ribbon-yellow
Loading
Inhaltsverzeichnis

Thromboembolien bei Tumorpatienten (früher: Venöse Thromboembolien (VTE) bei Tumorpatienten)Tumorpatienten

ICD-10 I82.8-
Stand März 2026
Diese Ansicht markiert die Änderungen zur Vorversion vom November 2020 | Zurück zur aktuellen Leitlinie

1ZusammenfassungDefinition und Basisinformationen

Thromboembolische Ereignisse, einschließlich der venösen Thromboembolie („venous thromboembolism“: VTE), gehören zu den häufigen Komplikationen bei Tumorpatienten und sind nach der tumorbedingten Sterblichkeit die zweithäufigste Todesursache. Die Inzidenz klinisch diagnostizierter Ereignisse liegt bei Tumorpatienten insgesamt 4 – 7-fach höher als bei Nichttumorpatienten.

Venöse und arterielle Thromboembolien gehören zu den häufigen prognosemitbestimmenden Komplikationen bei Tumorpatientinnen und -patienten (Pat.). Der Begriff venöse Thromboembolie (VTE) umfasst üblicherweise die akute tiefe Venenthrombose (TVT), einschließlich der Katheter-assoziierten Thrombose, und die Lungenembolie (LE). Die epifaszial lokalisierte, oberflächliche Venenthrombose (OVT) ist dabei ausgeschlossen. Sie wird hier gesondert kurz berücksichtigt.

Das individuelle Risiko ist abhängig von Art und Stadium der Grundkrankheit, Art und Intensität der kausalen Therapie, der supportiven Therapie, von prädisponierenden Faktoren und Komorbiditäten.

In Bezug auf Symptomatik sowie diagnostische, primärprophylaktische und therapeutische Maßnahmen unterscheiden sich Nichttumorpat. und Tumorpat. nur geringfügig. Im Weiteren wird jeweils zunächst kurz das Gemeinsame dargestellt und dies dann für Tumorpat. konkretisiert.

Venöse Thromboembolien sind bei Tumorpatienten ein prognostisch ungünstiges Zeichen, die Mortalität ist erhöht. Bei Personen mit VTE ohne erkennbare Risikofaktoren können sie das erste Symptom einer bisher nicht diagnostizierten malignen Grundkrankheit sein.

Verschiedene Organisationen haben in den letzten Jahren Empfehlungen zur Prophylaxe und Therapie der VTE allgemein und speziell bei Tumorpat. publiziert. Aktuellere Leitlinien [17] sind an den Anfang des Literaturverzeichnisses gestellt. Die hier gegebenen Empfehlungen basieren im Wesentlichen auf den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) [12], modifiziert aufgrund der aktuellen Studienlage und der Empfehlungen internationaler Gremien.

Antikoagulantien werden zur Therapie und zur Prophylaxe angewendetLeitlinien zu OVT bei Tumorpat. fehlen.

Aktuellere Übersichtsartikel zu den nachfolgenden Kapiteln sind, sofern verfügbar, jeweils im ersten Textblock angeführt.

2Definition und BasisinformationenVenöse Thromboembolien

Die venöse Thromboembolie („venous thromboembolism“: VTE) gehört zu den häufigen Komplikationen bei Tumorpatienten. Der Begriff VTE umfasst üblicherweise akute tiefe Venenthrombosen (Phlebothrombosen) einschl. der Katheter-induzierten Thrombosen und Lungenembolien; die oberflächliche, epifasziale Thrombophlebitis („superficial vein thrombosis“: SVT) ist dabei ausgeschlossen.

Verschiedene Organisationen haben in den letzten Jahren Empfehlungen zur Prophylaxe und Therapie der VTE allgemein und speziell bei Tumorpatienten publiziert. Aktuellere Leitlinien und Übersichtsartikel sind an den Anfang des Literaturverzeichnisses gestellt. Die hier gegebenen Empfehlungen basieren im Wesentlichen auf den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Fachgesellschaften (AWMF), modifiziert aufgrund der aktuellen Studienlage und den neueren Empfehlungen internationaler Gremien [1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16,17,18].

2.1[Kapitel nicht relevant]

2.2[Kapitel nicht relevant]

2.1[Kapitel nicht relevant]Tiefe Venenthrombose und Lungenembolie (VTE)

2.1.1Epidemiologie

Die venöse Thromboembolie (VTE) ist eine schwerwiegende Komplikation maligner Tumorerkrankungen [811]. Das relative VTE-Risiko bei Tumorpat. wird mit 4-7-fach aber auch 15-fach erhöht gegenüber Nichttumorpat. angegeben [1213] Hospitalisierte Tumorpat. haben ein venöses Thromboembolierisiko in der Höhe von 5–20% [14]. Thromboembolische Ereignisse im venösen Stromgebiet stellen neben der Tumorerkrankung selbst die zweithäufigste Todesursache dar und machen etwa 10% der klinischen Todesursachen aus [1516]. Bei bis zu 50% der im Krankenhaus verstorbenen Tumorpat. werden in der Autopsie venöse Thrombosen und/oder Lungenembolien nachgewiesen [1718]. Eine aktuelle Analyse von 23.796 Autopsien – 84% aller im Krankenhaus Verstorbener einer schwedischen Region – findet eine Prävalenz von 23% für LE, die Hälfte (10%) als fatale Ereignisse [19]. Pat. mit aktiven malignen Tumoren sind hinsichtlich VTE zweifellos der Hochrisikogruppe zuzuordnen [20]. Einer aktuellen dänischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie mit knapp 500.000 Krebspat. zufolge hat sich das VTE-Risiko von Krebspat. in den letzten zwei Jahrzehnten insgesamt verdreifacht und bei denjenigen unter Systemtherapie versechsfacht [14].

2.1.2Risikofaktoren

Meist liegen bei Tumorpat. zahlreiche tumorunabhängige und tumorassoziierte Faktoren vor, die mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer VTE assoziiert sind [2025]. Eine Auswahl wichtiger Parameter bei Tumorpat. ist in Tabelle 1 zusammengefasst.

Tabelle 1: Auswahl von Risikofaktoren für Thromboembolien bei Tumorpat.  

Patientenbezogene Faktoren / Prädisposition und Komorbidität

  • VTE in der Vorgeschichte

  • reduzierte Mobilität

  • hereditäre / erworbene Thrombophilie

  • internistische Komorbidität (Adipositas, Herzinsuffizienz, COPD, CED u. a.)

  • Infektionen

  • Medikation (Kortikosteroide, Östrogene, u. a.)

  • (hohes) Alter

Tumorbezogene Faktoren

  • Tumorart (relativ höchstes Risiko bei Primärtumoren von Pankreas, Magen, Gehirn, Lunge, Ovar, Lymphom, Niere)

  • Tumorstadium: fortgeschrittenes Stadium (Metastasierung)

  • Histologischer Zelltyp (Adenokarzinom > Plattenepithelkarzinom)

  • Histologische Zelldifferenzierung (G4 > G1)

  • Gefäßkompression

Behandlungsbezogene Faktoren

  • Operation

  • Gelenksübergreifende Ruhigstellung einer Extremität

  • Zentraler Venenzugang (peripherer > zentraler ZVK, Port)

  • Medikamentöse Tumortherapie

    • antihormonelle Therapie (z.B. Tamoxifen)

    • immunmodulatorische Therapie (z.B. Imide)

    • Immuntherapie (z.B. Checkpointinhibitoren)

    • antiangiogene Therapie (z.B. Bevacizumab)

  • Bestrahlung

  • Steroide

  • Transfusionen

  • Parenterale Ernährung

  • Erythropoese stimulierende Substanzen (ESA)

Risikoassoziierte Laborparameter

  • Hämoglobin < 10 g/dl

  • Leukozytose > 11 /nl

  • Thrombozytose > 350 /nl

  • CRP erhöht

  • D-Dimere erhöht

  • Faktor VIII erhöht

Die den Faktoren der Tabelle 1 zugrundeliegenden Studien sind methodisch sehr unterschiedlich in Bezug auf Patientenpopulation, Datenerhebung, Art der Auswertung und Nachbeobachtungszeit. Viele der Parameter sind voneinander nicht unabhängig. Als Einschlusskriterien für randomisierte Interventionsstudien zur primären VTE-Prophylaxe wurden früher vor allem Parameter wie Diagnose, Alter, Hospitalisation und/oder Art der Therapie, neuerdings prädiktive Risiko-Scores (vgl. Kapitel 5, Tabelle 9) gewählt.

2.2RisikofaktorenOberflächliche Venenthrombose (OVT)

Zahlreiche tumorunabhängige und tumorassoziierte Faktoren sind mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten venöser Thromboembolien assoziiert. Eine Auswahl wichtiger Parameter bei Tumorpatienten ist in Tabelle 1 zusammengefasst.

Tabelle 2: Risikofaktoren für venöse Thromboembolien bei Tumorpatienten 

Patientenbezogene Faktoren

  • Prädisposition und Komorbidität

  • hereditäre Thrombophilie

  • (hohes) Alter

  • VTE in der Vorgeschichte

  • internistische Komorbidität (Adipositas, Herzinsuffizienz, COPD u. a.)

  • reduzierte Mobilität

  • Infektionen

Tumorbezogene Faktoren

  • Tumorart: relativ höchstes Risiko bei Primärtumoren von Pankreas, Magen, Gehirn, Lunge, Ovar, Lymphom, Niere

  • Tumorstadium: fortgeschrittenes Stadium (Metastasierung)

  • Histologischer Tumorgrad

  • Tumorkompression

Behandlungsbezogene Faktoren

  • Operation

  • gelenksübergreifende Ruhigstellung einer Extremität

  • zentraler Venenzugang (ZVK, Port)

  • Chemotherapie

  • Bestrahlung

  • antihormonelle Therapie

  • immunmodulatorische Therapie

  • antiangiogene Therapie

  • Supportive Therapie

  • Transfusionen

  • Parenterale Ernährung

  • Erythropoese stimulierende Substanzen (ESA)

Risikoassoziierte Laborparameter

  • Hämoglobin < 10 g/dl

  • Leukozytose > 11 G/l (oder /nl)

  • Thrombozytose > 350 G/l (oder/nl)

  • CRP erhöht

  • D-Dimere erhöht

  • Faktor VIII erhöht

Die den Faktoren der Tabelle 1 zugrundeliegenden Studien sind methodisch sehr unterschiedlich in Bezug auf Patientenpopulation, Datenerhebung, Art der Auswertung und Nachbeobachtungszeit. Viele der Parameter sind voneinander nicht unabhängig. Als Einschlusskriterien für die randomisierten klinischen Studien zur Prophylaxe venöser Thromboembolien wurden bisher vor allem Parameter wie Diagnose, Alter, Hospitalisation und/oder Art der Therapie und neuerdings prädiktive Risikoscores [31,40] gewählt.

2.2.1Epidemiologie

Epidemiologische Daten zur OVT sind nur limitiert verfügbar. In der Allgemeinbevölkerung werden eine Prävalenz von 3–11 % und Inzidenzen mit 0,3 bis 6 Manifestationsfälle pro 1000 Patientenjahre angegeben [2627]. Diese sind damit ähnlich hoch wie diejenigen der VTE. Bei etwa 20 % der Fälle liegt zeitgleich eine VTE und in etwa 5 % eine Tumorerkrankung [26] [2831] vor. OVT bei Tumorpat. propagieren häufiger zu TVT [31] und sind prognostisch ungünstig [2930].

2.2.2Risikofaktoren

Die in Tabelle 1 aufgeführten VTE-Risikofaktoren gelten weitestgehend auch für die OVT, allerdings ist die zugrundeliegende Datenlage für die VTE deutlich fundierter als die für die OVT. Ein wesentlicher zusätzlicher Risikofaktor für das Auftreten einer OVT sind vorbestehende varikös veränderte Hautvenen, bzw. peripher eingebrachte Zugänge. Das Risiko eines Vorwachsens einer OVT ins tiefe Venensystem ist bei Tumorpat. etwa 3-mal höher als bei Nichttumorpat. [2831].

3Vorbeugung und FrüherkennungKlinisches Bild

3.1Tiefe Venenthrombose (TVT)

Die häufigste Manifestation venöser Thromboembolien sind Venenthrombosen der unteren Extremitäten und der Beckenvenen. Sie entstehen zunächst asymptomatisch (nicht-okkludierend), können zur symptomatischen TVT fortschreiten oder auch primär klinisch symptomatische Lungenembolien (vgl. unten) verursachen oder sich spontan zurückbilden. Entsprechend können Symptome fehlen, unspezifisch oder nur gering ausgeprägt sein, siehe Tabelle 2. Mit Ultraschall-Screening der Beinvenen bei Hochrisikotumorpat. lassen sich asymptomatische, sogenannte inzidentelle TVTs identifizieren. In einer randomisierten Phase III-Studie zur Primärprophylaxe von VTEs bei Krebspat. mit Khorana-Score ≥2 (vgl. unten) wurde bei 4,5 % der Pat. durch beidseitige Sonographie der Beinvenen eine bis dahin nicht vermutete TVT nachgewiesen [32]. Asymptomatische TVT können sich spontan rückbilden. Der Anteil mit Progression zur symptomatischen VTE ist variabel und nicht vorhersehbar. Screening-Untersuchungen der Beinvenen ohne klinisch begründeten TVT-Verdacht werden nicht empfohlen.

Tabelle 3: Symptome bei Venenthrombose der unteren Extremitäten (i.d.R. einseitig) 
  • Schmerzen, oft belastungsabhängig

  • Verstärkte, meist seitendifferente, oberflächliche Venenzeichnung

  • Bläulich livide Verfärbung

  • Schwellung von Knöchel, Unterschenkel und / oder des gesamten Beins

  • Druckschmerz im Bereich des Verlaufs der tiefen Venen

  • Phlegmasia coerulea dolens bei rasch progredienter Thrombosierung aller Venen mit Ödem und sekundärem Verlust der arteriellen Blutversorgung

Thrombosen der oberen Extremität, der Vena axillaris und Vena subclavia bzw. der Jugularvenen, machen nur 1–4 % aller tiefen Venenthrombosen aus [2]. Sie sind in mehr als zwei Drittel der Fälle sekundär bedingt, z. B. durch anatomie- bzw. tumorbedingte Stenosen oder durch einliegende Fremdkörper wie zentrale Venenkatheter [24]. Die klinische Symptomatik ist bestimmt von Schmerzen, verstärkter oberflächlicher Venenzeichnung, Schwellung und livider Verfärbung der betroffenen Extremität.

TVTs können auch in anderen Körperregionen entstehen. Prädilektionsstellen sind bei Tumoren des Gastrointestinaltraktes sowie des hepatobiliären Systems oder bei myeloproliferativen Neoplasien Venen des Splanchnikusgebietes wie die Pfortader sowie bei lokal fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom Nierenvenenthrombosen.

3.2Oberflächliche Venenthrombose (OVT)

Spontan auftretende Thrombosen der oberflächennahen epifaszialen Venen manifestieren sich bevorzugt an den unteren Extremitäten – bei Tumorpat. häufiger als bei Nichttumorpat. – und stellen einen Risikofaktor für TVT und LE dar [3031]. Klinisch stehen eine lokal strangartige Thrombosierung und schmerzhafte Entzündung der subkutanen Venen (Thrombophlebitis) im Vordergrund. Zudem kann bei Tumorerkrankungen die Thrombophlebitis an wechselnden Lokalisationen auftreten („Thrombophlebitis migrans“ = Trousseau-Zeichen). Sekundäre OVTs treten bevorzugt bei varikös veränderten Gefäßen der unteren Extremität und im Bereich der oberen Körperhälfte nach peripherer Anlage von ZVKs oder Venenverweilkanülen oder nach intravenöser Applikation venenwandreizender Medikamente auf.

3.3Lungenembolie (LE)

Tiefe Venenthrombosen unterschiedlicher Lokalisationen können zu einer Lungenembolie (LE) führen mit Ausnahme der Venen des Splanchnikusgebietes. Die überwiegende Anzahl von Lungenembolien ist asymptomatisch. Bei Tumorpat. werden diese oft im Rahmen von Untersuchungen zur Ausbreitungsdiagnostik (Staging) und Verlaufskontrolle aufgedeckt, und als inzidentelle LE bezeichnet. Die zunehmende Zahl und Qualität von CT-Untersuchungen mit konsekutiv gesteigerter Detektion inzidenteller LE könnte eine Erklärung – neben anderen – für die in den letzten Jahrzehnten zunehmende VTE-Rate bei Krebspat. darstellen [14]. Dabei findet sich dann anamnestisch und klinisch meist kein Hinweis auf eine ursächliche TVT.

Zeichen der symptomatischen LE sind in Tabelle 3 aufgelistet.

Tabelle 4: Symptome bei Lungenembolien 
  • Kollaps

  • Zyanose

  • Dyspnoe, Tachypnoe, oft belastungsabhängig

  • Tachykardie, Herzrhythmusstörungen

  • Husten

  • Hämoptysen

  • Stauung der Halsvenen

  • Akute einseitige Thoraxschmerzen, oft atemabhängig

4Klinisches BildDiagnose

4.1VenenthrombosenTiefe Venenthrombose und/oder Lungenembolie (VTE)

Die klinische Symptomatik ist oft unspezifisch, sodass die Einbeziehung einer VTE in die differentialdiagnostische Abklärung von Beschwerden großzügig erfolgen sollte. Bei Verdacht auf eine VTE ist die objektivierende Diagnostik unverzüglich einzuleiten. Dabei ist das Vorgehen bei Tumor- und Nichttumorpat. weitgehend identisch [2]. Bei Pat. mit sehr weit fortgeschrittenem Tumorleiden und/oder sehr reduziertem Allgemeinzustand ist ein individualisiertes, Symptomatik- und Prognoseberücksichtigendes Vorgehen zu empfehlen [33].

4.1.1Tiefe Bein- und Beckenvenenthrombose (TBVT)

Der zuverlässige Ausschluss einer TBVT aufgrund der klinischen Symptomatik und des körperlichen Untersuchungsbefundes gelingt nicht. Die Festlegung der klinischen Wahrscheinlichkeit erfolgt aufgrund der ärztlichen Erfahrung oder durch Anwendung eines Punkte-Scores aus anamnestischen Angaben und klinischen Befunden (als Beispiel siehe Tabelle 4) und bestimmt die weitere Diagnostik [2].

Tabelle 5: Wells-Score zur Ermittlung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer TBVT [34] 

Variable

Punkte

aktive Krebserkrankung

1

Lähmung oder kürzliche Immobilisierung der Beine

1

Bettruhe (> 3 Tage); große Chirurgie (< 12 Wochen)

1

Schmerz / Induration entlang der tiefen Venen

1

Schwellung gesamtes Bein

1

Schwellung des Unterschenkels > 3 cm gegenüber Gegenseite

1

eindrückbares Ödem am symptomatischen Bein

1

Kollateralvenen

1

frühere, dokumentierte TBVT1

1

alternative Diagnose mindestens ebenso wahrscheinlich wie tiefe Venenthrombose

-2

Klinische Wahrscheinlichkeit

Punkte

Hoch

≥ 2

nicht hoch

< 2

1TVT-Bein- oder Beckenvenenthrombose

Die empfohlenen Diagnose-Algorithmen der AWMF-Leitlinie [2] sind in Abbildung 1 und Abbildung 2 dargestellt. Dabei sollte bedacht werden, dass bei Kenntnis einer Tumorerkrankung und bei zusätzlichen möglicherweise auf eine TBVT hinweisenden Beschwerden die klinische Wahrscheinlichkeit meist bereits als hoch einzuordnen ist (Tabelle 4). Zudem weisen die meisten Pat. mit einer Tumorerkrankung D-Dimer-Werte oberhalb des altersadaptierten Referenzbereiches auf, auch wenn keine akute Thrombose vorhanden ist [35], so dass bei Malignompat. die D-Dimer-Bestimmung meist keinen zusätzlichen differentialdiagnostischen Aufschluss liefert. Als erster Schritt der Abklärung wird daher die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung empfohlen (Abbildung 2) [2].

Abbildung 1: Diagnostik bei Verdacht auf tiefe Venenthrombose [2], KUS: Kompressionsultraschall, dv-KUS: Duplexunterstütze vollständige Kompressionssonografie ohne primäre Schnittbildgebung 
Abbildung 2: Diagnostik bei Verdacht auf tiefe Venenthrombose [2], KUS: Kompressionsultraschall, dv-KUS: Duplexunterstütze vollständige Kompressionssonografie mit primärer Schnittbildgebung 

4.1.2Tiefe Venenthrombose anderer Lokalisation

Die D-Dimer-Bestimmung ist bei Nichttumorpat. ein sinnvoller Schritt der Abklärung einer VTE in anderer Lokalisation. Bei Tumorpat. ist sie nur sehr eingeschränkt aussagekräftig [35]. Daher sind bei Tumorpat. mit Verdacht auf TVT in anderer Lokalisation primär die adäquaten bildgebenden Verfahren heranzuziehen, z.B. Sonographie, CT oder MRT.

4.1.3Tiefe VenenthrombosenLungenembolie (LE)

Die häufigste Manifestation venöser Thromboembolien sind Venenthrombosen der unteren Extremitäten und der Beckenvenen. Die klinischen Symptome können unspezifisch oder nur gering ausgeprägt sein, siehe Bei klinischem Verdacht auf eine Lungenembolie (LE) ist die Diagnostik unverzüglich einzuleiten [2]. Die Möglichkeit des Vorliegens einer LE ist großzügig in eine Beschwerdeabklärung einzubeziehen. Validierte Scores für die Ermittlung der klinischen Wahrscheinlichkeit bei kreislaufstabilen Pat. sind in Tabelle 25 [36] und Tabelle 6 [3738] zusammengefasst.

Tabelle 6: Symptome bei VenenthromboseWells-Score zur Ermittlung der unteren Extremitäten klinischen Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie [36]  

Variable

Punkte

  • Schmerzen, oft belastungsabhängig

  • verstärkte oberflächliche Venenzeichnung

  • bläulich livide Verfärbung

  • Schwellung von Knöchel, Unterschenkel und / oder des gesamten Beins

  • Druckschmerz im Bereich des Verlaufs der tiefen Venen

  • Phlegmasia caerulea dolens bei rasch progredienter Thrombosierung aller Venen mit Ödem und sekundärer Beeinträchtigung der arteriellen Blutversorgung

Frühere Bein- oder Beckenvenenthrombose (TBVT1) oder LE2

1,5

frische Operation oder Immobilisation

1,5

Krebserkrankung

1

Hämoptyse

1

Herzfrequenz > 100 Schläge / Minute

1,5

Klinische Zeichen einer TVT1

3

Alternative Diagnose unwahrscheinlicher als LE2

3

Klinische Wahrscheinlichkeit (zweistufig)

Punkte

Niedrig

0-4

Hoch

> 4

1TBVT – Tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose; 2LE – Lungenembolie
Tabelle 7: Revidierter [37] und vereinfachter revidierter [38] Genfer Score zur Ermittlung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie 

Variable

Punkte (Original)

Punkte (vereinfacht)

Alter > 65 Jahre

1

1

Frühere Bein- oder Beckenvenenthrombose (TVT1) oder LE2

3

1

Operation oder Knochenfraktur innerhalb des letzten Monats

2

1

Aktive Krebserkrankung

2

1

Einseitiger Beinschmerz

1

1

Hämoptyse

2

1

Herzfrequenz 75-94 Schläge / Minute

3

1

Herzfrequenz ≥ 95 Schläge / Minute

5

1

Schmerz bei Palpation einer tiefen Beinvene, einseitiges Ödem

4

1

Klinische Wahrscheinlichkeit (zweistufig)

Punkte

Punkte

Niedrig

0-4

0-1

Hoch

≥ 5

≥ 2

Klinische Wahrscheinlichkeit (dreistufig)

Punkte

Niedrig

0-3

Mittel

4-10

Hoch

≥ 10

1TBVT – Tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose; 2LE – Lungenembolie

Thrombosen der oberen Extremitäten machen nur 1 – 4 % aller tiefen Venenthrombosen aus. Sie sind in mehr als zwei Drittel der Fälle sekundär bedingt, z. B. durch anatomie- bzw. tumorbedingte Stenosen oder durch zentrale Venenkatheter. Die klinische Symptomatik bei Thrombosen der Arm- und Schultervenen ist bestimmt von Schmerzen, verstärkter oberflächlicher Venenzeichnung, Verfärbung und Schwellung der betroffenen Extremität.

Der Leitlinien Algorithmus zum diagnostischen Vorgehen für kardiopulmonal instabile Pat. ist in Abbildung 3 dargestellt [2]. Besonders zu berücksichtigen sind bei Tumorpat. die Prognose und das individuelle Blutungsrisiko.

Abbildung 3: Definition von Kreislaufinstabilität bei Verdacht auf Lungenembolie (oben) und Diagnostik bei Verdacht auf LE bei instabilen Pat. unten aus [2] 
*Eine fehlende RH-Belastung kann lediglich das Vorliegen einer hämodynamisch relevanten LE ausschließen. Kleinere Embolien sind weiterhin möglich.
Abk.: CTPA – CT-Pulmonalisangiografie; LE – Lungenembolie; LUS Lungenultraschall; RH – Rechtsherz; VDUS – venöse Duplexsonografie

Aufgrund lokaler Gewebsveränderungen können tiefe Thrombosen bei Tumorpatienten auch in fast allen anderen Körperregionen entstehen. Weitere Prädilektionsstellen sind Vena cava inferior und superior, Vena subclavia und Venen des Splanchnikusgebietes wie die Pfortader (besonders bei Tumoren des Gastrointestinaltraktes und bei myeloproliferativen Neoplasien) sowie Nierenvenenthrombosen (besonders bei lokal fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom).

Der Algorithmus für stabile Pat. ist in Abbildung 4 dargestellt. Bei Tumorpat. ist der diagnostische Stellenwert der D-Dimer-Bestimmung gering [35], daher ist das Vorgehen wie für Pat. mit hoher Wahrscheinlichkeit, also mit primärer Schnittbildgebung, zu bevorzugen. Bei gesicherter LE-Diagnose ist – sofern nicht bereits durchgeführt – eine Ultraschalldiagnostik der Beinvenen zum Ausschluss / Nachweis einer TVT und damit Ausgangsdokumentation der Thrombuslast sinnvoll. Zur Beurteilung des LE-assoziierten Mortalitätsrisikos dienen Parameter des Kreislaufs (Blutdruck, Herzfrequenz) und der rechtskardialen Belastung (Echokardiographie, Troponin, BNP oder NT-proBNP) [239].

Abbildung 4: Diagnostik bei Verdacht auf Lungenembolie bei kreislaufstabilen Pat. [2]  
Abk.: CT – Computertomografie; EchoKG – Echokardiografie; LE – Lungenembolie; LUS – Lungenultraschall; RH – Rechtsherz; sPEPSI – simplified Pulmonary Embolism Severity Index; TVT – tiefe Venenthrombose; V/Q – Ventilations-Perfusion; VDUS – venöse Duplexsonografie; VTE – venöse Thromboembolie

4.1.4Thrombosen der subkutanen VenenOberflächliche Venenthrombose (OVT)

Spontan auftretende oberflächliche Venenthrombosen sind ähnlich häufig wie tiefe Venenthrombosen. Sie manifestieren sich bevorzugt an den unteren Extremitäten - bei Tumorpatienten häufiger als bei Nichttumorpatienten – und stellen einen Risikofaktor für tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien dar Die Diagnose einer oberflächlichen Venenthrombose (OVT) erschließt sich meist unmittelbar aus dem klinischen Aspekt und der Symptomatik. Die Sonographie kann hilfreich sein bei Adipositas, zur Festlegung des kranialen Thromboseendes (Gefahr des Vorwachsens in die tiefe Vene bei proximaler OVT der unteren Extremität), zur Bestimmung der Längenausdehnung (u.U. Verlaufskontrolle). Nicht selten – bei Tumorpat. gehäuft – liegen zeitgleich tiefe Beinvenenthrombosen ipsi- oder kontralateral vor, deren Vorhandensein oder Fehlen sonographisch abgeklärt werden sollte [22731]. Klinisch stehen eine lokal schmerzhafte Thrombosierung und Entzündung der subkutanen Venen im Vordergrund. Insbesondere bei Tumorerkrankungen kann die Phlebitis an wechselnden Lokalisationen auftreten („Thrombophlebitis migrans“ = Trousseau-Zeichen). Sekundäre Thrombophlebitiden treten bevorzugt bei varikös veränderten Gefäßen der unteren Extremität und im Bereich der oberen Extremität nach Venenverweilkanülen oder nach intravenöser Applikation venenwandreizender Medikamente auf..

