenüber einer Monotherapie.

A-IIr

Eine Kombinationstherapie kann bei multiresistenten Bakterien indiziert sein.

A-IIr

Eine empirische Kombination mit Vancomycin oder Teicoplanin soll nicht eingesetzt werden.

Eine empirische Kombination mit Linezolid soll nicht eingesetzt werden.

Bei klinisch dokumentierter Infektion wie schwerer Mukositis, Haut- oder Weichteilinfektionen kann eine Kombination mit Vancomycin, Teicoplanin oder Linezolid erwogen werden.

D-IIr

D-III

C-III

 

1 zur Definition von Standardrisiko- und Hochrisiko-Patienten siehe Tabelle 1

Die Empfehlungen für die empirische Erstlinientherapie von Standardrisiko-Patienten in Tabelle 8 richten sich an Patienten mit einer voraussichtlichen Neutropenie ≤7 Tage, die typischerweise keine Prophylaxe mit Fluorochinolonen erhalten.

Tabelle 8: Antibakterielle Arzneimittel für die empirische Erstlinientherapie bei Standardrisiko-Patienten1 

Empfehlungen

Empfehlungsgrad und Evidenz [2]

Bei Standardrisiko-Patienten ohne Einschränkungen (siehe Tabelle 1) wird eine ambulante, orale Antibiotika-Therapie empfohlen.

A-I

Alternative ist eine stationäre Behandlung über 2 Tage, mit Wechsel zur ambulanten Betreuung bei Abklingen des Fiebers und Stabilisierung.

A-I

Geeignete Arzneimittel für die orale, empirische Erstlinientherapie sind

  • Amoxicillin/Clavulansäure, in Kombination mit Ciprofloxacin

  • Moxifloxacin

 

A-I

A-I

Alternativen bei bestätigter Penicillin-Allergie sind

  • Clindamycin in Kombination mit Ciprofloxacin

  • Cefuroxim in Kombination mit Ciprofloxacin

 

B-IIu

B-IIu

Geeignete Arzneimittel für die intravenöse, empirische Erstlinientherapie sind

  • Ceftazidim

  • Cefepim

  • Piperacillin/Tazobactam

 

A-I

A-I

A-I

Bei einer lokal erhöhten Rate multiresistenter Gram-negativer Bakterien kann eine Kombinationstherapie indiziert sein mit

  • Dritt- oder Viertlinien-Cephalosporin mit einem Aminoglykosid

 

 

A-I

Bei persistierender Neutropenie kann eine empirische Therapie beendet werden, aber nicht früher als 7 Tage nach stabiler Entfieberung (ohne Einsatz von Antipyretika).

C-III

Bei hämatopoetischer Erholung mit Neutrophilen >500/µl kann eine empirische antibakterielle Therapie 2 Tage nach stabiler Entfieberung beendet werden.

B-III

1 zur Definition von Standardrisiko- und Hochrisiko-Patienten siehe Tabelle 1
6.1.1.2Monitoring und Reevaluation

Entscheidend ist der klinische Verlauf. Empfehlungen für Monitoring und Reevaluation sind in Tabelle 9 zusammengefasst.

Tabelle 9: Monitoring, Reevaluation und Therapiewechsel nach empirischer Erstlinientherapie  

Untersuchung

Empfehlungsgrad und Evidenz [2]

Laborparameter wie Anstieg von CRP, Procalcitonin oder Interleukin-6 können bei der Identifikation von Patienten mit schwerem Verlauf helfen. Sie sollen nicht als alleinige Basis klinischer Entscheidungen dienen.

B-III

Nach ≥96 h persistierenden oder rezidivierenden Fiebers trotz angemessener antimikrobieller Therapie soll ein Mehrschicht-CT der Lunge durchgeführt werden, nach Möglichkeit innerhalb von 24 h.

A-IIu

 

Die Indikation zum Mehrschicht-CT ist unabhängig von Symptomen einer Atemwegserkrankung.

A-IIu

Weitere bildgebende Untersuchungen sollen in Abhängigkeit von klinischen Symptomen oder lokalen Infektionszeichen durchgeführt werden.

B-IIu

Blutkulturen aus peripheren Venen und zentralvenösen Kathetern sollten wiederholt werden.

B-IIu

Bei Identifikation kausaler Erreger soll von der empirischen zu einer gezielten Therapie gewechselt werden.

