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Inhaltsverzeichnis

Akute Lymphatische Leukämie (ALL)

ICD-10 C91.00
Stand März 2026
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1Zusammenfassung

Die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) ist eine seltene maligne, hämatologische Erkrankung. Der Häufigkeitsgipfel liegt im Kindesalter. Diese Empfehlungen beziehen sich auf die ALL im Erwachsenenalter.

Das klinische Bild der ALL ist charakterisiert durch die Proliferation und Akkumulation maligner entartetertransformierter, unreifer lymphatischer Blasten in Knochenmark, Blut, lymphatischem und nicht-lymphatischem Gewebe. Unbehandelt führt die Erkrankung innerhalb weniger Monate zum Tod.

Biologisch ist die ALL heterogen. Genetische und immunphänotypische Marker haben prognostische Bedeutung und sind inzwischen auch prädiktiv für eine Subgruppen-spezifische Therapie.

Der Therapieanspruch ist kurativ. Der Standard wirdStandardtherapieempfehlungen werden in Deutschland durch die Studien und Expertenempfehlungen der GMALL (German Multicenter Study Group for Adult Acute Lymphoblastic Leukemia) etabliert. Die Langzeitüberlebensraten bei Erwachsenen haben sich in den letzten Jahrzehnten verbessert und liegen mit dem aktuellen Konzept für Patient*innenPatientinnen und Patienten (Pat.) bis zum Alter von 55 Jahren bei etwa 60-70% mit großer Variationsbreite je nach Alters- und Risikogruppe.

Als übergeordnete Referenz wird auf die internationalen Konsensus-Empfehlungen des European Leukemia Net (ELN) verwiesen [12].

2Grundlagen

2.1Definition und Basisinformationen

Die ALL ist durch die Proliferation und Akkumulation maligner entarteter, unreifer lymphatischer Zellen der Hämatopoese, so genannter Blasten in Knochenmark und Blut charakterisiert [12]. Auch alle anderen lymphatischen (z.B. Lymphknoten, Milz) und nicht lymphatischen Organe (z.B. Leber, ZNS, Hoden, Haut, Knochen etc.) können befallen sein. Die leukämischen Blasten verdrängen das normale blutbildende Knochenmark und es kommt meist zu Zytopenien aller drei Zellreihen (Anämie, Thrombozytopenie, Granulozytopenie).

2.2Epidemiologie

Die Gesamtinzidenz der ALL liegt bei 1,1/100.000 im Jahr. Der absolute Häufigkeitsgipfel liegt im Kindesalter unter 5 Jahren (5,3/100.000). Danach fällt die Inzidenz kontinuierlich ab. Bei über 50-jährigen Patient*innenPat. steigt sie erneut langsam an und erreicht einen zweiten Häufigkeitsgipfel im Alter über 80 Jahren (2,3/100.000). Man findet eine leichte Prädominanz des männlichen Geschlechts (1,4:1,0)4:1). Daten aus deutschen Krebsregistern wurden aktuell zusammengetragen [3].

2.3Pathogenese

Die Entartung kann auf verschiedenen Ebenen der lymphatischen Zellreifung stattfinden. In der Folge weisen die Leukämiezellen unterschiedliche phänotypische Merkmale, z.B. Konstellationen von Oberflächenmarkern auf, die mit der Reifungsstufe und auch mit der klinischen Manifestation der Erkrankung in Zusammenhang stehen.

Mehr als 60% der erwachsenen ALL- Patient*innen zeigen zytogenetische Aberrationen, die häufig ebenfalls charakteristisch für bestimmte phänotypische und klinische Ausprägungen sind und z. T. eine prognostische Bedeutung haben. Sie geben außerdem Hinweise auf Gene, die in Zusammenhang mit der Pathogenese der Erkrankung stehen. Bei den von Aberrationen betroffenen Genen bzw. deren Genprodukten handelt es sich um Faktoren, die an Signaltransduktion, Transkriptionsregulation, Zellzykluskontrolle und/oder der Regulation der Apoptose beteiligt sind. Dabei hat die Veränderung einzelner Gene komplexe Konsequenzen für die Expression nachgeordneter Gene und davon abhängiger Regulationsmechanismen. Es ist zudem davon auszugehen, dass mehrere genetische Aberrationen erforderlich sind, um die maligne Entartung lymphatischer Vorläuferzellen auszulösen. In der Folge kommt es zu Störungen der Differenzierung, Zunahme proliferativer Funktionen bzw. Verlust von Mechanismen, die zur Apoptose führen. Letztlich bringen diese Veränderungen einen Überlebensvorteil für den malignen Klon und führen zu einem Differenzierungsblock auf einer bestimmten Reifungsebene, analog zu normalen lymphatischen Progenitorzellen. Wichtigstes Beispiel für die pathogenetische, prognostische und prädiktive Bedeutung einer einzelnen Aberration ist die Translokation t(9;22) (Philadelphia-Chromosom, Ph), die mit der Bildung des Mehr als 60% der erwachsenen ALL- Pat. zeigen zytogenetische Aberrationen, die häufig ebenfalls charakteristisch für bestimmte phänotypische und klinische Ausprägungen sind und z. T. eine prognostische Bedeutung haben [14]. Sie geben außerdem Hinweise auf Gene, die in Zusammenhang mit der Pathogenese der Erkrankung stehen. Bei den von Aberrationen betroffenen Genen bzw. deren Genprodukten handelt es sich um Faktoren, die an Signaltransduktion, Transkriptionsregulation, Zellzykluskontrolle und/oder der Regulation der Apoptose beteiligt sind. Dabei hat die Veränderung einzelner Gene komplexe Konsequenzen für die Expression nachgeordneter Gene und davon abhängiger Regulationsmechanismen. Es ist zudem davon auszugehen, dass mehrere genetische Aberrationen innerhalb einer Zelle erforderlich sind, um die maligne Entartung lymphatischer Vorläuferzellen zu ermöglichen. In der Folge kommt es zu Störungen der Differenzierung, Zunahme proliferativer Funktionen bzw. Verlust von Mechanismen, die zur Apoptose führen. Letztlich induzieren diese Veränderungen einen Überlebensvorteil für den malignen Klon und führen zu einem Differenzierungsblock auf einer bestimmten Reifungsebene, analog zu normalen lymphatischen Progenitorzellen. Wichtigstes Beispiel für die pathogenetische, prognostische und prädiktive Bedeutung ist die Translokation t(9;22) (Philadelphia-Chromosom), die mit der Bildung des BCR::ABL1 Fusionsgens verbunden ist. Als Folge wird ein Protein mit aberranter Tyrosinkinaseaktivität exprimiert, das ursächlich mit der Entstehung der Ph/BCR::ABL1-positiven ALL in Zusammenhang steht. Mit neuen molekulargenetischen Verfahren gelingt es, allein innerhalb der B-Vorläufer ALL mehr als 20 zu identifizieren -positiven (PhPos) ALL in Zusammenhang steht. Neue molekulargenetische Verfahren erlauben nun, allein innerhalb der B-Vorläufer ALL mehr als 20 verschiedene molekulare Subgruppen zu identifizieren [5].. Bei einigen Aberrationen wird die prognostische Bedeutung derzeit untersucht; bei anderen Veränderungen wie der BCR::ABL1-like ALL kann es in Einzelfällen möglich sein, potentielle Therapietargets zu identifizieren.-like ALL können in Einzelfällen potenzielle Therapietargets identifiziert werden. Auch bei der T-ALL lassen sich zahlreiche molekulare Subgruppen unterscheiden, deren prognostische Bedeutung weiter untersucht wird [6].

2.4Risikofaktoren

Die pathogenetischen Ursachen der ALL bleiben in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle unbekannt. Grundsätzlich stehen bestimmte endogene und exogene Faktoren mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung einer ALL in Zusammenhang. Dazu gehören kongenitale Defekte von DNA-Reparaturmechanismen, z.B. Ataxia teleangiectasia. Auch bei Patient*innenPat. mit Trisomie 21 ist das Risiko einer akuten Leukämie gegenüber Vergleichsgruppen um das 18-fache erhöht. Chromosomenschäden, die durch radioaktive Strahlung ausgelöst werden, begünstigen die Entwicklung akuter Leukämien ebenso wie die Exposition gegenüber myelotoxischen Chemikalien, wie beispielsweise Benzol, Chloramphenicol u.a oder Chloramphenicol. Akute Leukämien werden in zunehmendem Umfang auch als Sekundärneoplasien nach Chemotherapie, z.B. mit Alkylantien, Toposisomerase II Inhibitoren und oder nach einer Strahlentherapie Lenalidomid-Therapie beobachtet. [1].

3[Kapitel nicht relevant]

4Klinisches Bild

4.1Symptome

Das klinische Bild der ALL ergibt sich zum einen aus Symptomen, die auf die zunehmende Insuffizienz der normalen Hämatopoese und zum anderen auf die Infiltration von Organen zurückzuführen sind. Symptome der hämatologischen Insuffizienz sind:

  • Anämie: blasse Haut und Schleimhäute, Tachykardie, Dyspnoe, Schwindel, Leistungsminderung

  • Granulozytopenie bei Leukopenie oder Leukozytose (bis zur Hyperleukozytose > 100 G/l) oder normal hohe
    Gesamtleukozytenzahlen im Blutbild: Fieber, Infektneigung

    Granulozytopenie bei Leukopenie oder Leukozytose (bis zur Hyperleukozytose > 100 G/l) oder bei normal hohen Gesamtleukozytenzahlen im Blutbild: Fieber, Infektneigung

  • Thrombozytopenie: Blutungsneigung, Hämatomneigung, Petechien.

Ein Drittel der Patient*innen leidet bei Diagnosestellung unter Infektionen oder Blutungen. Fast 60% weisen Lymphknotenvergrößerung auf. Ebenso häufig liegt eine Splenomegalie vor. Ein Mediastinaltumor findet sich in 14% der Fälle von ALL insgesamt, aber bei 60% der Patient*innen mit T-ALL. 7% der Patient*innen zeigen initial einen ZNS-Befall. Der ZNS-Befall wird meist im Rahmen einer Routineuntersuchung des Liquors diagnostiziert; es können aber auch Symptome auftreten, angefangen von Kopfschmerzen, Erbrechen, Lethargie, Nackensteifigkeit über Nervenausfälle (insbesondere Hirnnerven) bis hin zu Querschnittsymptomen bei Befall des Rückenmarks. In 9% der Fälle von ALL liegt ein anderer extramedullärer Organbefall vor. Bei 60% der ALL- Patient*innen findet man eine Leukozytose. Das Fehlen von Leukozytose, Anämie, Thrombozytopenie oder auch das Fehlen von Blasten im Blut schließen eine ALL nicht aus.

Ein Drittel der Pat. leidet bei Diagnosestellung unter Infektionen oder Blutungen. Fast 60% weisen Lymphknotenvergrößerung auf. Ebenso häufig liegt eine Splenomegalie vor. Ein Mediastinaltumor findet sich in 14% der Fälle von ALL insgesamt, aber bei 60% der Pat. mit T-ALL. 7% der Pat. zeigen initial einen ZNS-Befall [1]. Der ZNS-Befall wird meist im Rahmen einer Routineuntersuchung des Liquors diagnostiziert; es können aber auch Symptome auftreten, angefangen von Kopfschmerzen, Erbrechen, Lethargie, Nackensteifigkeit über Nervenausfälle (insbesondere Hirnnerven) bis hin zu Querschnittsymptomen bei Befall des Rückenmarks. In 9% der Fälle von ALL liegt ein anderer extramedullärer Organbefall vor. Bei 60% der ALL-Pat. findet man eine Leukozytose. Das Fehlen von Leukozytose, Anämie, Thrombozytopenie oder auch das Fehlen von Blasten im Blut schließen eine ALL nicht aus (unpublizierte Daten GMALL-Register).

In der Regel entwickeln sich die Krankheitssymptome innerhalb von Tagen und gehen mit einem raschen Verlust der körperlichen Leistungsfähigkeit einher.

5Diagnose

Beispiele der mikroskopischen Diagnostik finden Sie unter eLearning Curriculum Hämatologie (eLCH), https://ehaematology.com/.

5.1[Kapitel nicht relevant]

5.2Diagnostik

Bei Verdacht auf eine ALL ist die Durchführung einer Knochenmarkuntersuchung obligatorisch. Bei einigen Patient*innen, insbesondere solchen mit massiver Infiltration oder Fibrose des Knochenmarks, gelingt die Knochenmark-Aspiration nicht (Punctio Sicca). Dann muss eine Stanzbiopsie erfolgen und ggf. zusätzlich die Diagnostik mit Blasten aus dem peripheren Blut durchgeführt werden. Bei fast allen der Patient*innen weist das Knochenmark eine massive leukämische Infiltration mit entsprechender Einschränkung von Erythropoese, Thrombopoese und Granulopoese auf.

Bei Verdacht auf eine akute Leukämie ist die Durchführung einer Knochenmarkuntersuchung obligatorisch. Bei einigen Pat., insbesondere solchen mit massiver Infiltration oder Fibrose des Knochenmarks, gelingt die Knochenmark-Aspiration nicht (Punctio Sicca). Dann muss eine Stanzbiopsie entnommen und bei Blastenausschwemmung eine zusätzliche Diagnostik aus dem peripheren Blut erfolgen. Zusätzlich kann der erneute Versuch einer Knochenmark-Aspiration nach Vorphase gemacht werden. Einige Zentren führen in allen Fällen eine Aspiration und Biopsie durch. Bei fast allen der Pat. weist das Knochenmark eine massive leukämische Infiltration mit entsprechender Verdrängung der Erythropoese, Thrombopoese und Granulopoese auf.

Bei lymphoblastischen Lymphomen (LBL) wird die Diagnose häufig im Rahmen einer histologischen Untersuchung gestellt. Die Abgrenzung von ALL und LBL erfolgt anhand eines prozentualen Blastenanteils im Knochenmark von 20-25% (Knochenmarkzytologie oder -histologie). Die Diagnosebestätigung durch einen Referenzpathologen ist zu empfehlen.

Bei lymphoblastischen Lymphomen (LBL) wird die Diagnose häufig im Rahmen einer histologischen Untersuchung gestellt. Die Abgrenzung von ALL und LBL erfolgt anhand des prozentualen Blastenanteils im Knochenmark, der bei der ALL definitionsgemäß mindestens 25% betragen muss (bestätigt durch Knochenmarkzytologie oder -histologie). Die Diagnosebestätigung durch einen Referenzpathologen ist zu empfehlen. Wichtig ist eine molekulare Aufarbeitung analog zur ALL inklusive Gewinnung von Material für die Bestimmung der minimalen/messbaren Resterkrankung (MRD) (s.u.)

5.2.1Erstdiagnose

5.2.1.1Allgemeine Diagnostik und Therapievorbereitung

Zur Sicherung der Diagnose, zur Durchführung des Stagings und der Erfassung möglicher Begleiterkrankungen sind mindestens folgende Untersuchungen notwendig:

  • Anamnese incl. Familienanamnese und körperliche Untersuchung

  • Allgemeinzustand und Evaluierung von Komorbiditäten

  • Blutbild, Differentialblutbild, klinische Chemie einschließlich Gerinnungsdiagnostik und Urinanalyse

  • HLA-Typisierung (bei potenzieller Indikation für eine Stammzelltransplantation)

  • Infektiologische Untersuchungen einschließlich Hepatitis-B,-C- und HIV-Serologie

  • Schwangerschaftstest

  • Lumbalpunktion mit zytologischer Liquordiagnostik und intrathekaler Therapie

  • Bildgebende Untersuchungen (minimal Röntgenbild des Thorax, abdominelle Sonographie, ggf. Computertomographie von Thorax, Abdomen und AbdomenBecken oder weitere Untersuchungen nach Symptomatik)

  • EKG und Echokardiographie

    Dokumentation extramedullärer Befälle

  • Aufklärung über fertilitätserhaltende MaßnahmenEKG und Notwendigkeit der Antikonzeption.Echokardiographie

  • Aufklärung über fertilitätserhaltende Maßnahmen und Notwendigkeit der Antikonzeption

  • Durchführung einer Referenzdiagnostik.

Bei allen Patient*innenPat. sollte die Möglichkeit der Biomaterialasservierung z Biomaterial (z.B. im Rahmen der Studiengruppe angestrebtStudiengruppe) asserviert werden. Dies dient nicht nur späteren wissenschaftlichen Untersuchungen, sondern schafft auch die Möglichkeit z.B. bei ungünstigem Ansprechen nachträglich weitergehende zyto- oder molekulargenetische Analysen im Hinblick auf mögliche Therapietargets durchzuführen. Solche Untersuchungen sollten insbesondere bei schlechtem Ansprechen, einschließlich molekularem Therapieversagen oder nach Rezidiv erwogen werden. Weitere Details finden sich unter [1].

5.2.1.2Diagnostische Spezialuntersuchungen

Knochenmarkaspirate bzw. blastenreiche Blutproben vor Einleitung einer Therapie sollten zytologisch und immunologisch untersucht werden. Folgende Untersuchungen sollten in einem Referenzlabor durchgeführt werden:

  • Immunphänotypisierung zur Diagnosebestätigung und Identifikation therapeutisch relevanter Oberflächenmarker

  • Molekulargenetik Molekular(zyto)genetik zur raschen Identifikation von BCR::ABL1, KMT2A::AFF1 (auch bei B-LBL) , u. a.inkl. Bestimmung der Transkriptgröße mittels RT-PCR (p190 versus p210; wichtig für spätere MRD-Diagnostik), KMT2A::AFF1

  • Primärdiagnostische Markeridentifikation für die spätere molekulare Quantifizierung der minimalen Resterkrankung (MRD, minimal residual disease; Einsendung von Primärmaterial)

    Primärdiagnostische Markeridentifikation für die spätere molekulare Quantifizierung der MRD (Versand von blastenhaltigem Primärmaterial unbedingt erforderlich)

  • Zytogenetik und Molekularzytogenetik zum Nachweis einer t(9;22); t(4;11), u. a.

    Molekulare Komplexdiagnostik zur Identifikation relevanter Subgruppen der WHO/ICC-Klassifikation und zum Nachweis therapeutisch relevanter molekularer Zielstrukturen.