4.2LungenembolieTumorsuche bei VTE oder OVT

Alle Thromboselokalisationen können zu einer Lungenembolie (LE) führen mit Ausnahme der Venen des Splanchnikusgebietes und der nicht ins tiefe Venensystem fortscheitenden oberflächlichen Thrombophlebitis. Die überwiegende Anzahl von Lungenembolien ist asymptomatisch. Bei Tumorpatienten werden diese oft im Rahmen von Stadienbeurteilungen und Kontrolluntersuchungen aufgedeckt, und als inzidentelle LE bezeichnet. Zeichen der symptomatischen Lungenembolie sind in Tabelle 3 aufgelistet.

Tabelle 8: Symptome bei Lungenembolien 
  • Kollaps

  • Dyspnoe, Tachypnoe, oft belastungsabhängig

  • akute einseitige Thoraxschmerzen, oft atemabhängig

  • Husten

  • Hämoptysen

  • Tachykardie, Herzrhythmusstörungen

  • Zyanose

  • Stauung der Halsvenen

4.2.1Tumorsuche bei VTE

Systematische Untersuchungen zeigen, dass bei Pat. mit akuter VTE in etwa einem Viertel ein vorbekanntes oder zeitgleich neudiagnostiziertes Malignom vorliegt [14,16,40-43]. Abhängig von Problembewusstsein und Umfang der Umfelddiagnostik zum VTE-Manifestationszeitpunkt beträgt das Risiko eines bis dahin nicht bekannten, nun im Kontext der VTE-Diagnostik neu nachgewiesenen Malignoms bis zu 15% [4446]. Neuere Auswertungen zeigen, dass in den ersten 12 Monaten nach der Index-VTE bei 4-9% der Pat. mit VTE ohne erkennbare auslösende Ursache („spontane“ oder „idiopathische“ VTE) zusätzliche Tumorerkrankungen entdeckt werden [44]. In einer aktuellen Untersuchung lag die Rate neu diagnostizierter Malignome in den ersten 2 Jahren nach einem spontanen VTE-Ereignis bei 8,5% und bei risiko-assoziierter VTE bei 4,8% [47]. Dieses Risiko ist bei Pat. jenseits des 50. Lebensjahres im Vergleich zu jüngeren Pat. erhöht (6,8% versus 1,0%).

Bei sachgerechter Durchführung einer Tumorsuche zeitnah nach dem VTE-Ereignis werden deutlich mehr dieser Malignome in einem lokalen bzw. lokoregionären Stadium mit potenziell kurativer Behandlungsmöglichkeit entdeckt [45], als wenn eine Tumordiagnostik erst nach Auftreten weiterer hinweisender klinischer Symptome durchgeführt wird. Da prospektiv randomisierte, verblindete Studien zur Durchführung bzw. zum Unterlassen einer „weitergehenden“ Tumorsuche bei VTE aus ethischen und Aufklärungsgründen problematisch sind, bleibt für Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen der Wert einer Tumorsuche und ihrer Intensität bei Pat. zum Zeitpunkt des Auftretens der VTE offen [4446]. Etabliert hat sich die Empfehlung, in dieser Situation ein Tumorscreening anhand der alters- und geschlechtsspezifischen Früherkennungsmaßnahmen durchzuführen. Prospektiv randomisierte Studien zum Wert einer über diese „limitierte Tumorsuche“ hinausgehenden, „intensivierten“ Tumorsuche mittels zusätzlicher Abdomen- und Becken-CT-Untersuchung bei 854 Pat. mit spontaner VTE [47]. bzw. mit oder ohne PET-CT bei 399 randomisierten Pat. [48] ergaben einen numerischen Zusatznutzen. Die Rate „okkulter“ Malignome nach „limitierter“ bzw. „intensivierter“ Diagnostik bei spontaner VTE war in diesen neueren Untersuchungen mit unter 5% niedriger als in älteren Auswertungen, bei denen in aller Regel keine durch das Indexereignis getriggerte Aktualisierung von Krebsvorsorgeuntersuchungen durchgeführt wurden. Risiko-Scores um VTE-Pat. mit zugrundeliegendem okkulten Malignom zu identifizieren sind nicht ausreichend differenzierend [49].

Nach zielgerichteter Anamneseerhebung; Basislabor (Blutbild mit maschineller Differenzierung, Na, K, Ca, CRP, ALT/AST; LDH, AP, Urinstatus) und der Suche nach klinischen Hinweisen auf eine zugrunde liegende Tumorerkrankung werden daher Untersuchungen empfohlen, deren Wert in der Krebsfrüherkennung bei Pat. ohne Thrombose anerkannt sind, siehe Tabelle 7.

Tabelle 9: Diagnostik bei venösen Thromboembolien unklarer Genese  
  • Sorgfältige Anamneseerhebung

  • Komplette körperliche Untersuchung

  • Test auf okkultes Blut im Stuhl bei Personen ≥ 50 Jahre (Onkopedia Kolonkarzinom)

  • Koloskopie bei ≥ 50 bzw. ≥ 55 Jahre, falls nicht innerhalb der letzten 5 Jahre ohne Befund durchgeführt* (Onkopedia Kolonkarzinom)

  • Mammographie bei Frauen ≥ 50 Jahre, falls nicht innerhalb der letzten 12 Monate durchgeführt* (Onkopedia Mammakarzinom)

  • Vaginale Untersuchung mit Sonographie bei nicht hysterektomierten und / oder nicht adnektomierten Patientinnen*

  • Rektale Untersuchung und PSA-Bestimmung bei Männern* (Onkopedia Prostatakarzinom)

  • Gezielte, weiterführende Diagnostik bei symptomatischen Pat. oder Risikokollektiven (z. B. Lungen-CT bei Rauchern, Onkopedia Lungenkarzinom)

*bzw. soweit nicht aufgrund der Eigen- oder Familienanamnese in früherem Lebensalter indiziert.

4.2.2Tumorsuche bei OVT

Während der Zusammenhang zwischen VTE und Tumorerkrankung zunehmend wahrgenommen wurde und Aufmerksamkeit bei der klinischen Betreuung von VTE-Pat. findet, ist der sehr ähnliche Zusammenhang zwischen OVT und malignen Erkrankungen weniger vergegenwärtigt. Insbesondere bei OVT in nicht-varikösen Venen, bilateraler Manifestation und begleitender TVT liegt ein vorbekanntes, neu entdecktes oder okkultes Malignom in 10–20% der Fälle vor [28,50-52]. Die limitierten Daten zur Inzidenz neuer Malignome nach der Index-OVT ergeben kein klares Bild. Analog zum Vorgehen nach VTE wird eine ähnlich limitierte Abklärung auf zugrundeliegende Malignome angeregt.

5DiagnoseVTE-Prophylaxe

5.1Klinischer Verdacht auf VTEHintergrund

Bei Verdacht auf eine VTE ist die objektivierende Diagnostik unverzüglich einzuleiten. Eine Ausnahme können Patienten mit sehr weit fortgeschrittenem Tumorleiden und / oder schlechtem Allgemeinzustand sein, wenn die Diagnose einer VTE nicht therapierelevant ist. In dieser Situation ist ein individualisiertes Vorgehen nötig.

Die Empfehlungen orientieren sich an den AWMF-Leitlinien zur Prophylaxe venöser Thromboembolien [1] sowie an den Ergebnissen aktueller Studien.

Bei der Beurteilung sind folgende Aspekte zu berücksichtigen: Bei Studien zur VTE-Prophylaxe werden in der Regel als Wirksamkeitsendpunkt symptomatische und asymptomatische Ereignisse, die durch Screening-Untersuchungen, z.B. mittels Phlebographie oder Sonographie, detektiert wurden, zusammen ermittelt und ausgewertet. Pat. mit asymptomatischer TVT wurden im Weiteren therapeutisch antikoaguliert und somit das Fortschreiten zur symptomatischen TVT weitgehend verhindert. Die nachträgliche Auswertung dieser Studien mit ausschließlichem Fokus auf symptomatische Ereignisse unterschätzt die Effektivität von VTE-Prophylaxe-Maßnahmen.

Die bei Prophylaxe- und Therapiestudien als Sicherheitsendpunkt erfassten Häufigkeiten schwerer Blutungen sind bei Tumor- und Nichttumorpat. unterschiedlich zu bewerten. Das Blutungsrisiko ist bei Krebspat. auch ohne Antikoagulation erhöht. Es werden Inzidenzen für schwere Blutungen ohne Antikoagulation von 1% bis 7% berichtet [5354]. Die zugrundeliegende Blutungskategorisierung gemäß der ISTH beruht im Wesentlichen auf dem Abfall des Hämoglobinwertes um ≥2 g/dl oder der Transfusion von ≥2 Erythrozytenkonzentraten [55], zwei Kriterien, die auch ohne erkennbare oder Antithrombotika-assoziierte Blutung bei Tumorpat., insbesondere bei hämatologischen Neoplasien oder unter zytoreduktiver Therapie, positiv werden können. Im Vergleich zu Nichttumorpat. ist somit von einem systematischen Upgrading berichteter Blutungsereignisse auszugehen.

Während im stationären nicht-chirurgischem Bereich spezifische Studien zur VTE-Prophylaxe bei Tumorpat. fehlen, gibt es eine Reihe von prospektiv randomisierten Studien (RCTs) bei ambulanten Tumorpat. (vgl. Kapitel 5.3.2.3). Die Einschlusskriterien differieren. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Definition von Pat. mit „aktiver Krebserkrankung“. Die verwendeten Definitionen schließen zum Teil Pat. mit anamnestischer Krebserkrankung ein. Regelhaft wurden Pat. mit Tumordiagnose oder -behandlung in den letzten 6 Monaten sowie auch Pat. mit hämatologischen Neoplasien, die nicht in kompletter Remission sind, in diese Studien eingebracht. Beispielsweise wird eine VTE kurz nach Resektion eines T1N0M0-Tumors zur „cancer-associated thrombosis (CAT)“, eine Situation, die auch als postoperative VTE eingeordnet werden könnte.

Im Weiteren bezieht sich der Begriff „aktive Tumorerkrankung“ auf Pat. mit aktuell nachweisbarer Tumorerkrankung und/oder -behandlung.

5.1.1Venenthrombose der unteren Extremitäten und der Beckenvenen

Das diagnostische Vorgehen bei Tumorpatienten entspricht weitestgehend dem Vorgehen bei Nichttumorpatienten. Die klinische Symptomatik ist oft so unspezifisch, dass eine Diagnosestellung nur aufgrund der klinischen Symptomatik und des körperlichen Untersuchungsbefundes nicht ausreichend ist. Die Festlegung der klinischen Wahrscheinlichkeit erfolgt aufgrund der ärztlichen Erfahrung oder durch Anwendung eines Punktescores aus anamnestischen Angaben und klinischen Befunden, als Beispiel siehe Tabelle 4.

Tabelle 10: Score zur Ermittlung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Venenthrombose [56] 

Variable

Punkte

aktive Krebserkrankung

1

Lähmung oder kürzliche Immobilisierung der Beine

1

Bettruhe (> 3 Tage); große Chirurgie (< 12 Wochen)

1

Schmerz / Induration entlang der tiefen Venen

1

Schwellung gesamtes Bein

1

Schwellung des Unterschenkels > 3 cm gegenüber Gegenseite

1

eindrückbares Ödem am symptomatischen Bein

1

Kollateralvenen

1

frühere, dokumentierte TVT1

1

alternative Diagnose mindestens ebenso wahrscheinlich wie tiefe Venenthrombose

-2

Klinische Wahrscheinlichkeit

Punkte

Hoch

≥ 2

nicht hoch

< 2

1TVT-Bein- oder Beckenvenenthrombose

Der Leitlinien-empfohlene Diagnose-Algorithmus ist in Abbildung 1 dargestellt. Allerdings muss bedacht werden, dass bei Kenntnis einer Tumorerkrankung und zusätzlichen möglicherweise auf eine Venenthrombose hinweisenden Beschwerden meist bereits die klinische Wahrscheinlichkeit als hoch einzuordnen ist. Zudem weisen die meisten Patienten mit einer Tumorerkrankung D-Dimer-Werte oberhalb des altersadaptierten Referenzbereichs auf, auch wenn keine akute Thrombose vorhanden ist [36], so dass bei Malignompatienten als erster Schritt der Abklärung eine Ultraschalluntersuchung empfohlen wird [1,2].

Abbildung 5: Diagnostik bei klinischem Verdacht auf Venenthrombose [2] 

5.1.2Lungenembolie

Bei klinischem Verdacht auf eine Lungenembolie ist die Diagnostik unverzüglich einzuleiten. Auch sie wird weitgehend analog zum Vorgehen bei Nichttumorpatienten durchgeführt. Zwei validierte Scores für die Ermittlung der klinischen Wahrscheinlichkeit bei kreislaufstabilen Patienten sind in Tabelle 5 [57] und Tabelle 6 [33,36] zusammengefasst.

Tabelle 11: Wells Score zur Ermittlung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie [57] 

Variable

Punkte

frühere Bein- oder Beckenvenenthrombose (TVT1) oder LE2

1,5

frische Operation oder Immobilisation

1,5

Krebserkrankung

1

Hämoptyse

1

Herzfrequenz > 100 Schläge / Minute

1,5

klinische Zeichen einer TVT1

3

alternative Diagnose unwahrscheinlicher als LE2

3

Klinische Wahrscheinlichkeit (zweistufig)

Punkte

niedrig

0-4

Hoch

> 4

1TVT-Bein- oder Beckenvenenthrombose; 2LE-Lungenembolie
Tabelle 12: Revidierter [36] und vereinfachter revidierter [33] Genfer Score zur Ermittlung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie  

Variable

Punkte (Original)

Punkte (vereinfacht)

Alter > 65 Jahre

1

1

frühere Bein- oder Beckenvenenthrombose (TVT1) oder LE2

3

1

Operation oder Knochenfraktur innerhalb des letzten Monats

2

1

aktive Krebserkrankung

2

1

einseitiger Beinschmerz

1

1

Hämoptyse

2

1

Herzfrequenz 75-94 Schläge / Minute

3

1

≥ 95 Schläge / Minute

5

1

Schmerz bei Palpation einer tiefen Beinvene, einseitiges Ödem

4

1

Klinische Wahrscheinlichkeit (zweistufig)

Punkte

Punkte

Niedrig

0-4

0-1

Hoch

≥ 5

≥ 2

Klinische Wahrscheinlichkeit (dreistufig)

Punkte

Niedrig

0-3

Mittel

4-10

Hoch

≥ 10

1TVT-Bein- oder Beckenvenenthrombose; 2LE-Lungenembolie

Der Algorithmus zum diagnostischen Vorgehen für kardiopulmonal instabile Patienten ist in Abbildung 2 dargestellt. Besonders zu berücksichtigen sind bei Tumorpatienten die Prognose und das individuelle Blutungsrisiko. Der Algorithmus für stabile Patienten ist in Abbildung 3 dargestellt. Zur weiteren Beurteilung dienen Parameter des Kreislaufs (RR, Herzfrequenz) und der rechtskardialen Belastung (Echokardiographie, Troponin, BNP oder NT-proBNP).

Abbildung 6: Diagnostik bei Verdacht auf Lungenembolie mit hohem klinischem Risiko (instabiler Patient) [2] 
Abbildung 7: Diagnostik bei Verdacht auf Lungenembolie ohne hohes klinisches Risiko (stabiler Patient) [2] 
*Bei Tumorpatienten ist der diagnostische Stellenwert der D-Dimer-Bestimmung gering. Es wird daher empfohlen, bei Tumorpatienten primär ein bildgebendes Diagnostikverfahren einzusetzen.

5.1.3Andere Lokalisationen

Die D-Dimer-Bestimmung ist nur für die tiefe Venenthrombose der unteren Extremität und die Lungenembolie ausreichend validiert und bei Tumorpatienten nur sehr eingeschränkt aussagekräftig. Daher sind bei Verdacht auf eine andere Lokalisation ebenfalls primär die adäquaten bildgebenden Verfahren heranzuziehen, z. B. Sonographie, CT, MRT oder Phlebographie.

5.1.4Oberflächliche Venenthrombosen

Die Diagnose einer oberflächlichen Venenthrombose erschließt sich meist unmittelbar aus dem klinischen Aspekt und der Symptomatik. Die Sonographie ist mitunter hilfreich bei starker Adipositas. Bei proximaler SVT der unteren Extremität hilft sie zur Festlegung des cranialen Thromboseendes (Gefahr des Vorwachsens in die tiefe Vene); zudem liegt nicht selten zeitgleich eine tiefe Beinvenenthrombose ipsi- oder kontralateral vor, deren Vorhandensein oder Fehlen sonographisch abgeklärt werden sollte [2,27,28].

5.2Tumorsuche bei venösen Thromboembolien unklarer GeneseEvaluation von VTE- und Blutungsrisiken

In älteren Untersuchungen wurde bei bis zu 10 – 15 % der Patienten mit neu aufgetretener VTE ohne erkennbare Ursache innerhalb der folgenden 12 Monate ein Malignom diagnostiziert, bei der Mehrzahl dieser Patienten innerhalb von 4 – 6 Monaten nach klinischer Manifestation der VTE Das VTE-Risiko von Pat. ist von vielen dispositionellen und expositionellen Faktoren (Tabelle 1) abhängig. Neben die bisherige Praxis der klinischen Einschätzung des individuellen VTE-Risikos tritt zunehmend die Anwendung von „Risk-Assessment-models (RAM)“, validierten Modellen zur Abschätzung des VTE-Risikos, die für unterschiedliche Patientenkollektive evaluiert wurden, beispielsweise der CAPRINI-Score für chirurgische Pat. oder der IMPROVE-VTE-Score bei internistischen Pat.. Bei Tumorpat. variiert das Risiko unter anderem je nach Entität, Stadium, Zelltyp und Art der Therapie (Tabelle 1). Speziell für Malignompat. wurden verschiedene Scores entwickelt, die einfach verfügbare Parameter verwenden und unterschiedlich umfangreich extern evaluiert wurden: Während der Khorana-Score [56]. (Tabelle 8) und der EHR-CAT-Score [57] (Tabelle 8) auf Tumorentität und klinisch / anamnestischen Parametern beruhen, basiert der CATS-Score [58] auf Tumorentität und D-Dimer-Wert.

Bei Durchführung einer sachgerechten Tumorsuche werden deutlich mehr dieser Malignome in einem lokalen bzw. lokoregionären Stadium mit potentiell kurativer Behandlungsmöglichkeit entdeckt, als wenn eine Tumordiagnostik erst nach Auftreten weiterer hinweisender klinischer Symptome durchgeführt wird. Da prospektiv randomisierte, verblindete Studien zur Durchführung bzw. zum Unterlassen einer weitergehenden Tumorsuche bei idiopathischer VTE problematisch sind, bleibt der Wert einer Tumorsuche und ihrer Intensität bei diesen Patienten zum Zeitpunkt des Auftretens des thromboembolischen Ereignisses für die Lebenserwartung der betroffenen Patienten offen Vor der Anwendung von Antithrombotika zur VTE-Prophylaxe ist auch das individuelle Blutungsrisiko zu evaluieren und zu berücksichtigen. Auch hier können RAMs bei der Risikoevaluation unterstützen, z.B. der IMPROVE-Blutungs-Score [59]. Eine prospektiv randomisierte Studie . Zu beachten ist, dass bei Scores, die nicht spezifisch für Tumorpat. entwickelt wurden, das Vorliegen einer Krebserkrankung häufig als unabhängiger Prädiktor für Blutungen gilt. Dadurch werden onkologische Pat. oft pauschal der Hochrisikogruppe zugeordnet, was eine differenzierte Risikostratifizierung erschwert. Ein spezifischer RAM für Tumorpat. mit Antikoagulationstherapie wegen VTE wurde kürzlich entwickelt [60] untersuchte den Wert einer über eine routinemäßige Abklärung unter Berücksichtigung der geschlechts- und alters-spezifischen Früherkennungsmaßnahmen („limitierte Tumorsuche“) hinausgehenden „intensivierten“ Tumorsuche mittels zusätzlicher Abdomen- und Becken-CT-Untersuchung bei 854 Patienten mit idiopathischer VTE. Statistisch signifikante Unterschiede in der Anzahl der bei beiden Strategien zeitnah und im Weiteren diagnostizierten Malignomen, und der Malignom-assoziierten Sterblichkeit ergaben sich nicht. Insgesamt war die Rate „okkulter“ Malignome nach „limitierter“ bzw. „intensivierter“ Diagnostik bei idiopathischer VTE – wie auch in aktuelleren Auswertungen mit unter 5 % – mit 3,9 % niedriger als in älteren Auswertungen, bei denen in aller Regel keine Aktualisierung von Krebsvorsorgeuntersuchungen durchgeführt wurde., dessen Evaluation zur Abschätzung des Blutungsrisikos bei primärer medikamentöser VTE-Prophylaxe von Tumorpat. steht aber aus. Bei Malignompat. sind insbesondere erhöhte Blutungsrisiken bei Tumormanifestationen im Gastrointestinal-, Bronchial- oder Urogenital-Bereich, Thrombozytenzahl, Medikamenteneinnahme mit plättchenhemmender Wirkung sowie Nieren- und Leberfunktionseinschränkungen in Betracht zu ziehen [54].

Nach Abklärung der Anamnese und der Suche nach klinischen Hinweisen auf eine zugrunde liegende Tumorerkrankung werden Untersuchungen empfohlen, deren Wert in der Früherkennung bei Patienten ohne Thrombose anerkannt sind, siehe Tabelle 7.

Tabelle 13: Diagnostik bei venösen Thromboembolien unklarer Genese 
  • sorgfältige Anamneseerhebung

  • komplette körperliche Untersuchung

  • Test auf okkultes Blut im Stuhl bei Personen ≥ 50 Jahre (Onkopedia Kolonkarzinom)

  • Koloskopie bei ≥ 50 bzw. ≥ 55 Jahre, falls nicht innerhalb der letzten 5 Jahre ohne Befund durchgeführt* (Onkopedia Kolonkarzinom)

  • Mammographie bei Frauen ≥ 50 Jahre, falls nicht innerhalb der letzten 12 Monate durchgeführt* (Onkopedia Mammakarzinom)

  • vaginale Untersuchung bei nicht-hysterektomierten und / oder -adnektomierten Patientinnen

  • rektale Untersuchung und PSA Bestimmung bei Männern* (Onkopedia Prostatakarzinom)

  • gezielte, weiterführende Diagnostik bei symptomatischen Patienten oder Risikokollektiven (z. B. Lungen-CT bei Rauchern, Onkopedia Lungenkarzinom)

*bzw soweit nicht aufgrund der Eigen- oder Familienanamnese indiziert.

5.3Primärprophylaktische Maßnahmen

Die primäre VTE-Prophylaxe ist wirksam [1]. Gegen den Nutzen sind mögliche Nebenwirkungen, die Belastungen für den individuellen Pat. sowie die Kosten abzuwägen. Ein mögliches Vorgehen ist in den Abbildung 5 und 6 dargestellt

5.3.1Basismaßnahmen und physikalische Maßnahmen

Unter Basismaßnahmen fasst man Frühmobilisation, Bewegungsübungen, Anleitung zu Eigenübungen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zusammen, deren Anwendung das VTE-Risiko reduziert.

Physikalische Maßnahmen erhöhen nicht das Blutungsrisiko. In Form von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS) und der wirksameren intermittierenden pneumatischen Kompression (IPK) wurde die VTE-prophylaktische Effektivität u.a. perioperativ und bei neurologischen Pat. nachgewiesen. Ihre Anwendung ist bei Hautveränderungen im Anwendungsbereich und bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit limitiert. Sie kommen in den oben genannten Bereichen vorrangig bei Pat. mit Kontraindikationen für eine medikamentöse VTE-Prophylaxe, in Einzelfällen auch wirksamkeitsverstärkend zusammen mit medikamentösen Maßnahmen zur Anwendung [1]. Bei internistischen oder konservativ behandelten onkologischen Pat. fehlen spezifische Studien. Die Anwendung kann in Übertragung der Evidenzen aus den oben genannten Bereichen erfolgen.

Abbildung 8: Primäre VTE-Prophylaxe  
1Medikamentöse VTE-Prophylaxe: Fondaparinux, NMH, UFH; DXI, ASS (nach Indikation und Zulassung)

5.3.2Medikamentöse VTE-Prophylaxe

Zur medikamentösen VTE-Prophylaxe sind verschiedene Antikoagulanzien effektiv [1]. Niedermolekulare Heparine (NMH) und Fondaparinux (FPX) zur subkutanen Anwendung besitzen breite Zulassungen. Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) sind für die VTE-Prophylaxe gut untersucht und in Deutschland zurzeit (Stand 03/2026) nur bei elektiver Knie- und Hüftgelenksersatzchirurgie zugelassen. Im orthopädisch-unfallchirurgischen Bereich wurde auch für Acetylsalicylsäure (ASS) eine Wirksamkeit zur VTE-Prophylaxe nachgewiesen. Unfraktioniertes Heparin (UFH) muss mehrmals täglich subkutan oder kontinuierlich intravenös verabreicht werden und ist im Vergleich zu NMH mit einem etwa 10-mal höheren Risiko für eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) verbunden. UFH kann aufgrund der kurzen Halbwertzeit und des fehlenden Kumulationsrisikos bei Niereninsuffizienz in bestimmten Situationen (z.B. intensivmedizinische Pat. mit hohem Blutungsrisiko oder Pat. mit schwerer Nierenfunktionseinschränkung) in Betracht kommen.

5.3.2.1Peri- und postoperativ

Als Indikationen im chirurgischen Bereich werden – beim Fehlen relevanter dispositioneller VTE-Risikofaktoren – alle Eingriffe (Laparotomie, Laparoskopie, Thorakotomie, o.ä.) mit einer voraussichtlichen Dauer von ≥ 30 Minuten angesehen. Die Prophylaxe soll zeitnah zur Risikosituation, bei elektiven Eingriffen postoperativ, begonnen werden und zumindest für die Dauer des stationären Aufenthaltes fortgeführt werden. Bei fortbestehend erhöhtem VTE-Risiko wird die poststationäre Weiterführung empfohlen [1], z.B. regelhaft bei Hüftgelenksersatzoperationen oder größeren tumorchirurgischen Eingriffen im Abdomen oder Becken.

5.3.2.2Stationäre internistische Pat.

Hospitalisierte internistische Pat. mit akuten Erkrankungen haben ein erhöhtes VTE-Risiko. Beim Fehlen von Kontraindikationen senken UFH, NMH und FPX in Hochrisikoprophylaxedosierung das VTE-Risiko auf etwa die Hälfte ohne kritische Steigerung des Blutungsrisikos [1]. Der Anteil von Tumorpat. in diesen Studien lag bei 5–15%. Die medikamentöse Prophylaxe wird zumindest für die Zeit des stationären Aufenthaltes empfohlen [16162]. Bei Tumorpat. mit niedrigem VTE-Risiko (vergleiche Kapitel 5.3.2.3), z.B. wenn die stationäre Aufnahme für diagnostische oder therapeutische Maßnahmen erfolgt, kann auf eine medikamentöse VTE-Prophylaxe verzichtet werden.

Bei klinisch kranken, stationären Tumorpat. und poststationär bei fortbestehend mittlerem bis hohem VTE-Risiko (vgl. Tabelle 8) sollte eine medikamentöse VTE-Prophylaxe – analog zu ambulanten Tumorpat. (vgl. Kapitel 5.3.2.3) – erfolgen.

Für akut kranke, nicht hospitalisierte Pat. mit eingeschränkter Mobilität in häuslicher oder stationär-pflegerischer Versorgung soll in Übertragung der Studien bei hospitalisierten Pat. über eine medikamentöse VTE-Prophylaxe in Abhängigkeit von weiteren Risikofaktoren und der Patientenprognose individuell entschieden werden.

5.3.2.3Ambulante Tumorpat.
5.3.2.3.1Patientenaufklärung und Evaluation des VTE-Risikos

Das VTE-Risiko von Pat. mit aktiver Tumorerkrankung ist generell hoch. Tumorpat. sollten daher bei Diagnose einer – insbesondere fortgeschrittenen – Tumorerkrankung über das damit einhergehende erhöhte VTE-Risiko und die hinweisenden klinischen Zeichen einer VTE aufgeklärt werden.