A-IIt

Bei persistierendem oder rezidivierendem Fieber ≥96 h kann ein Wechsel der empirischen Therapie erwogen werden. Ein genereller Wechsel der antimikrobiellen Therapie wird nicht empfohlen.

D-IIr

Ein Wechsel der antimikrobiellen Therapie wird empfohlen bei persistierendem Fieber in Kombination mit klinischer Verschlechterung, Instabilität oder Zeichen einer progredienten Infektion.

A-IIu

Bei schwerer Sepsis und/oder Hinweisen auf ein kritisches Organversagen ist eine Modifikation der antimikrobiellen Therapie zusammen mit intensiver supportiver Therapie erforderlich.

A-IIu

Beim Wechsel empirischer antimikrobieller Therapie ist die lokale Prävalenz von Keimen wie Vancomycin-resistenten Enterokokken, Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus, Beta-Laktamase-produzierenden Gram-negativen Bakterien und Piperacillin/Tazobactam-restenten Escherichia coli zu berücksichtigen.

A-IIt

Bei Standardrisiko-Patienten, die primär mit Cephalosporin + Aminoglykosid behandelt wurden, wird ein Wechsel empfohlen zu

  • Piperacillin/Tazobactam

  • Meropenem

  • Imipenem

A-IIt

6.1.2Empirische antimykotische Therapie

Empfehlungen zur antimykotischen Therapie sind in Tabelle 10 zusammengefasst.

Tabelle 10: Antimykotische Arzneimittel bei Hochrisiko-Patienten1 

Empfehlungen

Empfehlungsgrad und Evidenz [2]

Bei Standardrisiko-Patienten wird keine empirische antimykotische Therapie empfohlen.1

D-III

Bei Hochrisiko-Patienten ohne vorherige antimykotische Prophylaxe wird die Einleitung einer empirischen antimykotischen Therapie empfohlen, wenn das Fieber über >96 h persistiert oder rezidiviert trotz angemessener antibakterieller Therapie.1

A-I

Diese Empfehlung gilt auch für Patienten mit vorheriger Itraconazol-Therapie, bei denen keine ausreichenden Serum- oder Plasma-Spiegel erreicht wurden, und bei Patienten, die mit einem Schimmelpilz-unwirksamen Arzneimittel, z. B. Fluconazol, vorbehandelt wurden.

B-IIt

Evidenz und Empfehlungsgrad für die empirische antimykotische Therapie sind:

  • Amphotericin B, liposomal

A-I

  • Caspofungin

A-I

  • Itraconazol i.v.

C-I

  • Micafungin

C-I

  • Voriconazol

B-I

Nicht empfohlen werden:

  • Amphotericin B, Deoxycholat

D-I

  • Amphotericin B, kolloidale Dispersion

D-I

  • Amphotericil B, Lipidkomplex

D-I

Bei klinischer Verschlechterung unter oraler Prophylaxe mit Posaconazol oder Voriconazol wird ein Wechsel auf eine intravenöse, antimykotische Applikation empfohlen.

A-III

Bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Pilzinfektion mit einem Non-Aspergillus-Schimmelpilz wird eine Therapie mit liposomalem Amphotericin B empfohlen.

A-I

1 zur Definition von Standardrisiko- und Hochrisiko-Patienten siehe Tabelle 1

6.1.3Empirische antivirale Therapie

Empfehlungen zur empirischen antiviralen und zur supportiven Therapie sind in Tabelle 11 zusammengefasst.

Tabelle 11: Empirische antivirale Therapie 

Empfehlungen

Empfehlungsgrad und Evidenz [2]

Eine empirische antivirale Therapie wird bei Patienten ohne typische Symptome einer Virusinfektion nicht empfohlen.

D-III

6.1.4Supportive Therapie

Empfehlungen zur supportiven Therapie sind in Tabelle 12 zusammengefasst.

Tabelle 12: Supportive Therapie 

Empfehlungen

Empfehlungsgrad und Evidenz [2]

Die zusätzliche Gabe von Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF) wird in der Regel nicht empfohlen.

D-IIr

Die supportive Therapie mit polyklonalen Immunglobulinen wird nur ausgewählten Patienten mit nachgewiesenem Immunglobulinmangel empfohlen.

B-IIt

Zentralvenöse Katheter, die für die Versorgung nicht unverzichtbar sind, sollten entfernt werden. Bei persistierendem FUO ohne Nachweis eines Infektionsherdes können die empirische Entfernung oder ein Wechsel des ZVK gerechtfertigt sein.