  • Transkriptom-Sequenzierung (RNA-Seq) zum Nachweis von Fusionsgenen, Treiber-Alterationen und zur Definition der molekularen Subgruppe

Wesentlich ist die Unterscheidung der B- und T-Vorläufer-ALL, der weiteren immunologischen Subtypen, sowie prognostisch relevanter immunologischer oder zyto- und molekulargenetischer Subgruppen. Zusätzlich müssen Zielstrukturen für die Therapie identifiziert werden. Dazu gehören derzeit der Nachweis einer BCR::ABL1 Translokation und anderer ABL-Class Fusionen sowie der Expression von CD19, CD20 und, CD22 und als weitere Oberflächenmarker mit potenziell therapeutischer Relevanz CD38, CD33 und TSLPR (thymic stromal lymphopoietin receptor) als Hinweis auf eine CRLF2 (cytokine receptor-like factor 2)-Überexpression, wie sie bei der sog. BCR::ABL-like ALL auftritt.

Die genaue und umfassende Definition der molekularen ALL Subgruppen (aktuell sind mehr als 20 verschiedene molekulare ALL Subgruppen bekannt), entsprechend der WHO-Klassifikation (siehe Abschnitt Die genaue und umfassende Definition der molekularen ALL-Subgruppen entsprechend der WHO-Klassifikation (siehe Kapitel 5.3) und darüber hinaus, ist durch den Einsatz der Transkriptom-Sequenzierung möglich. Die sichere molekulare Subgruppenzuordnung basiert auf der Konkordanz zwischen Treiberalterationen und dem spezifischen Genexpressionsprofil [7]. Dabei werden vor allem für die Situation eines Therapieversagens mögliche Angriffspunkte für zielgerichtete therapeutische Ansätze erfasst (z.B. ABL-Klasse Genfusionen, NTRK1-3-Genfusionen) [89]. Auch bei älteren Patient*innenPat. ist eine vollständige Diagnostik insbesondere wegen der mit dem Alter ansteigenden Inzidenz der Häufigkeit der BCR::ABL1 Translokation unbedingt erforderlich. Translokation unbedingt erforderlich. Die molekulare Komplexdiagnostik kann weitere Einzeluntersuchungen auf molekulare Aberrationen sowie die Zytogenetik ersetzen.

5.2.2Krankheitsverlauf

5.2.2.1Bestimmung der minimalenmessbaren Resterkrankung

Die Nachweisgrenze für leukämische Blasten bei der mikroskopischen Untersuchung von Knochenmarkausstrichen liegt bei 5%. Sehr viel sensitiver ist die Untersuchung des Therapieansprechens mit Hilfe von Methoden, die den Nachweis von leukämischen Blasten weit unterhalb der zytologischen Nachweisgrenze erlauben, die sog. „minimal residual disease“ (MRD). Die Sensitivität dieser Methoden sollte mindestens 10Die Nachweisgrenze für leukämische Blasten bei der mikroskopischen Untersuchung von Knochenmarkausstrichen liegt bei 5%. Sehr viel sensitiver ist die Untersuchung des Therapieansprechens mit Hilfe der Bestimmung der „minimal measurable disease“ (MRD). Die Sensitivität dieser Methoden sollte mindestens 10–4 erreichen (entspricht dem Nachweis einer Leukämiezelle in 10.000 normalen Zellen). Damit können bei Patient*innenPat., die klinisch und zytologisch in kompletter Remission sind, sensitiver Leukämiezellen nachgewiesen und im Verlauf untersucht werden.

Für die Quantifizierung der minimalen Resterkrankung können verschiedene Verfahren herangezogen werden, z.B. PCR-Analysen von definierten Fusionsgenen oder die Durchflusszytometrie zum Nachweis individueller leukämietypischer Kombinationen von Oberflächenmarkern. Den höchsten Grad der Standardisierung bei gleichzeitig breitester Anwendbarkeit und Sensitivität erreicht der Nachweis individueller, klonaler Gen-Rearrangements von Immunglobulin- (IGH, IGK) oder T-Zell-Rezeptorgenen (TRB, TRG, TRD) mittels real-time PCR . In 90-95% der Fälle gelingt die Etablierung sensitiver klonspezifischer Assays. Für Therapieentscheidungen im Rahmen von Studien und Therapieempfehlungen der GMALL-Studiengruppe wird aktuell bei Ph/BCR::ABL1 negativer ALL die mittels quantitativer PCR individueller, klonaler Rearrangements gemessene MRD hinzugezogen. Bei Ph/BCR::ABL1-positiver ALL wird in der Regel die quantitative Bestimmung von BCR::ABL1 herangezogen. Hier werden im Gegensatz zu der DNA-basierten Messung individueller, klonaler Rearrangements die Fusionstranskripte auf RNA/cDNA-Ebene gemessen. Neue Daten zeigen, dass bei der Ph/BCR::ABL1-positiven ALL beide Verfahren ergänzende Ergebnisse erbringen, da die zugrunde liegende t(9;22) bei einem Teil der Patient*innen nicht auf das ALL-Kompartiment beschränkt ist. Daher ist die parallele MRD-Quantifizierung mit beiden Verfahren sinnvoll. Zusätzlich sollte bei Patient*innen, bei denen kein molekularer Marker nachgewiesen werden kann, die MRD durchflusszytometrisch mittels spezifischer MRD-Vielfarb-Panel bestimmt werden. Alle Verfahren der MRD-Bestimmung müssen in Referenzlaboren durchgeführt werden, die an internationalen Qualitätssicherungsverfahren teilnehmen .

Die quantitative Messung der MRD ist nur nach vorheriger Markeretablierung anhand von diagnostischem blastenhaltigen Material möglich. Daher muss in jedem Fall Primärmaterial an ein Referenzlabor eingeschickt werden. Bei Punctio sicca muss entweder nach Vorphase-Therapie erneut punktiert werden, um Knochenmarkaspirat zu gewinnen, oder es muss ein Knochenmarktrepanat (unfixiertes, natives Biopsiematerial) eingesandt werden. Alternativ kann bei Blastenanteil >10% im Blut auch peripheres Blut zur Etablierung des MRD-Assays verwendet werden. Falls kein klonaler Marker identifiziert werden kann, sollte die Etablierung eines Flow-zytometrischen MRD-Assays im Referenzlabor in Auftrag gegeben werden. Auch bei LBL sollte ein MRD-Assay etabliert werden. Hierfür ist die Einsendung von Biopsaten (ggf. auch Formalin-fixierte, Paraffin-eingebettete Tumorbiopsate) oder Material aus Ergüssen möglich.

Die minimale Resterkrankung wird zur verfeinerten Definition des Therapieansprechens herangezogen. Die molekulare CR, definiert als negativer MRD-Status mit einer Mindestsensitivität der Analyse von 0,01% (10Für die Quantifizierung der MRD können verschiedene Verfahren herangezogen werden, z.B. PCR-Analysen von definierten Fusionsgenen oder die Durchflusszytometrie zum Nachweis individueller leukämietypischer Kombinationen von Oberflächenmarkern. Den höchsten Grad der Standardisierung bei gleichzeitig breitester Anwendbarkeit und Sensitivität erreicht der Nachweis individueller, klonaler Gen-Rearrangements von Immunglobulin- (IGH, IGK) oder T-Zell-Rezeptorgenen (TRA, TRB, TRG, TRD) mittels real-time quantitativer (q)PCR -4[10]. In 90-95% der Fälle gelingt die Etablierung sensitiver Klon-spezifischer Assays. Für Therapieentscheidungen im Rahmen von Studien und Therapieempfehlungen der GMALL-Studiengruppe wird bei Ph/BCR::ABL1 negativer (PhNeg) ALL die mittels quantitativer PCR individueller, klonaler Rearrangements gemessene MRD hinzugezogen. Bei PhPos ALL wird in der Regel die quantitative Bestimmung von BCR::ABL1 herangezogen. Hier werden im Gegensatz zu der DNA-basierten Messung individueller, klonaler Rearrangements die Fusionstranskripte auf RNA/cDNA-Ebene gemessen. Neue Daten zeigen, dass bei der PhPos ALL beide Verfahren ergänzende Ergebnisse erbringen, da die zugrunde liegende t(9;22) bei einem Teil der Pat. nicht auf das ALL-Kompartiment beschränkt ist. Daher ist die parallele MRD-Quantifizierung mit beiden Verfahren sinnvoll [11]), ist ein wichtiger Endpunkt für die Effektivitätsmessung von Induktions- oder Konsolidationstherapien. Dem steht das molekulare Therapieversagen gegenüber, das durch den Nachweis von MRD auf einem Niveau über 0.01% definiert ist. Es gibt darüber hinaus eine Gruppe von Patient*innen mit niedrig positiver MRD oder nicht genau quantifizierbarer MRD. Bei diesen Patient*innen liegt eine intermediäre Prognose vor. Der prognostisch relevanteste Zeitpunkt für die Bestimmung des molekularen Ansprechens und die nachfolgende Therapiestratifikation war in den GMALL-Studien der MRD-Status nach Konsolidation I. Das molekulare Rezidiv wird als erneuter, quantitativer Nachweis von MRD nach Erreichen einer molekularen Remission definiert. Eine standardisierte Terminologie wurde in einer internationalen Konsensuspublikation formuliert . Zusätzlich sollte bei Pat., bei denen kein molekularer Marker nachgewiesen werden kann, die MRD durchflusszytometrisch mittels spezifischer MRD-Vielfarben-Panels bestimmt werden. Alle Verfahren der MRD-Bestimmung müssen in Referenzlaboren durchgeführt werden, die an internationalen Qualitätssicherungsverfahren teilnehmen[1213] und ist auch Bestandteil der aktuellen GMALL-Empfehlungen.

MRD ist zu jedem Zeitpunkt unter und nach Therapie ein hochsignifikanter Prognosefaktor. Das frühe Erreichen einer molekularen CR charakterisiert eine Subgruppe von Patient*innen mit sehr günstiger Prognose, während Patient*innen mit persistierender MRD oder molekularem Rezidiv nach Konsolidation I eine hohe Rezidivrate haben [9]. Dies gilt sogar bei nachfolgender Stammzelltransplantation. Da die Persistenz der MRD auf eine Resistenz gegenüber der konventionellen Chemotherapie hindeutet, ist im Fall eines molekularen Therapieversagens oder molekularen Rezidivs notwendig, eine Therapieumstellung und den Einsatz zielgerichteter Therapien zu erwägen.

Persistenz der MRD ist aktuell der ungünstigste Prognosefaktor bei der ALL des Erwachsenen. Daher muss die MRD-Bestimmung bei allen Patient*innen durchgeführt werden. Die quantitative Messung der minimalen Resterkrankung ist nur nach vorheriger Markeretablierung anhand von diagnostischem blastenhaltigen Material möglich. Daher sollte in jedem Fall Primärmaterial an ein Referenzlabor eingeschickt werden. Bei Punctio sicca muss entweder nach Vorphasetherapie erneut punktiert werden, um Knochenmarkaspirat zu gewinnen, oder es muss ein Knochenmarktrepanat (unfixiertes, natives Biopsiematerial) eingesandt werden. Alternativ kann peripheres Blut zur Etablierung des MRD-Assays verwendet werden, wenn der Blastenanteil im Blut bei mindestens 10% liegt. Falls kein klonaler Marker identifiziert werden kann, sollte die Etablierung eines flowzytometrischen MRD-Assays im Referenzlabor in Auftrag gegeben werden. Auch bei lymphoblastischen Lymphomen kann ein MRD-Assay etabliert werden. Hierfür ist die Einsendung von Biopsaten (ggf. auch formalinfixierte, paraffineingebettete Tumorbiopsate) oder Material aus Ergüssen möglich.

Für die Verlaufskontrollen sollte bei B-Vorläufer-ALL Knochenmark eingesandt werden, da die Sensitivität im peripheren Blut etwa eine Log-Stufe schlechter ist. Bei T-ALL kann wegen vergleichbarer Sensitivität die Verlaufskontrolle auch im peripheren Blut erfolgen. Unter Therapie und im ersten Jahr nach Ende der Erhaltungstherapie sollten die Kontrollen etwa alle 2-3 Monate erfolgen.

5.2.2.2Definition des Therapieansprechens

Das Therapieansprechen wird bei ALL unter Berücksichtigung der Knochenmarkzytologie, der MRD sowie geeigneter Bildgebung bei extramedullären Befällen definiert (Tabelle 1). Bei einem MRD-Niveau von 1% liegt auch bei Vorliegen von einer zytologischen CR mit Blasten unter 5% ein Therapieversagen vor [14]. Die relevanten Zeitpunkte ergeben sich aus den Therapieprotokollen [12] und den verfügbaren Therapieoptionen. Daher ist bei älteren Pat. mit B-Vorläufer ALL bereits bei Therapieversagen nach Induktion I eine Immuntherapie zu erwägen.

Die MRD negative CR, definiert als negativer MRD-Status mit einer Mindestsensitivität der Analyse von 0,01% (10-4), ist ein wichtiger Endpunkt für die Effektivitätsmessung der Induktions- und/oder Konsolidationstherapien. Dem steht das MRD-Therapieversagen gegenüber, das durch den Nachweis von MRD auf einem Niveau >0.01% definiert ist. Es gibt darüber hinaus eine Gruppe von Pat. mit niedrig positiver MRD oder nicht genau quantifizierbarer MRD. Bei diesen Pat. liegt eine intermediäre Prognose vor. Das molekulare Rezidiv wird als erneuter, quantitativer Nachweis von MRD nach Erreichen einer MRD negativen CR definiert. Eine standardisierte Terminologie wurde in einer internationalen Konsensus-Publikation formuliert [13] und ist auch Bestandteil der aktuellen GMALL-Empfehlungen.

Für die Verlaufskontrollen sollte bei B-Vorläufer-ALL einschließlich der PhPos ALL Knochenmark eingesandt werden, da die Sensitivität im peripheren Blut etwa eine Log-Stufe schlechter ist. Bei T-ALL kann wegen vergleichbarer Sensitivität die Verlaufskontrolle auch im peripheren Blut erfolgen. Unter Therapie und im ersten Jahr nach Ende der Erhaltungstherapie sollten die Kontrollen etwa alle 3 Monate erfolgen.

Tabelle 1: Therapieansprechen bei ALL  

Hämatologische Responsekriterien*

Komplette Remission (CR)

Knochenmark-Blasten zytologisch <5% und MRD <1%**
Thrombozyten >100.000/µl
Neutrophile Granulozyten >1.000/µl
Keine Zeichen extramedullärer Erkrankung

CRi

Alle CR-Kriterien mit
Thrombozyten <100.000/µl oder
Granulozyten <1.000/µl

Therapieversagen/PR

Knochenmark: >5% Blasten und/ oder MRD ≥1%**
Nachweis extramedullärer Erkrankung

Rezidiv (nach vorherigem Erreichen einer CR/CRi)

Knochenmark-Blasten zytologisch >5% oder MRD >1%
Nachweis extramedullärer Befall

MRD Responsekriterien*

MRD-CR

MRD-Negativität mit Mindestsensitivität von 10-4 (0,01%)

MRD-Persistenz

MRD-Persistenz auf einem Niveau von ≥10-4 (0,01%)

MRD-intermediär

MRD-Nachweis unterhalb des quantitativen Messbereichs und/oder <10-4 (0,01%)

MRD-Rezidiv (nach vorherigem Erreichen einer MRD CR/MRD Intermediär)

Wiederauftreten von MRD auf einem Niveau von ≥10-4 (0,01%)

* Bei Nachweis von lymphatischen Blasten im peripheren Blut sollte eine Knochenmarkpunktion durchgeführt werden, um das Ansprechen eindeutig zu klassifizieren.
** Nur Ergebnisse aus Referenzlabor

5.3Klassifikation

Die aktuelle WHO-Klassifikation 2016aktuellen Klassifikationen der ALL ist in Hämatologischen Neoplasien (WHO-HAEM5 und ICC) [1516] ordnen die ALL zusammen mit LBL als lymphatische Vorläufer-Neoplasie vom B- oder T-Zell-Typ ein. Bei einem Knochenmarkbefall unter 25% spricht man von einem LBL, bei einem Infiltrationsgrad über 25% von einer ALL. Es werden 12 beziehungsweise 22 diagnostisch relevante und 5 provisorische molekulare Subtypen der B-Vorläufer ALL definiert. Innerhalb der T-ALL werden von beiden Klassifikations-Systemen zwei molekulare Subtypen unterschieden. Die ICC-Klassifikation definiert zusätzlich 8 provisorischen Klassen innerhalb der T-ALL. Die molekulare Klassifikation der T-ALL befindet sich teilweise noch in Entwicklung. Eine Übersicht geben Tabelle 12 zusammengefasst und Tabelle 3. Grundsätzlich wird die ALL zusammen mit den lymphoblastischen Lymphomen als lymphatische Vorläufer-Neoplasie (Precursor Lymphoid Neoplasm) vom B- oder T-Zell-Typ eingeordnet. Bei einem Knochenmarkbefall unter 25% spricht man von einem lymphoblastischen Lymphom, bei einem Infiltrationsgrad über 25% von einer Leukämie. Allerdings gibt es keinen internationalen Standard und auch der Grenzwert von 20% wird verwendet.. In der GMALL-Studiengruppe erfolgt die Identifikation der molekularen Subgruppen im Rahmen der molekularen Komplexdiagnostik.

Die Unterteilung nach zyto- und molekulargenetisch definierten Gruppen entsprechend der WHO-Klassifikation ist für die aktuelle Risikostratifikation und Therapieentscheidung bei der ALL des Erwachsenen nur begrenzt relevant. Die Subentitäten der hypodiploiden ALL, der Einige dieser Subtypen sind etablierte Risiko-Strata innerhalb der GMALL (z. B. BCR::ABL1- oder KMT2A::AFF1-rearrangierte B-Vorläufer ALL, early-T ALL) und der BCR::ABL1-like ALL und der early T-precursor ALL sollten im Hinblick auf die Diagnosestellung und die prognostische Bedeutung weiter unter modernen Therapiekonzepten evaluiert werden. Die Transkriptom-Sequenzierung ermöglicht in dieser Hinsicht eine sichere molekulare Subgruppen-Zuordnung sowie die Identifikation möglicher Therapie-Zielstrukturen. Darüber hinaus wird jedoch auch die gesamte Breite molekularer Treibersubgruppen erfasst. Genfusions-Nachweis definiert die Indikation für die entsprechende TKI-Therapie.