Das individuelle VTE-Risiko bei Tumorpat., die sich einer medikamentösen Tumortherapie unterziehen, wird durch eine Reihe von unterschiedlichen Faktoren moduliert (Tabelle 1). In Anbetracht der Vielzahl von Faktoren, die zum Teil unabhängig voneinander das VTE-Risiko bestimmen, wird verständlich, dass RAMs für Tumorpat. mit limitierter Anzahl von Parametern das VTE-Risiko nicht umfassend abbilden können. Extern wurden unter anderen der Khorana-Score [56], der EHR-CAT-Score [57] und der neue Wiener CATS-Score [58] validiert und miteinander verglichen [6367]. Das individuelle VTE-Risiko ermittelt der CATS-Score Nomogram-basiert aus Tumorart - analog zu Khorana- und EHR-CAT-Scores - und dem D-Dimer-Wert (https://catscore.shinyapps.io/catscore). Beim EHR-CAT-Score werden zusätzlich zu den Faktoren des Khorana-Score weitere anamnestische und klinische Faktoren berücksichtigt (Tabelle 8). In mehreren vergleichenden externen Evaluationen mit großen Tumorpat.-Kollektiven werden für den EHR-CAT-Score im Vergleich zum Khorana-Score bessere Risikodifferenzierungen berichtet [6468].

Bei RCTs zur primären, risikoadaptierten medikamentösen VTE-Prophylaxe bei ambulanten Tumorpat. wurde bisher nur der Khorana-Score ≥ 3 bzw. ≥ 2 zur Indikationsstellung verwendet. Bei seiner Anwendung im klinischen Alltag sollten wichtige weitere Faktoren (z.B. anamnestische VTE, eingeschränkte Mobilität, Alter, ECOG, Tumorstadium, tumorbedingte Venenkompression), die zum Teil im EHR-CAT-Score enthalten sind, berücksichtigt werden. Bei der Indikationsstellung zur medikamentösen VTE-Prophylaxe kann man sich an einem durch RAM abgeleiteten VTE-Risiko von > 8% [5] orientieren, direkt abgeleitet mit dem CATS-Score, alternativ bei Khorana-Score ≥ 2 oder EHR-CAT-Score ≥ 3 (Abbildung 6).

Tabelle 14: Khorana- [31] und EHR-CAT [57] - Scores zur Abschätzung des Risikos venöser Thromboembolien bei Tumorpat. 

Parameter

Punkte im Khorana-Score:

Punkte im EHR-CAT-Score:

Primärtumor mit

sehr hohem VTE-Risiko

+2

(Pankreas, Magen, Hirn)

+3

(Pankreas, Magen, Ösophagus, Gallenwege, Gallenblase)

Primärtumor mit

hohem VTE-Risiko

+1

(Lunge, Ovar, Uterus, Blase, Niere, Hoden, Lymphome)

+2

(Lunge, Ovar, Uterus, Blase, Niere, Hoden, aggressive Lymphome, Multiples Myelom, Hirn, Weichteilsarkom)

Primärtumor mit

intermediärem VTE-Risiko

+1

(Kolorektal)

Primärtumor mit

niedrigem VTE-Risiko

0

(Brust, Kolorektal, Kopf-Hals, Leber, Gallenwege, Gallenblase, Prostata, andere solide Tumoren)

0

(Brust, Kopf-Hals, Leber, Prostata, Zervix, andere solide oder hämatologische Tumoren)

BMI > 35 kg/m² #

+1

+1

Hb < 10g/dl #

+1

(auch bei ESA-Therapie)

+1

Leukozyten > 11000/µl #

+1

+1

Thrombozyten ≥ 350 000/µl #

+1

+1

Tumorstadium III oder IV

+1

Zielgerichtete oder endokrine Therapie

-1

VTE-Anamnese

+1

Immobilitätsphase

(< 12 Monate)

+1

Krankenhausaufenthalt

>3 d (< 3 Monate)

+1

Asiat

-1

VTE-Risiko niedrig

0-1

-2 bis 2

VTE-Risiko hoch

> 2

≥ 3

Abkürzungen: # = Werte vor Beginn der medikamentösen Tumortherapie; ESA = Erythropoese stimulierende Agenzien.
Abbildung 9: Algorithmus zur Differentialindikation der medikamentösen VTE-Prophylaxe bei ambulanten Tumorpat. mit medikamentöser Tumortherapie 
Algorithmus zur Differentialindikation der medikamentösen VTE-Prophylaxe bei ambulanten Tumorpat. mit medikamentöser Tumortherapie

Die ausschließliche Orientierung an den verfügbaren RAMs berücksichtigt VTE-Risikofaktoren nicht, die in dem jeweiligen Score nicht inkludiert wurden. Dies betrifft mögliche, zusätzlich vorliegende Risikofaktoren für VTE wie z.B. fortgeschrittenes Alter, VTE in der Anamnese, Therapie mit antiangiogenen Substanzen oder Immuntherapien, relevant eingeschränkte Mobilität, reduzierter Allgemeinzustand, tumorbedingte Venenkompression oder stark erhöhte D-Dimer-Werte – Aspekte, die bei Tumorpat. mit in die Indikationsstellung zur medikamentösen VTE-Prophylaxe einbezogen werden sollten.

5.3.2.4Medikamentöse VTE-Prophylaxe bei ambulanten Tumorpat.

Das VTE-Risiko wird auch bei ambulanten Tumorpat. durch medikamentöse Prophylaxe signifikant gesenkt. In der Mehrzahl der älteren Studien, die Pat. mit unterschiedlichen Tumorentitäten sowie -stadien, und damit auch solche mit niedrigem VTE-Risiko, eingeschlossen haben, ist der Unterschied jedoch entweder nicht signifikant oder trotz statistischer Signifikanz klinisch nicht relevant [1]. Für ambulante Tumorpat. mit hohem VTE-Risiko wurde in Leitlinien seit langem eine medikamentöse Prophylaxe empfohlen, ohne dass der Begriff des „hohen Risikos“ konkret definiert wurde. Bei ambulanten Pat. mit einem niedrigen Risiko wird keine medikamentöse VTE-Prophylaxe empfohlen.

Bei Pat. mit einem hohen VTE-Risiko (Khorana-Score ≥3) liegt eine Studie mit 98 Pat. und 4-jähriger Rekrutierungsdauer vor [69], die für eine dreimonatige primäre NMH-Prophylaxe mit Dalteparin keine signifikante Wirksamkeit (VTE: 12% vs. 21%) aber vermehrt klinisch relevante Blutungen (14% vs. 2%) zeigte.

Zwei große, im Design und der Patientenpopulation unterschiedliche Prophylaxe-Studien mit Apixaban (AVERT [70]) und Rivaroxaban (CASSINI [32]) bei ambulanten Tumorpat. mit einem Khorana-Score ≥ 2 wurden 2019 publiziert, siehe Tabelle 9.

Tabelle 15: Primäre VTE-Prophylaxe mit Faktor-Xa-Inhibitoren für 6 Monate bei Tumorpat. mit erhöhtem VTE-Risiko (Khorana-Score ≥2)  

Studie

Medikation

Dosierung

N

VTE-Endpunkte (%)

Schwere Blutung (%)

Anmerkung

AVERT [70]

Apixaban

2x2,5 mg

563

4,2

p < 0,001

3,5

p < 0,05

Kein TVT-Screening mit Ultraschall, weder vor Studieneinschluss noch regelhaft im Verlauf der Studie

Khorana-Score 2: 65,5 %

Pankreas-Ca: 13,6 %

Lymphome: 25,3 %

Placebo

10,2

1,8

CASSINI [32]

Rivaroxaban

1x10 mg

8411

6,0

p = 0,101

2,0

p = 0,265

TVT-Screening mit Ultraschall vor Studieneinschluss und regelhaft im Verlauf der Studie

Khorana-Score 2: 68,5 %

Pankreas-Ca: 32,6 %

Lymphome: 7,0 %

Placebo

8,8

1,0

In die AVERT-Studie wurden ambulante Tumorpat. mit Chemotherapie prospektiv randomisiert mit Placebo oder Apixaban (2 × 2,5 mg tgl.) für 6 Monate behandelt. Der primäre Endpunkt aus symptomatischer und inzidenteller proximaler TVT der Extremitäten, LE und LE-assoziiertem Tod wurde durch Apixaban signifikant vermindert, die Rate schwerer Blutungen signifikant erhöht.

In der CASSINI-Studie wurde bei studiengeeigneten Pat. regelhaft vor Randomisierung (Placebo versus 10 mg Rivaroxaban tgl. für 6 Monate) eine Ultraschalluntersuchung der Beinvenen durchgeführt. Dabei wurde bei 4,5% der Pat. eine inzidentelle TVT diagnostiziert, was zum Ausschluss aus der Studie und zur Antikoagulationstherapie führte. Nach Randomisierung wurden alle 8 Wochen Screening-Ultraschalluntersuchungen der proximalen Beinvenen durchgeführt. Der primäre Studienendpunkt aus symptomatischer VTE, inzidenteller proximaler tiefer Beinvenenthrombose sowie VTE-assoziiertem Tod wurde durch die medikamentöse Prophylaxe tendenziell (p = 0.101) vermindert, das Risiko schwerer Blutungen numerisch verdoppelt (4 vs. 8; 1% vs. 2 %; p = 0.265). Betrachtet man die prädefinierte VTE-Rate „on treatment“, so findet sich auch in der CASSINI-Studie eine signifikante VTE-Reduktion (p = 0.007) mit einer HR von 0,40. Auch die Summe von allen venösen und arterieller Thromboembolien ist mit einer HR von 0,33 hochsignifikant reduziert.

Die gemeinsame Auswertung [71] mit signifikanter Reduktion der 6-Monats-Rate an VTE (RR 0,56; 95% CI 0,35–0,89) und nicht signifikanter Zunahme von Blutungen unter Therapie (schwere Blutungen: RR 1,96; 95% CI 0,80–4,82; klinisch relevante, nicht schwere Blutungen 1,28; 95% CI 0,74–2,20) bestätigt die Wirksamkeit der medikamentösen VTE-Prophylaxe mit den beiden direkten Faktor-Xa-Inhibitoren (DXIs) bei ambulanten Tumorpat. mit erhöhtem VTE-Risiko – definiert als Khorana-Score ≥2 – bei vertretbarer numerischer Erhöhung des Blutungsrisikos. Die Subgruppenanalyse der etwa 70% Pat. in beiden Studien mit Khorana-Score =2 zeigt in der Intention-to-treat-Analyse keine signifikante Wirksamkeit, wohl aber in der On-treatment-Analyse. Eine Cochrane-Analyse findet bei Auswertung von 32 Studien – die meisten davon ohne VTE-Risiko-Stratifizierung – ähnliche Wirksamkeits- und Sicherheitsergebnisse für NMHs oder DXIs [72]. In Deutschland besitzen die kostengünstigeren DXIs keine Zulassung (Stand 03/2026) zur primären VTE-Prophylaxe im Bereich nicht-chirurgischer Indikationen.

Diese neue Studienlage berücksichtigend empfehlen aktualisierte internationale Leitlinien die primäre VTE-Prophylaxe, bevorzugt mit Apixaban oder Rivaroxaban, bei ambulanten Tumorpat. mit Khorana-Score ≥2, oder einem anderen validierten Score die sich einer Chemotherapie unterziehen, sofern kein erhöhtes Blutungsrisiko vorliegt [58912]. Die Orientierung am Khorana-Score sollte mögliche zusätzlich vorliegende Risikofaktoren für VTE berücksichtigen (Abbildung 6), Aspekte, die bei Pat. mit Khorana-Score 2 in die Indikationsstellung zur medikamentösen VTE-prophylaxe einbezogen werden sollten [73]. Für die Risikokategorisierung ist der EHR-CAT-Score dem Khorana-Score überlegen, und sollte daher bevorzugt angewendet werden (Abbildung 6). Die Bestimmung des D-Dimer-Ausgangswertes kann hilfreich sein [1] ggf. auch zur VTE-Risikoevaluation mittels des CAT-Scores [58].

5.3.2.5Tumorpat. mit spezifischen Risikofaktoren
5.3.2.5.1Pankresakarzinom*

Pat. mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom haben ein deutlich erhöhtes VTE-Risiko. Zwei prospektive randomisierte Studien belegen jeweils die signifikante und klinisch relevante Wirksamkeit und das Fehlen von Blutungsrisiken von therapeutisch oder halbtherapeutisch dosiertem NMH; ohne Einfluss auf die Mortalität [7475]. Die Subgruppenanalyse von 273 Pat. – nach Ausschluss von 24 Pat. aufgrund einer inzidentell detektierten VTE beim Screening – mit Pankreaskarzinom in der CASSINI-Studie [76] zeigt die Wirksamkeit der Rivaroxaban-Prophylaxe mit einer signifikanten Reduktion der VTE-Rate von 10,1% auf 3,7% ohne Erhöhung des Risikos schwerer Blutungen (Rivaroxaban: 1,5%; Placebo: 2,3%) und bestätigt damit die vorbestehende Studienlage. Für ambulante Pat. mit Pankreaskarzinom wird bei Durchführung einer Chemotherapie eine medikamentöse VTE-Prophylaxe empfohlen [1].

5.3.2.5.2Bronchialkarzinom*

*siehe Onkopedia Lungenkarzinom

Das VTE-Risiko bei Bronchialkarzinompat. liegt bei 10 % innerhalb der ersten 12 Monate nach Diagnosestellung bzw. Therapiebeginn und ist bei kleinzelligen Lungenkarzinomen niedriger als bei den nicht kleinzelligen [977]; bei letzteren Tumoren ist das VTE-Risiko insbesondere stark erhöht bei Vorliegen des ALK/ROS1-Rearrangements [78]. Daten aus systematischen Reviews und Untersuchungen zum Einfluss von NMH auf das Gesamtüberleben (nicht nachweisbar) von Bronchialkarzinompat. zeigen eine etwa 50%ige Reduktion des VTE-Risikos durch NMH [7980]. Aussagekräftige spezifische Interventionsstudien zur primären VTE-Prophylaxe liegen nicht vor.

5.3.2.5.3Glioblastome

Pat. mit Glioblastom haben ein Thromboembolierisiko von >10 % in den ersten 6 Monaten nach Diagnose. Die primärprophylaktische Gabe von NMH senkt die Inzidenz nicht signifikant, erhöht jedoch tendenziell das intrakranielle Blutungsrisiko [81]. Eine kritische Indikationsstellung einer medikamentösen VTE-Prophylaxe ist notwendig.

5.3.2.5.4Multiples Myelom – Therapie mit Immunmodulatoren*

*siehe Onkopedia Multiples Myelom

In den ersten Studien zum Einsatz von Thalidomid oder Lenalidomid bei Pat. mit Multiplem Myelom wurden venöse Thromboembolien bei bis zu 25% der Pat. beobachtet. Vergleichende Daten liegen für ASS, DXI, NMH und VKA aus kleinen Studienkollektiven vor. Ein systematischer Review der Cochrane-Gruppe [82] identifizierte keine überlegene medikamentöse VTE-Prophylaxestrategie. Ein aktuellerer systematischer Review mit Metaanalyse [83] von 7 Studien, der 416 Pat. mit DXI auswertete, berichtet VTE-Raten von 0 bis 23,5%, klinisch relevante nicht-schwere Blutungen von 0 bis 7,7% und schwere Blutungen von 0 bis 4,5%. Eine VTE-Risikokategorisierung anhand der IMPEDE-VTE-, PRISM- und SAVED-Scores ordnet die überwiegende Anzahl der Pat. mit Multiplem Myelom (> 95%) der Hochrisikogruppe zu [84]. Ein systematischer Review mit Metaanalyse [85] von 10 RCTs und Beobachtungsstudien mit 1026 Pat. vergleicht die Primärprophylaxe mit DXI (n = 337) oder ASS (n = 689). Unter DXI traten signifikant weniger VTE (OR 0,33; 95% CI 0,16–0,68; p < 0.001) bei vergleichbarem Blutungsrisiko auf.

Aufgrund des hohen VTE-Risikos für Myelom-Pat. unter Therapie wird einvernehmlich von den Internationalen Myelom-Gruppen eine konsequente medikamentöse VTE-Prophylaxe gefordert, ohne allerdings konkrete risikoadaptierte Empfehlungen zu geben. Für Pat. mit erhöhtem VTE-Risiko, z.B. unter Lenalidomid- oder Thalidomid-Kombinationstherapie, wird vom European Myeloma Network die VTE-Prophylaxe mit NMH oder DXI empfohlen [86]. ASS wird aufgrund des hohen VTE-Risikos bei Myelom-Pat. mit intermediärem oder hohem Risiko nicht in Betracht gezogen.

5.3.2.5.5Myeloproliferative Neoplasien*

*siehe Onkopedia MPN

Pat. mit Philadelphia-Chromosom-negativen MPN haben ein erhöhtes Risiko venöser und arterieller Thromboembolien. In einer älteren doppelt verblindeten RCT [87] von 518 Pat. mit Polycythaemia vera traten in der Placebogruppe bei 4,9% Thromboembolien auf. ASS 100 mg tgl. reduzierte die Gesamtthromboembolien auf 2,0% (RR 0,41; 95% CI 0,15–1,15). Die VTE-Rate reduzierte sich von 3,8% auf 1,6% (RR 0,49; 95% CI 0,13–1,73). Schwere Blutungen traten nicht vermehrt auf (1,8% vs. 1,2%; RR 1,62; 95% CI 0,27–9,71). Ein systematischer Review mit Metaanalyse [88] unter Einbeziehung einer zweiten, älteren Studie findet Trends zugunsten einer verminderten thrombotisch verursachten und Gesamtmortalität (OR 0,2; 95% CI 0,03–1,14 bzw. 0,46; 95% CI 0,21–1,01) durch ASS. Daher wird ASS zur Primärprophylaxe bei Polycythemia vera empfohlen.

Die Evidenzlage zu Indikation und Art einer medikamentösen VTE-Prophylaxe bei Pat. mit Essenzieller Thrombozythämie oder Myelofibrose ist weniger fundiert [89].

5.3.2.5.6Zentrale Venenkatheter

Pat. mit zentralen Venenkathetern, einschl. Portkathetern, haben ein erhöhtes Risiko für die Bildung lokaler Thrombosen. Die Inzidenz schwankt in den publizierten Studien zwischen <5% und 20% in Abhängigkeit von den diagnostischen Methoden (klinisch, bildgebend), Anlagetyp (peripher vs. zentral) und vom Patientenkollektiv [9091]. In den meisten Fällen bleiben Port-Katheter-assoziierte Thrombosen klinisch asymptomatisch. Zentrale Venenkatheter stellen einen thrombogenen Risikofaktor dar, der bei Abwägung, eine medikamentöse VTE-Prophylaxe einzuleiten, berücksichtig werden sollte. Für ambulante Pat. mit liegenden zentralen Venenkathetern ohne zusätzliche Risikofaktoren ist eine medikamentöse Prophylaxe nicht zu empfehlen [92]. Hinweise zur Prophylaxe und Therapie von ZVK-Infektionen finden sich in Onkopedia - ZVK-Infektionen.

5.3.3Antikoagulation bei Tumorpat. mit dem Ziel einer Antitumorwirkung

Seit den 1930er Jahren gab es Hinweise auf eine direkte oder indirekte Beeinflussung des Tumorwachstums durch Antikoagulanzien. Klinische Studien mit dem Ziel einer Verlängerung der Überlebenszeit durch die multifaktorielle Wirkung von Antikoagulanzien wurden mit verschiedenen Medikamenten in unterschiedlichen Dosierungen und über unterschiedlich lange Zeiträume bei ambulanten Tumorpat. ohne VTE durchgeführt. Die Ergebnisse sind uneinheitlich. Klinisch relevante Lebenszeitverlängerungen durch orale (VKA, DOAK) oder parenterale (NMH) Antikoagulanzien wurden bisher nicht berichtet [9394]. Entsprechend fehlen Definitionen von Pat. und Antikoagulationsstrategien, die zu einer Prognoseverbesserung bei Tumorpat. führen könnten.

5.3.4Lebensende

In der Finalphase einer Erkrankung sollen sich alle Maßnahmen nach dem Behandlungsziel bestmöglicher Lebensqualität und unmittelbarer Symptomkontrolle richten. Maßnahmen der primären VTE- Prophylaxe sind daher in der Regel nicht indiziert und auch nicht überzeugend wirksam [9597]. Bei weit fortgeschritten erkrankten Tumorpat. mit deutlich eingeschränkter Mobilität, die sich jedoch nicht in der Sterbephase befinden, können gerinnungshemmende Substanzen zur VTE-Prophylaxe mit Blick auf das sehr hohe Thromboembolierisiko und die damit verbundenen belastenden Symptome indiziert sein [96].

6Prophylaxe und TherapieTherapie der VTE

Tumorpatienten haben ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien. Antikoagulantien werden zur Therapie und unter Umständen zur Prophylaxe angewendet.

Abbildung 10: Algorithmus zur VTE-Therapie 
Algorithmus zur VTE-Therapie
1 bei gesichertem Hochrisiko-Anti-Phospholipid-Syndrom (hrAPS)
2 bei tumorassoziierter VTE nicht zu empfehlen
3 auch Hochrisikoprophylaxe-Dosierung wirksam
Abkürzungen: FPX – Fondaparinux; NMH – niedermolekulares Heparin; VKA – Vitamin K-Antagonisten.

6.1PrimärprophylaxeSymptomatische VTE (bei Kreislaufstabilität)

Die medikamentöse Primärprophylaxe ist effektiv. Gegen den Nutzen sind die Nebenwirkungen, vor allem das erhöhte Blutungsrisiko, die Belastungen für den individuellen Patienten sowie die Kosten abzuwägen. Die Empfehlungen orientieren sich an den Ergebnissen prospektiv randomisierter Studien.

Die Antikoagulationstherapie von kreislaufstabilen Pat. mit TVT und/oder LE lässt sich in folgende Phasen gliedern [2]:

Bei der Beurteilung der in Studien meist als Sicherheitsendpunkt erfassten Häufigkeit schwerer Blutungen sollte berücksichtigt werden, dass die zugrundeliegende Blutungskategorisierung gemäß der ISTH im Wesentlichen auf dem Abfall des Hämoglobinwertes um ≥2 g/dl oder der Transfusion von ≥2 EKs beruht [50], zwei Kriterien, die auch ohne erkennbare Blutung bei Tumorpatienten, insbesondere unter zytoreduktiver Therapie, positiv werden können. Somit ist im Vergleich zu Nicht-Tumorpatienten von einem systematischen Upgrading beobachteter Blutungsereignisse auszugehen.

  • Initialtherapie (5–21 Tage)

  • Erhaltungstherapie (3–6 Monate)

  • Sekundärprophylaxe (über 3–6 Monate hinaus)

Mechanische Maßnahmen haben einen Stellenwert bei Patienten mit Kontraindikationen gegen eine medikamentöse VTE-Prophylaxe . Ein Algorithmus ist in Abbildung 4 dargestellt.

Dabei bestehen keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen Nichttumor- und Tumorpat..

Abbildung 11: Primärprophylaxe 
1 RF – Risikofaktoren; Risikofaktor ist z. B. die Therapie von Myelom-Patienten mit Lenalidomid, Pomalidomid oder Thalidomid, die chemotherapeutische Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom oder Patienten, die durch einen validierten Score, z.B. Khorana-Score von > 2 als Risikopatienten eingestuft werden können;
2akute Hospitalisation zur internistischen Betreuung;
3Tumorchirurgie mit einer voraussichtlichen Dauer über mehr als 30 Minuten;
4Kontraindikationen: Blutung, prolongierte Thrombozytopenie mit Thrombozyten < 30.000/µl;
5NMH - niedermolekulares Heparin, UFH - unfraktioniertes Heparin

6.1.1Peri-Initial- und postoperativErhaltungstherapie

Die medikamentöse Prophylaxe reduziert das VTE-Risiko und erhöht das Blutungsrisiko. Niedermolekulares Heparin (NMH) und Fondaparinux (FPX) haben ein geringes Nebenwirkungspotential, vor allem für die Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) und werden einmal täglich appliziert. Die randomisierten klinischen Studien mit NMH im Vergleich zu UFH oder FPX im Vergleich zu NMH wurden z. T. in Patientenkollektiven mit einem hohen Anteil von Tumorpatienten (z. T. ausschließlich bei Tumorpatienten) durchgeführt.

Die initiale Antikoagulation erfolgt oral mit Apixaban oder Rivaroxaban, parenteral mit NMH oder Fondaparinux – im begründeten Einzelfall auch mit UFH. Die jeweils zugelassenen Dosierungen sind zu beachten. Insbesondere bei Pat. mit aktiver Blutung oder sehr hohem Blutungsrisiko ist ein individualisiertes Vorgehen auch unter Berücksichtigung von VTE-Lokalisation (distale vs. proximale TVT vs. LE), LE-Schweregrad, Patientenzustand und -prognose notwendig.

Als Indikationen werden alle chirurgischen Eingriffe (Laparotomie, laparoskopische Operation, Thorakotomie, thorakoskopische Operation o. ä.) mit einer voraussichtlichen Dauer von ≥ 30 Minuten angesehen. Einige DOAKs sind für die VTE-Prophylaxe bei elektiver Knie- und Hüftgelenksersatzchirurgie zugelassen. Wenn zusätzliche patientenspezifische Risikofaktoren vorliegen, sollte auch bei kleineren Operationen, insbesondere bei mehrtägig eingeschränkter Mobilität, eine medikamentöse VTE-Prophylaxe erfolgen. Die Prophylaxe wird für die Dauer des stationären Aufenthaltes, im Durchschnitt über 6 – 10 Tage, empfohlen. Bei Hüftgelenksersatzoperationen oder größeren tumorchirurgischen Eingriffen im Abdomen oder Becken wird durch eine prolongierte Prophylaxe über 28 – 35 Tage das Risiko für venöse Thromboembolien darüber hinaus signifikant reduziert und daher empfohlen.

Bei TBVT wird eine externe Kompressionsbehandlung an der betroffenen Extremität (Wickeln, Kompressionsstrumpf) zur Symptomlinderung und Reduktion des Risikos eines postthrombotischen Syndroms empfohlen [2].

Es soll eine regelmäßige klinische Kontrolle, u.U. ergänzt durch Kontrollsonographie bei TVT, zur Beurteilung der Behandlungswirksamkeit, spätestens nach 1–3 Wochen und am Ende der Erhaltungstherapie erfolgen.

Die Dauer der Antikoagulation (Erhaltungstherapie) beträgt regelhaft mindestens 3 Monate. Nach Nutzen-Risiko-Abwägung kann bei fortbestehend hohem Thromboembolierisiko eine längere, u.U. auch langfristige Antikoagulation (→Sekundärprophylaxe) sinnvoll sein.

Am Ende der Erhaltungstherapiephase sollte bei TVTs eine bildgebende Dokumentation der VTE-Befundsituation erfolgen. Dies kann hilfreich bei der Indikationsstellung zur Sekundärprophylaxe sein, und Voraussetzung für eine möglicherweise zukünftige notwendige Abgrenzung von Rezidivereignis und Residualbefund.

Bei Nichttumorpat. haben große RCTs die überlegene Sicherheit der Erhaltungstherapie mit DOAKs im Vergleich zu VKA belegt [98]. Die Erhaltungstherapie wird daher bevorzugt mit DOAKs entweder durch dosismodifizierte Fortführung von Apixaban bzw. Rivaroxaban oder durch den – nicht überlappenden – Wechsel („Switching“) von parenteraler Antikoagulation auf DOAK, einschließlich Dabigatran und Edoxaban, empfohlen (Abbildung 7) [2]. Im Vergleich von Apixaban und Rivaroxaban finden sich bei vergleichbarer Wirksamkeit weniger Blutungsereignisse unter Apixaban [99100].

Nachrangig können alternativ NMHs prolongiert appliziert oder es kann überlappend von parenteraler Antikoagulation auf orale Antikoagulation mit VKA (INR-Zielbereich 2–3) übergegangen werden [2].

Bei Tumorpat. haben mehrere große RCTs DXIs – nicht aber Dabigatran – im Vergleich zur früheren Standardtherapie mit NMH untersucht, wobei sich Unterschiede hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit für die verschiedenen DXIs ergeben. In den beiden ersten RCTs ergaben sich im Vergleich zu Dalteparin erhöhte gastrointestinale (und urogenitale) Blutungsrisiken unter Edoxaban [101] bzw. Rivaroxaban [102] bei Pat. mit Tumoren des Gastrointestinal (und Urogenital-) Traktes, die sich bei der später durchgeführten Apixaban-Studie [103] nicht bestätigten. Direkte Vergleiche zwischen den DXIs bei Tumorpat. mit VTE (CAT) liegen nicht vor.

In Metaanalysen werden eine überlegene Wirksamkeit und/vergleichbares oder erhöhtes Blutungsrisiko der DXIs berichtet [104108]. Einheitlich wird eine bessere Persistenz mit der oralen Medikation in den großen RCTs (Studiendauer 6–12 Monate) gefunden [107].