C-III

7[Kapitel nicht relevant]

8[Kapitel nicht relevant]

9Literatur

  1. Heinz WJ, Buchheidt D, Christopeit M et al.: Diagnosis and empirical treatment of fever of unknown origin (FUO) in adult neutropenic patients: guidelines of the Infectious Diseases Working Party (AGIHO) of the German Societyof Hematology and Medical Oncology (DGHO) Ann Hematol 96:1775-1792, 2017. DOI:10.1007/s00277-017-3098-3

  2. Maschmeyer G et al.: Onkopedia, Infektionen in der Hämatologie und Onkologie, 2018;

  3. Klastersky J, Paesmans M, Rubenstein EB et al.: The Multinational Association for Supportive Care in Cancer risk index: a multinational scoring system for identifying low-risk febrile neutropenic cancer patients. J Clin Oncol 18: 3038–3051, 2000. DOI:10.1200/jco.2000.18.16.3038

10[Kapitel nicht relevant]

11[Kapitel nicht relevant]

12[Kapitel nicht relevant]

13[Kapitel nicht relevant]

14[Kapitel nicht relevant]

15Anschriften der Verfasser

PD Dr. med. Werner Heinz
Kliniken Nordoberpfalz AG
Klinikum Weiden
Med. Klinik I
Söllnerstr.16
92637 Weiden
Prof. Dr. med. Dieter Buchheidt
Klinikum Mannheim GmbH
Medizinische Fakultät Mannheim
III. Medizinische Klinik
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Tel: 0621 383-4110
Fax: 0621 383-4201
PD Dr. med. habil. Maximilian Christopeit
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Interdisziplinäre Klinik für Stammzelltransplantation
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Prof. Dr. med. Oliver A. Cornely
Uniklinik Köln, Klinik I für Innere Med.
Zentrum für Klinische Studien
Infektiologie-Hämatologie-Onkologie
Kerpener Str. 62
50937 Köln
Tel: 0221 478-85523
Fax: 0221 478-1421445
Prof. Dr. med. Hermann Einsele
Universitätsklinikum Würzburg
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Oberdürrbacher Str. 6
97080 Würzburg
Tel: 0931 201-40001
Fax: 0931 201-640001
Prof. Dr. med. Meinolf Karthaus
Klinikum Neuperlach
Klinik für Hämatologie und Onkologie
Oskar-Maria-Graf-Ring 51
81737 München
Tel: 089 6794-2651
Fax: 089 6794-2448
Prof. Dr. med. Marie von Lilienfeld-Toal
Universitätsklinikum Jena
Klinik für Innere Medizin II
Hämatologie und Intern. Onkologie
Am Klinikum 1
07747 Jena
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Fax: 03641 9-324202
Prof. Dr. med. Hartmut Link
Privatärztliche Praxis für
Hämatologie und Onkologie Kaiserslautern
Pfaffplatz 10a
67655 Kaiserslautern
Dr. med. Rolf Mahlberg
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Dr. med. Silke Neumann
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Intern. Onkologie und Hämatologie
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Prof. Dr. med. Helmut Ostermann
Klinikum der Universität München
Der Vorstand
Stabstelle Strategische Unternehmenssteuerung
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Fax: 089 7095-6039
PD Dr. med. Olaf Penack
Charité - Universitätsmedizin Berlin
CVK: Campus Virchow-Klinikum
CC 14: Tumormedizin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
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Paracelsus-Klinik Osnabrück
MVZ Hämatologie/Onkologie
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Tel: 0541 966-3049
Fax: 0541 966-3046
PD Dr. med. Michael Sandherr
Gemeinschaftspraxis
für Hämatologie und Onkologie mit Tagesklinik
Röntgenstr. 4/II
82362 Weilheim
Tel: 0881 4179430
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Städtisches Klinikum München
Klinikum Harlaching
Klinik für Hämatologie, Onkologie
und Palliativmedizin
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Johannesstift
Klinik für Innere Medizin, Hämatologie/Onkologie
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Tel: 0521 77275504
Fax: 0521 77275505
Prof. Dr. med. Georg Maschmeyer
Klinikum Ernst von Bergmann
Zentrum für Innere Medizin
Klinik für Hämatologie, Onkologie
und Palliativmedizin
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14467 Potsdam
Tel: 0331 2413-6004
Fax: 0331 2413-6005

16Erklärung zu möglichen Interessenkonflikten

nach den Regeln der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie und den Empfehlungen der AWMF (Version vom 23. April 2010) und internationalen Empfehlungen