Tabelle 2: Molekulare Subtypen der B-Vorläufer ALL der Erwachsenen 

WHO-Klassifikation (5th Edition) [15]

International Consensus Classification [16]

Frequenz (18-55 Jahre) [717]

B-ALL/B-LBL

B-ALL

 

BCR::ABL1 Fusion

mit t(9;22)(q34.1;q11.2)/BCR::ABL1

18 %

mit ausschließl. lymphoider Beteiligung

 

mit t(9;22)(q34.1;q11.2)/BCR::ABL1

9 %

mit multiliniärer Beteiligung

mit BCR::ABL1-like Eigenschaften

(Ph-like)

BCR::ABL1-like,

11 %

mit JAK/STAT-Aktivierung

 

BCR::ABL1-like,

3 %

mit ABL-1-Klasse Rearrangement

 

BCR::ABL1-like,

2 %

nicht anderweitig spezifiziert

mit KMT2A Rearrangement

mit t(v;11q23.3)/

12 %

KMT2A Rearrangement

 

* KMT2A rearrangiert-like

publizierte Einzelfälle

 

mit DUX4 Rearrangement

7 %

 

ZNF384(362) Rearrangement

6 %

 

* ZNF384 rearrangiert-like

publizierte Einzelfälle

 

* mit PAX5 Alteration

6 %

mit TCF3::PBX1 Genfusion

t(1;19)(q23.3;p13.3)/TCF3::PBX1

4 %

mit hoher Hyperdiploidie

Hyperdiploid

4 %

mit Hypodiploidie

Niedrig Hypodiploid

4 %

 

UBTF::ATXN7L3/PAN3,CDX2 (“CDX2/UBTF”)

3 %

 

mit PAX5 P80R Mutation

3 %

 

* mit mutiertem ZEB2 (p.H1038R)/IGH::CEBPE

〜 2 %

mit TCF3::HLF Genfusion

mit HLF Rearrangement

〜 1 %

 

mit MYC Rearrangement

〜 1 %

 

mit MEF2D Rearrangement

〜 1 %

 

mit IKZF1 N159Y Mutation

〜 1 %

mit ETV6::RUNX1 Genfusion

mit t(12;21)(p13.2;q22.1)/ETV6::RUNX1

< 0,5 %

mit ETV6::RUNX1-like Eigenschaften

* B-ALL, ETV6::RUNX1-like

< 0,5 %

mit iAMP21

mit iAMP21

< 0,5 %

 

Nahe-Haploid

< 0,5 %

 

mit NUTM1 Rearrangement

ausschließlich bei Kindern

mit IGH::IL3 Genfusion

mit t(5;14)(q31.1;q32.3)/IL3::IGH

publizierte Einzelfälle

mit anderen definierenden genomischen Aberrationen

Tabelle 3: Molekulare Subtypen der T- ALL der Erwachsenen 

WHO-Klassifikation (5th Edition) [15]

International Consensus Classification [16]

Frequenz in Erwachsenen [18]

T-ALL/T-LBL

T-ALL

 

Early T-cell precursor ALL

Early T-cell precursor ALL mit BCL11B rearrangement

 

Early T-cell precursor ALL, NOS

 

 

*HOXA dysreguliert

25 % (HOXA)

3 % (HOXA13)

 

*SPI rearrangiert

 

 

*TLX1 rearrangiert

19 %

 

*TLX3 rearrangiert

11 %

 

*NKX2 rearrangiert

2 %

 

*TAL1-2 rearrangiert

7% (TAL1/LMO)

13% (LMO1)

 

*LMO1-2 rearrangiert (LYL1/LMO)

14% (LYL1/LMO2)

 

*BHLH, andere

 

T-lymphoblastic leukaemia / lymphoma, NOS

T-ALL, NOS

6%

Für die Bei refraktärer Erkrankung oder im Rezidiv stellen einzelne molekulare Subtypen klinische Praxistherapeutische Zielstrukturen ist die in den GMALL-Studien verwendete, an immunologischen Subtypen orientierte Klassifikation wegweisend, die sich nach EGIL (European Group for the Immunological Characterization of Leukemias dar. So belegen Fallserien die Wirksamkeit von ABL-TKI bei der ABL1-Klasse ) BCR::ABL1orientiert (siehe -like ALL Tabelle 2). Sie basiert primär auf dem Immunphänotyp der Blasten. Der größte Teil der Fälle von ALL des Erwachsenen (75 %) sind Leukämien der lymphatischen B‑Zellreihe, die je nach Differenzierungsgrad als pro-B, common-, prä-B und reifzellige B-ALL (Burkitt-Leukämie) klassifiziert werden; 25% der ALL des Erwachsenen gehören zur T-Zellreihe mit den Differenzierungsstufen pro-, prä- thymische und mature T-ALL. Innerhalb der GMALL wird eine leicht modifizierte Einteilung der T-ALLs in early, thymische und mature T-ALL verwendet. Da die Risikoeinstufung in den GMALL-Protokollen auf dieser Einteilung basiert, sollte bei Anwendung dieser Protokolle die Klassifikation entsprechend angewendet werden. Mit den immunologischen Subtypen der ALL sind spezifische klinische und zytogenetische bzw. molekulargenetische Aberrationen assoziiert (siehe Tabelle 2[8]). . Für weitere molekulare Subtypen gibt es überwiegend präklinisch validierte zielgerichtete Therapieansätze.

Die morphologische Klassifikation nach FAB spielt nur noch für die Identifikation der L3-Morphologie eine Rolle. Dieser Subtyp entspricht der reifzelligen B-ALL bzw. Burkitt-Leukämie/Lymphom. Die Diagnose einer reifzelligen B-ALL soll durch Immunphänotypisierung (Oberflächen-Immunglobulin) und Molekulargenetik (Nachweis einer MYC-Translokation) bestätigt werden. Auf die Unterscheidung zwischen B-Vorläufer- und reifer B-ALL muss unbedingt geachtet werden, da sie relevant für die Therapieentscheidung ist.

Für die klinische Praxis und auch in den GMALL-Studien wird weiterhin eine, an immunologischen Subtypen orientierte, Klassifikation verwendet (siehe Tabelle 4). Sie basiert primär auf dem Immunphänotyp der Blasten. Der größte Teil der Fälle von ALL des Erwachsenen (75 %) sind Leukämien der lymphatischen B‑Zellreihe, die je nach Differenzierungsgrad als pro-B, common- und prä-B-ALL klassifiziert werden. Die Burkitt-Leukämie, die historisch auch als reife B-ALL bzw. B-IV ALL bezeichnet wurde, gehört nicht zu den lymphatischen Vorläufer-Neoplasien, sondern zu den reifzelligen B-Zell-Neoplasien. 25% der ALL des Erwachsenen gehören zur T-Zellreihe mit den Differenzierungsstufen pro-, prä-, thymische und mature T-ALL (EGIL) Innerhalb der GMALL wird eine leicht modifizierte Einteilung der T-ALLs in early, thymische und mature T-ALL verwendet. Da die Risikoeinstufung in den GMALL-Protokollen auf dieser Einteilung basiert, sollte bei Anwendung dieser Protokolle die Klassifikation entsprechend angewendet werden (siehe Tabelle 2 und Tabelle 3).

Tabelle 4: WHO-Klassifikation der ALL 2016 [10] 

Lymphatische Vorläufer-Neoplasien

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, nicht weiter klassifiziert (NOS)

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit rekurrenten genetischen Anomalien

 

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit t(9;22)(q34;q11.2); BCR::ABL1

 

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit t(v;11q23); KMT2A rearrangiert

 

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit t(12;21)(p13;q22); ETV6::RUNX1

 

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit Hyperdiploidie

 

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit Hypodiploidie

 

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit t(5;14)(q31;q32);IL3::IGH

 

 

B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit t(1;19)(q23;p13.3); TCF3::PBX1

 

 

(provisional entity) B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, BCR::ABL1-like

 

 

(provisional entity) B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom, mit iAMP21

 

T-lymphoblastische Leukämie/Lymphom

 

 

(provisional entity) Frühe T-Zell-Vorläufer Leukämie/Lymphom (Early T-cell precursor lymphoblastic leukemia, ETP)

 

 

(provisional entity) Natürliche Killer (NK)-Zell lymphoblastische Leukämie/Lymphom

Reifzellige B-Zell-Neoplasien

 

Burkitt Lymphom (hier ist die reifzellige „Burkitt“-B-ALL einzuordnen, die nicht als eigenständige Entität aufgeführt wird)

Die morphologische Klassifikation nach FAB spielt klinisch keine Rolle mehr. Allenfalls eine L3-Morphologie wird als Charakteristikum der Burkitt-Leukämie/Lymphom angesehen, allerdings ist diagnostisch entscheidend die Immunphänotypisierung (Oberflächen-Immunglobulin, kein Nachweis von Vorläufermarkern) und Molekulargenetik (Nachweis einer MYC-Translokation). Die Unterscheidung zwischen B-Vorläufer- und Burkitt-Leukämie ist unbedingt zu treffen, da sie hochrelevant für die Therapieentscheidung ist. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang, dass das Vorliegen einer MYC-/ und/oder BCL2-Translokation eine ALL nicht ausschließt. Für die Unterscheidung zwischen primärer MYC/BCL2-positiver B-Vorläufer ALL und aggressivem B-Zell-Lymphom mit TdT-Expression oder transformiertem Follikulären Lymphom ist die Berücksichtigung des vollständigen molekularen und immunphänotypischen Profils erforderlich [1619].

Tabelle 5: Immunologische Subklassifikation der ALL in den GMALL-Studiennach GMALL* und EGIL 

Subgruppe

Subtyp

Immunphänotypisierung

Charakteristische Marker (Immunphänotypisierung)

Inzidenz bei Erwachsenen**

Typische Zyto-/Molekulargenetik

BezeichnungB-Linien-ALL
TdT+/-, CD34+/-, CD19+ u./o. cyCD79a+ u./o. (cy)CD22+, sIg-, kappa-, lambda-

Charakteristische Marker

Inzidenzca. 75%

B- Linien ALLKlassifikation nach GMALL / EGIL

HLA-DR+, TdT+/-, CD19+ u./o. cyCD79a+ u./o. cyCD22+

 

76%

davon

B-Vorläufer ALL

B-I (pro-B-ALL)

CD10-***

15%

  • Pro-B

B-II (common (c)-ALL)

CD10-

CD10+

11%

71%

t(v::11); KMT2A-Rearrangements

  • c- (common)

B-III (prä-B-ALL)

CD10+

cyIgM+***

49%

14%

t(9;22); BCR::ABL1

IKZF1*

  • Prä-B

T-Linien-ALL
TdT+/-, (cy)CD3+, CD7+, MPO-

cyIgM+

12%

ca. 25%

t(1;19); TCF3::PBX1

t(9;22); BCR::ABL1

IKZF1*

Reife BKlassifikation nach GMALL

TdT-, CD34-, sIg+

 

4%

davon

t(8;14); MYC-Rearrangements

T- Linien ALL

Early -T-ALL

TdT+/-, cyCD3+, CD7+

sCD3- und CD2- oder sCD3- und CD2+, wenn CD4- und CD5- und CD8-

24%

26%

„Early“ T**

Thymische T-ALL

CD2-/(+), sCD3-, CD1a-

CD1a+

6%

46%

PTEN*,

N/K-RAS*

„Thymische“ T

Mature T-ALL

sCD3+/- CD1a+

sCD3+ und CD1a- oder CD2+ CD1a- zusammen mit CD4+ u/o CD5+ u/o CD8+

12%

28%

NOTCH1/FBXW7*

„Mature“ TKlassifikation nach EGIL

sCD3+ CD1a-

 

6%

davon

T-I (pro-T-ALL)

nur cyCD3+, CD7+

4%

T-II (prä-T-ALL)

CD2+ u/o CD5+ u/o CD8+

39%

T-III (kortikale oder thymische T-ALL)

CD1a+

46%

T-IV (mature oder reife T-ALL)

sCD3+ und CD1a-

11%

* [20]
** Nach [2021]
; ** die hier dargestellte Definition der Early T-ALL ist GMALL-spezifisch und deckt sich nicht mit der WHO-Klassifikation und der EGIL-Klassifikation.*** Eine CD10-Negativität korreliert mit dem Nachweis eines KMT2A-Rearrangements

5.4Prognostische Faktoren

Prognosefaktoren sind bei der ALL des Erwachsenen seit vielen Jahren etabliert [1] und international akzeptiert. Dennoch gibt es Unterschiede in der Risikostratifikation der einzelnen Studiengruppen und insbesondere im Hinblick auf die therapeutischen Konsequenzen. Die französische Studiengruppe (GRAALL) hat anhand molekularer Veränderungen eine genetische Klassifikation entwickelt, die bei B-Vorläufer-ALL Aberrationen von und international akzeptiert. Dennoch gibt es Unterschiede in der Ausgestaltung der Risikostratifikation der einzelnen Studiengruppen und insbesondere im Hinblick auf die therapeutischen Konsequenzen wie die Indikationsstellung für eine allogene Stammzelltransplantation. Dies resultiert aus der Tatsache, dass Prognosefaktoren immer im Konzept definierter Therapiestrategien definiert werden müssen. Gleichzeitig erfordert die Entwicklung neuer Therapiekonzepte z.B. die Integration von Immuntherapien in die Primärtherapie die prospektive Re-Evaluierung von Prognosefaktoren, was nur im Rahmen prospektiver Studien möglich ist. Retrospektive Studien zeigen eine besonders ungünstige Prognose einiger seltener molekularer Subtruppen (z. B. die HLF-oder die IKZF1 sowie KMT2A umfasst sowie bei T-Vorläufer-ALL das Fehlen von NOTCH1-Mutationen und/oder Auftreten von PTENBCL2/MYC- oder -rearrangierte B-Vorläufer ALL). Andererseits kann der konsequente Einsatz einer MRD-basierten Therapie-Intensivierung mit Salvage-Immuntherapien und allogener Stammzelltransplantation eine ungünstige Prognose (z. B. bei der CDX2/UBTF ALL) unter nicht-MRD basierten Chemotherapie- Konzepten aufwiegen N/K-RAS-Mutationen als Hochrisiko-Merkmale definiert [17]. Diese Klassifikation wurde retrospektiv anhand einer relativ begrenzten Fallzahl definiert und überschneidet sich in großen Teilen mit der bestehenden o.g. Klassifikation der GMALL, da die NOTCH1-Mutationen überwiegend in der thymischen T-ALL auftreten. Zytogenetische Aberrationen mit Ausnahme von t(9;22) und t(4;11) identifizieren bei der ALL seltene Subgruppen, deren prognostische Wertigkeit unter Anwendung aktueller Therapien nicht geklärt ist. .

Weiterhin stark diskutiert wird eine neue Subgruppe der B-Vorläufer ALL, die durch ein der Ph/Weiterhin stark diskutiert wird eine neue Subgruppe der B-Vorläufer ALL, die durch ein der PhPos ALL vergleichbares Genexpressionsprofil charakterisiert ist. In dieser Gruppe der 'Ph-like' oder 'BCR::ABL1 positiven ALL vergleichbares Genexpressionsprofil charakterisiert ist. In dieser Gruppe der 'Ph-like' oder 'BCR::ABL1-like' ALL sind auch Mutationen und Translokationen im ABL- und JAK/Kinase-Signalweg beschrieben, die potentiell zielgerichtet behandelt werden können /Kinase-Signalweg beschrieben, die potenziell zielgerichtet behandelt werden können. Die Inzidenz der 'Ph-like' ALL innerhalb der . Die Inzidenz der 'Ph-like' ALL innerhalb der BCR::ABL1- und KMT2A-negativen ALL lag in einer deutschen Kohorte insgesamt bei 27% - und KMT2A-negativen ALL lag in einer deutschen Kohorte insgesamt bei 27% [22]. In einer anderen größeren Kohorte von 692 Patient*innenPat. mit B-Vorläufer ALL (einschließlich BCR::ABL1- und KMT2A-Rearrangement) wurde eine Inzidenz von 24% beschrieben KMT2A. Eine prospektive, standardisierte Identifikation in der klinischen Routine ist bisher noch nicht möglich -Rearrangement) wurde eine Inzidenz von 24% beschrieben [23]. Spezifische molekulargenetische Untersuchungen können herangezogen werden, um Läsionen zu identifizieren, bei denen eine zielgerichtete molekulare Therapie in speziellen Situationen erwogen werden kann. Hierbei wird die RNAseq als neuer Standard der Diagnostik derzeit für GMALL Studienpatienten etabliert und evaluiert. Die Häufigkeit von ABL-class Alterationen (abgesehen von . Bei der Bewertung international publizierter historischer Daten muss die Anwendung unterschiedlicher Definitionen berücksichtigt werden. Spezifische molekulargenetische Untersuchungen können herangezogen werden, um Läsionen zu identifizieren, bei denen eine zielgerichtete molekulare Therapie in speziellen Situationen erwogen werden kann. Hierbei ist die RNAseq als neuer Standard der Diagnostik etabliert. Die Häufigkeit von ABL-class Alterationen (abgesehen von BCR::ABL1 Fusionen) liegt bezogen auf die ALL insgesamt aber unter 5%bei 1%; die klinische Wirksamkeit von Kinaseinhibitoren in dieser PatientengruppeGruppe von Pat. muss noch in Studien nachgewiesen werden, auch wenn es erste positive Fallberichte dazu gibt [8]. Die gezielte Untersuchung auf Aberrationen bei Patient*innenPat. mit schlechtem Ansprechen, Rezidiv oder molekularer Persistenz sowie der potentiellpotenzielle Off-Label- Einsatz zielgerichteter Substanzen ist im Einzelfall sinnvoll.

Die aktuell gültigen Prognosefaktoren in den GMALL-Studien sind in Tabelle 3 zusammengefasst. Die Klassifikation aufgrund primärdiagnostischer Marker ist historisch weitgehend unverändert geblieben, weil zusätzlich bei allen Patient*innen eine MRD-Verlaufskontrolle erfolgt, die es ermöglicht ein ungünstiges individuelles Ansprechen zu identifizieren.

MRD ist zu jedem Zeitpunkt unter und nach Therapie ein hochsignifikanter Prognosefaktor. Das frühe Erreichen einer MRD-CR charakterisiert eine Subgruppe von Pat. mit sehr günstiger Prognose, während Pat. mit persistierender MRD oder einem MRD-Rezidiv nach Konsolidation I eine hohe Rezidivrate haben [24]. Dies gilt sogar bei nachfolgender Stammzelltransplantation (SZT). Da die Persistenz der MRD auf eine Resistenz gegenüber der konventionellen Chemotherapie hindeutet, ist im Fall eines molekularen Therapieversagens oder molekularen Rezidivs notwendig, eine Therapieumstellung und den Einsatz zielgerichteter Therapien zu erwägen.