Bei der differentialtherapeutischen Entscheidung zu Applikationsart und Substanzwahl ist neben der Tumorentität und dem vermuteten Blutungsrisiko die klinische Situation und Präferenz der Tumorpat. ebenso zu berücksichtigen [109] wie die Interaktionsmöglichkeit der DOAKs mit der bestehenden oder geplanten Medikation, abhängig vom Ausmaß ihrer substanzspezifischen P-Glykoprotein- bzw. CYP3A4-Interaktionspotentiale (Prüfmöglichkeit im aktuellen „Drug Interactions Checker“, z.B. www.drugs.com, und bei Onkopedia - Arzneimittelinteraktionen). Zusätzlich sollte die in den DOAK-Studien bei CAT-Pat. nachgewiesene bessere Persistenz der oralen gegenüber der subkutanen Antikoagulation Berücksichtigung finden [107].

Basierend auf der langjährigen Erfahrung mit NMH bei CAT wurde in Situationen mit erhöhtem Blutungsrisiko, wie Mukosa-assoziierten Tumormanifestationen verschiedentlich, die initiale und ggf. fortgeführte Antikoagulation mit NMH empfohlen. Ein Wechsel auf DXI kann im Weiteren unter Einbeziehung der Patientenpräferenz erfolgen.

Im klinischen Alltag ist aufgrund der sehr ähnlichen pharmakokinetischen Kenngrößen von NMH und DXI ein Wechsel zwischen beiden Applikationsformen der Antikoagulation einfach möglich, was eine sichere und patientengerechte Antikoagulation bei – u.U. therapiebedingten – Störungen der oralen Medikamenteneinnahme [111] , periinterventionell und auch in anderen komplexen Situationen erlaubt.

Zusammenfassend stellen DXI eine wirksame und sichere sowie kostengünstige Therapieoption bei CAT dar, die für die meisten Tumorpat. bereits initial oder aber im Verlauf zur Anwendung kommen kann [112].

6.1.1.1ZVK-assoziierte VTE

Symptomatische tiefe Venenthrombosen im Verlaufsbereich von zentralen Kathetern, d.h. der Vv. jugulares, V. subclavia oder V. brachialis, komplizieren nicht selten die Patientenbetreuung und stellen eine Indikation zur therapeutischen Antikoagulation dar. Nur bei manifester Infektion (septische Thrombophlebitis) soll der Katheter zeitnah nach Initiierung der Antikoagulation und empirischen Antibiose entfernt werden. Ein „weiter benötigter“, nicht infizierter, nicht dislozierter und funktionsfähiger Katheter kann belassen und bei fortgeführter therapeutischer Antikoagulation weiterverwendet werden [2113]. Ist eine probatorische Blutaspiration nicht möglich, liegt oft ein Katheterspitzenthrombus vor, der meist unter Antikoagulation lysiert. Bei einer thrombotischen Katheterokklusion lässt sich die Durchgängigkeit meist durch Instillation eines Fibrinolytikums (z.B. 2 mg rtPA in 2 ml NaCl 0,9%) wieder herstellen [114].

Empfehlungen zur Dauer der Antikoagulation bei ZVK-assoziierter TVT sind nicht höhergradig evidenzbasiert, bei belassenem ZVK wird eine volltherapeutische Antikoagulation für mindestens 3 Monate empfohlen. Solange der Katheter in situ ist, kann eine Fortführung der Antikoagulation darüber hinaus erfolgen, auch mit einer Prophylaxe-Dosierung (vgl. Kapitel 6.1.1.2). Bei Entfernen des Katheters, zeitnah nach VTE, wird eine weitere Antikoagulation für etwa 6 Wochen als ausreichend angesehen [2].

6.1.1.2Sekundärprophylaxe

Indikationsstellung

Die Entscheidung zur Durchführung einer Sekundärprophylaxe aufgrund spontaner (idiopathischer) Genese der initialen VTE oder fortbestehender VTE-Risikofaktoren wie Tumorerkrankung sollte Ergebnis eines Abstimmungsprozesses unter Einbeziehung des Betroffenen sein, da das individuelle VTE-Rezidivrisiko am Ende der Erhaltungstherapie über 3–6 Monate nicht konkret zu benennen ist. Anhaltspunkte geben u.a. die in den Tabellen 1 und 10 aufgeführten Faktoren.

Tabelle 16: Beispielhafte Entscheidungshilfe zur Indikationsstellung einer Sekundärprophylaxe nach VTE 

Faktoren für eine Sekundärprophylaxe

Faktoren gegen eine Sekundärprophylaxe

Spontanes VTE-Zweitereignis

Hohes Blutungsrisiko

Fortbestehender (starker) Risikofaktor

z.B. aktive Tumorerkrankung, Anti- Phospholipid-Syndrom, schwere Thrombophilie

Risikoassoziierte Erstthrombose

z.B. postoperativ, bei krankheitsbedingter Immobilisation, in Schwangerschaft oder Wochenbett

Spontane Erst-VTE

Passagerer Risikofaktor

Mehretagen TVT (+LE)

LE mit persistierender kardiopulmonaler Einschränkung

Proximale TVT

Distale TVT

Relevanter Residualthrombus (TVT)

Kein Residualthrombus (TVT)

Persistierend erhöhte D-Dimere (ohne Antikoagulation)

Normale D-Dimere (ohne Antikoagulation)

Risikoassoziierte Zweitthrombose

Fortbestehender (schwacher) Risikofaktor

z.B. schwacher Thrombophiliefaktor

Geringes Blutungsrisiko

Keine oder milde Thrombophilie

Patientenpräferenz für Antikoagulation

Patientenpräferenz gegen Antikoagulation

andere

andere

Das VTE-Rezidivrisiko nach Beendigung der Antikoagulation bei Pat. mit aktiver Tumorerkrankung ist hoch [115]. Eine Antikoagulationsdauer für mehr als 3 Monate ist wirksam und sicher [116]. Leitlinien differieren in der empfohlenen Antikoagulationsdauer [27]. Zur Abschätzung des Rezidivrisikos nach CAT können zusätzlich zu den in Tabelle 10 angegebenen Faktoren, die gleichen Parameter wie bei der Evaluation des VTE-Risikos und Indikation zur medikamentösen VTE-Prophylaxe (vgl. Tabelle 1 und Tabelle 9) angewendet werden. Eine Daten- oder Studienlage, die die grundsätzliche Empfehlung einer Sekundärprophylaxe bei Pat. nach Tumor-assoziierter VTE belegt, fehlt. Versorgungsdaten aus Deutschland zeigen, dass beim überwiegenden Anteil von Pat. mit CAT die Antikoagulationstherapie vor dem 6. Monat beendet wurde [117].

Optionen der Sekundärprophylaxe

Bis vor kurzem wurde bei Tumorpat., die Sekundärprophylaxe nach VTE grundsätzlich mit (voll)therapeutischer Antikoagulation empfohlen Zwei Studien zur Sekundärprophylaxe nach mindestens 6-monatiger Antikoagulation mit DXI (Placebo vs. Apixaban 2 × 2,5 mg vs. Apixaban 2 × 5 mg tgl. [118]; 100 mg ASS vs. 1 × 10 mg Rivaroxaban vs. 1 × 20 mg Rivaroxaban tgl. [119]), bei Nicht-Tumorpat. zeigten, dass die prolongierte Antikoagulation mit den Prophylaxe-Dosierungen der DXIs wirksamer als Placebo/ASS und gleich effektiv wie die höheren Dosen sind. Dabei besteht für schwere und klinisch relevante nichtschwere Blutungen ein numerisch leicht erhöhtes Risiko im Vergleich zu Placebo/ASS, allerdings ein numerisch niedrigeres Risiko im Vergleich zu den voll-therapeutischen Standarddosen der DXIs.

Da nur eine Studie die Antikoagulation bei Tumorpat. über 6 Monate hinaus für 12 Monate in volltherapeutischer Dosierung vergleichend (Dalteparin vs. Edoxaban) untersucht hat [101] und ansonsten vergleichende Studien verschiedener Antikoagulantien mit Placebo oder untereinander jenseits von 6 Monaten nach Auftreten der VTE fehlen, war die prolongierte Fortführung der Antikoagulation mit DXI oder NMH und nachrangig auch mit Dabigatran oder VKA möglich. Zwei aktuellere RCTs, die therapeutische und prophylaktische Dosierung von Apixaban zur Sekundärprophylaxe bei CAT untersuchten, erbrachten für die Prophylaxe-Dosis (2 × 2,5 mg tgl.) bei vermindertem Blutungsrisiko keinen Hinweis auf ein erhöhtes VTE-Rezidivrisiko [120121].

Ausgehend von dieser Datenlage kann unter Berücksichtigung der individuellen VTE- und Blutungsrisiken sowie der Patientenpräferenz eine VTE-Sekundärprophylaxe auch bei Tumorpat. sowohl mit therapeutisch oder halbtherapeutisch dosierten Antikoagulanzien (mit Apixaban, wohl auch Rivaroxaban oder NMH) erfolgen [122123]. Ein möglicher CAT-Rezidivrisiko-berücksichtigender Algorithmus wird in Abbildung 8 angegeben.

Abbildung 12: Möglicher Algorithmus zu Indikationsstellung und Dosierung einer sekundären VTE-Prophylaxe bei Pat. mit aktiver Tumorerkrankung, mod. nach [122]. 
Möglicher Algorithmus zu Indikationsstellung und Dosierung einer sekundären VTE-Prophylaxe bei Pat. mit aktiver Tumorerkrankung, mod. nach 122.
*Stets auch Malignom-unabhängige VTE-Risikofaktoren berücksichtigen!
CAT=„cancer-associated Thrombosis”, EHR-CS=EHR-CAT-Score, LE=Lungenembolie, TBVT=tiefe Bein/Becken-Venen-Thrombose, TVT=tiefe Venenthrombose, VTE=venöse Thromboembolie, ZVK=zentralvenöser Katheter.

ASS ist in der postoperativen VTE-Prophylaxe im orthopädisch-unfallchirurgischen Bereich wirksam. Zur VTE-Sekundärprophylaxe durch ASS ergibt sich kein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis, zumal Studienergebnisse bei Pat. mit Vorhofflimmern ein vergleichbares Blutungsrisiko für ASS und Apixaban in therapeutischer Dosierung (2 × 5 mg tgl.) zeigten [124]. Eine eigenständige Indikation für ASS zur VTE-Sekundärprophylaxe besteht daher nicht.

Dauer der Sekundärprophylaxe

In aller Regel werden VTE in Abwesenheit von Kontraindikationen für 3–6 Monate volltherapeutisch behandelt. Auf die Problematik der Indikationsstellung für eine darüberhinausgehende Sekundärprophylaxe und die einzusetzende Dosierung wurde bereits eingegangen. Wurde die Indikation zur Sekundärprophylaxe einer VTE gestellt, so bedeutet das nicht zwingend die lebenslange Fortführung der Medikation. Regelhafte Nutzen-Risiko-Evaluationen, mindestens 1 x jährlich sind zu empfehlen, wobei neben der Evaluierung des Blutungsrisikos, die Aktivität einer Grundkrankheit (z.B. Malignom), Veränderungen der Komorbiditäten (z.B. Niereninsuffizienz) und der Medikation (z.B. NSAR) sowie im Falle von DOAKs oder VKA auch Medikamenteninteraktionen in Betracht zu ziehen sind. Wesentliche weitere Aspekte sind dabei auch die Patientenpräferenz und die Patientenprognose.

In der Finalphase von Tumorpat. sollen sich alle Maßnahmen nach dem Behandlungsziel bestmöglicher Lebensqualität und unmittelbarer Symptomkontrolle bemessen. Dies gilt auch für die VTE-Therapie. Der Einsatz gerinnungshemmender Substanzen kann Bestandteil der Maßnahmen zur Symptomkontrolle (Schmerz, Spannungsgefühl, Dyspnoe u. a.) sein [33]. Dabei wird auch in der Palliativmedizin der Einsatz von DXIs befürwortet, da der Möglichkeit der oralen (autonomen) Applikation gerade in der palliativen häuslichen Versorgungssituation eine hohe Priorität beigemessen wird.

6.1.1.3Rezidiv-VTE unter Antikoagulation

Trotz Antikoagulationstherapie treten bei etwa 2% aller Pat. [98100], bei Tumorpat. in etwa 6% der Fälle [101103] erneute VTE-Ereignisse innerhalb von 6 Monaten auf. Parallel zur diagnostischen Sicherung und Abgrenzung eines VTE-Rezidivs von Residuen des Vorereignisses sollte eine anamnestische und laboranalytische Abklärung auf stattgehabte Antikoagulantieneinnahme und ggf. auch auf prothrombogene Risikofaktoren (z.B. Antiphospholipid-Syndrom, JAK2-Mutation, PNH) erfolgen. Bei oraler Antikoagulation sind auch Medikamenteninteraktionen und eine nicht-korrekte Einnahme in Betracht zu ziehen.

Abhängig von den Ergebnissen dieser Diagnostik ergeben sich unterschiedliche Therapieoptionen, die in Tabelle 11 kurz dargestellt sind. Die darin formulierten Empfehlungen basieren auf Expertenkonsens und -meinungen, da spezifische Studien dazu fehlen [125].

Tabelle 17: Managementoptionen bei Rezidiv-VTE unter Antikoagulationstherapie 

„Ursache“

Mögliche Konsequenz

Fehlende Medikamenteneinnahme

Analog Initialtherapie

Reduzierte Sekundärprophylaxe-Dosierung (Prophylaxe-Dosierung)

Initialtherapiedosierung

Volltherapeutisches DOAK

Dosisintensivierung wie initial bei Apixaban und Rivaroxaban oder Umstellen auf (erhöht dosiertes?) NMH (oder VKA)

Medikamenteninteraktion

Wechsel des interagierenden Medikamentes und Initialtherapie (oder spiegeladaptierte Dosierung)

Intestinale Resorptionsstörung (DOAK)

Parenterale Antikoagulation (NMH, Fondaparinux)

Volltherapeutisches NMH

Dosiseskalation um 25% oder Umstellung auf DOAK

Antithrombinmangel oder HIT (NMH)

Therapie mit DOAK

(Hochrisiko-) Antiphospholipid-Syndrom

Überlappende Umstellung auf VKA

6.1.1.4Inzidentelle VTE

Im Rahmen von bildgebenden Untersuchungen, die nicht bei Verdacht auf VTE indiziert wurden, werden immer wieder unerwartet – inzidentelle – Thrombosen (seltener) oder Lungenembolien (häufiger) entdeckt, wobei sich meist kein anamnestischer oder klinischer Hinweis auf ein thromboembolisches Geschehen findet. Insbesondere bei kleineren Befunden ist die Sicherheit der Diagnostik zu hinterfragen, die in der Regel auch keinen zuverlässigen Aufschluss über das Alter des Befundes erlaubt. Besonders herausfordernd ist die Diagnostik von inzidentellen Thrombosen im Splanchnikusbereich. Bei inzidenteller LE sollte (duplex-)sonographisch das Vorliegen einer asymptomatischen TVT geprüft werden. Hochgradig evidenzbasierte Empfehlungen zur Therapie einer inzidentellen VTE, auch singulären subsegmentalen LE, fehlen [126127].

Die Prävalenz der inzidentellen VTE bei Tumorpat. ist hoch und variiert in Abhängigkeit der in Tabelle 1 genannten Risikofaktoren. Vorrangig wird eine inzidentelle LE im Rahmen von Staging- und Verlaufsuntersuchungen, oft mit diesbezüglich unauffälligem Vorbefund, diagnostiziert. Die Bedeutung und Konsequenzen dieser Befunde waren lange unklar. In die RCT zur Therapie der CAT mit DXI oder NMH wurden Pat. mit inzidenteller VTE (etwa 30%) eingeschlossen und analog zu Pat. mit symptomatischer VTE therapiert [105]. Dabei zeigten sich im Therapieverlauf ähnliche Häufigkeiten für neue VTE-Ereignisse und schwere Blutungen wie für Pat. mit symptomatischen Indexereignissen. Eine retrospektive Neuauswertung von Lungen-CT-Aufnahmen von 2960 Tumorpat. identifizierte bei 171 Pat. (6%) eine primär nicht erkannte inzidentelle LE. Im Nachverfolgungszeitraum von 1 Jahr traten – abhängig von der Befundausdehnung der LE – bei 20 % (singuläre subsegmentale LE) bis 35% (multiple subsegmentale bis lobäre LE) neue symptomatische VTE-Ereignisse auf, 3- bis 5-mal so viele wie in der Kontrollgruppe ohne inzidentelle LE [128].

Dies begründet die Leitlinienempfehlungen [27], bei Tumorpat. mit gesicherter inzidenteller LE analog zu Pat. mit symptomatischen VTE-Ereignissen zu antikoagulieren.

6.1.1.5LE beim kreislaufinstabilen Pat.

Kreislaufinstabile Pat. sollten so rasch wie möglich auf einer Intensivstation stabilisiert, diagnostiziert und therapiert werden. Bei zugrundeliegender LE gilt es, neben supportiven Maßnahmen möglichst rasch die pulmonalarterielle Perfusion wieder herzustellen. Dies ist erfolgversprechend mit der systemischen Thrombolyse, alternativ – vor allem bei Vorliegen von Kontraindikationen zur Thrombolyse – durch endovaskuläre Reperfusionsverfahren oder die chirurgische Embolektomie zu erreichen. Nach hämodynamischer Stabilisierung wird die periinterventionelle Antikoagulation meist oral – analog zur Behandlung der TVT – fortgeführt.

Tumorpat. stellen mit mehr als 10% ein wesentliches Teilkollektiv der Pat. mit symptomatischer LE dar [129], auch mit Kreislaufinstabilität bei der im Einzelfall intensivmedizinische Maßnahmen wie Thrombolyse, interventionelle oder chirurgische Thromb-/Embolektomie indiziert sein können [129130]. Thrombolysetherapien werden dabei zurückhaltender im Vergleich zu Nichttumorpat. indiziert [129]. Katheter basierte Therapien kommen als wirksame alternative Therapie in Betracht [131],

6.1.2Akute Hospitalisation

Akut hospitalisierte internistische Patienten haben ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko. UFH, NMH und FPX senken das VTE-Risiko signifikant ohne kritische Steigerung des Blutungsrisikos. Der Anteil von Tumorpatienten in den Studien lag bei 5 – 15 %. Bei akut hospitalisierten Tumorpatienten wird die medikamentöse Prophylaxe für die Zeit des stationären Aufenthaltes empfohlen, wenn keine Kontraindikationen bestehen. Bei uneingeschränkter Mobilität - z. B. wenn die stationäre Behandlung „nur“ wegen komplexer Chemotherapien erfolgt - kann auf eine medikamentöse VTE-Prophylaxe verzichtet werden. In anderen Situationen, wie z. B. bei nicht akut hospitalisierten, jedoch eingeschränkt mobilen Patienten in häuslicher oder stationär-pflegerischer Versorgung soll in Übertragung der Studien bei hospitalisierten Patienten über eine VTE-Prophylaxe in Abhängigkeit von weiteren Risikofaktoren individuell entschieden werden.

6.1.3Ambulante Tumorpatienten

Das VTE-Risiko von Tumorpatienten ist hoch und wird im individuellen Fall durch eine Vielzahl von Faktoren moduliert, siehe Kapitel 2.4. Patienten sollten bei Diagnose einer - insbesondere fortgeschrittenen – Tumorerkrankung auf das damit einhergehende erhöhte VTE-Risiko und die klinischen Zeichen einer akuten VTE hingewiesen werden. Das Risiko für thromboembolische Komplikationen wird auch bei ambulanten Tumorpatienten durch medikamentöse Prophylaxe signifikant gesenkt. In der Mehrzahl der älteren Studien, die Patienten mit unterschiedlichen Tumorentitäten und damit auch solche mit niedrigem VTE-Risiko eingeschlossen haben, ist der Unterschied jedoch entweder nicht signifikant oder trotz statistischer Signifikanz klinisch nicht relevant [1]. Für ambulante Tumorpatienten „mit hohem VTE-Risiko“ wurde in den Leitlinien seit langem eine medikamentöse Prophylaxe mit NMH empfohlen, ohne dass der Begriff des „hohen Risikos“ konkret definiert wurde. Zur Kategorisierung des VTE-Risikos wurden verschiedene Instrumente geprüft. Für den klinischen Alltag und zur Stratifizierung von Studienpatienten hat sich der Khorana-Score [31] zwischenzeitlich etabliert, siehe Tabelle 8 [53]. Er verwendet einerseits zwar leicht verfügbare Parameter zur initialen Risikoeinordnung bezüglich der VTE-Rate innerhalb von 2 – 3 Monaten bei Tumorpatienten, die sich einer ambulanten Chemotherapie unterziehen, berücksichtigt andererseits aber klinisch relevante Faktoren wie Patientenalter, Mobilitätszustand und Thrombosevorgeschichte oder Biomarker, wie D-Dimer, nicht. Bei ambulanten Patienten mit einem niedrigen Risiko (Khorana Score 0 oder 1) wird eine medikamentöse Thromboseprophlyaxe nicht empfohlen. Neuere Modifikationes des Khorana-Scores [40], erlauben eine verbesserte Abschätzung des Thromboserisikos, sind aber noch nicht in Interventionsstudien geprüft.

Tabelle 18: Khorana Score [31] zur Abschätzung des Risikos venöser Thromboembolien bei Tumorpatienten  

Variable

Punkte

VTE-Wahrscheinlichkeit

Primärtumor mit sehr hohem Risiko (Pankreas, Magen)

2

Primärtumor mit hohem Risiko (Lunge, Lymphom, gynäkol. Beckentumore, u. a.)

1

Thrombozytenzahl vor Chemotherapie ≥350.000/µl

1

Hämoglobin <10 g/dl oder Erythropoietin (EPO)-Gabe

1

Leukozytenzahl vor Chemotherapie > 11.000/µl

1

Body Mass Index (BMI) ≥ 35 kg/m²

1

Klinische Wahrscheinlichkeit

Punkte

hohes Risiko

3-7

≈ 4-10%

mittleres Risiko

1-2

≈ 1-3%

niedriges Risiko

0

≈ 0-1%

 

Bei Patienten mit einem hohen VTE- Risiko – entsprechend einem Khorana-Score ≥3 – liegt gegenwärtig nur eine Studie mit langer Rekrutierungsdauer und wenigen Patienten vor, die keinen signifikanten Vorteil einer primären NMH-Prophylaxe zeigt.

Zwei große, im Design und der Patientenpopulation unterschiedliche Prophylaxestudien mit Apixaban (AVERT [26]) und Rivaroxaban (CASSINI [32]) bei ambulanten Tumorpatienten mit einem Khorana-Score ≥ 2 wurden 2019 publiziert, siehe Tabelle 9.

Tabelle 19: Primäre VTE Prophylaxe mit Faktor Xa-Inhibitoren für 6 Monate bei Tumorpatienten mit erhöhtem VTE Risiko (Khorana-Score > 2) 

Studie

Medikation Dosierung

N

VTE-

Endpunkt (%)

Schwere Blutung (%)

Anmerkungen

AVERT

[26]

Apixaban

2x2,5 mg

563

4,2

p< 0.001

3,5

p< 0.05

Kein TVT-Screening mit Ultraschall weder vor Studieneinschluss noch regelhaft im Verlauf der Studie

Khorana-Score 2: 65,5 %

Pankreas-Ca: 13,6 %

Lymphome: 25,3 %

Placebo

10,2

1,8

CASSINI

[32]

Rivaroxaban

1x10mg

841

6,0

p= 0.101

2,0

p= 0.265

TVT-Screening mit Ultraschall vor Studieneinschluss und regelhaft im Verlauf der Studie

Khorana-Score 2: 68,5 %

Pankreas-Ca: 32,6 %

Lymphome: 7,0 %

Placebo

8,8

1,0

 

In die AVERT-Studie wurden ambulante Tumorpatienten mit Chemotherapie prospektiv randomisiert mit Placebo oder Apixaban (2 x 2,5 mg tgl.) für 6 Monate behandelt. Der primäre Endpunkt aus symptomatischer und inzidenteller proximaler tiefer Venenthrombose (TVT) der Extremitäten, Lungenembolie (LE) und LE-assoziiertem Tod wurde durch Apixaban signifikant vermindert, die Rate schwerer Blutungen signifikant erhöht.

In der CASSINI-Studie wurde bei studiengeeigneten Patienten regelhaft vor Randomisierung (Placebo versus 10 mg Rivaroxaban tgl. für 6 Monate) ein Kompressionsultraschall der proximalen Beinvenen durchgeführt. Dabei wurde bei 4,5 % der Patienten eine inzidentelle TVT diagnostiziert, was zum Ausschluss aus der Studie und zur Antikoagulationstherapie führte. Nach Randomisierung wurden regelhaft alle 8 Wochen Screening-Kompressionsultraschalluntersuchungen der proximalen Beinvenen durchgeführt. Der primäre Studienendpunkt aus symptomatischer Bein- oder Armvenenthrombose, LE, inzidenteller proximaler tiefer Beinvenenthrombose sowie VTE-assoziiertem Tod wurde durch die medikamentöse Prophylaxe tendenziell (p = 0.101) vermindert, das Risiko schwerer Blutungen numerisch verdoppelt (4 vs 8; 1 vs 2 %; p = 0.265). Betrachtet man die prädefinierte VTE-Rate „on treatment“, so findet sich auch in der CASSINI-Studie eine signifikante VTE-Reduktion (p = 0.007) mit einer HR von 0,40. Auch die Summe aller venöser und arterieller Thromboembolien ist mit einer HR von 0,33 hochsignifikant reduziert.

Zusammenfassend belegen diese Studienergebnisse die signifikante Wirksamkeit der medikamentösen VTE-Prophylaxe bei ambulanten Tumorpatienten mit erhöhtem VTE-Risiko – definiert als Khorana-Score > 2 - bei vertretbarer Erhöhung des Blutungsrisikos.

Diese neue Studienlage berücksichtigend empfehlen aktualisierte Leitlinien die primäre VTE-Prophylaxe bei ambulanten Tumorpatienten mit Khorana-Score ≥2, die sich einer Chemotherapie unterziehen, sofern kein erhöhtes Blutungsrisiko vorliegt [5,8,10,12].

Die ausschließliche Orientierung am Khorana-Score berücksichtigt möglicherweise zusätzlich vorliegende Risikofaktoren für VTE wie z. B. Alter, VTE in der Anamnese, Therapie mit antiangiogenen Substanzen, relevant eingeschränkte Mobilität oder stark erhöhte D-Dimer-Werte unzureichend. Somit bleibt die Empfehlung zur medikamentösen VTE-Prophylaxe eine individuelle Entscheidung unter besonderer Berücksichtigung des Blutungsrisikos.

Da die verfügbaren DOAKs keine Zulassung (Stand 11/2020) zur primären VTE-Prophylaxe im Bereich nicht-chirurgischer Indikationen besitzen, sollte eine – insbesondere kürzerzeitige – medikamentöse VTE-Prophylaxe eher mit NMH erfolgen. Indikationsstellung und Dauer sollten über die Kriterien des Khorana-Scores hinaus von individuellen Patienten-, Tumor- und Therapiefaktoren des VTE- und Blutungsrisikos abhängig gemacht werden.

6.1.4Tumorpatienten mit spezifischen Risikofaktoren

6.1.4.1Antihormonelle Therapie

Antihormonelle Therapie ist bei Frauen (z. B. Tamoxifen) und Männern mit einem erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien assoziiert. Das individuelle Risiko ist abhängig von der jeweiligen Substanz und anderen, oben genannten Risikofaktoren. Daten randomisierter klinischer Studien zur Wirksamkeit einer medikamentösen Prophylaxe liegen nicht vor. Sie wird bei Patienten unter antihormoneller Therapie ohne zusätzliche Risikofaktoren nicht empfohlen.

6.1.4.2Glioblastom

Patienten mit Glioblastom haben ein Thromboembolierisiko von >10 % in den ersten 6 Monaten nach Diagnose. Die primärprophylaktische Gabe von NMH senkt die Inzidenz nicht signifikant, erhöht jedoch tendenziell das intrakranielle Blutungsrisiko [43].

6.1.4.3Multiples Myelom – Therapie mit Immunmodulatoren

In den ersten Studien zum Einsatz von Thalidomid oder Lenalidomid bei Patienten mit Multiplem Myelom wurden venöse Thromboembolien bei bis zu 25 % der Patienten beobachtet. Daraufhin wurde für alle Patienten eine antithrombotische Prophylaxe empfohlen. Die retrospektive Analyse der Effizienz gibt kein klares Bild, weder zu den geeigneten Substanzen noch zur erforderlichen Dosierung [23]. In einer aktuellen randomisierten klinischen Studie war hochrisikoprophylaktisch dosiertes NMH zwar etwas wirksamer als Acetylsalicylsäure (ASS), der Unterschied war aber nicht signifikant. In beiden Armen lag die VTE-Inzidenz unter 5 % [35,41]. Ein zusätzlicher Risikofaktor für venöse Thromboembolien ist die Kombination der immunmodulatorischen und/oder antiangiogenen Substanzen mit hochdosiertem Dexamethason, siehe auch Onkopedia Multiples Myelom.

Für Patienten mit Multiplem Myelom unter Therapie mit Lenalidomid oder Thalidomid wird eine medikamentöse Prophylaxe mit NMH oder ASS empfohlen.

6.1.4.4Pankreaskarzinom

Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom haben im Vergleich zu Patienten mit anderen Tumorentitäten ein erhöhtes VTE-Risiko. Zwei prospektive randomisierte Studien belegen jeweils die signifikante und klinisch relevante Wirksamkeit und das Fehlen zunehmender Blutungen von therapeutisch oder halbtherapeutisch dosiertem NMH; dies beeinflusst jedoch nicht die Mortalität [37,42]. Die Subgruppenanalyse der 273 Patienten – nach Ausschluss von 24 Patienten aufgrund einer inzidentell detektierten VTE beim Screening – mit Pankreaskarzinom in der CASSINI Studie [32] zeigt die Wirksamkeit der Rivaroxaban-Prophylaxe mit einer signifikanten Reduktion der VTE-Rate von 10,1 auf 3,7 % ohne Erhöhung des Risikos schwerer Blutungen (Rivaroxaban:1,5 %; Placebo:2,3 %) und bestätigt damit die vorbestehende Studienlage. Für ambulante Patienten mit Pankreaskarzinom wird bei Durchführung einer Chemotherapie eine medikamentöse VTE-Prophylaxe empfohlen.

6.1.4.5Eingeschränkte Mobilität (Immobilisation)

Die Einschränkung der Beweglichkeit insbesondere der Gehfähigkeit stellt einen allgemeinen, mit vielen anderen interagierenden Risikofaktor für das Auftreten einer VTE dar. Einer Krankenhausbehandlung von Tumorpatienten liegt häufig eine komplexe Kombination aus reduzierter Mobilität, „tumorassoziierter thrombophiler Hämostasestörung“ und risikoerhöhender Tumortherapie (z. B. ZVK, Corticosteroidgabe, u.a.) bzw. Therapiekomplikationen (z. B. Infektion, u.a.) vor. Ähnliche Konstellationen insbesondere auch mit vergleichbar eingeschränkter Mobilität treten heutzutage auch im ambulanten Versorgungsalltag von Tumorpatienten auf. Die Studienlage zur primären VTE-Prophylaxe von stationären nicht-chirurgischen Tumorpatienten ist zwar limitiert, aber klar hinweisend auf den Nutzen einer medikamentösen Prophylaxe. Im ambulanten Bereich liegen bisher keine belastbaren Daten für Tumorpatienten in ihrer Gesamtheit vor (vergleiche Kapitel 5.1.3).

Dementsprechend sind die Leitlinienempfehlungen vage. Die Berücksichtigung des Ausmaßes einer Mobilitätseinschränkung zusätzlich zu den Khorana-Kriterien sollte hilfreich bei der Indikationsstellung zur VTE-Prophylaxe sein.

6.1.4.6Zentrale Venenkatheter

Patienten mit zentralen Venenkathetern, einschl. Portkathetern, haben ein erhöhtes Risiko für die Bildung lokaler Thrombosen. Die Inzidenz schwankt in den publizierten Studien zwischen <5 und 20 % in Abhängigkeit von den diagnostischen Methoden (klinisch, bildgebend) und vom Patientenkollektiv [29,51]. In den meisten Fällen sind und bleiben ZVK-assoziierte Thrombosen klinisch asymptomatisch. In randomisierten Studien zur Prophylaxe wurde weder mit VKA noch mit NMH eine signifikante Senkung der klinisch manifesten VTE-Rate erzielt. Für ambulante Patienten mit liegenden zentralen Venenkathetern ohne zusätzliche Risikofaktoren wird eine medikamentöse Prophylaxe daher nicht empfohlen. Hinweise zur Prophylaxe von ZVK-Infektionen finden sich in Onkopedia - ZVK-Infektionen.

6.1.5Antikoagulation bei Tumorpatienten mit dem Ziel einer Antitumorwirkung

Seit den 1930er Jahren gibt es Hinweise auf eine direkte oder indirekte Beeinflussung des Tumorwachstums durch Antikoagulantien. Klinische Studien mit dem Ziel einer Verlängerung der Überlebenszeit durch die multifaktorielle Wirkung von Antikoagulantien wurden mit verschiedenen Medikamenten in unterschiedlichen Dosierungen und über unterschiedlich lange Zeiträume bei Tumorpatienten ohne VTE durchgeführt. Die Ergebnisse sind uneinheitlich. Klinisch relevante Lebenszeitverlängerungen wurden in methodisch höherwertigen Studien bisher nicht berichtet. Eine Definition von Patienten, die von einer spezifischen Form der Antikoagulation profitieren könnten, d. h. mit einem günstigen Risiko-Nutzen-Verhältnis, fehlt.

6.1.6Lebensende

In der Finalphase sollen sich alle Maßnahmen nach dem Behandlungsziel bestmöglicher Lebensqualität und unmittelbarer Symptomkontrolle richten. Maßnahmen der primären VTE-Prophylaxe sind daher in der Regel nicht mehr indiziert und wohl auch nicht überzeugend wirksam [58,60]. Bei weit fortgeschritten erkrankten Tumorpatienten mit deutlich eingeschränkter Mobilität, die sich jedoch nicht in der Sterbephase befinden, können gerinnungshemmende Substanzen zur VTE-Prophylaxe mit Blick auf das sehr hohe Thromboembolierisiko und die damit verbundenen belastenden Symptome indiziert sein.

6.2Therapie

6.2.1VTE-Therapie bei Nicht-Tumorpatienten

6.2.1.1Akute tiefe Venenthrombose und Lungenembolie (Nicht-Tumorpatienten)

Generell besteht die Behandlung der akuten tiefen Venenthrombose und Lungenembolie aus drei Phasen:

  • Primärtherapie (1–3 Wochen)

  • Erhaltungstherapie (3 – 6+ Monate)

  • und u. U. fortdauernde Sekundärprophylaxe) [2].

Die initiale Antikoagulation (Primärtherapie) kann parenteral mit NMH oder Fondaparinux – im begründeten Einzelfall auch mit UFH – und auch primär oral mit Apixaban oder Rivaroxaban durchgeführt werden.

Bereits initial wird eine externe Kompression an der betroffenen Extremität (Wickeln, Kompressionsstrumpf) zur Symptomlinderung und Reduktion des Risikos eines postthrombotischen Syndroms empfohlen.

Eine klinische Befundkontrolle zur Beurteilung der Behandlungswirksamkeit wird nach 1 - 3 Wochen gefordert.

Die Erhaltungstherapie erfolgt bevorzugt mit DOAKs zulassungskonform entweder durch Fortführung von Apixaban bzw. Rivaroxaban oder durch den – nicht überlappenden - Wechsel („Switching“) von parenteraler auf orale Antikoagulation im Falle von Dabigatran oder Edoxaban. Nachrangig alternativ kann überlappend von parenteraler Antikoagulation auf orale Antikoagulation mit VKA (INR-Zielbereich 2 – 3) übergegangen oder die parenterale Antikoagulation (mit NMH) fortgeführt werden.

Die Dauer der Antikoagulation beträgt mindestens 3 Monate. Nach Nutzen-Risiko-Abwägung kann bei fortbestehendem Thromboembolierisiko eine längere, u. U. auch langfristige Antikoagulation sinnvoll sein.

Bei Entscheidung für eine Sekundärprophylaxe aufgrund idiopathischer Genese der initialen VTE oder fortbestehenden Risikofaktoren über 3 bis 6 Monate hinaus zeigen zwei Studien mit Apixaban (Placebo versus 2 x 2,5 mg versus 2 x 5 mg, jeweils tgl. [20]) bzw. Rivaroxaban (100 mg ASS versus 1 x 10 mg versus 1 x 20 mg, jeweils tgl. [55]), dass die prolongierte Antikoagulation mit den niedrigeren Dosen der Faktor Xa-Inhibitoren wirksamer als Placebo/ASS, jedoch gleich effektiv wie die höheren Dosen sind. Dabei besteht für schwere und klinisch relevante nichtschwere Blutungen ein nur numerisch leicht erhöhtes Risiko im Vergleich zu Placebo/ASS, allerdings ein numerisch niedrigeres Risiko im Vergleich zu den therapeutischen Standarddosen der Antikoagulantien.

Beim kardiopulmonal stabilen Patienten gleicht die Therapie der Lungenembolie der der tiefen Venenthrombose.

Beim kardiopulmonal instabilen Patienten (Intensivstation) mit Lungenembolie hat die Therapie die kurzfristige Wiedereröffnung der pulmonalen Strombahn durch Thrombolyse und/oder Embolektomie zum Ziel. Im Weiteren erfolgt die Antikoagulation wie bei tiefer Venenthrombose.

6.2.1.2Oberflächliche Venenthrombose (Nicht-Tumorpatienten)

Die Therapie der isolierten oberflächlichen Thrombophlebitis basiert auf der lokalen Kompression, topischen – oder auch oralen - Applikation nichtsteroidaler antiinflammatorischer Medikamente (z. B. Indomethacin) und der Antikoagulation - bevorzugt mit FPX 2,5 mg tgl. s.c. für 30 – 45 Tage [27,28].

6.2.2VTE-Therapie bei Tumorpatienten

6.2.2.1Akute tiefe Venenthrombose und Lungenembolie (Tumorpatienten)

Die Behandlungsprinzipien der akuten VTE bei Tumorpatienten unterscheiden sich nicht von den bei Nichttumorpatienten. Jedoch ist unter Antikoagulation mit NMH gefolgt von VKA sowohl das Risiko für schwere Blutungen als auch VTE-Rezidive 2 – 3fach höher als bei Nichttumorpatienten. Die bei Patienten mit VTE und aktiver Tumorerkrankung durchgeführten Studien zur Antikoagulation verwendeten differierende Definitionen für „aktive Tumorerkrankung“. Dabei wurden neben Patienten mit nachweisbarem Malignom auch oft Patienten mit unterschiedlich definierter, anamnestisch zurückliegender und nicht mehr nachweisbarer Tumorerkrankung in diese Studien rekrutiert. Aus den randomisierten klinischen Studien zur akuten VTE bei Tumorpatienten lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

  • Beim Auftreten einer VTE im längerfristigen Verlauf der Tumortherapie ist eine Neubewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnis der Behandlung (Verdacht auf Progress der Grundkrankheit) erforderlich.

  • Standard in der Primärtherapie von Tumorpatienten mit neu diagnostizierter VTE war seit langem die Gabe von parenteralen Antikoagulantien – bevorzugt NMH, siehe Tabelle 3.

  • NMH sind in der Initialphase dem UFH bei Tumorpatienten überlegen, es wurde in Metaanalysen auch eine Reduktion der Mortalität gezeigt. NMH haben ein günstigeres Nebenwirkungsprofil und erfordern keine Laborkontrollen.

  • Bei Patienten mit lebens- und / oder organfunktionsbedrohlicher VTE können sehr selten zusätzliche, interventionelle Maßnahmen wie Thrombolyse, Thromb-/Embolektomie oder die Implantation eines Vena Cava-Filters indiziert sein.

  • Bereits initial wird eine externe Kompression an der unteren Extremität (Wickeln, Kompressionsstrumpf) zur Symptomlinderung und des Risikos eines postthrombotischen Syndroms empfohlen.

  • Patienten mit asymptomatischer (inzidenteller) VTE sollen wie Patienten mit symptomatischer VTE behandelt werden. Bei kardiopulmonal stabilen Patienten mit inzidenteller subsegmentaler Lungenembolie und sonographischem Ausschluss einer TVT kann auch ein zuwartend kontrollierendes Vorgehen gewählt werden.

  • ZVK- oder Portkatheter-assoziierte Thrombosen werden analog zur Beinvenenthrombose durch eine initiale volltherapeutische Antikoagulation behandelt [29,51]. Solange der Katheter funktioniert, korrekt liegt und nicht infiziert ist, kann er weiter benutzt werden. Die Erhaltungstherapie sollte für mindestens 3 Monate und u. U. so lange fortgeführt werden, wie der Katheter in situ ist und nach Entfernung für mindestens weitere 6 Wochen.

  • Bei thrombotischen Katheterverschlüssen lässt sich in aller Regel die Durchgängigkeit durch lokale Applikation von Thrombolytika, z. B. 10 mg rekombinantem Gewebeplasminogen-Aktivator (rt-PA) oder 10.000 IE Urokinase, wiederherstellen. Eine systemische Antikoagulation ist nur bei intravenösem Thrombusnachweis indiziert (vgl. oben).

  • Bei Kontraindikationen zur therapeutischen Antikoagulation sind eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung und Auswahl des therapeutischen Vorgehens notwendig.

  • Bei Thrombozytopenie werden eine volltherapeutische Antikoagulation (mit NMH) bei Thrombozytenwerten über 50 G/L und eine hochrisikoprophylaktische bis halbtherapeutische Antikoagulation bei Thrombozytenzahlen über 20 G/L für vertretbar gehalten [49].

  • NMH sind bei der Erhaltungstherapie effektiver als VKA und vergleichbar sicher; daher werden sie nicht nur zur Primärtherapie, sondern auch für 3 – 6 Monate (u. U. darüber hinaus) empfohlen.

  • Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit von Faktor Xa-Inhibitoren aus randomisierten Studien im Vergleich zu NMH [21,38,46,59] sowie deren Metaanalysen [13,14,15,16,17,18] dokumentieren die Wirksamkeit und Sicherheit dieser DOAKs auch bei tumorassoziierter VTE und eröffnen für diese Patienten eine zur parenteralen NMH-Gabe alternative orale Antikoagulationsoption [22].

  • Der primäre Endpunkt der großen Edoxaban-Studie [46] war eine Kombination aus VTE-Rezidiv und schwerer Blutung. Es zeigte sich zwischen Dalteparin (CLOT-Schema) und Edoxaban 60 mg – bzw. 30 mg, falls eine Dosisreduktion erforderlich war- nach initialer mindestens 5-tägiger NMH-Therapie kein Unterschied (signifikant abgesicherte Nicht-Unterlegenheit). Betrachtet man die Rezidivrate und die schweren Blutungen getrennt, zeigte sich eine tendentiell bessere Wirksamkeit und ein höheres Risiko für schwere – nicht jedoch vital bedrohliche – Blutungen, vorrangig im oberen Gastrointestinaltrakt, besonders bei Patienten mit gastrointestinalen Tumoren [34]. Ursächlich dafür kann teilweise auch eine verbesserte Therapietreue (+ 3,6 % nach 6 und + 8,9 % nach 12 Monaten) der mit Edoxaban antikoagulierten Patienten sein. Rivaroxaban zeigt in einer Pilotstudie [59] ein verglichen mit Edoxaban ähnliches Nutzen-Risiko-Verhalten im Vergleich zu Dalteparin (CLOT-Schema), ebenfalls mit nominell besserer Wirksamkeit und erhöhtem Risiko für schwere und klinisch relevante nichtschwere Blutungen.

  • Eine kleine Studie mit Apixaban [38] gibt bei numerisch besserer Wirksamkeit keinen Anhalt für das vermehrte Auftreten von schweren Blutungen.

  • Die zweite große Phase III Studie bei Tumorassoziierter Thrombose (CAT), die prospektiv randomisiert 2 x 10 mg Apixaban initial beginnend für 7 Tage gefolgt von 2 x 5 mg für insgesamt 6 Monate prospektiv gegen Dalteparin (CLOT-Schema) verglichen hat [21], zeigt eine numerisch verminderte VTE-Rezidivrate ohne vermehrte schwere Blutungen. Zusammenfassend (siehe Abbildung 5) kann somit die Initialtherapie von - symptomatischer und inzidenteller - VTE bei Tumorpatienten mit NMH, NMH gefolgt von Edoxaban oder primär beginnend mit Apixaban oder Rivaroxaban erfolgen. Aufgrund der sehr ähnlichen pharmakologischen Kenngrößen von NMH und DOAK ist ein einfacher Wechsel ohne Überlappungsphase zwischen der oralen (Faktor Xa-Inhibitor) und parenteralen (NMH) Form der Antikoagulation möglich. Es wird ein mögliche Blutungskomplikationen berücksichtigendes, zurückhaltendes Vorgehen insbesondere bei Patienten mit gastrointestinalen oder urologischen Tumorentitäten – vor allem bei luminalem Tumor- oder Metastasennachweis – empfohlen [8,10,12].

  • Bei der differentialtherapeutischen Entscheidung zu Applikationsart und Substanzwahl ist neben der Tumorentität und dem vermuteten Blutungsrisiko die klinische Situation und Präferenz der Tumorpatienten ebenso zu berücksichtigen [22], wie die Interaktionsmöglichkeit der DOAK mit der bestehenden oder geplanten Medikation, abhängig vom Ausmaß ihrer substanzspezifischen P-Glykoproteintransporter bzw. Cytochrom-P-Interaktionspotentiale [47], (Prüfmöglichkeit im aktuellen „Drug Interactions Checker“, z.B. www.drugs.com, und bei Onkopedia - Arzneimittelinteraktionen). Zusätzlich sollte die in den DOAK-Studien bei CAT-Patienten nachgewiesene bessere Persistenz der oralen gegenüber der subkutanen Antikoagulation Berücksichtigung finden [30,46]. Bei Kontraindikationen gegen NMH (z. B. HIT) oder Ablehnung der subkutanen Applikation durch den Patienten werden bevorzugt Faktor Xa-Inhibitoren und nachrangig alternativ auch VKA zur Anwendung kommen.

  • Bei Auftreten einer VTE unter antikoagulatorischer Therapie bei Tumorpatienten wird nach Compliance-Evaluation eine Dosiserhöhung für NMH ohne Labormonitoring um etwa 20 – 30% empfohlen [25]. Bei den Faktor Xa-Inhibitoren kann ein Wechsel auf – möglicherweise höherdosiertes – NMH in Betracht gezogen werden.

  • Beim Auftreten einer VTE unter Antikoagulation mit VKA ist eine Umstellung auf NMH oder Faktor Xa-Inhibitoren zu empfehlen.

  • Die Dauer der Erhaltungstherapie soll mindestens 3 – 6 Monate betragen. Bei Patienten mit fortbestehendem Tumorleiden kann eine über 6 Monate hinausgehende prolongierte Sekundärprophylaxe – unter Beachtung des Blutungsrisikos – indiziert sein. Da nur eine Studie die Antikoagulation bei Tumorpatienten über sechs Monate hinaus für 12 Monate vergleichend (Dalteparin vs. Edoxaban) untersucht hat [46] und ansonsten vergleichende Studien verschiedener Antikoagulantien jenseits von 6 Monaten nach Auftreten der VTE fehlen, kann die prolongierte Fortführung der Antikoagulation mit NMH, Faktor Xa-Inhibitoren oder nachrangig auch VKA erfolgen.

  • In aller Regel wird eine Sekundärprophylaxe bei Tumorpatienten mit fortbestehend „aktiver“ Tumorerkrankung „volltherapeutisch“ empfohlen. Für diese Empfehlung fehlen prospektive Studiendaten, die unterschiedliche Intensitäten der Antikoagulation miteinander vergleichen. In Anlehnung an die Studiendaten bei Nichttumorpatienten [20,55] sowie die der primären VTE-Prophylaxe bei ambulanten Tumorpatienten mit Khorana-Score ≥ 2 [26,32] kann in individueller Nutzen-Risiko-Abwägung auch die „hochrisikoprophylaktische“ Dosierung von Apixaban oder Rivaroxaban in Betracht gezogen werden.

  • In der Finalphase von Tumorpatienten sollen sich alle Maßnahmen nach dem Behandlungsziel bestmöglicher Lebensqualität und unmittelbarer Symptomkontrolle bemessen. Dies gilt auch für die VTE-Therapie. Der Einsatz gerinnungshemmender Substanzen kann Bestandteil der Maßnahmen zur therapeutischen oder prophylaktischen Symptomkontrolle (Schmerz, Spannungsgefühl, Dyspnoe u. a.) sein [39]. Dabei wird auch in der Palliativmedizin der Einsatz von Faktor Xa-Inhibitoren diskutiert, da der Möglichkeit der oralen (autonomen) Applikation und dem geringen Monitoringaufwand gerade in der palliativen häuslichen Versorgungssituation eine hohe Priorität beigemessen wird.

Ein Algorithmus für Therapie und Sekundärprophylaxe ist in Abbildung 5 dargestellt.

Abbildung 13: Therapie und Sekundärprophylaxe der VTE bei Tumorpatienten 
1 Abkürzungen: DOAK - direkte orale Antikoagulantien (unterschiedlich belastbare Datenlage nur für FXa-Inhibitoren, nach mindestens 5-tägiger NMH Therapie für Edoxaban; auch ohne vorherige parenterale Antikoagulation für Rivaroxaban und Apixaban); FPX – Fondaparinux; NMH – niedermolekulares Heparin; UFH – unfraktioniertes Heparin, insbesondere bei Kontraindikationen gegen NMH und FPX (z. B. schwere Niereninsuffizienz); VKA – Vitamin K-Antagonisten.

Somit stehen nun seit kurzem zur Behandlung der VTE bei Tumorpatienten evidenzbasiert subkutanes NMH und orale Faktor Xa-Inhibitoren zur Verfügung, was zu Anpassungen internationaler Empfehlungen [8,10,12] geführt hat.

Neben der Applikationsform sind die gegenläufigen Unterschiede in Wirksamkeit (VTE-Rezidive) und Sicherheit (schwere und klinisch relevante nichtschwere Blutungen) und dabei insbesondere das Risiko oberer gastrointestinaler Blutungen bei Patienten mit gastrointestinalen Tumoren – und vorwiegend wohl luminalen Tumormanifestationen - bei der Antikoagulantienauswahl in Betracht zu ziehen und dabei die Empfehlungen zur Primärprophylaxe gastrointestinaler Blutungen unter Antithrombotika durch Gabe von Protonenpumpeninhibitoren zu beachten.

Auch die im Vergleich zu NMH vermehrten Möglichkeiten der Medikamenteninteraktion [47] sind substanzspezifisch bei der Entscheidungsfindung zu berücksichtigen.

Im klinischen Alltag ist aufgrund der sehr ähnlichen pharmakokinetischen Kenngrößen von NMH und Faktor Xa-Inhibitoren ein Wechsel zwischen beiden Applikationsformen der Antikoagulation einfach möglich und erlaubt eine sichere und patientengerechte Antikoagulation, bei – u. U. therapiebedingten – Störungen der oralen Medikamenteneinnahme [22,48], periinterventionell und auch in anderen komplexen Situationen.

6.2.2.2Oberflächliche Venenthrombose (Tumorpatienten)

Vergleichende Therapiestudien zu oberflächlichen Thrombophlebitiden bei Tumorpatienten liegen nicht vor. Das Vorgehen orientiert sich an Nichttumorpatienten [2], eine Individualisierung nach Klinik in Bezug auf die Antikoagulantiendosierung, Therapiedauer und auch Medikamentenwahl [19,28] kann sinnvoll sein.

6.3Therapiemodalitäten

6.3.1[Kapitel nicht relevant]

6.3.2[Kapitel nicht relevant]

6.3.3Medikamentöse Therapie (Substanzen in alphabetischer Reihenfolge)

Die folgenden Medikamente sind für die Prophylaxe und Therapie der VTE zugelassen und werden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei Tumorpatienten im Einzelnen besprochen: unfraktioniertes Heparin (UFH), niedermolekulares Heparin (NMH), Fondaparinux (FPX), Vitamin KAntagonisten (VKA) und nicht-Vitamin K-abhängige / direkte orale Antikoagulantien (NOAK / DOAK ≈ orale Faktor Xa- oder Thrombin-Inhibitoren). Alle Antikoagulantien erhöhen dosisabhängig das Blutungsrisiko im Vergleich zu Placebo. Informationen zum Zulassungsstatus sind im Anhang Venöse Thromboembolien - Zulassungsstatus zusammengefasst. Zur jeweiligen Dosierung – insbesondere auch zu Dosisanpassungen bzw. Anwendungsbeschränkung in Abhängigkeit von der Nierenfunktion - wird auf die aktuellen Fachinformationen der Antikoagulantien verwiesen.

6.3.3.1Direkte orale Antikoagulantien (DOAK) / Nicht-Vitamin K-abhängige orale Antikoagulantien

Eine neuere Gruppe von Antikoagulantien sind die direkten oralen Inhibitoren von Faktor Xa (Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban) oder Thrombin (Dabigatran). Regelmäßige Laborkontrollen zur Überprüfung der optimalen Dosierung sind bei diesen Medikamenten für Patienten mit normaler oder mäßig eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion nicht erforderlich. Ihre Wirksamkeit und Sicherheit wurden in großen randomisierten Studien zur postoperativen Prophylaxe beim elektiven Knie- bzw. Hüft-Gelenkersatz, in therapeutischer Dosierung beim nicht-valvulären Vorhofflimmern, (und z. T. niedrig dosiert in Kombination mit Thrombozytenfunktionshemmern bei akutem Koronarsyndrom und peripherer arterieller Verschlusskrankheit) gezeigt. Bei der Behandlung und Rezidivprophylaxe der tiefen Venenthrombosen, und Lungenembolien von Nichttumorpatienten sind die DOAK/NOAK den VKA überlegen; bei Tumorpatienten zeigen die Faktor Xa-Inhibitoren im Vergleich zu NMH eine sehr ähnliche Nutzen-Risiko-Bilanz.

Zur primären VTE-Prophylaxe ambulanter Tumorpatienten mit Khorana-Score ≥ 2, die sich einer Chemotheapie unterziehen, werden Apixaban und Rivaroxaban von einer Reihe von Leitlinien [5,8,10] empfohlen. Für diese Indikation liegt für beide Faktor Xa-Inhibitoren in Europa keine Zulassung (Stand 11/2020) vor.

6.3.3.2Fondaparinux

Fondaparinux ist ein synthetisches Pentasaccharid, welches selektiv die Hemmwirkung von Antithrombin (AT) gegenüber Faktor Xa verstärkt. Es wird subkutan appliziert. Seine Wirkung wurde vor allem in multizentrischen Studien zur postoperativen VTE-Prophylaxe, zur VTE-Therapie sowie bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom gezeigt. Fondaparinux ist effektiv in der VTE-Prophylaxe postoperativ sowie von akut erkrankten und hospitalisierten internistischen Patienten sowie in der Therapie der akuten tiefen oder oberflächlichen Venenthrombose und Lungenembolie. In den Zulassungsstudien waren auch Tumorpatienten behandelt worden. Regelmäßige Laborkontrollen zur Überprüfung der optimalen Dosierung sind nicht erforderlich. Bei schwerer Niereninsuffizienz besteht Kumulationsgefahr, die durch Dosisanpassung (Prophylaxe) oder Bestimmung der Anti-FXa-Aktivität (Therapie) zu berücksichtigen ist. Die Halbwertszeit ist mit 15 – 18 Stunden relativ lang. Das Risiko einer Fondaparinux-assoziierten Thrombozytopenie ist sehr, sehr niedrig.

6.3.3.3Heparin, niedermolekular (NMH)

Aus unfraktioniertem Heparin (UFH) kann durch chemische oder enzymatische Prozesse eine Fraktion niedermolekularer Heparine gewonnen werden. Diese kürzeren Polysaccharidketten haben unterschiedliche pharmakologische Eigenschaften, u. a. eine im Vergleich zu UFH relative Verstärkung der AT-Aktivität gegenüber Faktor Xa. Sie werden subkutan oder, wesentlich seltener, intravenös appliziert. NMH sind effektiv in der Prophylaxe und Therapie venöser Thromboembolien. Bei Tumorpatienten war in vergleichenden Studien zur VTE-Therapie die Thromboserezidiv-Rate meist niedriger als bei Anwendung von oralen Vitamin K-Antagonisten. Regelmäßige Laborkontrollen durch Bestimmung der Anti-FXa-Aktivität zur Überprüfung der optimalen Dosierung sind nicht erforderlich. Sehr selten ist auch eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT). Studien zum direkten Vergleich der verschiedenen Präparationen von niedermolekularem Heparin gibt es bei onkologischen Patienten kaum. Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz ist das Kumulationsrisiko der verschiedenen NMH unterschiedlich. Bei therapeutischer Antikoagulation und schwerer Niereninsuffizienz sollten eine Reduktion der Dosis erwogen (Fachinformation!) und/oder die Anti-FXa-Aktivität laboranalytisch 3 – 4 Stunden nach subkutaner Applikation der dritten oder späterer Dosen überprüft werden.