Die aktuell gültigen Prognosefaktoren in den GMALL-Studien für Pat. im Alter von 18-55 Jahren sind in Tabelle 5 zusammengefasst. Eine detaillierte Darstellung internationaler Risikoklassifikationen findet sich in [1]. Die Klassifikation aufgrund primärdiagnostischer Marker ist historisch weitgehend unverändert geblieben, weil zusätzlich bei allen Pat. eine MRD-Verlaufskontrolle erfolgt, die es ermöglicht ein ungünstiges individuelles Ansprechen zu identifizieren.

Tabelle 6: UngünstigeStratifkations-relevante Prognosefaktoren bei der ALL des Erwachsenen 18-55 Jahre (GMALL-Studie 08/2013) 

Hohe Leukozytenzahl

> 30G/l30 G/l bei B-Vorläufer-ALL

Subtyp

pro B, early T, reife T

Späte CR

> 3 Wo (nach Induktion II)

Zytogenetische / Molekulare Aberrationen

t(9;22) – BCR::ABL1

t(4;11) - KMT2A::AFF1

MinimaleMessbare Resterkrankung (MRD)

MRD-Niveau über 10>10-4 nach FrühkonsolidationKonsolidation I *

MRD-Anstieg über 10>10-4 nach vorheriger molekularer CR *CR*

* detaillierte Definition nach Therapieprotokoll

Bei jüngeren Pat. im Alter von 18-55 Jahren wird in den GMALL-Therapieempfehlungen eine risikoadaptierte Therapiestrategie verfolgt. Die in Tabelle 5 genannten Risikofaktoren führen zur Definition einer Standard- (ohne ungünstige Prognosefaktoren) und einer Hochrisikogruppe (mindestens ein ungünstiger Prognosefaktor). Die PhPos ALL wird als separate Gruppe mit spezifischen Behandlungsoptionen geführt. Durch risikoadaptierte, subgruppenspezifische Konzepte kann die ungünstige Prognose aufgehoben werden wie z.B. durch Einsatz von Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) und Stammzelltransplantation (SZT) bei der PhPos ALL.

Bei jüngeren Patient*innen im Alter von 18-55 Jahren wird in den GMALL-Therapieempfehlungen eine risikoadaptierte Therapiestrategie verfolgt. Die in Tabelle 3 genannten Risikofaktoren führen zur Definition einer Standard- (ohne ungünstige Prognosefaktoren) und einer Hochrisikogruppe (mindestens ein ungünstiger Prognosefaktor). Patient*innen mit Ph/BCR::ABL1-positiver ALL werden zusätzlich mit Imatinib und ggf. anderen Tyrosinkinaseinhibitoren behandelt.

Nach einer einheitlichen Induktions- und ersten Konsolidationstherapie erfolgt die Therapie risikoadaptiert. Pat. mit Hochrisiko oder PhPos ALL werden nach Konsolidation 1 einer SZT zugeführt, während bei Pat. mit Standardrisiko die Chemotherapie mit alternierenden Konsolidationszyklen über ein Jahr fortgeführt wird. Bei PhNeg B-Vorläufer ALL wird nach Konsolidation I unabhängig vom MRD-Verlauf ein Zyklus Blinatumomab appliziert (siehe unten) Standardrisiko-Pat. mit schlechtem Therapieansprechen, bei denen eine Intensivierung mittels SZT sinnvoll erscheint, werden anhand des MRD-Verlaufs identifiziert. Aufgrund der großen prognostischen Bedeutung der MRD auch im Kontext der SZT, soll bei Pat., die nach Konsolidation I ein molekulares Therapieversagen zeigen, unabhängig von der Risikogruppe vor der SZT eine zielgerichtete Therapie durchgeführt werden, um das MRD-Niveau zu senken, ein Frührezidiv zu vermeiden und die Ergebnisse der SZT zu verbessern. Hierfür stehen für B-Vorläufer-ALL bzw. Thymische-ALL die Substanzen Blinatumomab bzw. Nelarabin zur Verfügung. Die zielgerichtete Therapie anderer Subtypen der T-ALL (early/reife) ist derzeit noch Gegenstand klinischer Studien und spezifischer Expertenempfehlungen, da nach aktueller Datenlage Nelarabin hier nur unzureichend wirksam ist.

Nach einer einheitlichen Induktions- und ersten Konsolidationstherapie erfolgt die Therapie risikoadaptiert. Patient*innen mit Hoch- und Höchstrisiko werden einer SZT zugeführt, während bei Patienten mit Standardrisiko die Chemotherapie mit alternierenden Konsolidationszyklen über ein Jahr fortgeführt wird. Standardrisiko-Patient*innen mit schlechtem Therapieansprechen, bei denen eine Intensivierung mittels SZT sinnvoll erscheint, werden anhand des MRD-Verlaufs identifiziert. Aufgrund der großen prognostischen Bedeutung der MRD auch für die Stammzelltransplantation soll bei Patient*innen, die nach Konsolidation I ein molekulares Therapieversagen zeigen unabhängig von der Risikogruppe vor der SZT eine möglichst zielgerichtete Therapie durchgeführt werden, um das MRD-Niveau zu senken, ein Frührezidiv zu vermeiden und die Ergebnisse der SZT zu verbessern. Hierfür stehen für B-Vorläufer-ALL bzw. T-ALL die Substanzen Blinatumomab oder Nelarabin zur Verfügung.

Bei älteren Pat. im Alter >55 Jahren ist die Bedeutung der o.g. Risikofaktoren ähnlich. In größerem Umfang muss in der höheren Altersgruppe aber der Allgemeinzustand sowie Komorbiditäten berücksichtigt werden. Aufgrund der erhöhten Toxizität sind die Optionen für eine SZT eingeschränkt. Daher wird bei älteren Pat. zwischen 55-65 Jahren die SZT-Indikation weitgehend MRD-basiert gestellt. Im Alter >65Jahren schränkt sich die SZT-Indikation auf Einzelfälle ein und erfolgt nach individueller Risikoabschätzung.

5.5Differenzialdiagnose

Bei der überwiegenden Zahl der Patient*innenPat. treten keine diagnostischen Probleme auf, wenn alle unter Abschnitt Kapitel 5.2.1.2 aufgeführten Spezialuntersuchungen durchgeführt werden. Die immunologische und morphologische Identifizierung lymphatischer Blasten erlaubt die Abgrenzung von akuter myeloischer Leukämie (AML), myelodysplastischem Syndrom (MDS), chronischer lymphatischer Leukämie, lymphatischem Blastenschub bei CML oder anderen Formen chronischer und akuter Leukämien sowie von reaktiven Lymphozytosen, z. B. bei infektiöser Mononukleose. Die Abgrenzung der ALL von T- oder B-lymphblastischen LymphomenB- LBL erfolgt anhand des Blastenanteils im Knochenmark. Liegt die Infiltration unter 25% wird ein LBL diagnostiziert.

Bei etwa 29% der Patient*innenPat. zeigen die typischen ALL-Blasten die Koexpression myeloischer Oberflächenmarker wie CD13, CD33 (>20%). Bestimmte Subgruppen der ALL gehen mit einer höheren Inzidenz myeloischer Koexpression einher, z. B. „early“ T-ALL, pro-B-ALL, Ph/BCR::ABL1-positive ALL. Die myeloische Koexpression ist prognostisch nicht relevant. Die Patient*innen werden analog den betreffenden ALL-Protokollen behandelt.-positive ALL. Die myeloische Koexpression ist prognostisch nicht relevant. Die Pat. werden analog den betreffenden ALL-Protokollen behandelt. Dies gilt auch für Pat. mit biphänotypischer akuter Leukämie.

Dies gilt auch für Pat. mit einer Mixed Phenotype Akuten Leukämie (MPAL) nach WHO_HAEM5 bzw. einer biphänotypische akuten Leukämie (BAL) nach EGIL. Die MPAL-Klassifikation sollte auf den WHO HAEM5 und ICC 2022 Kriterien basieren.

6Therapie

6.1Therapiestruktur

Wegen der anspruchsvollen Diagnostik, der komplexen Therapie, des lebensbedrohlichen Verlaufskurativen Anspruchs und der Seltenheit der Erkrankung ist bei Verdacht auf ALL die notfallmäßige Überweisung an ein hämatologisches Zentrum mit entsprechender Erfahrung dringend zu empfehlen.

In Deutschland erfolgt die Erstlinientherapie bei der ALL des Erwachsenen im Alter bis 55 Jahre in der aktuellen Therapieoptimierungsstudie GMALL 08 In Deutschland erfolgt die Erstlinientherapie bei der ALL des Erwachsenen im Alter bis 55 Jahre gemäß Expertenempfehlungen. Die Therapieempfehlungen sind über die GMALL-Studiengruppe erhältlich. Für Pat. über 55 Jahre stehen separate Therapieempfehlungen der GMALL zur Verfügung (siehe Kapitel , die an 80 Kliniken aktiviert ist. Für Zentren, die nicht an dieser Studie teilnehmen, kann eine Expertenempfehlung und ein Registereinschluss bereitgestellt werden. Die Therapieempfehlungen sind über die Studiengruppe erhältlich. Für Patient*innen über 55 Jahre stehen separate Therapieempfehlungen der GMALL zur Verfügung (siehe Abschnitt 6.3.1). Bei Verfügbarkeit klinischer Studien für die Erstlinienbehandlung wird ein Studieneinschluss dringend empfohlen, da die kontrollierte Behandlung im Rahmen klinischer Studien in der Regel einen Vorteil im Hinblick auf die Heilungschancen bringt.

Die Therapie der ALL wird in mehrere Phasen unterteilt: Induktions-, Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie. Ziel der Induktionstherapie ist die Induktion einer kompletten Remission (CR) der Erkrankung. Das Erreichen einer CR ist Grundvoraussetzung für ein Langzeitüberleben bzw. Heilung der Erkrankung. Die Therapieabschnitte Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie dienen der Aufrechterhaltung der kompletten Remission und werden unter dem Begriff der Postremissionstherapie zusammengefasst. Unter dem Begriff der Konsolidationstherapie wird auch die Knochenmark- bzw. Blutstammzelltransplantation (SZT) subsummiert Die Therapie der ALL wird in mehrere Phasen unterteilt: Induktions-, Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie. Ziel der Induktionstherapie ist das Erreichen einer kompletten Remission (CR) der Erkrankung. Die Induktion einer CR ist Grundvoraussetzung für ein Langzeitüberleben bzw. eine Heilung der Erkrankung. Die Therapieabschnitte Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie dienen der Aufrechterhaltung und Vertiefung der CR und werden unter dem Begriff der Postremissionstherapie zusammengefasst. Darunter wird auch die SZT subsummiert [2]. Die Therapiestruktur ist in den AbbildungenAbbildung 1 und 2 und Abbildung 2 dargestellt.

Abbildung 1: Therapiestruktur bei Erwachsenen mit Akuter Lymphatischer Leukämie, Ph-negativ 
1 ALL – Akute Lymphatische Leukämie, LBL – Lymphoblastisches Lymphom;
2 MRD – Bestimmung der minimalen Resterkrankung (Minimal Residual Disease); MRD – Bestimmung der minimalen Resterkrankung (Minimal Residual Disease); MolCR: Molekulare CR; MolIMR: Molekular Intermediär; MolFail: Molekulares Versagen
3 individuelle Entscheidung;
4 Indikationsstellung und Konditionierung abhängig vom biologischen Alter und Allgemeinzustand
5 Bei B-Vorläufer-ALL
6 Bei T-ALL: Individuelle Entscheidung/Studienteilnahme
7 GMALL-Expertenempfehlungen
8 Erkennung und Behandlung von Spätfolgen
Abbildung 2: Therapiestruktur bei Erwachsenen mit Akuter Lymphatischer Leukämie, Ph-positiv 
1  1 ALL – Akute Lymphatische Leukämie, LBL – Lymphoblastisches Lymphom;
2 MRD – Bestimmung der minimalen Resterkrankung (Minimal Residual Disease); TKI - Tyrosinkinaseinhibitor; Therapiebeginn in der Regel mit Imatinib; Wechsel ggf. nach Ansprechen,Verträglichkeit und Auftreten von Resistenzmutationen
3 optional, individuelle Entscheidung; MRD – Bestimmung der minimalen Resterkrankung (Minimal Residual Disease); MolCR: Molekulare CR; MolIMR: Molekular Intermediär; MolFail: Molekulares Versagen
4 Indikationsstellung und Konditionierung abhängig vom biologischen Alterindividuelle Entscheidung; .
5 TKI nach SZT entweder MRD-basiert oder prophylaktisch Indikationsstellung und Konditionierung abhängig vom biologischen Alter und Allgemeinzustand
6 GMALL-Expertenempfehlungen
7 Erkennung und Behandlung von Spätfolgen

6.1.1Erstdiagnose

6.1.1.1Vorphasetherapie

Bei allen Patient*innenPat. sollte eine Vorphase-Therapie (Dexamethason, ± Cyclophosphamid) zur Vermeidung eines Tumorlyse-Syndroms durchgeführt werden. Auch bei Patient*innenPat. mit Hyperleukozytose reicht die Vorphase-Therapie im Allgemeinen für eine schonende Zellreduktion aus. Während der 5-tägigen VorphasetherapieVorphase werden auch alle für die Therapiestratifikation notwendigen diagnostischen Befunde zusammengetragen. Dazu gehören insbesondere die CD20-Expression sowie der BCR::ABL1-Status. In der Regel wird auch die erste Liquorpunktion zur Diagnostik und intrathekalen Prophylaxe mit Methotrexat durchgeführt. -Status. Die Ergebnisse der MRD-Marker-Etablierung und der molekularen Komplexdiagnostik sollten bis zum Ende der Induktionstherapie vorliegen. In der Regel wird auch die erste Liquorpunktion zur Diagnostik und intrathekalen Prophylaxe mit Methotrexat (MTC) durchgeführt. Die diagnostische Liquorpunktion mit Applikation von MTX sollte spätestens nach Abfall der Leukozytenzahl unter 20.000/µl durchgeführt werden, sofern nicht Gerinnungsstörungen oder eine nicht substituierbare Thrombopenie bestehen.

6.1.1.2Induktionstherapie bei unter 55jährigen Patient*innenPat. mit ALL oder LBL (Ph-negativ)

Standardmedikamente für die eigentliche Induktionstherapie sind Vincristin und Dexamethason in Kombination mit einem Anthrazyklin-Derivat (meist Dauno-/Doxorubicin). Zusätzlich wird Asparaginase in der Induktionstherapie eingesetzt; die Substanz ist spezifisch bei ALL wirksam und unterscheidet sich im Hinblick auf Wirkungsmechanismus, Resistenz und Nebenwirkungsspektrum von anderen Zytostatika. In den GMALL-Studien wird die pegylierte Form der Asparaginase eingesetzt. Man erreicht damit in Abhängigkeit von der Dosis eine Wirkdauer von 10-20 Tagen. Hierbei gibt es eine erhebliche interindividuelle Variabilität. Um die Wirkdauer exakt zu messen, sollten zumindest in ausgewählten Therapieblöcken wöchentlich Asparaginase-Aktivitätsmessungen durchgeführt werden. Die Messung dient zum einen dazu, Patient*innen mit raschem Aktivitätsabfall ohne klinisch manifeste allergische Reaktion zu identifizieren ('Silent Inactivation'). In solchen Fällen kann als Ersatzpräparat Erwinia-Asparaginase eingesetzt werden. Zum anderen sollte bei Patient*innen mit sehr protrahierter Aktivität und/oder Toxizitäten für nachfolgende Blöcke eine Dosisreduzierung erwogen werden.

Standardmedikamente für die eigentliche Induktionstherapie sind Vincristin und Dexamethason in Kombination mit Daunorubicin. Zusätzlich wird Asparaginase in der Induktionstherapie eingesetzt; die Substanz ist spezifisch bei ALL wirksam und unterscheidet sich im Hinblick auf Wirkungsmechanismus, Resistenz und Nebenwirkungsspektrum von anderen Zytostatika. In den GMALL-Studien wird die pegylierte Form der Asparaginase eingesetzt. Man erreicht damit in Abhängigkeit von der Dosis eine Wirkdauer von 10-30 Tagen. Hierbei gibt es eine erhebliche inter-individuelle Variabilität. Um die Wirkdauer exakt zu messen, sollten in ausgewählten Therapieblöcken nach 7 bzw. 14 Tagen Asparaginase-Aktivitätsmessungen durchgeführt werden. Die Messung dient zum einen dazu, Pat. mit raschem Aktivitätsabfall, ohne klinisch manifeste allergische Reaktion zu identifizieren ('Silent Inactivation'). In solchen Fällen kann ebenso wie bei klinischer allergischer Reaktion als Ersatzpräparat eine rekombinante Erwinia-Asparaginase eingesetzt werden. Hier ist zu beachten, dass es sich nicht um pegylierte Präparate handelt und daher ein anderes Dosierungsschema mit regelmäßigen Gaben angewendet wird, um die für PEG-Asparaginase erwartete Aktivitätsdauer zu ersetzen. Zum anderen sollte bei Pat. mit protrahierter Aktivität und/oder Toxizitäten für nachfolgende Blöcke eine Dosisreduktion erwogen werden. Jegliche Dosisänderung sollte durch eine weitere Aktivitätsmessung überprüft werden.

Für diese Individualisierung der Asparaginase-Therapie und das Management von Toxizitäten sollten an den teilnehmenden Zentren die entsprechenden GMALL-Empfehlungen berücksichtigt werden, während an anderen Zentren auf publizierte Empfehlungen Für diese Individualisierung der Asparaginase-Therapie und das Management von Toxizitäten sollten an den teilnehmenden Zentren die entsprechenden GMALL-Empfehlungen berücksichtigt werden. Weiterhin sind unter Asparaginase-Therapie spezielle Supportivmaßnahmen (Überwachung der Leberwerte (insbesondere Transaminasen und Bilirubin), Serum-Triglyzeride und Cholesterin, Pankreasenzyme, Glucose, Thromboseprophylaxe, Gerinnungsfaktoren, ggf. Substitution von Gerinnungsfaktoren einschl. ATIII) erforderlich. Es gibt zunehmend Daten für die Relevanz metabolischer Entgleisungen z.B. mögliche Korrelation von Hypertriglyzeridämien und Osteonekrosen, so dass die Überwachung und das Management von Toxizitäten wichtig sind. Wegen der möglichen Interaktionen sollte die Gabe von Steroiden unter Asparaginase-Aktivität möglichst vermieden und die Indikation für den zusätzlichen Einsatz von Steroiden z.B. in der Supportivtherapie möglichst streng gestellt werden. Pat. mit einem Body Mass Index (BMI) über 30 kg/m zurückgegriffen und klinikinterne Vorgehensweisen definiert werden sollten. Weiterhin sind unter Asparaginase-Therapie spezielle Supportivmaßnahmen (Überwachung der Leberwerte (insbesondere Transaminasen und Bilirubin), Serum-Triglyzeride und Cholesterin, Pankreasenzyme, Glucose, Thromboseprophylaxe, Gerinnungsfaktoren, ggf. Substitution von Gerinnungsfaktoren einschl. ATIII) erforderlich. Es gibt zunehmend Daten für die Relevanz metabolischer Entgleisungen z.B. mögliche Korrelation von Hypertriglyzeridämien und Osteonekrosen, so dass die Überwachung und das Management von Toxizitäten wichtig sind. Wegen der möglichen Interaktionen sollte die Gabe von Steroiden unter Asparaginase-Aktivität möglichst vermieden und die Indikation für den zusätzlichen Einsatz von Steroiden z.B. in der Supportivtherapie möglichst streng gestellt werden. Patienten mit einem Body Mass Index über 30 kg/m2 und/oder einer vorbestehenden Steatosis hepatis weisen ein erhöhtes Risiko einer Hepatotoxizität auf. Hier wird in den GMALL-Therapieempfehlungen eine Dosisreduktion in der Induktion auf 500 U/m2 mit späterer schrittweiser Dosissteigerung vorgeschlagen.