6.3.3.4Heparin, unfraktioniert

Heparin bindet unter anderem mit hoher Affinität an AT und beschleunigt dadurch die Hemmung aktivierter (gerinnungsfördernder) Serinproteasen, insbesondere Faktor IIa (Thrombin) und Faktor Xa. UFH wird intravenös oder subkutan appliziert. Es ist effektiv in der Prophylaxe und der Therapie venöser Thromboembolien. In vergleichenden Studien zur peri- und postoperativen Prophylaxe war die VTE-Rate im Vergleich zu NMH in Metaanalysen statistisch signifikant höher. Wegen den starken interindividuellen Schwankungen wird zur Therapie die Effektivität der gewählten Dosis mittels regelmäßiger Laborkontrolle der aPTT, der Thrombinzeit (TZ) bzw. der Anti-FXa-Aktivität überwacht und angepasst. Ein Akutphase-Prozess kann sowohl die antikoagulatorische Verfügbarkeit des UFH als auch die Verlässlichkeit der aPTT als Maß der Antikoagulationsintensität stören, dieses Problem ist bei der TZ oder der Anti-FXa-Aktivität nicht vorhanden. Eine Standardisierung der unterschiedlich empfindlichen aPTT- bzw. TZ-Reagenzien ist bisher nicht erfolgt. Kritische Nebenwirkungen von UFH ist die HIT, am häufigsten innerhalb von 5 – 10 Tagen nach Therapiebeginn, und längerfristig ein erhöhtes Osteoporoserisiko.

6.3.3.5Vitamin K-Antagonisten

Die zugelassenen VKA gehören zur Gruppe der Kumarin-Derivate. Sie interferieren mit dem Vitamin K-Metabolismus. In der internationalen Literatur ist Warfarin der Standard, in einigen europäischen Ländern werden trotz limitierter Evidenzlage Phenprocoumon oder Acenocoumarol gleichwertig zu Warfarin eingesetzt. VKA werden oral eingenommen. Sie sind effektiv in der Sekundärprophylaxe venöser Thromboembolien. Wegen der hohen inter- und intraindividuellen Schwankungen wird die effektive Dosierung mittels regelmäßiger Laborkontrolle überwacht und angepasst, der therapeutische Bereich der INR liegt bei 2,0 – 3,0. In der Einleitungsphase der oralen Antikoagulation werden die VKA so lange überlappend mit parenteralen Antikoagulantien eingenommen, bis die INR an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Zielbereich (meist 2,0 - 3,0) liegt. Der Einsatz bei Tumorpatienten wird durch Arzneimittelinteraktionen, Leberfunktionsstörungen, verminderter Vitamin K-Aufnahme, intestinale Resorptionsstörungen / Erbrechen beeinträchtigt. Die erfolgreiche längerfristige Einstellung von Patienten innerhalb des therapeutischen Bereiches (TTR = time in therapeutic range) ist generell schwierig und gelingt bei Patienten mit aktiver Tumorerkrankung meist nur unzureichend (TTR ≤ 50%). In vergleichenden Studien zur Sekundärprophylaxe nach VTE bei Patienten mit aktiver Tumorerkrankung war die Rezidivrate im Vergleich zu NMH höher. Kritische Nebenwirkungen von VKA sind selten Lebertoxizität, Alopezie und Hautnekrosen.

7[Kapitel nicht relevant]Prophylaxe und Therapie der OVT

7.1Prophylaxe der OVT

Maßnahmen zur VTE-Prophylaxe sind auch wirksam von Vermeidung von OVT.

7.2Therapie der OVT

Die Basistherapie der isolierten OVT besteht in der 45-tägigen Antikoagulation mit 2,5 mg Fondaparinux tgl. [132]., alternativ mit Rivaroxaban 10 mg tgl., (hierfür in Deutschland ohne Zulassung, 03/2026) [133]. Für die früher angewendeten NMH - in unterschiedlicher Dosierungen und Dauer – fehlen höhere Evidenzen. Die Therapiedauer mit FPX (oder Rivaroxaban) kann in Abhängigkeit von der Befundsituation verkürzt oder verlängert werden [134]. Das VTE-Risiko bleibt während der ersten 12 Monate erhöht, was für eine verlängerte Therapiedauer bei Risikopat. (z.B. mit Malignom, Adiposits, Varikosis) spricht [134135]. Zusätzliche symptomatische, analgetische und antiphlogistische Maßnahmen, insbesondere mit NSAID, systemisch oder lokal, sind ebenso wie eine externe Kompression in Betracht zu ziehen.

Tumorpat. mit OVT haben unter Antikoagulationstherapie im Vergleich zu Nichttumorpat. ein erhöhtes kumulatives VTE-Risiko innerhalb der ersten 3 (13,8% vs. 5,3%) bzw. 12 Monate (18,2% vs. 12,9%) [135]. Bei Tumorpat. ist auch das Risiko eines Fortschreitens der OVT in die tiefen Venen erhöht [135138], so dass kurzfristige klinische und ggf. sonographische Befundkontrollen sinnvoll erscheinen.

Vergleichende Therapiestudien zu OVT bei Tumorpat. liegen nicht vor. Das Vorgehen orientiert sich an Nichttumorpat., eine Individualisierung nach Klinik in Bezug auf die Antikoagulanzien-Dosierung, Verlängerung der Therapiedauer und auch Medikamentenwahl [28137] kann sinnvoll sein.

8[Kapitel nicht relevant]Therapiemodalitäten

8.1Medikamentöse Therapie

Die folgenden Medikamente werden für die Prophylaxe und Therapie der VTE verwendet und werden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit im Einzelnen besprochen: unfraktioniertes Heparin (UFH), niedermolekulares Heparin (NMH), Fondaparinux (FPX), Vitamin-K-Antagonisten (VKAs), direkte orale Antikoagulantien (DOAKs: orale Thrombin- und Faktor-Xa-Inhibitoren (DXIs)), und Acetylsalicylsäure (ASS). Alle Antithrombotika erhöhen, die Antikoagulantien dosisabhängig, das Blutungsrisiko im Vergleich zu Placebo. Informationen zum Zulassungsstatus sind im Anhang Venöse Thromboembolien - Zulassungsstatus zusammengefasst. Zur jeweiligen Dosierung – insbesondere auch zu Dosisanpassungen bzw. Anwendungsbeschränkungen in Abhängigkeit von der Nierenfunktion – wird auf die aktuellen Fachinformationen und wissenschaftlichen Publikationen verwiesen.

8.2Antikoagulantien (Substanzen in alphabetischer Reihenfolge)

8.2.1Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs)

Die direkten oralen Inhibitoren von Faktor Xa (DXIs: Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban) oder Thrombin (Dabigatran) sind seit Jahren aufgrund ihres im Vergleich zu VKA geringeren Blutungsrisiko die vorrangige Leitlinienempfehlung für die orale VTE-Therapie bei Nichttumorpat.. Bei Tumorpat. haben Studien für DXIs – für Dabigatran fehlt eine entsprechende Datenlage – eine im Vergleich zu NMH verbesserte Wirksamkeit bei leicht erhöhtem Blutungsrisiko und somit ein vergleichbares Wirksamkeits-Sicherheits-Verhältnis ergeben [107]. Regelmäßige Laborkontrollen zur Überprüfung der optimalen Dosierung sind bei Pat. mit normaler oder mäßig eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion nicht erforderlich.

Für Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban wurden Wirksamkeit und Sicherheit in großen randomisierten Studien zur postoperativen Prophylaxe beim elektiven Knie- bzw. Hüft-Gelenkersatz gezeigt. Zur primären VTE-Prophylaxe ambulanter Tumorpat. mit Khorana-Score ≥2, die sich einer Chemotherapie unterziehen, wurden Apixaban und Rivaroxaban als wirksam und sicher belegt [6971] und von einer Reihe von Leitlinien [145] empfohlen; dafür liegt in Europa keine Zulassung (Stand 03/2026) vor.

DOAKs haben ähnliche pharmakokinetische Parameter wie NMH, ein Wechsel erfolgt ggf. ohne Überlappung (→ „Switching) [139]. DOAK können bei schwerer Nieren- und/oder Leberinsuffizienz kumulieren. Sie werden substanzspezifisch über P-Glykoprotein-Transporter- und Cytochrom-Stoffwechselwege metabolisiert, sodass hier potenzielle Interaktionsrisiken bestehen. Substanzspezifische Labormethoden zur Bestimmung der jeweiligen Plasmaspiegel bzw. Antikoagulationsaktivität stehen zur Verfügung. DOAKs können als alternative Antikoagulanzien bei HIT zur Anwendung kommen [1140].

8.2.2Fondaparinux

Fondaparinux ist ein synthetisches Pentasaccharid, welches selektiv die Hemmwirkung von Antithrombin (AT) gegenüber Faktor Xa verstärkt [141]. Es wird subkutan appliziert. Seine Wirkung wurde in multizentrischen Studien zur postoperativen VTE-Prophylaxe und zur VTE-Therapie bei Nichttumorpat. gezeigt. Fondaparinux ist auch effektiv in der VTE-Prophylaxe bei akut erkrankten und hospitalisierten internistischen Pat. sowie in der Therapie der oberflächlichen Venenthrombose. In den Zulassungsstudien waren auch Tumorpat. behandelt worden. Regelmäßige Laborkontrollen zur Überprüfung der optimalen Dosierung sind nicht erforderlich.

Bei schwerer Niereninsuffizienz besteht Kumulationsgefahr, die durch Dosisanpassung (Prophylaxe) oder Bestimmung der Anti-Xa-Aktivität (Therapie) zu berücksichtigen ist. Die Halbwertszeit beträgt 17–20 Stunden. FPX hat kein HIT-Risiko.

8.2.3Heparin, niedermolekular (NMH)

Niedermolekulare Heparine [142] werden aus unfraktioniertem Heparin (UFH, vgl. Kapitel 8.2.4) durch substanzspezifische Methoden gewonnen. Diese kürzeren Polysaccharidketten haben unterschiedliche pharmakologische Eigenschaften, u. a. eine im Vergleich zu UFH relative Verstärkung der AT-Aktivität gegenüber Faktor Xa. Sie werden subkutan oder, wesentlich seltener, intravenös appliziert. NMH sind effektiv in der VTE-Prophylaxe und VTE-Therapie. Bei VTE bei Tumorpat. führten NMH im Vergleich zu VKA zu weniger Thromboserezidiven bei vergleichbarem Blutungsrisiko. Regelmäßige Laborkontrollen durch Bestimmung der Anti-Xa-Aktivität zur Überprüfung der optimalen Dosierung sind nicht erforderlich. Sehr selten tritt unter NMH eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) auf. Studien zum direkten Vergleich der verschiedenen Präparationen von NMH gibt es kaum. Bei Pat. mit schwerer Niereninsuffizienz ist das unterschiedliche Kumulationsrisiko der verschiedenen NMHs zu berücksichtigen und Dosisreduktionen sowie Kontrollen der Anti-Xa-Spitzenaktivität (3–5 Stunden nach s.c. Applikation) zu erwägen (Fachinformation!).

8.2.4Heparin, unfraktioniert (UFH)

Unfraktioniertes Heparin [143] bindet unter anderem mit hoher Affinität an AT und beschleunigt dadurch die Hemmung aktivierter (gerinnungsfördernder) Serinproteasen, insbesondere Faktor IIa (Thrombin) und Faktor Xa. UFH kann intravenös oder subkutan appliziert werden. Es ist effektiv zur VTE-Prophylaxe und VTE-Therapie. In vergleichenden Studien zur peri- und postoperativen Prophylaxe war die VTE-Rate im Vergleich zu NMH in Metaanalysen statistisch signifikant höher. Aufgrund starker interindividueller Schwankungen der Bioverfügbarkeit wird zur VTE-Therapie empfohlen, die Effektivität der gewählten Dosis mittels regelmäßiger Laborkontrolle der aPTT, oder der Anti-Xa-Aktivität zu überwachen und ggf. anzupassen. Eine Standardisierung der unterschiedlich empfindlichen aPTT-Reagenzien ist bisher nicht erfolgt. Ein Akutphase-Prozess kann sowohl die antikoagulatorische Verfügbarkeit des UFH als auch die Verlässlichkeit der aPTT als Maß der Antikoagulationsintensität empfindlich stören, dieses Problem ist bei der Anti-Xa-Aktivität nicht vorhanden. Kritischste Nebenwirkungen von UFH sind die HIT, am häufigsten innerhalb von 5–10 Tagen nach Therapiebeginn, und ein bei längerfristiger Applikation ein möglicherweise erhöhtes Osteoporoserisiko.

8.2.5Vitamin-K-Antagonisten (VKAs)

In der internationalen Literatur ist Warfarin die Standardsubstanz, in einigen europäischen Ländern werden trotz limitierter Evidenzlage Phenprocoumon oder Acenocoumarol gleichwertig zu Warfarin eingesetzt [144]. VKAs werden oral eingenommen und entfalten ihre antikoagulatorische Wirkung verzögert über mehrere Tage. Sie sind effektiv in der Erhaltungstherapie und Sekundärprophylaxe venöser Thromboembolien. Wegen der hohen inter- und intraindividuellen Schwankungen wird die effektive Dosierung mittels regelmäßiger Laborkontrolle mit Hilfe der INR überwacht und angepasst, der therapeutische Bereich der INR liegt bei 2,0–3,0. In der Einleitungsphase der oralen Antikoagulation werden die VKAs so lange überlappend mit parenteralen Antikoagulanzien eingenommen, bis die INR an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Zielbereich liegt. Aufgrund der langen – interindividuell sehr unterschiedlichen – Halbwertszeit der VKAs (Phenprocoumon etwa 6–7 Tage, Warfarin etwa 1–3 Tage) hält die antikoagulatorische Wirkung nach Absetzen für viele Tage an. Die Gabe von Vitamin K in dieser Situation verkürzt diesen Zeitraum. Der Einsatz wird auch bei Tumorpat. durch Arzneimittelinteraktionen, Leberfunktionsstörungen, verminderte Vitamin-K-Aufnahme, intestinale Resorptionsstörungen und/oder Erbrechen beeinträchtigt. Die erfolgreiche längerfristige Einstellung von Pat. innerhalb des therapeutischen Bereiches (TTR = time in therapeutic range) ist generell schwierig und gelingt bei Pat. mit aktiver Tumorerkrankung meist nur unzureichend (TTR ≤50%). In vergleichenden Studien zur VTE-Therapie bei Pat. mit aktiver Tumorerkrankung war die Rezidivrate im Vergleich zu NMH höher. Seltene kritische Nebenwirkungen von VKAs sind Lebertoxizität, Alopezie und Hautnekrosen.

8.3Thrombozytenfunktionshemmer

8.3.1Acetylsalicylsäure (ASS)

Acetylsalicylsäure [145] hemmt bereits bei niedriger Dosierung (30–100 mg) durch irreversible Inaktivierung der Cyclooxygenase-1 die Thrombozytenfunktion für die Dauer der postexpositionellen Thrombozyten-Lebensdauer. ASS wird zur Primär- und Sekundärprophylaxe von arteriellen Thrombosen eingesetzt. Auch zur postoperativen VTE-Prophylaxe in der orthopädischen oder Unfallchirurgie, vorzugsweise nach Hüft- und Kniegelenkersatz sowie bei Frakturen der unteren Extremität [138] ist ASS (80–325 mg tgl.) wirksam [1]. Im Vergleich zu NMHs oder DOAKs ist ASS im angegebenen chirurgischen Bereich nicht sicher gleichwertig. In der Sekundärprophylaxe nach VTE ist ASS einer voll- oder halbtherapeutischen Antikoagulation unterlegen.

9LiteraturAntithrombotika-assoziierte Blutung*

  1. AWMF S3 Leitlinie Prophylaxe venöser Thrombembolien, 2015. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/003-001.html

  2. AWMF S2 Leitlinie Venenthrombose und Lungenembolie, 2015. Prophylaxe venöser Thrombembolien, 2015. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/065-002.html

  3. Carrier M, Lazo–Langner A, Shivakumar S, et al.: Clinical challenges in patients with cancer-associated thrombosis: Canadian expert consensus recommendations. Curr Oncol 22:49-59, 2015; DOI:10.3747/co.22.2392

  4. Di Nisio M, Lee AYY, Carrier M, et al.: Diagnosis and treatment of incidental venous thromboembolism in cancer patients: guidance from the SSC of the ISTH. J Thromb Haemost 13: 880–883, 2015. DOI:10.1111/jth.12883

  5. Farges D, Frere C, Connors et al.: 2019 international clinical practice guidelines for the treatment and prophylaxis of venous thromboembolism in patients with cancer Lancet Oncol.20: e566-e581, 2019. DOI:10.1016/S1470-2045(19)30336-5

  6. Kearon C, Akl EA, Ornelas J, et al.: Antithrombotic Therapy for VTE Disease: CHEST Guideline and Expert Panel Report. Chest 149:315-352, 2016. DOI:10.1016/j.chest.2015.11.026

  7. Khorana AA, Noble S et al.: Role of direct oral anticoagulants in the treatment of cancer-associated venous thromboembolism. Guidance from the SSC of the ISTH. J Thromb Haemost 16: 1891–1894, 2018. DOI:10.1111/jth.14219

  8. Lyman GH, Kuderer NM: Clinical practice guidelines for the treatment and prevention of cancer-associated thrombosis. Thromb Res 191: S79-S84, 2020. DOI:10.1016/S0049-3848(20)30402-3

  9. Lee AY, Peterson EA, Wu C: Clinical practice guidelines on cancer-associated thrombosis: a review on scope and methodology. Thromb Res 140 Suppl 1:S119-127, 2016. DOI:10.1016/S0049-3848(16)30110-4

  10. Nigel S. Key, Alok A. Khorana, Nicole M. Kuderer et al.: Venous Thromboembolism Prophylaxis and Treatment in Patients With Cancer: ASCO Clinical Practice Guideline Update. JCO  38; 496-520, 2020. DOI:10.1200/JCO.19.01461

  11. Mandala, M., Falanga, A. & Roila, F. Management of venous thromboembolism in cancer patients: ESMO Clinical Practice Guidelines for the management. Ann Oncol 22: vi85-vi92, 2011. DOI:10.1093/annonc/mdr392

  12. Streiff MB et al.: The National Comprehensive Cancer Center Network (NCCN) guidelines: Cancer-associated venous thromboembolic disease. V.1.2020. www.nccn.org

  13. Elbadawi A, Shnoda M, Mahmoud K, Elgendy IY: Efficacy and safety of direct oral anticoagulants versus low molecular weight heparin for cancer related venous thromboembolism: A meta-analysis of randomized trials. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother. Jun 18: pvaa067. 2020. DOI:10.1093/ehjcvp/pvaa067

  14. Moik F, Posch F, Zielinski C, Pabinger I, Ay C et al,: Direct oral anticoagulants compared to low-molecular-weight heparin for treatment of cancer-associated thrombosis: Updated systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Res Pract Thromb Haemost. 4:550-561, 2020. DOI:10.1002/rth2.12359

  15. Mulder FI, Bosch FTM Young AM et al. Direct oral anticoagulants for cancer-associated venous thromboembolism: a systematic review and meta-analysis Blood 136: 1433–1441, 2020. DOI:10.1182/blood.2020005819

  16. Sidahmed S, Abdalla A, Kheiri B et al.: Direct oral anticoagulants compared to low-molecular-weight heparin for the Anticoagulants for the treatment of venous thromboembolism in patients with cancer: A comprehensive systematic review, pairwise and network meta-analysis. .Crit Rev Oncol Hematol. 152:103005. 2020. DOI:10.1016/j.critrevonc.2020.103005

  17. Tao DL, Olson SR, DeLoughery TG, Shatzel JJ. The efficacy and safety of DOACs versus LMWH for cancer-associated thrombosis: A systematic review and meta-analysis.Eur J Haematol. 105:360-362, 2020 DOI:10.1111/ejh.13453

  18. Ueyama H, Miyashita H, Takagi H et al: Network meta-analysis of anticoagulation strategies for venous thromboembolism in patients with cancer. J Thromb Thrombolysis. 2020. Online ahead of print. DOI:10.1007/s11239-020-02151-2

  19. Ageno W, Dentali F. Direct oral anticoagulants for superficial-vein thrombosis.Lancet Haematol. 4: e95-e96, 2017. DOI:10.1016/S2352-3026(17)30013-3

  20. Agnelli G, Buller HR, Cohen A, et al. Apixaban for extended treatment of venous thromboembolism. N Engl J Med 368:699-708, 2013. DOI:10.1056/NEJMoa1207541

  21. Agnelli G, Becattini C, Meyer G et al.: Apixaban for the Treatment of Venous Thromboembolism Associated with Cancer. N Engl J Med. 382:1599-1607. 2020. DOI:10.1056/NEJMoa1915103

  22. Beyer-Westendorf J, Klamroth R, Kreher S et al.; NOAK als alternative Therapieoption bei tumorassoziierter venöser Thromboembolie. Dtsch Arztebl Int 116:31-38, 2019. DOI:10.3238/arztebl.2019.0031

  23. Carrier M, Le Gal G, Tay J, et al.: Rates of venous thromboembolism in multiple myeloma patients undergoing immunomodulatory therapy with thalidomide and lenalidomide: a systematic review and meta-analysis. J Thromb Haemost 9 653-663, 2011. DOI:10.1111/j.1538-7836.2011.04215.x

  24. Carrier M, Lazo‑Langner A, Shivakumar S, et al.: Screening for occult cancer in unprovoked venous thromboembolism. N Engl J Med 373:697-704, 2015. DOI:10.1056/NEJMoa1506623

  25. Carrier M, Prandoni P: Controversies in the management of cancer-associated thrombosis. Expert Rev Hematol 10:15-22, 2017. DOI:10.1080/17474086.2017.1257935

  26. Carrier M, Nassar KA, Mallick R et al.: Apixaban to prevent venous thromboembolism in patients with cancer N Engl J Med 380:711-719, 2019. DOI:10.1056/NEJMoa1814468

  27. Decousus H, Quéré I, Presles et al.: POST (Prospective Observational Superficial Thrombophlebitis) Study Group. Superficial venous thrombosis and venous thromboembolism: a large, prospective epidemiologic study. Ann Intern Med 152:218-224, 2010. DOI: DOI:10.7326/0003-4819-152-4-201002160-00006

  28. Decousus H, Prandoni P, Mismett P et al. Fondaparinux for the treatment of superficialvein thrombosis in the legs. N Engl J Med 363: 1222-1232, 2016. DOI:10.1056/NEJMoa0912072

  29. Geerts W: Central venous catheter-related thrombosis. Hematology Am Soc Hematol Educ Program. 2014:306-311, 2014. DOI:10.1182/asheducation-2014.1.306

  30. Kandemir EA, Bayraktar-Ekincioglu A, Kilickap S: Assessment of adherence to cancer-associated venous thromboembolism guideline and pharmacist's impact on anticoagulant therapy. Support Care Cancer. 2020 Aug 10. DOI:10.1007/s00520-020-05669-6

  31. Khorana AA, Connolly GC: Assessing risk for venous thromboembolism in the patients with cancer. J Clin Oncol 27:4839-4847, 2009. DOI:10.1200/JCO.2009.22.3271

  32. Khorana AA, Soff GA, Kakkar AK et al. Rivaroxaban for thromboprophylaxis in high-risk ambulatory cancer patients. N Engl J Med 380:720-728, 2019. DOI:10.1056/NEJMoa1814630

  33. Klok A, Mos I, NijkeuterM et al.: Simplification of the revised Geneva score for assessing clinical probability of pulmonary embolism. Arch Intern Med 168:2131-2136, 2008. DOI:10.1001/archinte.168.19.2131

  34. Kraaijpoel N, Carrier M, Middeldorp S et al. Clinical Impact of Bleeding in Cancer-Associated Venous Thromboembolism: Results from the Hokusai VTE Cancer Study. Thromb Haemost 118:1439–1449, 2018. DOI:10.1055/s-0038-1667001

  35. Larocca A, Cavallo F, Brighen S et al. Aspirin or enoxaparin thromboprophylaxis for patients with newly diagnosed multiple myeloma treated with lenalidomide. Blood 119:933-939, 2012. DOI:10.1182/blood-2011-03-344333

  36. Le Gal G, Righini M, Roy PM et al.: Prediction of pulmonary embolism in the emergency department: the revised Geneva score. Ann Intern Med 144:165-171, 2006. DOI:10.7326/0003-4819-144-3-200602070-00004

  37. Maraveyas A, Waters J,Roy R et al.: Gemcitabine versus gemcitabine plus Dalteparin thromboprophylaxis in pancreatic cancer. Eur J Cancer 48:1283-1292, 2012. DOI:10.1016/j.ejca.2011.10.017

  38. McBane RD, Wysokinski WE, Le-Rademacher J et al.: Apixaban and dalteparin in active malignancy-associated venous thromboembolism: The ADAM VTE trial. J Thromb Haemost. 18:411-421;220. DOI:10.1111/jth.14662

  39. Noble S, Johnson MJ. Management of cancer-associated thrombosis in people with advanced disease. BMJ Support Palliat Care 2:163-167, 2012. DOI:10.1136/bmjspcare-2011-000166

  40. Pabinger I, van Es N, Heinze G et al.: A clinical prediction model for cancer-associated venous thromboembolism: a development and validation study in two independent prospective cohorts.L ancet Haematol. 5: e289-e298, 2018. DOI:10.1016/S2352-3026(18)30063-2

  41. Palumbo A, Cavo M, Binghen S et al.: Aspirin, warfarin or enoxaparin thromboprophylaxis in patients with multiple myeloma treated with thalidomide: a phase III, open-label, randomized trial. J Clin Oncol 29:986-993, 2011. DOI:10.1200/JCO.2010.31.6844

  42. Pelzer U, Opitz B, Deutschinoff G et al. Efficacy of Prophylactic Low-Molecular Weight Heparin for Ambulatory Patients With Advanced Pancreatic Cancer: Outcomes From the CONKO-004 Trial. J Clin Oncol 33:2028-2034, 2015. DOI:10.1200/JCO.2014.55.1481

  43. Perry JR: Thromboembolic disease in patients with high-grade glioma. Neuro Oncol 14 Suppl 4:iv73-80, 2012. DOI:10.1093/neuonc/nos197

  44. Piccioli A, Lensing AW, Prins MH et al.: Extensive screening for occult malignant disease in idiopathic venous thromboembolism: a prospective randomized clinical trial. J Thromb Haemost 2004;2:884-889. DOI:10.1111/j.1538-7836.2004.00720.x

  45. Pulivarthi S, Gurram MK. Effectiveness of D-Dimer as a screening test for venous thromboembolism:an update N Am J. Med Sci 6:491-499, 2014. DOI:10.4103/1947-2714.143278

  46. Raskob GE, van Es N, Verhamme P, et al. Hokusai VTE cancer investigators edoxaban for the treatment of cancer-associated venous thromboembolism. N Engl J Med 378:615-624, 2018. DOI:10.1056/NEJMoa1711948

  47. Riess H, Prandoni P, Harder S et al.: Direct oral anticoagulants for the treatment of venous thromboembolism in cancer patients: potential for drug-drug interactions. Crit Rev Oncol Hematol 132:169-179, 2018. DOI:10.1016/j.critrevonc.2018.09.015

  48. Riess H, Ay C, Bauersachs R et al.: Use of direct oral anticoagulants in patients with cancer: Practical considerations for the management of patients with nausea or vomiting. Oncologist 23:1–18, 2018. DOI:10.1634/theoncologist.2017-0473

  49. Samuelson Bannow BT, Lee A, Khorana AA et al: Management of cancer‐associated thrombosis in patients with thrombocytopenia: guidance from the SSC of the ISTH. J Thromb Haemost 16: 1246– 1249, 2018. DOI:10.1111/jth.14015

  50. Schulman S, Kearon C: Definition of major bleeding in clinical investigations of antihemostatic medicinal products in non-surgical patients. J Thromb Haemost 3:692-694, 2005. DOI:10.1111/j.1538-7836.2005.01204.x

  51. Shivakumar SP, Anderson DR, Couban S. Catheter-associated thrombosis in patients with malignancy. J Clin Oncol 27:4858-4864, 2009. DOI:10.1200/JCO.2009.22.6126

  52. Van der Hulle T, den Exter PL, Kooiman J,et al. Meta-analysis of the efficacy and safety of new oral anticoagulants in patients with cancer-associated acute venous thromboembolism.J Thromb Haemost 12:1116–1120, 2014. DOI:10.1111/jth.12605

  53. Van Es N, Di Nisio M, Cesarman G, et al. Comparison of risk prediction Scores for venous thromboembolism in cancer patients: a prospective cohort study. Haematologica 102:1494-1501, 2017. DOI:10.3324/haematol.2017.169060

  54. Van Es N, Le Gal G, Otten HM, et al.: Screening for occult cancer in patients with unprovoked venous thromboembolism: A systematic review and meta-analysis of individual patient data. Ann Intern Med 167:410-417, 2017. DOI:10.7326/M17-0868

  55. Weitz JI, Lensing AWA, Prins MH et al. Rivaroxaban or aspirin for extended treatment of venous thromboembolism N Engl J Med 376:1211-1222, 2017. DOI:10.1056/NEJMoa1700518

  56. Wells PS, Hirsh J, Anderson DR, et al. Accuracy of clinical assessment of deep vein thrombosis. Lancet 345:1326-1330, 1995. DOI:10.1016/s0140-6736(95)92535-x

  57. Wells PS, Ginsberg JS, Anderson DR, et al. Use of a clinical model for safe management of patients with suspected pulmonary embolism. Ann Intern Med 129:997-1005, 1998. PMID:9867786

  58. White C, Noble S, Watson M, et al: Prevalence, symptom burden, and natural history of deep vein thrombosis in people with advanced cancer in specialist palliative care units (HIDDen): a prospective longitudinal observational study. Lancet Haematol 6:e79-88, 2019. DOI:10.1016/S2352-3026(18)30215-1

  59. Young AM, Marshal A, Thirwall J et al.: Comparison of an oral factor Xa inhibitor with low molecular weight heparin in patients with cancer with venous thromboembolism: Results of a randomized trial (SELECT-D). J Clin Oncol 36:2017-2023, 2018. DOI:10.1200/JCO.2018.78.8034

  60. Zabrocka E, Sierko E: Thromboprophylaxis in the End-of-Life Cancer Care: The Update Cancers (Basel). 12: 600, 2020. DOI:10.3390/cancers12030600

*[1]

Auch bei der sachgerechten Anwendung von Antithrombotika (Antikoagulantien oder Thrombozytenfunktionshemmer) zur VTE-Prophylaxe oder VTE-Therapie ist mit einem vermehrten Auftreten meist leichter, selten, aber auch schwererer Blutungskomplikationen zu rechnen Bei anamnestischen, laboranalytischen oder klinischen Hinweisen auf erhöhtes Blutungsrisiko können Antithrombotika kontraindiziert sein. RAMs sind hilfreich, das Blutungsrisiko individuell zu evaluieren [59146].