Nach Induktionsphase I erfolgt eine Remissionskontrolle mit MRD-Bestimmung. Wird hier nach zytologischem Befund keine komplette Remission (Blastenanteil <5%) erreicht, muss die Patient*inwerden vormals Standardrisko-Pat. der Hochrisikogruppe zugeordnet werden. Bei grenzwertigen zytologischen Befunden (Blasten 5-10%), sollte für die abschließende Einordnung der MRD-Befund abgewartet werden. Der alleinige Nachweis CD10/CD19-positiverCD10/CD19/CD34-positiver Zellen in der FlowzytometrieFlow-Zytometrie kann weder als eindeutiger BlastennachweisBlasten- noch als MRD-Nachweis gewertet werden, da es sich gerade im regenerierenden Knochenmark auch um Hämatogonen handeln kann.

Bei initial detektierten extramedullären Befällen sollten diese durch eine entsprechend geeignete Bildgebung nachverfolgt und in die Gesamtbewertung der Remission einbezogen werden.

Bei initial detektierten extramedullären Befällen sollten diese durch eine entsprechend geeignete Schnittbildgebung nachverfolgt und in die Gesamtbewertung der Remission einbezogen werden. Bei unklaren Restbefunden in der konventionellen Bildgebung wird ein PET-CT empfohlen.

In Induktionsphase II erfolgt die Zugabe weiterer Medikamente – Cyclophosphamid, Cytosin-Arabinosid, 6-Mercaptopurin sowie die intrathekale Prophylaxe mit Methotrexat. In der Regel bewirkt die Induktionsphase II nochmals einen deutlichen Abfall der minimalen Resterkrankung In Induktionsphase II erfolgt die Zugabe weiterer Medikamente – Cyclophosphamid, Cytosin-Arabinosid, 6-Mercaptopurin sowie die intrathekale Prophylaxe mit Methotrexat. Während der Induktionsphase II ist auch von einer anhaltenden Wirkung der Asparaginase auszugehen. In der Regel bewirkt die Induktionsphase II einen weiteren deutlichen Abfall der MRD [24].

Wichtige neue Elemente der Induktionstherapie sind die Intensivierung der Asparaginase-Therapie durch Dosiserhöhung und die Hinzugabe von Anti-CD20-Antikörpern bei CD20-positiver ALL.

Bei Pat. mit initialer CD20-Expression (in durchflusszytometrischer Analyse >20%) in der FACS-Analyse wird zusätzlich Rituximab in die Therapie integriert [25].

Die Induktionstherapie bei Ph-positiver ALL unterscheidet sich und wird im Folgenden beschrieben. Auch für über 55-jährige Patient*innenPat. wird eine alternative Therapie empfohlen, da hier mit erhöhter Frühmortalität und insbesondere mit erhöhter Toxizität der Asparaginase in der Induktion zu rechnen ist (siehe Abschnitt Kapitel 6.3.1).

6.1.1.3KonsolidationstherapieKonsolidationstherapie bei unter 55jährigen Pat. mit ALL oder LBL (Ph-negativ)

Die Durchführung einer intensiven Konsolidationstherapie ist Standard in der Therapie der ALL. Für die Konsolidationstherapie existieren international sehr unterschiedliche Konzepte und die Wirksamkeit der jeweiligen Elemente ist kaum einzeln nachweisbar. Die verfügbaren Daten deuten jedoch darauf hin, dass zyklische Konsolidationstherapie mit wechselnden Substanzen und insbesondere der intensive Einsatz von hochdosiertem Methotrexat, Hochdosis-Cytarabin, die erhöhte Dosisintensität für Asparaginase ebenso wie die Wiederholung der Induktionstherapie (Reinduktion) vorteilhaft ist. Essenziell ist die möglichst zeitnahe Durchführung der Therapieblöcke in der Konsolidationstherapie. Wegen der großen Bedeutung von Hochdosis-Methotrexat für das gesamte Therapiekonzept sollten Standardempfehlungen für Management und Supportivtherapie unter Methotrexat unbedingt beachtet werden.

Die Durchführung einer intensiven Konsolidationstherapie ist weiterhin Standard in der Therapie der ALL [1]. Der Ersatz intensiver Chemotherapiezyklen oder die Verkürzung der Gesamttherapiedauer durch zielgerichtete Therapien ist Gegenstand prospektiver Studien [26]. Für die Konsolidationstherapie existieren international sehr unterschiedliche Konzepte und die Wirksamkeit der jeweiligen Elemente ist kaum einzeln nachweisbar. Die verfügbaren Daten deuten jedoch darauf hin, dass zyklische Konsolidationstherapie mit wechselnden Substanzen und insbesondere der intensive Einsatz von hochdosiertem Methotrexat, Hochdosis-Cytarabin, die erhöhte Dosisintensität für Asparaginase ebenso wie die Wiederholung der Induktionstherapie (Reinduktion) vorteilhaft ist. Wichtig ist hierbei auch die Wirkung der Therapieblöcke auf extramedulläre Kompartimente. Essenziell ist die möglichst zeitnahe Durchführung der Therapieblöcke in der Konsolidationstherapie. Wegen der großen Bedeutung von Hochdosis-Methotrexat für das gesamte Therapiekonzept sollten Standardempfehlungen für Management und Supportivtherapie unter Methotrexat unbedingt beachtet werden.

Bei jüngeren Patient*innen sollte nach der ersten Konsolidation und bei älteren Patienten spätestens nach der zweiten Konsolidation eine abschließende Remissionsbeurteilung erfolgen. Dies schließt die Knochenmarkkontrolle einschließlich MRD-Bestimmung ein, ebenso wie die Beurteilung extramedullärer Befälle. Bei unklaren Restbefällen (CRu oder PR) sollte eine PET-Untersuchung durchgeführt werden. Das weitere Vorgehen bei persistierender MRD ist unter Abschnitt 5.2.2.1 beschrieben.

Außerdem hat sich aufgrund der Daten der randomisierten Studie ECOG1910 [27] die zusätzliche Gabe von Blinatumomab im Wechsel mit der Standard-Chemotherapie als neuer Standard etabliert. In den GMALL-Protokollen werden insgesamt drei Zyklen mit Blinatumomab unabhängig vom MRD-Status nach Konsolidation I integriert. Bei Pat. mit molekularem Versagen nach Konsolidation I bleibt es bei der SZT-Indikation, die dann nach dem ersten Blinatumomab-Zyklus appliziert wird. Bei Standardrisiko-Pat. wird die Chemotherapie fortgesetzt und im Wechsel zwei weitere Zyklen Blinatumomab angewendet.

Bei jüngeren und älteren Pat. sollte nach der ersten Konsolidation eine abschließende Remissionsbeurteilung erfolgen. Dies schließt die Knochenmarkkontrolle einschließlich MRD-Bestimmung ein, ebenso wie die Beurteilung extramedullärer Befälle. Bei unklaren Restbefällen (CRu oder PR) sollte eine PET-Untersuchung durchgeführt werden. Das weitere Vorgehen bei persistierender MRD ist unter Kapitel 5.2.2.1 beschrieben.

6.1.1.4Erhaltungstherapie

Für alle ALL- Patient*innenALL-Pat. (außer für Patient*innenPat. mit reifer B-ALL/Burkitt-Leukämie)LBL), die keine allogene SZT erhalten, ist nach Abschluss der Konsolidations- und Intensivierungszyklen eine Erhaltungstherapie Behandlungsstandard. Alle Studien, in denen auf eine Erhaltungstherapie verzichtet wurde, haben deutlich ungünstigere Gesamtergebnisse gebracht. In der Erhaltungstherapie wird wöchentlich Methotrexat und täglich Mercaptopurin oral appliziert. Die Dosierungen werden an das Blutbild angepasst. Eine Compliance mit der Erhaltungstherapie ist prognostisch relevant [28]. Pädiatrische Studien haben gezeigt, dass die Zielvorgabe einer Leukozytenzahl unter 3000/µl sinnvoll ist [28]. Die GMALL-Studiengruppe empfiehlt derzeit die Durchführung der Erhaltungstherapie bis zu einer Gesamtherapiedauer von 2 1/2 Jahren. Intrathekale Prophylaxen und regelmäßige MRD-Bestimmungen werden unter Erhaltungstherapie fortgeführt. . Die GMALL-Studiengruppe empfiehlt derzeit die Durchführung der Erhaltungstherapie bis zu einer Gesamtherapiedauer von 2 1/2 Jahren. Intrathekale Prophylaxen und regelmäßige MRD-Bestimmungen werden unter Erhaltungstherapie fortgeführt. Die GMALL-Studiengruppe stellt über die teilnehmenden Zentren unterstützendes Material für niedergelassene Hämatologen zur Verfügung, die häufig die Erhaltungstherapie umsetzen.

6.1.1.5Stammzelltransplantation

Die allogene SZT ist bei der ALL des Erwachsenen ein wesentlicher Bestandteil der Postremissionstherapie. Es werden sowohl Familien- als auch Fremdspender eingesetzt, wobei aufgrund der ausgezeichneten Spenderregister inzwischen doppelt so viele Fremd- wie Familienspender-Transplantationen durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind vergleichbar. Eine randomisierte Studie bei der pädiatrischen ALL hat bestätigt, dass eine TBI-basierte Konditionierung einer Chemotherapie-basierten Konditionierung überlegen war [29] und eine kürzliche Metanalyse bei Erwachsenen kam zum gleichen Ergebnis [30].

Die autologe SZT wird nach einer weiteren Konsolidationstherapie nur noch in seltenen Einzelfällen durchgeführt. Wenn kein passender Spender/Spenderin (10/10 oder 9/10) identifiziert werden kann, besteht auch die Möglichkeit einer haploidenten Transplantation. Hier sind Standards für die Konditionierung noch nicht definiert, so dass entweder eine Studienteilnahme oder eine Absprache mit Expertengruppen empfohlen wird. Auch hier sollte eher eine TBI-basierte Konditionierung gewählt werden.

Die autologe SZT spielt bei der ALL keine Rolle mehr. Wenn kein passender Spender/Spenderin (10/10 oder 9/10) identifiziert werden kann, besteht die Möglichkeit einer haploidenten Transplantation. Auch hier sollte eher eine TBI-basierte Konditionierung gewählt werden.

Die Indikationsstellung für eine SZT in erster Remission wird international unterschiedlich gestellt. Die Mehrzahl der Studiengruppen verfolgt wie die GMALL-Studiengruppe eine risikoadaptierte Indikationsstellung für eine SZT in Erstremission [2]. Bei allen Patient*innen mit Hochrisiko-Merkmalen wird eine Transplantation in erster CR angestrebt. Hierbei handelt es sich in den GMALL-Studien um etwa die Hälfte der Patient*innen. Bei Standardrisiko- Patient*innen wird in Erstremission keine Transplantation angestrebt, da diese auch mit konventioneller Chemotherapie eine Überlebensrate von über 75% erreichen. Die Indikationsstellung für die SZT erfolgt bei Standardrisiko- Patient*innen bei molekularem Rezidiv oder Therapieversagen. Im Rahmen der GMALL-Studie 08/2013 wird aktuell überprüft, ob die Indikation für eine Stammzelltransplantation bei Patient*innen mit initialen Hochrisiko-Merkmalen und gutem molekularen Ansprechen künftig entfallen kann. Bei jüngeren Patient*innen mit Ph/. Bei allen Pat. mit Hochrisiko-Merkmalen wird eine Transplantation in erster CR angestrebt. Hierbei handelt es sich in den GMALL-Studien um etwa 40% der jüngeren Pat.. Bei Standardrisiko-Pat. wird in CR1 keine Transplantation angestrebt, da in dieser Situation auch mit konventioneller Chemotherapie eine Überlebensrate von über 75% erreicht wird. Die Indikationsstellung für die SZT erfolgt bei Standardrisiko- Pat. bei molekularem Therapieversagen oder molekularem Rezidiv. Bei jüngeren Pat. mit PhPos ALL besteht aktuell unabhängig vom molekularen Ansprechen die Indikation für eine SZT. Die Frage inwieweit die SZT bei einem definierten Teil der Pat. mit PhPos ALL ersetzt werden kann, ist Gegenstand laufender Studien.BCR::ABL1-positiver ALL besteht aktuell unabhängig vom molekularen Ansprechen die Indikation für eine Stammzelltransplantation.

Bei der Planung und Durchführung der Stammzelltransplantation hat der MRD-Verlauf eine große Bedeutung. Dies betrifft den Versuch, das MRD-Niveau vor Transplantation zu senken ebenso wie die engmaschige Kontrolle der MRD nach Transplantation.

Bei der Planung und Durchführung der SZT hat der MRD-Verlauf eine große Bedeutung. Dies betrifft den Versuch, das MRD-Niveau vor Transplantation zu senken ebenso wie die engmaschige Kontrolle der MRD nach Transplantation und die Einleitung zielgerichteter Maßnahmen bei Persistenz oder Wiederauftreten von MRD nach SZT.

Die GMALL-Studiengruppe hat eine Expertenempfehlung für die Stammzelltransplantation bei ALL herausgegeben, die über die Studiengruppe erhältlich ist. Ziel ist es durch eine einheitliche Definition von Konditionierung, GvHD-Prophylaxe und anderer transplantationsassoziierter Prozesse die Ergebnisse zu optimieren und gleichzeitig eine bessere Auswertbarkeit der Daten zu erreichen. Wichtig ist hier die aktualisierte Empfehlung, dass bereits ab der Altersgruppe von 45 Jahren eine dosisreduzierte Konditionierung mit 8 Gy TBI durchgeführt werden soll, um die transplantations-assoziierte Mortalität zu senken.

Die GMALL-Studiengruppe hat eine Expertenempfehlung für die SZT bei ALL herausgegeben, die über die Studiengruppe erhältlich ist. Bei 18-45-jährigen Pat. wird eine Konditionierung mit 12 Gray (Gy) Ganzkörperbestrahlung (TBI) und Etoposid bzw. Cyclophosphamid empfohlen. Ab der Altersgruppe von 45 Jahren soll eine dosisreduzierte Konditionierung mit 8 Gy TBI und Fludarabin durchgeführt werden, um die Transplantations-assoziierte Mortalität zu senken. Ziel ist es durch eine einheitliche Definition von Konditionierung, GvHD-Prophylaxe und anderer Transplantations-assoziierter Prozesse die Ergebnisse zu optimieren und gleichzeitig eine bessere Auswertbarkeit der Daten zu erreichen.

Die Frage der SZT bei Hochrisiko-Pat. mit B- oder T-Vorläufer-ALL und negativem molekularen MRD-Status nach Induktionsphase II wurde von der GMALL-Studiengruppe in einer randomisierten Studie untersucht. Hierbei wurde die SZT als Standard mit der Fortsetzung der Chemotherapie verglichen. Ziel war die Verbesserung des Disease Free Survival (DFS). Dieser Endpunkt wurde verfehlt, weil das DFS in beiden Armen identisch war. Post-hoc Analysen zeigten jedoch unterschiedliche Ergebnisse in Subgruppen. Bei Pat. mit T-ALL zeigte sich ein besseres Ergebnis der Chemotherapie während bei B-Vorläufer ALL das Ergebnis mit SZT günstiger schien [31]. Die Studie wird derzeit abschließend ausgewertet. Bis dahin bleiben die Standardempfehlungen zur SZT-Indikation unverändert.

6.1.1.6ZNS-Prophylaxe

Die Durchführung einer effektiven Prophylaxe von ZNS-Rezidiven hat in der Therapie der ALL einen entscheidenden Stellenwert. Risikofaktoren für die Entwicklung von ZNS-Rezidiven sind T-ALL, reife B-ALL/Burkitt-Leukämie sowie eine hohe Leukozytenzahl bei Diagnosestellung. Als Therapiemodalitäten stehen intrathekale Therapie mit Methotrexat, mit einer Dreifach-Kombination (Methotrexat, Cytarabin, Steroid), systemische Hochdosis-Therapie mit Methotrexat und/oder Cytarabin sowie eine Ganzhirnbestrahlung (24 Gy) zur Verfügung. Die besten Ergebnisse im Hinblick auf die Rate von ZNS-Rezidiven (<5%) werden mit einer Kombination aller Modalitäten erzielt, wie sie auch in den laufenden GMALL-Therapieempfehlungen vorgesehen ist. Dennoch ist der potentiellepotenzielle Wegfall der Ganzhirnbestrahlung ein therapeutisches Ziel, v.a. da die parallele Gabe von Chemotherapie und Bestrahlung in der Induktionsphase II zu Therapieverzögerungen durch protrahierte Zytopenien beitragen kann. Die In der GMALL-Studie 08/2013 wurde versucht die Frage der Notwendigkeit einer Ganzhirnbestrahlung bei B-Vorläufer-ALL und Lymphoblastischem LymphomLBL randomisiert zu beantworten. Erste Auswertungen zeigten eine erhöhte Rate systemischer Rezidive bei Wegfall der Schädelbestrahlung [32]. Die Studie wird derzeit abschließend ausgewertet und die Standardtherapie mit Schädelbestrahlung und intrathekaler Therapie bleibt bis dahin unverändert.