Im Vergleich zu Placebo wird das Blutungsrisiko durch die Anwendung von Antithrombotika zur VTE-Prophylaxe gering erhöht [1147]. Bei Elektiveingriffen wird ein postoperativer Beginn der medikamentösen VTE-Prophylaxe empfohlen [1]. Bei VTE-Therapie ist von einem antikoagulationsassoziierten Risiko für schwere Blutungen im einstelligen Prozentbereich innerhalb von 3–6 Monaten auszugehen [147]. Für Nichttumorpat. können 6-Monatswerte von < 2% für schwere Blutungen und zusätzlich < 9% für angegeben werden [148]. Bei Tumorpat. werden innerhalb von 6 Monaten <5% schwere Blutungen und zusätzlich < 9% für klinisch relevante nichtschwere Blutungen angegeben [106108].

Bei Blutungen unter Antithrombotika müssen die unterschiedlichen möglichen Ursachen differentialdiagnostisch abgeklärt werden. Dies betrifft unter anderem fehlerhafte Medikamentendosierung, Arzneimittelkumulation bei Nieren- oder Leberinsuffizienz, Medikamenteninteraktionen und Komorbiditäten. Die aktuelle Wirkung von Antikoagulanzien kann mittels geeigneter Testsysteme erfasst werden, wobei neben der verwendeten Medikamentendosis und dem Abstand vom Applikationszeitpunkt auch die aktuellen Organfunktionen des Pat. bei der Interpretation zu berücksichtigen sind. Die antithrombotische Wirkung von ASS kann durch allgemein verfügbare Testsysteme nicht sicher nachgewiesen und zuverlässig quantifiziert werden [149].

Bei ernsten Blutungskomplikationen sind – neben lokalen Maßnahmen zur Blutstillung und Kreislaufstabilisierung – die Antithrombotika in der Dosierung zu reduzieren, zu pausieren oder ganz abzusetzen. Aufgrund der kurzen Halbwertszeit der meisten Antikoagulanzien ist nur sehr selten eine Antagonisierung in Erwägung zu ziehen [150]: für UFH oder NMH mit Protamin, für VKA mit Vitamin K (verzögert wirkend!) oder PPSB, für DXI (Apixaban, Rivaroxaban) mit PPSB oder Andexanet alfa und für Dabigatran mit Idarucizumab. Für Fondaparinux gibt es keinen zugelassenen spezifischen Antagonisten. Bei NMH, Fondaparinux und Edoxaban ist Andexanet alfa wirksam, aber nicht zugelassen (03/2026). Zur Verbesserung der Hämostase nach ASS-Einnahme ist Desmopressin [151152] hilfreich, in sehr seltenen Fällen kann auch die Transfusion von Thrombozyten [152] in Betracht kommen.

Bei lebensbedrohlicher Antithrombotika-induzierter Blutung kann die Gabe von rekombinantem Faktor VIIa erwogen werden [153]. Die kurze Halbwertszeit von Faktor VIIa sollte hierbei beachtet werden.

Über Zeitpunkt der Fortsetzung, Reduzierung der Dosis oder Absetzen des Antithrombotikums ist im Weiteren zu entscheiden.

9.1Antithrombotische Prophylaxe und Therapie bei erhöhtem Blutungsrisiko

In aller Regel waren Pat. mit vorbestehend erhöhtem Blutungsrisiko von der Teilnahme an Studien zur medikamentösen VTE-Prophylaxe oder VTE-Therapie ausgeschlossen, dennoch kann im Einzelfall eine antithrombotische Therapie notwendig und gerechtfertigt sein [12].

9.1.1Antithrombotika bei Thrombozytopenie

In Abhängigkeit von Ausmaß und Genese der Thrombozytopenie ist das Blutungsrisiko erhöht. Daher ist bei Vorliegen einer Thrombozytopenie (z.B. im Rahmen einer Tumortherapie) die Indikation zur Einleitung oder Fortführung einer antithrombotischen Medikation und ihrer Intensität zu prüfen [154155]. Höhergradig evidenzbasierte Empfehlungen gibt es dazu nicht. Antithrombotika mit langer Wirkdauer (VKA, ASS) sind zu vermeiden.

Je höher das VTE-Risiko einzuschätzen ist, desto eher wird man eine Erhöhung des Blutungsrisiko in der gemeinsamen Abwägung mit den Betroffenen in Kauf nehmen [156]. Basierend auf Erfahrungen mit NMH bei der Behandlung akuter symptomatischer tumorassoziierter VTE wird bis zu einer Thrombozytenzahl von etwa 50/nl empfohlen, die volle Therapiedosis beizubehalten [157158], bei < 50/nl das Antikoagulans in der Dosis zu reduzieren (z.B. halbtherapeutisch oder prophylaktisch) oder – insbesondere bei Thrombozytenzahlen unter 25 oder 30/nl – zu pausieren. Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, auch bei sehr niedrigen Thrombozytenzahlen eine dosisreduzierte VTE-Therapie zu beginnen oder aufrechtzuerhalten, wobei zu beachten ist, dass bei Thrombozytenzahlen < 10/nl das Risiko für spontane Blutungskomplikationen stark erhöht ist. Internationalen Leitlinienempfehlungen zufolge kann auch eine Thrombozytentransfusion in Betracht gezogen werden, um die Fortführung einer Antikoagulation zu ermöglichen [159160].

Auch wenn für die medikamentöse VTE-Prophylaxe analoge Empfehlungen fehlen, wird man sich – nach kritischer Prüfung der Indikation – dennoch an diesen Grenzwerten orientieren.

10[Kapitel nicht relevant]Literatur

  1. Riess H, Schmitz-Rixen T, Jung G et al.: Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE), AWMF S3-Leitlinie, 2025. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/003-001.html

  2. Linnemann B, Blank W, Doenst T et al.: Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie, AWMF S2k-Leitlinie, 2023. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/065-002.html

  3. Grant PJ, Co I, Lewis S et al.: Adult Venous Thromboembolism (VTE) Guideline. 2024: Ann Arbor (MI). PMID:39977558

  4. Key NS, Khorana AA, Kuderer NM et al.: Venous Thromboembolism Prophylaxis and Treatment in Patients With Cancer: ASCO Guideline Update. J Clin Oncol 41(16):3063-3071, 2023. DOI:10.1200/JCO.23.00294

  5. Falanga A, Ay C, Di Nisio M et al.: Venous thromboembolism in cancer patients: ESMO Clinical Practice Guideline. Ann Oncol 34(5):452-467, 2023. DOI:10.1016/j.annonc.2022.12.014

  6. Stevens SM, Woller SC, Baumann Kreuziger L et al.: Executive Summary: Antithrombotic Therapy for VTE Disease: Second Update of the CHEST Guideline and Expert Panel Report. Chest 160(6):2247-2259, 2021. DOI:10.1016/j.chest.2021.07.056

  7. Munoz Martin AJ, Gallardo Diaz E, Garcia Escobar I et al.: SEOM clinical guideline of venous thromboembolism (VTE) and cancer (2019). Clin Transl Oncol 22(2):171-186, 2020. DOI:10.1007/s12094-019-02263-z

  8. Li A, Zhou E: Trends and Updates on the Epidemiology of Cancer Associated Thrombosis: A Systematic Review. Bleeding Thromb Vasc Biol 3(Suppl 1):10.4081/btvb.2024.108, 2024. DOI:10.4081/btvb.2024.108

  9. Harry J, Bucciol R, Finnigan D et al.: The incidence of venous thromboembolism by type of solid cancer worldwide: A systematic review. Cancer Epidemiol 95:102764, 2025. DOI:10.1016/j.canep.2025.102764

  10. Wan T, Song J, Zhu D: Cancer-associated venous thromboembolism: a comprehensive review. Thromb J 23(1):35, 2025. DOI:10.1186/s12959-025-00719-7

  11. Pavlovic D, Niciforovic D, Markovic M et al.: Cancer-Associated Thrombosis: Epidemiology, Pathophysiological Mechanisms, Treatment, and Risk Assessment. Clin Med Insights Oncol 17:11795549231220297, 2023. DOI:10.1177/11795549231220297

  12. Kacimi SEO, Moeinafshar A, Haghighi SS et al.: Venous thromboembolism in cancer and cancer immunotherapy. Crit Rev Oncol Hematol 178:103782, 2022. DOI:10.1016/j.critrevonc.2022.103782

  13. Grilz E, Posch F, Nopp S et al.: Relative risk of arterial and venous thromboembolism in persons with cancer vs. persons without cancer-a nationwide analysis. Eur Heart J 42(23):2299-2307, 2021. DOI:10.1093/eurheartj/ehab171

  14. Mulder FI, Horvath-Puho E, van Es N, et al.: Venous thromboembolism in cancer patients: a population-based cohort study. Blood 137(14):1959-1969, 2021. DOI:10.1182/blood.2020007338

  15. Khorana AH, Francis CW, Culakova E et al.: Thromboembolism is a leading cause of death in cancer patients receiving outpatient chemotherapy. J Thromb Haemost 5(3):632-634, 2007. DOI:10.1111/j.1538-7836.2007.02374.x

  16. Weitz SI, Haas S, Ageno W et al.: Cancer associated thrombosis in everyday practice: perspectives from GARFIELD-VTE. J Thromb Thrombolysis 50(2):267-277, 2020. DOI:10.1007/s11239-020-02180-x

  17. Gimbel IA, Mulder FI, Bosch FTM et al.: Pulmonary embolism at autopsy in cancer patients. J Thromb Haemost 19(5):1228-1235, 2021. DOI:10.1111/jth.15250

  18. Valerio L, Turatti G, Klok FA et al.: Prevalence of pulmonary embolism in 127 945 autopsies performed in cancer patients in the United States between 2003 and 2019. J Thromb Haemost 19(6):1591-1593, 2021. DOI:10.1111/jth.15321

  19. Girardi L, Wang TF, Ageno W et al.: Updates in the Incidence, Pathogenesis, and Management of Cancer and Venous Thromboembolism. Arterioscler Thromb Vasc Biol 43(6):824-831, 2023. DOI:10.1161/ATVBAHA.123.318779

  20. Sevestre MA, Soudet S: Epidemiology and risk factors for cancer-associated thrombosis. J Med Vasc 45(6S):6S3-6S7, 2020. DOI:10.1016/S2542-4513(20)30513-7

  21. Moik F, Riedl JM, Englisch C et al.: Update on Thrombosis Risk in Patients with Cancer: Focus on Novel Anticancer Immunotherapies. Hamostaseologie 44(1):40-48, 2024. DOI:10.1055/a-2215-9909

  22. Pantazi D, Alivertis D,Tselepis AD: Underlying Mechanisms of Thrombosis Associated with Cancer and Anticancer Therapies. Curr Treat Options Oncol 25(7):897-913, 2024. DOI:10.1007/s11864-024-01210-7

  23. Roy DC, Wang TF, Lun R et al.: Inherited thrombophilia gene mutations and risk of venous thromboembolism in patients with cancer: A systematic review and meta-analysis. Am J Hematol 99(4):577-585, 2024. DOI:10.1002/ajh.27222

  24. Lopez-Rubio M, Lago-Rodriguez MO, Ordieres-Ortega L et al.: A Comprehensive Review of Catheter-Related Thrombosis. J Clin Med 13(24):7818, 2024. DOI:10.3390/jcm13247818

  25. Fowler C, Pastores SM: Venous Thromboembolic Events in Cancer Immunotherapy: A Narrative Review. J Clin Med 14(14):4926, 2025. DOI:10.3390/jcm14144926

  26. Di Minno MND, Ambrosino P, Ambrosini F et al.: Prevalence of deep vein thrombosis and pulmonary embolism in patients with superficial vein thrombosis: a systematic review and meta-analysis. J Thromb Haemost 14(5):964-972, 2016. DOI:10.1111/jth.13279

  27. Piazza G, Krishnathasan D, Hamade N et al.: Superficial Vein Thrombosis: A Review. JAMA 334(22):2020-2030, 2025. DOI:10.1001/jama.2025.15222

  28. Hirmerova J, Seidlerova J, Subrt I et al.: Prevalence of cancer in patients with superficial vein thrombosis and its clinical importance. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 10(1):26-32, 2022. DOI:10.1016/j.jvsv.2021.05.006

  29. Bailey AJM, Luo OD, Zhou SQ et al.: The incidence and risk of venous thromboembolism in patients with active malignancy and isolated superficial venous thrombosis: a systematic review and meta-analysis (the IROVAM-iSVT review). J Thromb Haemost 23(6):1824-1837, 2025. DOI:10.1016/j.jtha.2025.03.019

  30. Langer F, Gerlach HE, Schimke A et al.: Clinical outcomes of cancer-associated isolated superficial vein thrombosis in daily practice. Thromb Res 220:145-152, 2022. DOI:10.1016/j.thromres.2022.10.022

  31. van Royen FSA, van Smeden M, van Doorn S et al.: Predictive factors of clot propagation in patients with superficial venous thrombosis towards deep venous thrombosis and pulmonary embolism: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open 14(4):e074818, 2024. DOI:10.1136/bmjopen-2023-074818

  32. Khorana AA, Soff GA, Kakkar AK et al.: Rivaroxaban for Thromboprophylaxis in High-Risk Ambulatory Patients with Cancer. N Engl J Med 380(8):720-728, 2019. DOI:10.1056/NEJMoa1814630

  33. Noble S, Johnson MJ: Management of cancer-associated thrombosis in people with advanced disease. BMJ Support Palliat Care 2(2):163-167, 2012. DOI:10.1136/bmjspcare-2011-000166

  34. Wells PS, Hirsh J, Anderson DR et al.: Accuracy of clinical assessment of deep-vein thrombosis. Lancet 345(8961):1326-1330. 1995. DOI:10.1016/s0140-6736(95)92535-x

  35. Wauthier L, Favresse J, Hardy M et al.: D-dimer testing: A narrative review. Adv Clin Chem 114:151-223, 2023. DOI:10.1016/bs.acc.2023.02.006

  36. Wells PS, Ginsberg JS , Anderson DR et al.: Use of a clinical model for safe management of patients with suspected pulmonary embolism. Ann Intern Med 129(12):997-1005, 1998. DOI:10.7326/0003-4819-129-12-199812150-00002

  37. Le Gal G, Righini M, Roy PM et al.: Prediction of pulmonary embolism in the emergency department: the revised Geneva score. Ann Intern Med 144(3):165-171, 2006. DOI:10.7326/0003-4819-144-3-200602070-00004

  38. Klok FA, Mos ICM, Nijkeuter M et al.: Simplification of the revised Geneva score for assessing clinical probability of pulmonary embolism. Arch Intern Med 168(19):2131-2136, 2008. DOI:10.1001/archinte.168.19.2131

  39. Laporte S, Mismetti P, Décousus H et al.: Clinical predictors for fatal pulmonary embolism in 15,520 patients with venous thromboembolism: findings from the Registro Informatizado de la Enfermedad TromboEmbolica venosa (RIETE) Registry. Circulation 117(13):1711-1716, 2008. DOI:10.1161/circulationaha.107.726232

  40. Klamroth R, Sinn M, Pollich C et al.: Anticoagulation Practice in Patients with Cancer-Associated Thrombosis: Insights from GeCAT, a German Prospective Registry Study. Oncol Res Treat 45(4):178-185, 2022. DOI:10.1159/000521698

  41. Riess H, Beyer-Westendorf J, Pelzer U et al.: Cancer-Associated Venous Thromboembolism-Diagnostic and Therapeutic Considerations: An Update Based on the Revised AWMF S2k Guideline. Hamostaseologie 44(2):143-149, 2024. DOI:10.1055/a-2178-6508

  42. Wen J, Zhang C, Wu F et al.: Advances in occult cancer screening for patients with unprovoked venous thromboembolism: A narrative review of epidemiology, risk, and clinical strategies. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 14(2):102439, 2026. DOI:10.1016/j.jvsv.2025.102439

  43. van Es N, Le Gal G, Otten HM et al.: Screening for Occult Cancer in Patients With Unprovoked Venous Thromboembolism: A Systematic Review and Meta-analysis of Individual Patient Data. Ann Intern Med 167(6):410-417, 2017. DOI:10.7326/m17-0868

  44. Klein A, Shepshelovich D, Spectre G et al.: Screening for occult cancer in idiopathic venous thromboembolism - Systemic review and meta-analysis. Eur J Intern Med 42:74-80, 2017. DOI:10.1016/j.ejim.2017.05.007

  45. Rosell A, Lundstrom S, Mackman N et al.: A clinical practice-based evaluation of the RIETE score in predicting occult cancer in patients with venous thromboembolism. J Thromb Thrombolysis 48(1):111-118, 2019. DOI:10.1007/s11239-019-01822-z

  46. Robertson L, Yeoh SE, Broderick G et al.: Effect of testing for cancer on cancer- or venous thromboembolism (VTE)-related mortality and morbidity in people with unprovoked VTE. Cochrane Database Syst Rev 11(11):CD010837, 2018. DOI:10.1002/14651858.CD010837.pub4

  47. Carrier M, Lazo-Langner A, Shivakumar S et al.: Screening for Occult Cancer in Unprovoked Venous Thromboembolism. N Engl J Med 373(8):697-704, 2015. DOI:10.1056/NEJMoa1506623

  48. Robin P, Le Roux PY, Planquette B et al.: Limited screening with versus without (18)F-fluorodeoxyglucose PET/CT for occult malignancy in unprovoked venous thromboembolism: an open-label randomised controlled trial. Lancet Oncol 17(2):193-199, 2016. DOI:10.1016/S1470-2045(15)00480-5

  49. Kraaijpoel N, van Es N, Raskob GE et al.: Risk Scores for Occult Cancer in Patients with Venous Thromboembolism: A Post Hoc Analysis of the Hokusai-VTE Study. Thromb Haemost 118(7):1270-1278, 2018. DOI:10.1055/s-0038-1649523

  50. Diez-Vidal A, Gomez Lopez J, Rodriguez Fuertes P, et al.: Superficial vein thrombosis and its relationship with malignancies: a prospective observational study. J Thromb Thrombolysis 57(4):650-657, 2024. DOI:10.1007/s11239-024-02963-6

  51. Moreno-Rocha O, Obi AT: Superficial Vein Thrombosis. Med Clin North Am 109(4):923-929, 2025. DOI:10.1016/j.mcna.2025.03.006

  52. Jorgensen CT, Braekkan SK, Forsund E et al.: Incidence of venous thromboembolism, recurrence, and bleeding after isolated superficial vein thrombosis: findings from the Venous Thrombosis Registry in Ostfold Hospital. J Thromb Haemost 22(2):526-533, 2024. DOI:10.1016/j.jtha.2023.10.017

  53. Englisch C, Moik F, Steiner D et al.: Bleeding events in patients with cancer: incidence, risk factors, and impact on prognosis in a prospective cohort study. Blood 144(22):2349-2359, 2024. DOI:10.1182/blood.2024025362

  54. Englisch C, Vladic N,Ay C: Bleeding Risk in Patients with Cancer. Hamostaseologie 45(2):188-203, 2025. DOI:10.1055/a-2347-6507

  55. Kaatz S, Ahmad D, Spyropoulos AC et al.: Definition of clinically relevant non-major bleeding in studies of anticoagulants in atrial fibrillation and venous thromboembolic disease in non-surgical patients: communication from the SSC of the ISTH. J Thromb Haemost 13(11):2119-2126, 2015. DOI:10.1111/jth.13140

  56. Khorana AA, Kuderer NM, Culakova E et al.: Development and validation of a predictive model for chemotherapy-associated thrombosis. Blood 111(10):4902-4907, 2008. DOI:10.1182/blood-2007-10-116327

  57. Li A, La J, May SB et al.: Derivation and Validation of a Clinical Risk Assessment Model for Cancer-Associated Thrombosis in Two Unique US Health Care Systems. J Clin Oncol 41(16):2926-2938, 2023. DOI:10.1200/JCO.22.01542

  58. Pabinger I, van Es N, Heinze G et al.: A clinical prediction model for cancer-associated venous thromboembolism: a development and validation study in two independent prospective cohorts. Lancet Haematol 5(7):e289-e298., 2018 DOI:10.1016/S2352-3026(18)30063-2

  59. Hostler DC, Marx LS, Moores LK et al.: Validation of the International Medical Prevention Registry on Venous Thromboembolism Bleeding Risk Score. Chest 149(2):372-379, 2016. DOI:10.1378/chest.14-2842

  60. Cohen AT, Wallenhorst C, Choudhuri S et al.: A Novel Risk Prediction Score for Clinically Significant Bleeding in Patients Anticoagulated for Venous Thromboembolism with Active Cancer. Thromb Haemost 124(4):324-336, 2024. DOI:10.1055/a-2145-7238

  61. Kolkailah AA, Abdelghaffar B, Elshafeey F et al.: Standard- versus extended-duration anticoagulation for primary venous thromboembolism prophylaxis in acutely ill medical patients. Cochrane Database Syst Rev 12(12):CD014541, 2024. DOI:10.1002/14651858.CD014541.pub2

  62. Jreij G, Crone C, Wiley A et al.: Meta-analysis of duration of venous thromboembolism risk following hospitalization in surgical and medical patients. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 14(1):102343, 2024. DOI:10.1016/j.jvsv.2025.102343

  63. Vladic N, Englisch C, Berger JM et al.: Validation of risk assessment models for venous thromboembolism in patients with cancer receiving systemic therapies. Blood Adv 9(13):3340-3349, 2025. DOI:10.1182/bloodadvances.2025016044

  64. Englisch C, Nopp S, Moik F et al.: The Vienna CATScore for predicting cancer-associated venous thromboembolism: an external validation across multiple time points. ESMO Open 10(2):104130, 2025. DOI:10.1016/j.esmoop.2024.104130

  65. Dulberger KN, La J, Li A et al.: External validation of a novel cancer-associated venous thromboembolism risk assessment score in a safety-net hospital. Res Pract Thromb Haemost 9(1):102650, 2025. DOI:10.1016/j.rpth.2024.102650

  66. Li A, De Las Pozas G, Andersen CR et al.: External validation of a novel electronic risk score for cancer-associated thrombosis in a comprehensive cancer center. Am J Hematol 98(7):1052-1057, 2023. DOI:10.1002/ajh.26928

  67. Lanting V, Vago E, Horvath-Puho E et al.: Validation of clinical risk assessment scores for venous thromboembolism in patients with cancer: a population-based cohort study. J Thromb Haemost 23(2):600-609, 2024. DOI:10.1016/j.jtha.2024.10.021

  68. Li A, Jafari O, Lam BD et al.: Validation of a Risk Score for Cancer-Associated Thrombosis Using Nationwide EHR Data. JAMA Netw Open 8(11):e2544428, 2025. DOI:10.1001/jamanetworkopen.2025.44428

  69. Khorana AA, Francis CW, Kuderer NM et al.: Dalteparin thromboprophylaxis in cancer patients at high risk for venous thromboembolism: A randomized trial. Thromb Res 151:89-95, 2017. DOI:10.1016/j.thromres.2017.01.009

  70. Carrier M, Abou-Nassar K, Mallick R et al.: Apixaban to Prevent Venous Thromboembolism in Patients with Cancer. N Engl J Med 380(8):711-719, 2019. DOI:10.1056/NEJMoa1814468

  71. Li A, Kuderer NM, Garcia DA et al.: Direct oral anticoagulant for the prevention of thrombosis in ambulatory patients with cancer: A systematic review and meta-analysis. J Thromb Haemost 17(12):2141-2151, 2019. DOI:10.1111/jth.14613

  72. Rutjes, Porreca, Candeloro, et al., Primary prophylaxis for venous thromboembolism in ambulatory cancer patients receiving chemotherapy. Cochrane Database Syst Rev, 2020. 12(12): p. CD008500. DOI:10.1002/14651858.CD008500.pub5

  73. Kirschner M, do Ó Hartmann N, Parmentier S et al.: Primary Thromboprophylaxis in Patients with Malignancies: Daily Practice Recommendations by the Hemostasis Working Party of the German Society of Hematology and Medical Oncology (DGHO), the Society of Thrombosis and Hemostasis Research (GTH), and the Austrian Society of Hematology and Oncology (OGHO). Cancers (Basel) 13(12):2905, 2021. DOI:10.3390/cancers13122905

  74. Maraveyas A, Waters J, Roy R, et al.: Gemcitabine versus gemcitabine plus dalteparin thromboprophylaxis in pancreatic cancer. Eur J Cancer 48(9):1283-1292, 2012. DOI:10.1016/j.ejca.2011.10.017

  75. Pelzer U, Opitz B, Deutschinoff G et al.: Efficacy of Prophylactic Low-Molecular Weight Heparin for Ambulatory Patients With Advanced Pancreatic Cancer: Outcomes From the CONKO-004 Trial. J Clin Oncol 33(18):2028-2034, 2015. DOI:10.1200/JCO.2014.55.1481

  76. Vadhan-Raj S, McNamara MG, Venerito M et al.: Rivaroxaban thromboprophylaxis in ambulatory patients with pancreatic cancer: Results from a pre-specified subgroup analysis of the randomized CASSINI study. Cancer Med 9(17):6196-6204, 2020. DOI:10.1002/cam4.3269

  77. Plate TE, Trabolsi A, Kronenfeld RS et al.: Association of risk factors for venous thromboembolism and overall survival in lung cancer. Blood Vessel Thromb Hemost 2(3):100074, 2025. DOI:10.1016/j.bvth.2025.100074

  78. Chiari R, Ricciuti B, Landi L et al.: ROS1-rearranged Non-small-cell Lung Cancer is Associated With a High Rate of Venous Thromboembolism: Analysis From a Phase II, Prospective, Multicenter, Two-arms Trial (METROS). Clin Lung Cancer 21(1):15-20, 2020. DOI:10.1016/j.cllc.2019.06.012

  79. Thein KZ, Quick DP, Htut TW et al.: Impact of Primary Ambulatory Thromboprophylaxis (PATP) with Low-Molecular Weight Heparins (LMWHs) on Survival in Patients with Lung Cancer Receiving Chemotherapy. Lung 198(3):575-579, 2020. DOI:10.1007/s00408-020-00347-0