Bei initialem ZNS-Befall muss eine intensivierte intrathekale Therapie mit 2- bis 3-mal wöchentlichen Gaben bis zur Blastenclearance und 1-2 weiteren Konsolidierungsgaben durchgeführt werden. Bei häufiger intrathekaler Instillation von Methotrexat sollte zur Mukositisprophylaxe ein Leukovorin-Rescue durchgeführt werden.

Bei initialem ZNS-Befall muss eine intensivierte intrathekale Therapie mit 2- bis 3-mal wöchentlichen Gaben bis zur Blastenclearance und 1-2 weiteren Konsolidierungsgaben durchgeführt werden. Daran schließt sich die regelmäßige i.th. Prophylaxe nach dem jeweiligen Protokoll-Standard an.

6.1.1.7Therapie der Ph-/BCR::ABL1-positiven ALL

Das Philadelphia-Chromosom bzw. das korrespondierende Fusionstranskript BCR::ABL1 ist mit einer Inzidenz von 30–50% innerhalb der B-Vorläufer-ALL die häufigste wiederkehrende Aberration bei der ALL. Die Inzidenz nimmt mit dem Alter zu. Durch den Einsatz von Tyrosinkinase-(TK-)Inhibitoren, insbesondere Imatinib, hat sich die Prognose dieser Subgruppe deutlich verbessert ist innerhalb der B-Vorläufer-ALL mit einer altersabhängigen Inzidenz von bis zu 50% bei älteren Pat. die häufigste wiederkehrende Aberration bei der ALL. Die Inzidenz nimmt mit dem Alter zu. Durch den Einsatz von TKI, insbesondere Imatinib, hat sich die Prognose dieser Subgruppe deutlich verbessert [3133].

Bei jüngeren Patient*innen wird Imatinib in Kombination mit Chemotherapie eingesetzt. Dabei werden Remissionsraten von über 90% erreicht; die molekulare Remissionsrate liegt bei über 50%. Dadurch konnte auch der Anteil der Patient*innen, die einer allogenen Stammzelltransplantation zugeführt werden, deutlich erhöht werden. In einer randomisierten Studie der französischen Studiengruppe konnte gezeigt werden, dass eine dosisreduzierte Induktionstherapie mit Dexamethason, Vincristin und Imatinib im Vergleich zu einer intensiven Induktion mit Hyper-CVAD und Imatinib tendenziell bessere Ergebnisse bringt In einer randomisierten Studie der französisch-belgisch-schweizerische Studiengruppe (GRAALL) konnte gezeigt werden, dass eine dosisreduzierte Induktionstherapie mit Dexamethason, Vincristin und Imatinib im Vergleich zu einer intensiven Induktion mit Hyper-CVAD und Imatinib tendenziell bessere Ergebnisse bringt [34]. In der GMALL-Studiengruppe wird in der Therapieempfehlung momentan die Gabe von Imatinib mit einer reduzierten Induktionstherapie empfohlen. Hierbei entfällt sowohl Daunorubicin in der Induktionsphase I als auch die komplette Induktionsphase II. Stattdessen erfolgen wöchentliche Gaben von Vincristin und Dexamethason sowie eine Therapie mit Asparaginase und einem CD20-Antikörper (bei CD20-Positivität). Die Ganzhirnbestrahlung entfällt ebenfalls und die Patienten erhalten ausschließlich intrathekale Prophylaxe. . In der GMALL-Studiengruppe wird momentan die Gabe von Imatinib mit einer reduzierten Induktionstherapie empfohlen. Diese unterscheidet sich für Pat. unter und über 55 Jahren. Hierbei entfällt sowohl Daunorubicin in der Induktionsphase I als auch die komplette Induktionsphase II und die Schädelbestrahlung. Stattdessen erfolgen wöchentliche Gaben von Vincristin und Dexamethason sowie eine Therapie mit Asparaginase (nur bis 55 Jahre) und einem CD20-Antikörper (bei CD20-Positivität). Die Gabe von Asparaginase erfolgt nur, wenn keinerlei Kontraindikationen vorliegen, und wird bei relevanter Toxizität nicht wiederholt. In der Folge wird die Konsolidation I appliziert

Wegen der Entwicklung von Resistenzen und Rezidiven unter Chemotherapie in Kombination mit Tyrpsinkinase-Inhibitoren (TKI) scheint die allogene SZT weiterhin als wichtiges Element der kurativen Intention. Randomisierte Studien zum Verzicht auf die Transplantation bei Ph+ ALL liegen nicht vor. Eine weitere Verbesserung scheint durch die Gabe von Imatinib nach Transplantation möglich. Eine randomisierte Studie der GMALL-Studiengruppe hat vergleichbare Ergebnisse einer prophylaktischen versus einer präemptiven Gabe von Imatinib erbracht In einer randomisierten Studie der GRAALL-Gruppe, in der weiter untersucht wurde, ob es möglich ist, die Intensität der Chemotherapie durch Wegfall von Hochdosis-Cytarabin zu verringern, führte die Verwendung eines TKI der 2. Generation (Nilotinib) in Kombination mit einer Chemotherapie im historischen Vergleich zu besseren Ergebnissen als mit Imatinib, mit einer 4-Jahres-Gesamtüberlebensrate von 79 % [35]. Wenn eine regelmäßige MRD-Kontrolle aus dem Knochenmark unter standardisierten Bedingungen und mit ausreichender Sensitivität gewährleistet ist, sollte die präemptive Gabe bei positivem MRD-Nachweis nach SZT ausreichen., verglichen mit 46 % nach 5 Jahren in der vorherigen GRAAPH-Studie [34]. Die Studie musste allerdings abgebrochen werden, weil die Studiengruppe ohne Cytarabin eine erhöhte Rückfallrate aufwies. Dies deutet darauf hin, dass in Kombination mit einer Chemotherapie Nilotinib gegenüber Imatinib überlegen war und dass nach wie vor die Chemotherapie zur Konsolidierung erforderlich ist.

Bei älteren Patient*innen mit Ph+ ALL wurde bisher vorwiegend der Ansatz einer Induktionstherapie mit Imatinib als Monotherapie in Studien geprüft. Diese Therapie, die häufig ambulant durchgeführt werden kann, erzielt bei 90% der Patient*innen eine CR und ist damit einer intensiven Induktionschemotherapie in Kombination mit Imatinib überlegen, wie auch eine randomisierte Studie der GMALL gezeigt hat Eine randomisierte Studie mit Ponatinib im Vergleich zu Imatinib zeigte eine bessere molekulare Ansprechrate mit Ponatinib und somit auch weniger Fälle von Therapieversagen. Das Gesamtüberleben in beiden Armen war jedoch identisch, da für Pat. im Imatinib-Arm, die ein ungünstiges Ansprechen zeigten eine Therapieumstellung erfolgte . Aktuell wird in der GMALL-Therapieempfehlung weiterhin in der Induktion die Gabe von Imatinib in Kombination mit Vincristin/Dexamethason und intrathekaler Prophylaxe empfohlen. Dieses Schema orientiert sich an der europäischen Studie mit Dasatinib [36]. Da ein klarer Vorteil der Gaben von Dasatinib gegenüber Imatinib nicht gezeigt ist, soll weiter Imatinib als in der Regel gut verträglicher TKI für die erste Therapielinie beibehalten werden. Der Einsatz von Nilotinib in der Erstlinie wird derzeit im Rahmen von randomisierten Studien untersucht. Basierend auf ersten, vielversprechenden Daten zur sequenziellen Therapie mit TKI und Blinatumomab . Die GMALL-Studiengruppe führt derzeit an ca. 80 Zentren die randomisierte Evolve-Studie mit Imatinib versus Ponatinib für Pat. im Alter von 18-65 Jahren in der Primärtherapie durch [37] sind auch randomisierte Studien zur Prüfung dieses Ansatzes in Vorbereitung. .

Entscheidend für die Therapiesteuerung ist die quantitative Messung der MRD sowie bei MRD-Nachweis die Messung von resistenzinduzierenden Mutationen mit möglichst hoher Sensitivität. Bei einem MRD-Niveau über 10Wegen der Entwicklung von Resistenzen und Rezidiven unter Chemotherapie in Kombination mit TKI ist die allogene SZT weiterhin ein wichtiges Element der kurativen Intention. Die Evolve-Studie prüft randomisiert, ob bei Pat. mit günstigem molekularen Ansprechen die SZT durch einemit günstigem molekularem Ansprechentumomab und Chemotherapie ersetzt werden kann -3 empfiehlt die GMALL bei jüngeren Patient*innen nach Konsolidation I eine Umstellung des TKI. Bei älteren Patient*innen ohne Transplantationsoption sollte eine Umstellung bei einem MRD-Niveau über 10-4[37] spätestens nach Konsolidation II erfolgen. Hierbei ist wichtig, vor und nach der Umstellung zeitnah MRD-Kontrollen im Knochenmark durchzuführen, da weitere sequentielle TKI-Umstellungen oder der Einsatz von Immuntherapien möglich sind, um ein Rezidiv zu vermeiden. Es ist zu empfehlen bei Ph+/. Gleichzeitig wird geprüft, ob bei ungünstigem Ansprechen die Ergebnisse durch die Gabe von Blinatumomab vor SZT verbessert werden können. Erste Ergebnisse mit hohen Ansprechraten und vielversprechendem Gesamtüberleben wurden berichtet. Die Daten unterstreichen auch die Bedeutung der parallelen MRD-Untersuchung mit BCR::ABL1-positiver ALL die Messung der MRD sowohl und IG/TC-Markern BCR::ABL1[38]- basiert als auch mittels Immungen (T-Zell Rezeptor oder Immunoglobulin-Rezeptor-Gene)-PCR durchzuführen. Details zur Umstellung sowie Empfehlungen zum Absetzen der TKI sind in GMALL-Empfehlungen beschrieben. . Auch französische-belgisch-schweizerische Studiengruppe führt derzeit eine Studie (GRAAPH 2024) mit randomisierter Prüfung der SZT in Abhängigkeit vom molekularen Ansprechen durch.

International wurden einige Studien bei neu diagnostizierter ALL mit Ponatinib und Blinatumomab in Kombination mit Chemotherapie in der Primärbehandlung durchgeführt. Auch wurden neue Transplantationsindikationen angewendet. Abschließende Ergebnisse randomisierter Studien stehen jedoch noch aus.

Eine weitere Verbesserung scheint durch die Gabe von Imatinib oder einem alternativen TKI nach Transplantation möglich. Eine randomisierte Studie der GMALL-Studiengruppe hat vergleichbare Ergebnisse einer prophylaktischen versus einer präemptiven Gabe von Imatinib erbracht [39]. Wenn eine regelmäßige MRD-Kontrolle aus dem Knochenmark unter standardisierten Bedingungen und mit ausreichender Sensitivität gewährleistet ist, sollte die präemptive Gabe bei positivem MRD-Nachweis nach SZT ausreichen.

Bei älteren Pat. mit PhPos ALL wurde bisher vorwiegend der Ansatz einer stark reduzierten Induktionstherapie mit Imatinib in Studien geprüft. Diese Therapie, die häufig ambulant durchgeführt werden kann, erzielt bei >90% der Pat. eine CR. Aktuell wird in der GMALL-Therapieempfehlung weiterhin in der Induktion die Gabe von Imatinib in Kombination mit Vincristin/Dexamethason und intrathekaler Prophylaxe empfohlen. Dieses Schema orientiert sich an den europäischen Studien mit Dasatinib [40] und Nilotinib. Da ein klarer Vorteil der Gaben von Dasatinib, Nilotinib oder Ponatinib gegenüber Imatinib im Hinblick auf das Gesamtüberleben nicht gezeigt ist und für die entsprechenden Substanzen auch keine Zulassung vorhanden ist, soll weiter Imatinib als in der Regel gut verträglicher TKI für die erste Therapielinie beibehalten werden. Global wurden einige Studien mit Zweit- und Drittgenerations-TKI in Kombination mit Immuntherapie durchgeführt, die mit Ausnahme von intrathekalen Prophylaxen und allogener Stammzelltransplantation bei einem Teil der Pat. keine Chemotherapie enthielten [33].

Entscheidend für die Therapiesteuerung ist die quantitative Messung der MRD sowie bei MRD-Nachweis die Messung von Resistenz-induzierenden Mutationen mit möglichst hoher Sensitivität. Bei einem MRD-Niveau über 10-3 empfiehlt die GMALL bei jüngeren Pat. nach Konsolidation I eine Umstellung des TKI bis zur SZT. Die Auswahl des am besten geeigneten TKI sollte auf Basis des Mutations-Befundes erfolgen.

Bei älteren Pat. ohne Transplantationsoption sollte eine Umstellung früher (nach Induktion) und bei niedrigerem MRD-Niveau erfolgen und die Einbindung von Immuntherapien soll angestrebt werden. Ziel ist es hier durch sukzessive am Ansprechen orientierte Therapieumstellung die eine möglichst tiefe und langanhaltende Remission zu Erreichen. Hierzu stellt die GMALL eine detaillierte Empfehlung zur Verfügung, die auch den Zulassungsstatus der verschiedenen Substanzen berücksichtigt. Es ist wichtig, vor und nach der Umstellung zeitnah MRD-Kontrollen im Knochenmark durchzuführen, da weitere sequenzielle TKI-Umstellungen oder der Einsatz von Immuntherapien möglich sind, um ein Rezidiv zu vermeiden.

Es ist zu empfehlen bei PhPos ALL die Messung der MRD sowohl BCR::ABL1-basiert als auch mittels Immungen (T-Zell Rezeptor oder Immunoglobulin-Rezeptor-Gene)-PCR durchzuführen. Details zur Umstellung sowie Empfehlungen zum Absetzen der TKI sind in den GMALL-Empfehlungen beschrieben.

6.1.2Rezidiv

Die Wahrscheinlichkeit des Rezidivs ist in den ersten beiden Jahren nach Erreichen der CR am höchsten. Frühe Rezidive mit einer primären Remissionsdauer unter 18 Monaten sowie refraktäre Rezidive sind prognostisch ungünstig. Das Gesamtüberleben der ALL nach Rezidiv liegt in publizierten Studien historisch bei unter 10% 20% [4142]. Immer häufiger gelingt es, durch konsequente MRD-Bestimmung, das Ansteigen der Leukämielast vor Auftreten eines zytologischen Rezidivs zu identifizieren und eine Behandlung bereits in der MRD-Situation zu beginnen. . Standard-Vergleichsarme zweier großer randomisierter Studien mit neuen Substanzen bei rezidivierter B-Vorläufer ALL bestätigen die Daten und zeigten CR-Raten von 30-33% und mediane Überlebenszeiten von 4,0-6,7 Monaten [4345].

Eine internationale Referenzanalyse hat belegt, dass Patient*innenPat. mit Frührezidiv eine signifikant schlechtere CR-Rate erreichen als Patient*innenPat. mit Spätrezidiv, die häufig gut auf die erneute Standard-Induktionstherapie ansprechen. Patient*innenPat. mit Frührezidiv weisen auch signifikant schlechtere Überlebensraten auf. Weiterhin spielt die Linie der Salvagetherapie eine Rolle, da mit jeder nachfolgenden SalvagetherapieTherapielinie die CR-Rate weiter abnimmt und auch die Überlebensraten abfallen [46]. Standard-Vergleichsarme zweier großer randomisierter Studien mit neuen Substanzen bei rezidivierter ALL bestätigen die Daten und zeigten bei rezidivierter/refraktärer B-Vorläufer-ALL CR-Raten von 30-33% und mediane Überlebenszeiten von 4,0-6,7 Monaten .

Aufgrund der schlechten Prognose und der Komplexität der Therapie sollte jedes Rezidiv einer ALL als medizinischer Notfall betrachtet werden. Die umgehende Überweisung an ein erfahrenes Zentrum ist zu erwägen. Die Sequenz der gewählten Therapien ist relevant für die Prognose, und daher sollte auf Standardempfehlungen zurückgegriffen werden. Die initiale Diagnostik sollte im Rezidiv wiederholt werden. Dies schließt auch Biomaterialasservierung, die Identifizierung möglicher therapeutischer Zielstrukturen z.B. Oberflächenmarker (u.a. CD19, CD20, CD22, CD33, CD38), molekularer Aberrationen (u.a. ABL1-Translokationen), die Bestätigung von MRD-Markern und Veranlassung weiterer Untersuchungen zur molekularen Charakterisierung z.B. Verfahren zur Gensequenzierung ein. Zur initialen Behandlung des Rezidivs kann eine Vorphase-Therapie angesetzt werden. Die weitere Therapieentscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. Subtyp, Dauer der ersten Remission, Alter, Spenderverfügbarkeit, verfügbare Zielstrukturen, Therapiephase oder Befallsmuster. Bei extramedullären Rezidiven sollte immer, auch wenn primär der Eindruck eines isolierten extramedullären Befalls besteht, sowohl eine Liquorkontrolle als auch eine MRD-Bestimmung im Knochenmark erfolgen.

Es ist essenziell durch konsequente MRD-Bestimmung das Ansteigen oder die Persistenz der Leukämielast vor Auftreten eines zytologischen Rezidivs zu identifizieren und eine Behandlung bereits in der MRD-Situation zu beginnen.

Hauptziel beim Management von Rezidivpatient*innen ist das Erreichen einer kompletten Remission und die anschließende Stammzelltransplantation, sofern die Patient*innen individuell dafür geeignet sind. Das Erreichen einer CR ist Voraussetzung für die Stabilisierung der Patient*innen mit hämatologischer Remission und in der Regel auch für die nachfolgende Transplantation. Eine molekulare Remission sollte möglichst angestrebt werden, auch wenn die prognostische Bedeutung der MRD nach Rezidiv weniger klar ist, als in der Erstlinientherapie.

Aufgrund der schlechten Prognose und der Komplexität der Therapie sollte jedes Rezidiv einer ALL als medizinischer Notfall betrachtet werden. Die umgehende Überweisung an ein erfahrenes Zentrum ist zu empfehlen. Die Sequenz der gewählten Therapien ist relevant für die Prognose, und daher sollte sie bereits in der ersten Linie der Rezidivtherapie geplant werden. Hierbei empfiehlt es sich auf Standardempfehlungen zurückzugreifen.

Das Gesamtüberleben nach Rezidiv hängt im Wesentlichen von der nachfolgenden Durchführung einer Stammzelltransplantation ab. Bei den meist intensiv vorbehandelten Patient*innen ist mit einer erheblichen Nicht-Rezidiv-Mortalität zu rechnen. Auch das Rezidivrisiko ist im Vergleich zu Patient*innen, die in Erstremission transplantiert werden, erhöht.