  80. Fuentes HE, Oramas DM, Paz LH et al.: Meta-analysis on anticoagulation and prevention of thrombosis and mortality among patients with lung cancer. Thromb Res 154:28-34, 2017. DOI:10.1016/j.thromres.2017.03.024

  81. Kapteijn MY, Bakker N, Koekkoek JAF et al.: Venous Thromboembolism in Patients with Glioblastoma: Molecular Mechanisms and Clinical Implications. Thromb Haemost 125(5):421-434, 2025. DOI:10.1055/s-0044-1789592

  82. Kahale LA, Matar CF, Tsolakian I et al.: Antithrombotic therapy for ambulatory patients with multiple myeloma receiving immunomodulatory agents. Cochrane Database Syst Rev 9(9):CD014739, 2021. DOI:10.1002/14651858.CD014739

  83. Codreanu C, Elling T, Veeger NJGM et al.: A systematic review of direct oral anticoagulants for thromboprophylaxis in multiple myeloma. Res Pract Thromb Haemost 9(3):102865, 2025. DOI:10.1016/j.rpth.2025.102865

  84. Charalampous C, Shah D, Kumar S et al.: Thromboprophylaxis in multiple myeloma: a case-based review with practical guidelines. Ann Hematol 103(10):3881-3888, 2024. DOI:10.1007/s00277-024-05733-9

  85. Costa TA, Felix N, Almeida Costa B et al.: Direct oral anticoagulants versus aspirin for primary thromboprophylaxis in patients with multiple myeloma undergoing outpatient therapy: A systematic review and updated meta-analysis. Br J Haematol 203(3):395-403, 2023. DOI:10.1111/bjh.19017

  86. Gerotziafas G, Fotiou D, Nijhof I et al.: Prevention and treatment of venous thromboembolism in patients with multiple myeloma: Clinical practice guidelines on behalf of the European Myeloma Network. Hemasphere 9(8):e70177, 2025. DOI:10.1002/hem3.70177

  87. Landolfi R, Marchioli R, Kutti J et al.: Efficacy and safety of low-dose aspirin in polycythemia vera. N Engl J Med 350(2):114-124, 2004. DOI:10.1056/NEJMoa035572

  88. Squizzato A, Romualdi E, Passamonti F et al.: Antiplatelet drugs for polycythaemia vera and essential thrombocythaemia. Cochrane Database Syst Rev 2013(4):CD006503, 2013. DOI:10.1002/14651858.CD006503.pub3

  89. Barbui T, De Stefano V, Falanga R et al.: Addressing and proposing solutions for unmet clinical needs in the management of myeloproliferative neoplasm-associated thrombosis: A consensus-based position paper. Blood Cancer J 9(8):61, 2019. DOI:10.1038/s41408-019-0225-5

  90. Puri A, Dai H, Giri M et al.: The incidence and risk of venous thromboembolism associated with peripherally inserted central venous catheters in hospitalized patients: A systematic review and meta-analysis. Front Cardiovasc Med 9:917572, 2022. DOI:10.3389/fcvm.2022.917572

  91. Chen W, Wu D, Tong Z et al.: Implantable Ports vs Peripherally Inserted Central Catheters in Breast Cancer Chemotherapy: A Comprehensive Meta-Analysis. Med Sci Monit 31:e949000, 2025. DOI:10.12659/MSM.949000

  92. Qiu J, Huang S, Wen P et al.: Implantable Port Catheters versus Peripherally Inserted Central Catheters for Cancer Patients Requiring Chemotherapy: An RCT-Based Meta-Analysis. J Cancer 16(4):1127-1136, 2025. DOI:10.7150/jca.103631

  93. Li A, Brandt W, Brown C et al.: Efficacy and safety of primary thromboprophylaxis for the prevention of venous thromboembolism in patients with cancer and a central venous catheter: A systematic review and meta-analysis. Thromb Res 208:58-65, 2021. DOI:10.1016/j.thromres.2021.10.012

  94. Kahale LA, Matar CF, Tsolakian I et al.: Oral anticoagulation in people with cancer who have no therapeutic or prophylactic indication for anticoagulation. Cochrane Database Syst Rev 10(10):CD006466, 2021. DOI:10.1002/14651858.CD006466.pub7

  95. Montroy J, Lalu MM, Auer RC et al.: The Efficacy and Safety of Low Molecular Weight Heparin Administration to Improve Survival of Cancer Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. Thromb Haemost 120(5):832-846, 2020. DOI:10.1055/s-0040-1709712

  96. White C, Noble SIR, Watson M et al.: Prevalence, symptom burden, and natural history of deep vein thrombosis in people with advanced cancer in specialist palliative care units (HIDDen): a prospective longitudinal observational study. Lancet Haematol 6(2):e79-e88, 2019. DOI:10.1016/S2352-3026(18)30215-1

  97. Allende-Perez SR, Cesarman-Maus G, Pena-Nieves A et al.: Venous Thromboembolism in Patients with Cancer Receiving Specialist Palliative Care. Clin Appl Thromb Hemost 28:10760296221081121, 2022. DOI:10.1177/10760296221081121

  98. Gomez-Outes A, Terleira-Fernandez AI, Lecumberri R et al.: Direct oral anticoagulants in the treatment of acute venous thromboembolism: a systematic review and meta-analysis. Thromb Res 134(4):774-782, 2014. DOI:10.1016/j.thromres.2014.06.020

  99. Fredman D, McNeil R, Eldar O et al.: Efficacy and safety of rivaroxaban versus apixaban for venous thromboembolism: A systematic review and meta-analysis of observational studies. J Thromb Thrombolysis 57(3):453-465, 2024. DOI:10.1007/s11239-023-02926-3

  100. Castellucci LA, Chen VM, Kovacs MJ et al.: Bleeding Risk with Apixaban vs. Rivaroxaban in Acute Venous Thromboembolism. N Engl J Med 394(11):1051-1060, 2026. DOI:10.1056/NEJMoa2510703

  101. Raskob GE, van Es N, Verhamme P et al.: Edoxaban for the Treatment of Cancer-Associated Venous Thromboembolism. N Engl J Med 378(7):615-624, 2018. DOI:10.1056/NEJMoa1711948

  102. Young AM, Marshall A, Thirlwall J et al.: Comparison of an Oral Factor Xa Inhibitor With Low Molecular Weight Heparin in Patients With Cancer With Venous Thromboembolism: Results of a Randomized Trial (SELECT-D). J Clin Oncol, 36(20):2017-2023, 2018. DOI:10.1200/JCO.2018.78.8034

  103. Agnelli G, Becattini C, Meyer G et al.: Apixaban for the Treatment of Venous Thromboembolism Associated with Cancer. N Engl J Med 382(17):1599-1607, 2020. DOI:10.1056/NEJMoa1915103

  104. Li A, Garcia DA, Lyman GH et al.: Direct oral anticoagulant (DOAC) versus low-molecular-weight heparin (LMWH) for treatment of cancer associated thrombosis (CAT): A systematic review and meta-analysis. Thromb Res 173:158-163, 2019. DOI:10.1016/j.thromres.2018.02.144

  105. Mulder FJ, Bosch FTM, Young AM et al.: Direct oral anticoagulants for cancer-associated venous thromboembolism: a systematic review and meta-analysis. Blood 136(12):1433-1441, 2020. DOI:10.1182/blood.2020005819

  106. Frere C, Farge D, Schrag D et al.: Direct oral anticoagulant versus low molecular weight heparin for the treatment of cancer-associated venous thromboembolism: 2022 updated systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Hematol Oncol 15(1):69, 2022. DOI:10.1186/s13045-022-01289-1

  107. Moik F, Posch F, Zielinski C et al.: Direct oral anticoagulants compared to low-molecular-weight heparin for the treatment of cancer-associated thrombosis: Updated systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Res Pract Thromb Haemost 4(4):550-561, 2020. DOI:10.1002/rth2.12359

  108. Mousavi A, Shojaei S, Rahmati S et al.: Direct Oral Anticoagulants Versus Low-Molecular-Weight Heparin in Patients With Cancer-Associated Thrombosis: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Am J Cardiol 254:32-41, 2025. DOI:10.1016/j.amjcard.2025.06.022

  109. Goldberg I, Spectre G, Raanani P et al.: Clinical Challenges in Treating Cancer-Associated Thrombosis: A Clinically Oriented Review. Acta Haematol 148(4):477-493, 2025. DOI:10.1159/000542872

  110. Riess H, Prandoni P, Harder S et al.: Direct oral anticoagulants for the treatment of venous thromboembolism in cancer patients: Potential for drug-drug interactions. Crit Rev Oncol Hematol 132:169-179, 2018. DOI:10.1016/j.critrevonc.2018.09.015

  111. Riess H, Ay C, Bauersachs R et al.: Use of Direct Oral Anticoagulants in Patients with Cancer: Practical Considerations for the Management of Patients with Nausea or Vomiting. Oncologist 23(7):822-839, 2018. DOI:10.1634/theoncologist.2017-0473

  112. Kotokey UK, Kumari S: Modernising Acute PE and VTE Management: Meta-Analysis of Newer Anticoagulants Versus Traditional Therapy on Recurrence and Mortality. Heart Lung Circ 34(12):1319-1331, 2025. DOI:10.1016/j.hlc.2025.05.092

  113. King HL, Padilla-Lazos T, Chitkara A et al.: Unveiling the complexities of catheter-related thrombosis: risk factors, preventive strategies, and management. J Thromb Thrombolysis 58(3):443-457, 2025. DOI:10.1007/s11239-025-03073-7

  114. Carvalho da Costa AC, Pires Vieira NN, Inocêncio Vasques C et al.: Interventions for Occluded Central Venous Catheters: A Meta-analysis. Pediatrics 144(6):e20183789, 2019. DOI:10.1542/peds.2018-3789

  115. van Hylckama Vlieg MAM, Nasserinejad K, Visser C et al.: The risk of recurrent venous thromboembolism after discontinuation of anticoagulant therapy in patients with cancer-associated thrombosis: a systematic review and meta-analysis. EClinicalMedicine 64:102194, 2023. DOI:10.1016/j.eclinm.2023.102194

  116. Kahale LA, Hakoum MB, Tsolakian IG, et al.: Anticoagulation for the long-term treatment of venous thromboembolism in people with cancer. Cochrane Database Syst Rev 6(6):CD006650, 2018. DOI:10.1002/14651858.CD006650.pub5

  117. Riess H, Kretzschmar A, Heinken A et al.: Anticoagulation Therapy in Cancer Patients with Thrombosis in the Outpatient Sector of Germany (The CERTIFICAT Initiative)-German Practice of Anticoagulation Therapy of Cancer Patients with Thrombosis. Hamostaseologie 42(3):166-173, 2022. DOI:10.1055/a-1554-4664

  118. Agnelli G, Buller HR, Cohen A et al.: Apixaban for extended treatment of venous thromboembolism. N Engl J Med 368(8):699-708, 2013. DOI:10.1056/NEJMoa1207541

  119. Weitz JI, Lensing AWA, Prins MH et al.: Rivaroxaban or Aspirin for Extended Treatment of Venous Thromboembolism. N Engl J Med 376(13):1211-1222, 2017. DOI:10.1056/NEJMoa1700518

  120. McBane RD, Loprinzi CL, Zemla T et al.: Extending venous thromboembolism secondary prevention with apixaban in cancer patients. The EVE trial. J Thromb Haemost 22(6):1704-1714, 2024. DOI:10.1016/j.jtha.2024.03.011

  121. Mahe I, Carrier M, Mayeur D et al.: Extended Reduced-Dose Apixaban for Cancer-Associated Venous Thromboembolism. N Engl J Med 392(14):1363-1373, 2025. DOI:10.1056/NEJMoa2416112

  122. Langer F, Hart C, Klima KM et al.: Implications of the API-CAT Trial for Extended Secondary Prophylaxis of Cancer-associated Venous Thromboembolism: Guidance from an Expert Panel. Hamostaseologie 2025. DOI:10.1055/a-2645-4927

  123. Bakht D, Arham M, Rashid Z et al.: Reduced Versus Full-Dose Direct Oral Anticoagulants for Venous Thromboembolism in Cancer Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. EJHaem 6(5):e70155, 2025. DOI:10.1002/jha2.70155

  124. Connolly SJ, Eikelboom J, Joyner C et al.: Apixaban in patients with atrial fibrillation. N Engl J Med 364(9):806-817, 2011. DOI:10.1056/NEJMoa1007432

  125. Klamroth R, Riess H, Beyer-Westendorf J et al.: Recurrent Venous Thromboembolism in Patients on Anticoagulation: An Update Based on the Revised AWMF S2k Guideline. Hamostaseologie 44(2):150-154, 2024. DOI:10.1055/a-2173-7729

  126. Yoo HHB, Queluz THAT, El Dib R: Anticoagulant treatment for subsegmental pulmonary embolism. Cochrane Database Syst Rev 12(1):CD010222, 2014. DOI:10.1002/14651858.CD010222.pub2

  127. Caiano L, Carrier M, Marshall A et al.: Outcomes among patients with cancer and incidental or symptomatic venous thromboembolism: A systematic review and meta-analysis. J Thromb Haemost 19(10):2468-2479, 2021. DOI:10.1111/jth.15435

  128. Wiklund P, Medson K, Elf J: Unreported incidental pulmonary embolism in patients with cancer: Radiologic natural history and risk of recurrent venous thromboembolism and death. Thromb Res 224:65-72, 2023. DOI:10.1016/j.thromres.2023.02.010

  129. Salinger S, Kozic A, Dzudovic B et al.: Outcome of Patients With Cancer-Associated Pulmonary Embolism: Results From the Regional Pulmonary Embolism Registry. Cancer Med 14(9):e70886, 2025. DOI:10.1002/cam4.70886

  130. Bianchi L, Ghigliotti G, Sarocchi M et al.: Practical considerations about management of pulmonary embolism in patients with cancer. J Thromb Thrombolysis 59(1):43-54, 2026. DOI:10.1007/s11239-025-03122-1

  131. Leiva O, Yang EH, Rosovsky RP et al.: In-hospital and readmission outcomes of patients with cancer admitted for pulmonary embolism treated with or without catheter-based therapy. Int J Cardiol 408:132165, 2024. DOI:10.1016/j.ijcard.2024.132165

  132. Decousus H, Prandoni P, Mismetti P et al.: Fondaparinux for the treatment of superficial-vein thrombosis in the legs. N Engl J Med 363(13):1222-1232, 2020. DOI:10.1056/NEJMoa0912072

  133. Beyer-Westendorf J, Schellong SM, Gerlach H et al.: Prevention of thromboembolic complications in patients with superficial-vein thrombosis given rivaroxaban or fondaparinux: the open-label, randomised, non-inferiority SURPRISE phase 3b trial. Lancet Haematol 4(3):e105-e113, 2017. DOI:10.1016/S2352-3026(17)30014-5

  134. Sevestre MA, Talbot M, Bertoletti L et al.: Unresolved questions on venous thromboembolic disease. Therapeutic management of superficial vein thrombosis (SVT). Consensus statement of the French Society for Vascular Medicine (SFMV). J Med Vasc 49(3-4):162-169, 2024. DOI:10.1016/j.jdmv.2024.07.002

  135. Galanaud JP, Sevestre MA, Pernod G et al.: Long-term risk of venous thromboembolism recurrence after isolated superficial vein thrombosis. J Thromb Haemost 15(6):1123-1131, 2017. DOI:10.1111/jth.13679

  136. Bontinis A, Pouliopoulou I, Bontinis V et al.: Anticoagulants for the treatment of isolated lower limb superficial vein thrombosis a Bayesian network meta-analysis of randomized controlled trials. Thromb Res 241:109101, 2024. DOI:10.1016/j.thromres.2024.109101

  137. Rabe E, Hoffmann U, Schimke A et al.: Determinants of Late Venous Thromboembolic Events After Acute Isolated Superficial Vein Thrombosis in Daily Practice: 12 Month Results of the INSIGHTS-SVT Study. Eur J Vasc Endovasc Surg 66(5):697-704, 2023. DOI:10.1016/j.ejvs.2023.08.031

  138. Lobastov K, Dubar E, Schastlivtsev I et al.: A systematic review and meta-analysis for the association between duration of anticoagulation therapy and the risk of venous thromboembolism in patients with lower limb superficial venous thrombosis. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 12(2):101726, 2024. DOI:10.1016/j.jvsv.2023.101726

  139. Cosmi B, Sartori M: Transitioning between therapeutic anticoagulants: a clinicians guide to switching patients to or from DOAC therapy. Expert Rev Cardiovasc Ther 22(10):589-602, 2024. DOI:10.1080/14779072.2024.2421800

  140. Steinmetz S, Shor A, Jakubovics M: Systematic Literature Review of DOACs as Treatment for Confirmed or Suspected Heparin-Induced Thrombocytopenia (HIT). Ann Pharmacother 59(11):1015-1030, 2025. DOI:10.1177/10600280251322549

  141. Yin Q, Han L, Wang Y et al.: Unlocking the potential of fondaparinux: guideline for optimal usage and clinical suggestions (2023). Front Pharmacol 15:1352982, 2024. DOI:10.3389/fphar.2024.1352982

  142. Zhang Y, Guo S, Xu J: Multifunctional applications and research advances of low-molecular-weight heparin. Front Pharmacol 16:1585762, 2025. DOI:10.3389/fphar.2025.1585762

  143. Derbalah A, Duffull S, Newall F et al.: Revisiting the Pharmacology of Unfractionated Heparin. Clin Pharmacokinet 58(8):1015-1028, 2019. DOI:10.1007/s40262-019-00751-7

  144. Eichinger S: Reversing vitamin K antagonists: making the old new again. Hematology Am Soc Hematol Educ Program 2016(1):605-611, 2016. DOI:10.1182/asheducation-2016.1.605

  145. Patrono C: Fifty years with aspirin and platelets. Br J Pharmacol 180(1):25-43, 2023. DOI:10.1111/bph.15966

  146. Hoberstorfer T, Nopp S, Steiner D et al.: Bleeding risk and performance of bleeding risk assessment models in patients with venous thromboembolism on anticoagulation: results from the prospective observational bleeding and assess long-term outcomes on health in patients with venous thromboembolism (BACH-VTE) study. J Thromb Haemost 24(2):498-507, 2026. DOI:10.1016/j.jtha.2025.05.005

  147. Fu W, Zhao M, Ding S et al.: Efficacy and safety of anticoagulants on venous thromboembolism: a systematic review and network meta-analysis of randomized controlled trials. Front Pharmacol 15:1519869. 2024. DOI:10.3389/fphar.2024.1519869

  148. Kakkos SK, Kirkilesis GI, Tsolakis IA: Editor's Choice - efficacy and safety of the new oral anticoagulants dabigatran, rivaroxaban, apixaban, and edoxaban in the treatment and secondary prevention of venous thromboembolism: a systematic review and meta-analysis of phase III trials. Eur J Vasc Endovasc Surg 48(5):565-575, 2014. DOI:10.1016/j.ejvs.2014.05.001

  149. Lordkipanidze M: Advances in monitoring of aspirin therapy. Platelets 23(7):526-536, 2012. DOI:10.3109/09537104.2012.711865

  150. Bekka E, Liakoni E: Anticoagulation reversal (vitamin K, prothrombin complex concentrates, idarucizumab, andexanet-alpha, protamine). Br J Clin Pharmacol 91(3):604-614, 2025. DOI:10.1111/bcp.16142

  151. Desborough MIR, Oakland KA, Landoni G et al.: Desmopressin for treatment of platelet dysfunction and reversal of antiplatelet agents: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Thromb Haemost 15(2):263-272, 2017. DOI:10.1111/jth.13576

  152. Westfall KM, Andrews J, Sadek E et al.: A multicenter study of DDAVP versus platelet transfusions for antiplatelet agent reversal in patients with traumatic brain injury. Neurol Sci 45(7):3325-3332, 2024. DOI:10.1007/s10072-024-07379-x

  153. Yang J, Jing J, Chen S et al.: Reversal and resumption of anticoagulants in patients with anticoagulant-associated intracerebral hemorrhage. Eur J Med Res 29(1):252, 2024. DOI:10.1186/s40001-024-01816-5

  154. Moik F, Ay C: Treatment of VTE in the thrombocytopenic cancer patient. Hematology Am Soc Hematol Educ Program 2024(1):259-269, 2024. DOI:10.1182/hematology.2024000551

  155. Abbas U, MacKenzie R, Khan U et al.: Anticoagulant management of cancer-associated thrombosis and thrombocytopenia: a retrospective chart review. Res Pract Thromb Haemost 9(1):102684, 2025. DOI:10.1016/j.rpth.2025.102684

  156. Al-Samkari H, Connors JM: Managing the competing risks of thrombosis, bleeding, and anticoagulation in patients with malignancy. Hematology Am Soc Hematol Educ Program 2019(1):71-79, 2019. DOI:10.1182/hematology.2019000369

  157. Samuelson Bannow BT, Lee A, Khorana AA et al.: Management of cancer-associated thrombosis in patients with thrombocytopenia: guidance from the SSC of the ISTH. J Thromb Haemost 16(6):1246-1249, 2018. DOI:10.1111/jth.14015

  158. Carrier M, Lazo-Langner A, Shivakumar S et al.: Clinical challenges in patients with cancer-associated thrombosis: Canadian expert consensus recommendations. Curr Oncol 22(1):49-59, 2015. DOI:10.3747/co.22.2392

  159. Becattini C, Di Nisio M, Franco L et al.: Treatment of venous thromboembolism in cancer patients: The dark side of the moon. Cancer Treat Rev 96:102190, 2021. DOI:10.1016/j.ctrv.2021.102190

  160. Thachil J, Carrier M, Lisman T: Anticoagulation in thrombocytopenic patients - Time to rethink? J Thromb Haemost 20(9):1951-1956, 2022. DOI:10.1111/jth.15789

11[Kapitel nicht relevant]

12Studienergebnisse[Kapitel nicht relevant]

13Zulassungsstatus[Kapitel nicht relevant]

14[Kapitel nicht relevant]

15[Kapitel nicht relevant]

16Anschriften der Verfasser

Prof. Dr. med. Bernd Alt-Epping
Universitätsklinikum Heidelberg
Klinik für Palliativmedizin
Im Neuenheimer Feld 305
69105 Heidelberg
Prof. Dr. med. Anne Angelillo-Scherrer
Inselspital
Poliklinik für Hämatologie
Bettenhochhaus BHH U1
CH-3010 Bern
Univ.-Prof. PD Dr. Cihan Ay
Medizinische Universität Wien
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Prof. Dr. med. Christina Hart
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III
Universitätsklinikum Regensburg
Franz-Josef-Strauss-Allee 11
93053 Regensburg
Prof. Dr. med. Florian Langer
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Med. Klinik II
Abteilung Hämatologie/Onkologie
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Univ.-Prof. Dr. Ingrid Pabinger-Fasching
Allgemeines Krankenhaus Wien
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Klinische Abt. für Hämatologie und Hämostaseologie
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Prof. Dr. med. Hanno Riess
Charité, Campus Charité Mitte
Med. Klinik m.S. Onkologie und Hämatologie
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Univ. Prof. Dr. med. Andreas Tiede
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie,
Onkologie und Stammzelltransplantation
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
PD Dr. med. Minna Voigtländer
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zentrum für Onkologie
II. Medizinische Klinik und Poliklinik
Martinistr. 52
22041 Hamburg
Prof. Dr. med. Bernhard Wörmann
Amb. Gesundheitszentrum der Charité
Campus Virchow-Klinikum
Med. Klinik m.S. Hämatologie & Onkologie
Augustenburger Platz 1
13344 Berlin

17ErklärungenErklärung zu möglichen Interessenkonflikten

Autor*in Anstellung1 Beratung / Gutachten2 Aktien / Fonds3 Patent / Urheberrecht / Lizenz4 Honorare5 Finanzierung wissenschaftlicher Untersuchungen6 Andere finanzielle Beziehungen7 Persönliche Beziehung zu Vertretungsberechtigten8
Alt-Epping, Bernd
Universitätsklinikum Heidelberg
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Angelillo-Scherrer, Anne Eine Erklärung liegt noch nicht vor
Ay, Cihan Eine Erklärung liegt noch nicht vor
Hart, Christina
Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III 93042 Regensburg
Ja
BMS
Nein
Nein
Ja
Pfizer
Nein
Nein
Nein
Langer, Florian
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Ja
AstraZeneca, Bayer, BioMarin, Bristol Myers Squibb, Chugai, CSL Behring, LEO Pharma, Novo Nordisk, Pfizer, Roche, SOBI, Takeda, Viatris
Nein
Nein
Ja
AstraZeneca, Bayer, Bristol Myers Squibb, Chugai, CSL Behring, LEO Pharma, Novo Nordisk, Pfizer, SOBI, Viatris, Werfen
Ja
Anthos Therapeutics, Bayer, Chugai, CSL Behring, Intersero, Novo Nordisk, Pfizer, SOBI
Nein
Nein
Pabinger-Fasching, Ingrid
Medizinische Universität Wien Kepler Universitätsklinikum Linz
Ja
CSL Behring Sobi
Nein
Nein
Ja
Sobi CSL Behring Rovi Pfizer
Nein
Ja
CSL Behring
Nein
Riess, Hanno
Seniorprofessor der Charité, kein "Arbeitsnehmer"
Nein
Nein
Nein
Ja
Bayer, BMS / Pfizer, Viatris
Nein
Nein
Nein
Tiede, Andreas
Medizinische Hochschule Hannover
Ja
Bayer, Biomarin, Biotest, Chugai, CSL Behring, Novo Nordisk, Octapharma, Pfizer, Roche, SOBI, Takeda
Nein
Nein
Ja
Bayer, Biomarin, Biotest, Chugai, CSL Behring, Novo Nordisk, Octapharma, Pfizer, Roche, SOBI, Takeda
Ja
Biomarin, Biotest, Novo Nordisk, CSL Behring, Octapharma, SOBI
Nein
Nein
Voigtländer, Minna
II. Med. Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg DGHO e.V., Bauhofstraße 12, 10117 Berlin
Ja
Beigene, Johnson & Johnson
Nein
Nein
Ja
Bristol Myers Squibb, AstraZeneca, Pfizer, Johnson & Johnson
Nein
Ja
CSL Behring, Jazz Pharmaceuticals
Nein
Wörmann, Bernhard
DGHO Charité Universitätsmedizin Berlin
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
1 - Gegenwärtiger Arbeitgeber, relevante frühere Arbeitgeber der letzten 3 Jahre (Institution/Ort)
2 - Tätigkeit als Berater*in bzw. Gutachter*in oder bezahlte Mitarbeit in einem wissenschaftlichen Beirat / Advisory Board eines Unternehmens der Gesundheitswirtschaft (z. B. Arzneimittelindustrie, Medizinproduktindustrie), eines kommerziell orientierten Auftragsinstituts oder einer Versicherung
3 - Besitz von Geschäftsanteilen, Aktien, Fonds mit Beteiligung von Unternehmen der Gesundheitswirtschaft
4 - Betrifft Arzneimittel und Medizinprodukte
5 - Honorare für Vortrags- und Schulungstätigkeiten oder bezahlte Autor*innen oder Koautor*innenschaften im Auftrag eines Unternehmens der Gesundheitswirtschaft, eines kommerziell orientierten Auftragsinstituts oder einer Versicherung
6 - Finanzielle Zuwendungen (Drittmittel) für Forschungsvorhaben oder direkte Finanzierung von Mitarbeiter*innen der Einrichtung von Seiten eines Unternehmens der Gesundheitswirtschaft, eines kommerziell orientierten Auftrags-instituts oder einer Versicherung
7 - Andere finanzielle Beziehungen, z. B. Geschenke, Reisekostenerstattungen, oder andere Zahlungen über 100 Euro außerhalb von Forschungsprojekten, wenn sie von einer Körperschaft gezahlt wurden, die eine Investition im Gegenstand der Untersuchung, eine Lizenz oder ein sonstiges kommerzielles Interesse am Gegenstand der Untersuchung hat
8 - Persönliche Beziehung zu einem/einer Vertretungsberechtigten eines Unternehmens der Gesundheitswirtschaft

Download

Reference:

Quellenangabe:

Onkopedia-Leitlinien werden kontinuierlich an den Stand des Wissens angepasst. Die jeweils gültige Version, AGB und Nutzungsbedingungen finden Sie unter www.onkopedia.com.

Für die kommerzielle Nutzung wenden Sie sich bitte an onkopedia@dgho.de.

Onkopedia guidelines are continuously adapted to the state of knowledge. The currently valid version, terms of use and general terms and conditions can be found at onkopedia-guidelines.info.

For commercial use, please contact onkopedia@dgho.de.