Die initiale Diagnostik sollte im Rezidiv wiederholt werden. Dies schließt auch die Sammlung von Biomaterial, die Identifizierung möglicher therapeutischer Zielstrukturen z.B. Oberflächenmarker (u.a. CD19, CD20, CD22, CD33, CD38), Bestimmung molekularer Aberrationen (u.a. ABL1-Translokationen), die Bestätigung von MRD-Markern und die Veranlassung weiterer Untersuchungen zur molekularen Charakterisierung (molekulare Komplexdiagnostik wenn nicht schon bei Erstdiagnose durchgeführt) ein. Zur initialen Behandlung des Rezidivs sollte eine Vorphase-Therapie angesetzt werden. Die weitere Therapieentscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab (z.B. Subtyp, Dauer der ersten Remission, Alter, Spenderverfügbarkeit, verfügbare Zielstrukturen, Therapiephase oder Befallsmuste). Bei extramedullären Rezidiven sollte immer, auch wenn primär der Eindruck eines isolierten extramedullären Befalls besteht, sowohl eine Liquorkontrolle als auch eine komplette Untersuchung des Knochenmarks inklusive MRD-Bestimmung erfolgen.

In der Behandlung von Frührezidiven und refraktären Rezidiven der B-Vorläufer-ALL bringen Standardchemotherapien signifikant schlechtere Ergebnisse als die neuen Immuntherapien mit Blinatumomab oder Inotuzumab-Ozogamicin. Dies haben zwei internationale, randomisierte Studien belegt .

Hauptziel beim Management von Rezidivpat. ist das Erreichen einer erneuten CR (CR2) und die anschließende SZT, sofern die Pat. individuell dafür geeignet sind. Das Erreichen einer CR ist Voraussetzung für die Stabilisierung der Pat. mit hämatologischer Remission und in der Regel auch für die nachfolgende Transplantation. Eine molekulare Remission sollte möglichst angestrebt werden, auch wenn die prognostische Bedeutung der MRD nach Rezidiv weniger klar ist, als dies in der Erstlinientherapie der Fall ist. Wenn keine vielversprechende Therapieoption zur Induktion einer molekularen Remission verfügbar ist, sollte zeitnah die SZT angestrebt werden.

Blinatumomab

Das Gesamtüberleben nach Rezidiv hängt im Wesentlichen von der nachfolgenden Durchführung einer SZT ab. Bei den meist intensiv vorbehandelten Pat. ist mit einer erheblichen Nicht-Rezidiv-Mortalität zu rechnen. Auch das Rezidivrisiko ist im Vergleich zu Pat., die in CR1 transplantiert werden, deutlich erhöht.

Blinatumomab ist ein bispezifischer, gegen CD19 gerichteter Antikörper, der CD3-positive T-Zellen aktiviert. Blinatumomab wird wegen seiner kurzen Halbwertszeit als 4-Wochen-Dauerinfusion appliziert und bei zytologischem Rezidiv zunächst mit einer niedrigeren Dosis gestartet, um ein Cytokin-Release-Syndrome zu vermeiden. Nach einer Woche erfolgt eine Dosiserhöhung. Blinatumomab wurde in einer Kohorte von prognostisch ungünstigen Frührezidiven bzw. refraktären Rezidiven randomisiert mit einer Standard-Chemotherapie verglichen, die verschiedene Standard-Chemotherapien wie FLAG, HDMTX-, HDAC oder Clofarabine-basierte Regime beinhaltete . Die Rate von Vollremissionen und Remissionen (CR) mit unvollständiger Regeneration (CRi/CRp) lag bei 44% für Blinatumomab und 25% für die Standardtherapie in einer Intent-to-Treat-Auswertung und war damit signifikant besser. 76% der Patienten mit CR oder CRi/CRp erreichten eine molekulare Remission im Vergleich zu 48% der Chemotherapie-Patienten. Die medianen Überlebenszeiten lagen bei 7,7 vs 4,0 Monaten und zeigten für Blinatumomab ein signifikant besseres Ergebnis. Wichtig ist der Effekt der Therapielinie. Patient*innen mit ungünstig definierten Rezidiven erreichten bei Einsatz von Blinatumomab als erste Salvage-Therapie eine CR-Rate von 51% und ein medianes Überleben von 11,1 Monaten . Auch die Verträglichkeit der Antikörpertherapie war in wichtigen Aspekten besser als die der Standardtherapie z.B. im Hinblick auf die Inzidenz schwerer Zytopenien oder Infektionen. Als prädiktiver Faktor für das Ansprechen auf Blinatumomab kann der Grad der Knochenmarkinfiltration herangezogen werden. Patient*innen mit einem Blastenanteil unter 50% erreichten eine Ansprechrate von 65% im Vergleich zu 34% bei einer Infiltration über 50%. Eine Reduktion der Leukämiezell-Last vor Beginn der Blinatumomabtherapie durch eine ggf. erweiterte Vorphase-Therapie erscheint daher sinnvoll. Eine vergleichbare Wirksamkeit wie bei rezidivierter/refraktärer Ph-negativer ALL wurde mit einer Ansprechrate von 36% auch bei Ph+ ALL gesehen . Blinatumomab ist auch im zytologischen Rezidiv der Ph+ ALL zugelassen.

Wichtig für die Therapiewahl ist die Unterscheidung zwischen Früh- und Spätrezidiven. Pat. mit Spätrezidiv sprechen häufig erneut gut auf eine Standard-Induktionstherapie an.

Als spezielle Risiken sind neben dem Zytokin-Release-Syndrom neurologische Ereignisse relevant für den Einsatz von Blinatumomab. In der randomisierten Studie traten bei 9% der Patient*innen neurologische Ereignisse (≥ Grad III nach CTCAE) nach Blinatumomab im Vergleich zu 8% unter Chemotherapie auf In der Behandlung von Frührezidiven und refraktären Rezidiven der B-Vorläufer-ALL bringen demgegenüber Standard-Chemotherapien signifikant schlechtere Ergebnisse als die neuen Immuntherapien mit Blinatumomab oder Inotuzumab-Ozogamicin. Dies haben zwei internationale, randomisierte Studien belegt [4345]. Die Art der Ereignisse unterschied sich allerdings. Neurologische Events nach Blinatumomab können sich z.B. als Tremor, Symptome einer Encephalopathie wie Aphasie, Verwirrtheit oder selten Krampfanfälle manifestieren. Regelmäßige Schriftproben können zur frühzeitigen Identifikation herangezogen werden. Die Ereignisse sind in der Regel vollständig reversibel. Ein frühzeitiges Eingreifen durch den Einsatz von Dexamethason soll das Auftreten von schweren Events verhindern, die zu einer Therapieunterbrechung führen würden.. Bei Pat. mit Rezidiv (zytologisch oder molekular) nach vorheriger Immuntherapie sollte die Expression der betreffenden Oberflächenmarker in einem Referenzlabor untersucht werden.

Ansprechraten und Langzeitergebnisse mit Blinatumomab sind noch deutlich besser, wenn die Substanz im molekularen Therapieversagen oder molekularem Rezidiv eingesetzt wird. Bei Patient*innen mit MRD über 10-3 in Erstremission oder nachfolgender Remission wurden molekulare Remissionsraten von 78% berichtet. Das mediane Überleben lag bei 36 Monaten und Patient*innen, die molekular auf die Blinatumomab-Therapie ansprachen, hatten eine signifikant bessere Überlebenswahrscheinlichkeit als Patient*innen ohne Ansprechen [37,38]. Blinatumomab ist für die Behandlung der MRD ab einem Erkrankungsniveau von 10-3 zugelassen. Der frühzeitige Einsatz von zielgerichteten Therapien wie Blinatumomab bereits bei molekularem Erkrankungsniveau ist auch eine Strategie der GMALL, wobei der Einsatz von Blinatumomab bereits ab einem MRD-Niveau von 10-4 empfohlen wird. Dies schließt auch die Gabe bei molekularem Rezidiv nach Stammzelltransplantation ein. Bei der Gabe von Blinatumomab in der MRD-Situation wird keine schrittweise Dosiserhöhung durchgeführt, sondern mit der Zieldosis begonnen. Bei Auftreten von Toxizitäten ist eine Dosisreduzierung möglich. Auch bei gutem Ansprechen nach Therapie mit Blinatumomab in der MRD-Situation sollte eine konsolidierende allogene Stammzelltransplantation angestrebt werden. Die Indikation muss in Abhängigkeit von Patientenalter, Allgemeinzustand etc. gestellt werden. Wenn keine Stammzelltransplantation möglich ist, sollte eine Fortsetzung der Standardtherapie z.B. Erhaltungstherapie erwogen werden.

Inotuzumab Ozogamicin (Inotuzumab)

Das CD22-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin (Inotuzumab) enthält das Zellgift Calicheamicin. Die Substanz wurde in der Zulassungsstudie bei einer Gruppe von Rezidivpatient*innen untersucht, die auch Spätrezidive beinhalteten. Zwei Drittel der Patient*innen wurden in erster Salvage-Situation behandelt und Patient*innen mit hoher peripherer Blastenzahl (>10G/l) wurden ausgeschlossen [32,39]. In einer randomisierten Studie wurde Inotuzumab mit Hochdosis-Cytarabin-basierten Chemotherapien verglichen. Auch hier zeigte sich ein signifikanter Vorteil der Antikörpertherapie gegenüber der Standard-Chemotherapie im Hinblick auf die Rate kompletter Remission einschließlich der Remissionen mit inkompletter Regeneration (CR/CRi). Für Inotuzumab wurde mit 81% eine signifikant höhere Rate von CR/CRi als für die Standardtherapie mit 29% erreicht. 78% versus 28% der Patient*innen mit CR/CRi erreichten bei Bestimmung mit Flow-Zytometrie einen negativen MRD-Status. Während sich das mediane Überleben (7.7 versus 6.7 Monate) nicht signifikant unterschied, erreichten Patient*innen nach Inotuzumab ein signifikant höheres Überleben von 23% nach 2 Jahren im Vergleich zu 10% mit der Chemotherapie. Ein höherer Anteil der Patient*innen nach Inotuzumab konnte einer nachfolgenden Stammzelltransplantation zugeführt werden (41% vs 11%) [32]. Die Ansprechraten waren bei Ph-negativer und Ph+ ALL vergleichbar. Die Therapie mit Inotuzumab war gegenüber der Standardtherapie z.B. im Hinblick febrile Neutropenien in einigen Aspekten besser verträglich. Als spezifische Nebenwirkung wurde das Risiko einer Veno-occlusive Disease (VOD, Synonym SOS sinusoidal obstructive syndrome) beschrieben, die bei 9% (≥ Grad III CTCAE) der Patient*innen entweder direkt nach Therapie oder nachfolgender Stammzelltransplantation beobachtet wurde, während die Inzidenz nach Standardtherapie bei 1% lag [32]. Mögliche Risikofaktoren für das Auftreten von VOD waren in einer studienübergreifenden Multivariat-Analyse die Konditionierung mit zwei alkylierenden Substanzen und eine erhöhte Bilirubinkonzentration vor Transplantation [39]. In der Fachinformation wird darauf verwiesen, dass vor SZT in der Regel nur zwei Zyklen Inotuzumab empfohlen werden. Inotuzumab ist auch für die Behandlung zytologischer Rezidiv der Ph+ ALL zugelassen.

Vor Therapiebeginn und auch im Intervall sollte sowohl unter Blinatumomab als auch Inotuzumab eine intrathekale Prophylaxe durchgeführt werden.

Die klinische Entscheidung für eine der beiden Substanzen muss im Fall eines Rezidivs individuell gefällt werden. Aufgrund der unterschiedlichen Rezidiventitäten und Definitionen des Ansprechens sind die Zulassungsstudien im Hinblick auf die Ansprech- und Überlebensraten nicht vergleichbar. Mit beiden Substanzen wurden mediane Überlebensraten von 7,7 Monaten erreicht und dies lässt einen weiteren Verbesserungsbedarf erkennen. Grundsätzlich wurden mit den Antikörpertherapien bessere Ergebnisse als mit der Standardtherapie erzielt und ein früher Einsatz in der ersten Rezidivtherapie bringt ebenfalls Vorteile. Die Mortalität bei nachfolgender SZT ist z. T. erheblich. Empfehlungen z.B. zur Vermeidung von Doppel-Alkylantien nach Inotuzumabtherapie und zu generellen Standards bei der Konditionierung sollten beachtet werden. Es gibt bisher keine verwertbaren Daten zum Einsatz beider Substanzen bei extramedullären Rezidiven und auch keine Hinweise zu einer Überlegenheit der Immun- und Antikörpertherapie bei Spätrezidiven. Ebenso gibt es keine ausreichenden Daten zu Frührezidiven nach Stammzelltransplantation, weil in klinischen Studien immer ein Abstand von 3-4 Monaten eingehalten wurde. Bei Patient*innen, die keine Stammzelltransplantation erhalten können, sollte eine Erhaltungstherapie - auch mit konventionellen Substanzen - erwogen werden.

Auch Therapiestrategien mit einer Sequenz von Immuntherapien z.B. Inotuzumab Ozogamicin gefolgt von Blinatumomab werden derzeit untersucht.

Chimeric-Antigen-Receptor-T-Zell (CAR-T)-Therapie

Weiterhin wurden vielversprechende Daten für den Einsatz gentechnisch veränderter T-Zellen berichtet. Diese sog. Chimeric-Antigen-Receptor-T-Zellen (CAR-T) werden aus T-Zellen der Patient*innen ex-vivo hergestellt und dabei mit einem Antigen-Rezeptor gegen Oberflächen-Marker von Leukämiezellen sowie verschiedenen Signaltransduktions-Elementen versehen [40]. Erste Ergebnisse mit gegen CD19 gerichteten CAR-Ts, die überwiegend an pädiatrischen Patienten und gemischten Kollektiven von Patient*innen mit zytologischem Rezidiv und molekularem Rezidiv erhoben wurden, sind vielversprechend, basieren aber meist nicht auf Intent-to-Treat-Analysen. Die Ansprechraten sind daher mit den Ergebnissen der o.g. Antikörpertherapien methodisch nicht vergleichbar. Nunmehr liegen Daten einer ersten internationalen Zulassungsstudie mit CD19-gerichteten CAR-Ts bei pädiatrischen und adoleszenten ALL- Patient*innen (bis 25 Jahre) vor. Die CR-Rate bei den tatsächlich infundierten Patient*innen lag bei 83%. 21% bzw. 24% der Patient*innen entwickelten ein schweres Zytokin-Release-Syndrom (CRS) und 21% ein Immuneffektorzell-assoziiertes Neurotoxizitätssyndrom (ICANS) vom Grad III-IV [41]. Tisagenlecleucel (CTL019) wurde für die Behandlung der rezidivierten und refraktären ALL bei Patient*innen mit bis 25 Jahre zugelassen. Für eine Anwendung bei älteren Patient*innen kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Kostenübernahme beantragt werden. Ein weiteres CAR-T-Zell Präparat wurde zwischenzeitlich in den USA für die Anwendung bei erwachsenen Patient*innen mit rezidivierter/refraktärer ALL zugelassen [42]. Diese Behandlung ist hoch spezialisierten Zentren vorbehalten v.a. um ein adäquates Management der Nebenwirkungen zu gewährleisten (siehe auch Onkopedia Leitlinie CAR-T Zellen: Management von Nebenwirkungen).

T-ALL

Bei T-ALL ist für die Rezidivtherapie das T-Zell-spezifische Purinanalogon Nelarabin zugelassen. Auch hier sollte der Einsatz bereits im molekularen Rezidiv oder Therapieversagen erwogen werden.

Bei Spätrezidiven der B- und T-Linien ALL steht als erste Therapieoption eine Wiederholung der initial wirksamen Induktionstherapie zur Verfügung.

Bei weiteren Linien der Rezidivtherapie d.h. Therapieversagen auf die erste Salvage-Therapie kann die Anwendung weiterer zielgerichteter Substanzen z.B. Venetoclax, CD38-Antikörper in Kombination mit Chemotherapie erwogen werden. Als Möglichkeit der Therapieoptimierung kann bei T-ALL auf eine mit Bortezomib kombinierte Induktionstherapie zurückgegriffen werden.

Auch extramedulläre Rezidive der ALL (z.B. ZNS, Hoden) werden mit intensiver systemischer Therapie gefolgt von einer SZT behandelt. Es gibt hier keine belastbaren Daten für den primären Einsatz der Substanzen Blinatumomab oder Inotuzumab. Bei Patient*innen mit einem molekularen Rezidiv sind ebenfalls eine Salvagetherapie und eine Stammzelltransplantation indiziert. Generell gilt, dass auch in der Rezidivtherapie lange therapiefreie Intervalle vermieden werden sollten. Bei Patienten, die keine Stammzelltransplantation erhalten können, sollte eine Konsolidations- und Erhaltungstherapie erwogen werden. Im Rezidiv sollte das Markerprofil für die MRD-Bestimmungen erneut etabliert werden. MRD-Kontrollen nach und unter Rezidivtherapie sind dringend zu empfehlen. Bei Transplantation nach Rezidiv liegt ein erhöhtes Rezidivrisiko vor und auch nach der Transplantation sollten MRD-Kontrollen durchgeführt werden und bei MRD-Nachweis über 10-4 mögliche therapeutische Maßnahmen erwogen werden. Auch über strahlentherapeutische Maßnahmen sollte in dieser Situation nachgedacht werden.

Die GMALL-Studiengruppe bietet eine Therapieempfehlung für die Durchführung der Rezidivtherapie an und steht für Beratungsanfragen zur Verfügung. Aktuelle Studien mit neuen Substanzen werden im Studienregister des Kompetenznetzes Leukämien (https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/home/) annonciert.

6.1.2.1B-Vorläufer ALL

Blinatumomab

Blinatumomab ist ein bispezifischer, gegen CD19 gerichteter Antikörper, der CD3-positive T-Zellen aktiviert. Blinatumomab wird wegen seiner kurzen Halbwertszeit als 4-Wochen-Dauerinfusion appliziert und bei zytologischem Rezidiv zunächst mit einer niedrigeren Dosis gestartet, um ein Cytokin-Release-Syndrome (CRS) zu vermeiden. Nach einer Woche erfolgt eine Dosiserhöhung. Blinatumomab wurde in einer Kohorte von prognostisch ungünstigen Frührezidiven bzw. refraktären Rezidiven randomisiert mit einer Standard-Chemotherapie verglichen, die verschiedene Standard-Chemotherapien beinhaltete [45]. Die Rate von CR und CR mit unvollständiger Regeneration (CRi/CRp) war signifikant besser für Blinatumomab (44%) im Vergleich zu (25%). 76% der Pat. mit CR oder CRi/CRp erreichten eine molekulare Remission im Vergleich zu 48% der Chemotherapie-Pat.. Die medianen Überlebenszeiten lagen bei 7,7 vs 4 Monaten. Die Ergebnisse waren bei Einsatz in erster Salvage erheblich günstiger [47]. Pat. mit einem Blastenanteil unter 50% erreichten eine Ansprechrate von 65% im Vergleich zu 34% bei einer Infiltration über 50%. Eine Reduktion der Leukämiezell-Last vor Beginn der Blinatumomab-Therapie durch eine ggf. erweiterte Vorphase-Therapie ist daher sinnvoll. Eine vergleichbare Wirksamkeit wie bei rezidivierter/refraktärer Ph-negativer ALL wurde mit einer Ansprechrate von 36% auch bei PhPos ALL gesehen [48]. Blinatumomab ist auch im zytologischen Rezidiv der PhPos ALL zugelassen.

Als spezielle Risiken sind neben dem Zytokin-Release-Syndrom neurologische Ereignisse relevant für den Einsatz von Blinatumomab. In der randomisierten Studie traten bei 9% der Pat. neurologische Ereignisse (≥ Grad III nach CTCAE) nach Blinatumomab im Vergleich zu 8% unter Chemotherapie auf [45]. Neurologische Events Blinatumomab können sich z.B. als Tremor, Symptome einer Encephalopathie wie Aphasie, Verwirrtheit oder selten Krampfanfälle manifestieren. Die Ereignisse sind in der Regel vollständig reversibel. Ein frühzeitiger Einsatz von Dexamethason soll das Auftreten von schweren Events verhindern, die zu einer Therapieunterbrechung führen würden. Aktuell wird empfohlen unter Therapie regelmäßig den ICE-Score und Immuneffektorzell-assoziiertes Neurotoxizitätssyndrome (ICANS) zu erfassen. Da Blinatumomab als Dauerinfusion über 28 Tage mit Hilfe einer tragbaren Infusionspumpe in der Regel über einen Port appliziert wird, kann es zu lokalen Infektionen kommen. Außerdem tritt eine B-Zell-Aplasie und ein Immunglobulinmangel ein. Eine konsequente Überwachung im Hinblick auf Infektionsrisiken sowie bei Bedarf die Substitution von Immunglobulinen ist empfohlen.

Vor Therapiebeginn und auch im Intervall sollte sowohl unter Blinatumomab als auch Inotuzumab eine intrathekale Prophylaxe durchgeführt werden.

Ansprechraten und Langzeitergebnisse mit Blinatumomab sind noch deutlich besser, wenn die Substanz im molekularen Therapieversagen oder molekularem Rezidiv eingesetzt wird. Bei Pat. mit MRD über 10-3 in Erstremission oder nachfolgender Remission wurden molekulare Remissionsraten von 78% berichtet. Das mediane Überleben lag bei 36 Monaten und Pat., die molekular auf die Blinatumomab-Therapie ansprachen, hatten eine signifikant bessere Überlebenswahrscheinlichkeit als Pat. ohne Ansprechen [4950]. Der frühzeitige Einsatz von zielgerichteten Therapien wie Blinatumomab bereits bei molekularem Erkrankungsniveau ist auch eine Strategie der GMALL, wobei der Einsatz von Blinatumomab bereits ab einem MRD-Niveau von 10-4 empfohlen wird. Dies schließt auch die Gabe bei molekularem Rezidiv nach SZT ein. Bei der Gabe von Blinatumomab in der MRD-Situation wird keine schrittweise Dosiserhöhung durchgeführt, sondern mit der Zieldosis begonnen. Bei Auftreten von Toxizitäten ist eine Dosisreduzierung möglich. Auch bei gutem Ansprechen nach Therapie mit Blinatumomab in der MRD-Situation sollte eine konsolidierende allogene SZT angestrebt werden. Die Indikation muss in Abhängigkeit vom Alter der Pat., Allgemeinzustand etc. gestellt werden. Wenn keine SZT möglich ist, sollte eine Fortsetzung der Standardtherapie z.B. Konsolidations- bzw. Erhaltungstherapie erwogen werden.

Inotuzumab Ozogamicin (Inotuzumab)

Das CD22-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin (Inotuzumab) enthält das Zellgift Calicheamicin. Die Substanz wurde in der randomisierten Zulassungsstudie bei einer Gruppe von Rezidivpat. untersucht, die auch Spätrezidive beinhalteten. Zwei Drittel der Pat. wurden in erster Salvage-Situation behandelt und Pat. mit hoher peripherer Blastenzahl (>10G/l) wurden ausgeschlossen [4351]. Inotuzumab wurde mit Hochdosis-Cytarabin-basierten Chemotherapien verglichen. Auch hier zeigte sich ein signifikanter Vorteil der Antikörpertherapie (81%) gegenüber der Standard-Chemotherapie (29%) im Hinblick auf die Rate kompletter Remission einschließlich der Remissionen mit inkompletter Regeneration (CR/CRi). 78% versus 28% der Pat. mit CR/CRi erreichten bei Bestimmung mit Flow-Zytometrie einen negativen MRD-Status. Während sich das mediane Überleben (7.7 versus 6.7 Monate) nicht signifikant unterschied, erreichten Pat. nach Inotuzumab ein signifikant höheres Überleben von 23% nach 2 Jahren im Vergleich zu 10% mit der Chemotherapie. Ein höherer Anteil der Pat. nach Inotuzumab konnte einer nachfolgenden SZT zugeführt werden (41% versus 11%) [43]. Die Ansprechraten waren bei PhNeg und PhPos ALL vergleichbar. Die Therapie mit Inotuzumab war gegenüber der Standardtherapie z.B. im Hinblick febrile Neutropenien in einigen Aspekten besser verträglich. Als spezifische Nebenwirkung wurde das Risiko einer Veno-occlusive Disease (VOD, Synonym SOS, sinusoidal obstructive syndrome) beschrieben, die bei 9% (≥ Grad III CTCAE) der Pat. entweder direkt nach Therapie oder nachfolgender SZT beobachtet wurde, während die Inzidenz nach Standardtherapie bei 1% lag [4352]. Mögliche Risikofaktoren für das Auftreten von VOD waren in einer studienübergreifenden Multivariat-Analyse die Konditionierung mit zwei alkylierenden Substanzen und eine erhöhte Bilirubin-Konzentration vor Transplantation [51]. In der Fachinformation wird darauf verwiesen, dass vor SZT in der Regel nur zwei Zyklen Inotuzumab empfohlen werden. Weiterhin können nach Inotuzumab-Therapie protrahierte Zytopenien auftreten. Inotuzumab ist auch für die Behandlung zytologischer Rezidiv der PhPos ALL zugelassen.

Entscheidung zwischen Blinatumomab und Inotuzumab in der Rezidivsituation

Die klinische Entscheidung für eine der beiden Substanzen muss im Fall eines Rezidivs individuell gefällt werden. Aufgrund der unterschiedlichen Rezidiventitäten und Definitionen des Ansprechens sind die Zulassungsstudien im Hinblick auf die Ansprech- und Überlebensraten nicht vergleichbar. Mit beiden Substanzen wurden mediane Überlebensraten von 7,7 Monaten erreicht und dies lässt einen weiteren Verbesserungsbedarf erkennen. Grundsätzlich wurden mit den Antikörpertherapien bessere Ergebnisse als mit der Standardtherapie erzielt und ein früher Einsatz in der ersten Rezidivtherapie bringt ebenfalls Vorteile. Die Mortalität bei nachfolgender SZT ist z. T. erheblich.

Da Blinatumomab Bestandteil der Standardtherapie in der Erstlinie ist, wird der mögliche Einsatz in der Rezidivsituation eingeschränkt. Blinatumomab hat bei hoher Leukämielast eine eingeschränkte Wirkung.

Inotuzumab ist auch bei molekularem Rezidiv wirksam und sollte bei Kontraindikationen gegen oder Versagen von Blinatumomab erwogen werden, bevor es zu einem zytologischen Rezidiv kommt.

Für beide Substanzen liegen keine vielversprechenden Daten zum Einsatz bei extramedullären Rezidiven vor.

Um Anwendungsfehler und Komplikationen zu vermeiden, sollten Schulungsmaterialien herangezogen werden, die u.a. von der GMALL-Studiengruppe bereitgestellt werden.

Chimeric-Antigen-Receptor-T-Zell (CAR-T)-Therapie

Weiterhin stehen immer mehr Daten für den Einsatz gentechnisch veränderter T-Zellen zur Verfügung. Diese sog. Chimeric-Antigen-Receptor-T-Zellen (CAR-T) werden aus T-Zellen der Pat. ex-vivo hergestellt und dabei mit einem Antigen-Rezeptor gegen Oberflächen-Marker von Leukämiezellen sowie verschiedenen Signaltransduktions-Elementen versehen [53]. Erste Ergebnisse mit gegen CD19 gerichteten CAR-Ts, die überwiegend an pädiatrischen Pat. und gemischten Kollektiven von Pat. mit zytologischem Rezidiv und molekularem Rezidiv erhoben wurden, waren vielversprechend. Da in der Regel nur infundierte Pat. ausgewertet werden, sind die Ansprechraten mit den Ergebnissen der o.g. Antikörpertherapien methodisch nicht vergleichbar.

Derzeit sind in Deutschland zwei zugelassene Präparate verfügbar. Tisagenlecleucel (CTL019) ist für Pat. bis zum Alter von 25 Jahren anzuwenden. Es wurden jedoch überwiegend Kinder behandelt. Die CR-Rate bei den tatsächlich infundierten Pat. lag bei 81% [54] und das Langzeitüberleben nach drei Jahren bei 63% [55]. Für die Altersgruppe ab 26 Jahren ist Brexucabtagene autoleucel verfügbar. Die Ansprechraten lagen in der Zulassungsstudie bei 73% [56] und das Überleben bei längerem Follow-up bei ungefähr 40% [57]. Obecabtagene autoleucel erreichte Ansprechraten von 70-75% [58], hat eine bedingte Zulassung der EMA und wird in Deutschland/Österreich nicht vermarktet.

Da die Produkte in unterschiedlichen Altersgruppen, mit unterschiedlicher Tumorlast und unterschiedlicher Folgetherapie z.B. SZT eingesetzt wurden, ist ein direkter Vergleich nicht möglich. Essenziell für den optimierten Einsatz ist die Anwendung bei niedrigerer Leukämielast. So sollte bei molekularem Rezidiv nach SZT bereits an den Einsatz von CAR-T-Zellen gedacht werden. Auch kann eine Wirksamkeit bei extramedullärem Befall erwartet werden.

Wesentliche Nebenwirkungen der CAR-T-Zell-Produkte sind das CRS sowie ICANS. Außerdem können länger anhaltende Zytopenien ausgelöst werden und es besteht eine protrahierte B-Zell-Aplasie mit erhöhtem Infektionsrisiko. Die CAR-T-Therapie ist hoch spezialisierten Zentren vorbehalten v.a. um ein adäquates Management der Nebenwirkungen zu gewährleisten (siehe auch Onkopedia Leitlinie CAR-T Zellen: Management von Nebenwirkungen).

6.1.2.2T-ALL

Bei T-ALL ist für die Rezidivtherapie das T-Zell-spezifische Purinanalogon Nelarabin zugelassen. Auch hier sollte der Einsatz bereits im molekularen Rezidiv oder Therapieversagen erwogen werden. Hierbei ist zu beachten, dass nach bisherigen Erfahrungen die Wirksamkeit bei immaturer T-ALL begrenzt ist.

Bei Spätrezidiven der B- und T-Linien ALL steht als erste Therapieoption eine Wiederholung der initial wirksamen Induktionstherapie zur Verfügung.

Bei weiteren Linien der Rezidivtherapie d.h. Therapieversagen auf die erste Salvage-Therapie kann die Anwendung weiterer zielgerichteter Substanzen z.B. Venetoclax, CD38-Antikörper in Kombination mit Chemotherapie erwogen werden. Als Möglichkeit der Therapieoptimierung kann bei T-ALL auf eine mit Bortezomib kombinierte Induktionstherapie zurückgegriffen werden.

6.1.2.3Spezifische Situationen in der Rezidivtherapie

Extramedulläre Rezidive der ALL außerhalb des ZNS werden mit intensiver systemischer Therapie gefolgt von einer SZT behandelt. Bei B-Vorläufer ALL gibt es keine belastbaren Daten für den primären Einsatz der Substanzen Blinatumomab oder Inotuzumab. Ebenso gibt es keine ausreichenden Daten zu Frührezidiven nach SZT, weil in klinischen Studien immer ein Abstand von 3-4 Monaten eingehalten wurde. Bei ZNS-Rezidiven wird die systemische Therapie durch intensive intrathekale Therapie ergänzt.

Bei Pat. mit einem molekularen Rezidiv ist ebenfalls eine Salvagetherapie und eine SZT indiziert. Generell gilt, dass auch in der Rezidivtherapie lange therapiefreie Intervalle vermieden werden sollten. Bei Pat., die keine SZT erhalten können, sollte eine Konsolidations- und Erhaltungstherapie erwogen werden. Im Rezidiv sollte das Markerprofil für die MRD-Bestimmungen erneut etabliert werden. MRD-Kontrollen nach und unter Rezidivtherapie sind dringend erforderlich. Bei Transplantation nach Rezidiv liegt ein erhöhtes Rezidivrisiko vor und auch nach der Transplantation sollten MRD-Kontrollen durchgeführt werden und bei MRD-Nachweis über 10-4 mögliche therapeutische Maßnahmen erwogen werden. Auch über strahlentherapeutische Maßnahmen sollte in dieser Situation nachgedacht werden.

Die GMALL-Studiengruppe bietet eine Therapieempfehlung für die Durchführung der Rezidivtherapie an und steht für Beratungsanfragen zur Verfügung. Aktuelle Studien mit neuen Substanzen werden auf der GMALL-Webseite (https://www.uct-frankfurt.de/gmall/) annonciert.

Bei Pat., die keine SZT erhalten können, sollte eine Erhaltungstherapie - auch mit konventionellen Substanzen - erwogen werden.

6.2[Kapitel nicht relevant]

6.3Besondere Situationen

6.3.1Therapie älterer Patient*innenPat. mit ALL

Die Remissionsraten nehmen wegen der erhöhten Induktionsmortalität mit zunehmendem Alter ab und liegen bei >65-jährigen>55-jährigen bei 60-80% . Das Gesamtüberleben liegt in publizierten Studien mit mäßig intensiver, altersadaptierter Therapie bei 20-40%. Wichtig ist die Entscheidung, ob den einzelnen Patient*innen aufgrund ihres biologischen Alters eine mäßig intensive Chemotherapie verabreicht werden kann oder ob eine palliative Behandlung, z. B. nach dem GMALL-Protokoll für ‚Frail‘ Patient*innen durchgeführt werden soll. Bei Therapie mit zumindest mäßig intensiver Chemotherapie sind die Heilungschancen besser und die Frühmortalität geringer [59]. Deshalb sollten auch ältere Patient*innen nach prospektiven Therapiestudien bzw. aktuellen Therapieempfehlungen behandelt werden. . Das Gesamtüberleben liegt in publizierten Studien mit mäßig intensiver, altersadaptierter Therapie bei 20-50% wobei auch innerhalb der Gruppe der älteren Pat. das Alter ein wichtiger Prognosefaktor ist. Die Altersgrenze von 55 Jahren zur Abgrenzung zwischen der Behandlung nach intensiven pädiatrisch basierten Protokollen unter Einschluss einer risikoadaptierten SZT und weiter reduzierten Protokollen ist historisch gewachsen. Sie ist vor allem auf die erhöhte Mortalität der intensiven Protokolle in der Altersgruppe zurückzuführen.

Für ältere Patient*innen mit ALL oder LBL ab dem Alter von 56 Jahren steht eine aktuelle GMALL-Therapieempfehlung zur Verfügung, die neben einer dosisreduzierten Chemotherapie molekulare Therapie (Imatinib) und Antikörpertherapie (z.B. anti-CD20) enthält. Die Empfehlung sieht ein adaptiertes Protokoll für ältere Patient*innen ab der Altersgrenze von 55 Jahren vor. Wesentlich ist dabei, dass in der Induktionstherapie keine Asparaginase eingesetzt wird und dass die intensive Konsolidation I durch zwei weniger toxische Zyklen mit intermediär dosiertem Methotrexat und Asparaginase sowie intermediär dosiertem Cytarabin ersetzt wird. Die SZT-Indikation wird in der Regel ausschließlich MRD-basiert gestellt und ist in dieser Altersgruppe stark vom individuellen Zustand abhängig.

Wichtig ist die Entscheidung, ob den einzelnen Pat. aufgrund ihres biologischen Alters eine mäßig intensive Chemotherapie nach 'Älteren'-Protokoll (56-75 Jahre) verabreicht werden kann oder ob eine palliative Behandlung, z. B. nach dem GMALL-Protokoll für ‚Frail‘ Pat. durchgeführt werden soll. Wegen des erheblichen Potentials für die Prognoseverbesserung durch Therapieoptimierung einschließlich des Einsatzes von Immuntherapien sollten ältere Pat. unbedingt an spezialisierten Zentren gesehen und nach prospektiven Therapiestudien bzw. aktuellen Therapieempfehlungen behandelt werden.

Voraussetzung ist, dass auch bei älteren Patient*innen eine vollständige, hochwertige Initialdiagnostik durchgeführt wird. Entsprechend sollte auch engmaschig die MRD kontrolliert werden, um bei MRD-Persistenz eine Therapieumstellung durchzuführen.

Für ältere Pat. mit ALL oder LBL ab dem Alter von 56 Jahren steht eine aktuelle GMALL-Therapieempfehlung zur Verfügung, die eine dosisreduzierte Chemotherapie enthält. Wesentlich ist dabei, dass in der Induktionstherapie keine Asparaginase eingesetzt wird und dass die intensive Konsolidation I durch zwei weniger toxische Zyklen mit intermediär dosiertem Methotrexat und Asparaginase sowie intermediär dosiertem Cytarabin ersetzt wird. Aufgrund der erwähnten Daten der ECOG1910-Studie erhalten alle Pat. mit B-Vorläufer-ALL unabhängig vom MRD-Status drei Zyklen Blinatumomab im Wechsel mit der Konsolidationstherapie.

Derzeit stehen an insgesamt ca. 40 Zentren in Deutschland zwei innovative Studien für ältere Patienten zur Verfügung, die Inotuzumab in Kombination mit Chemotherapie und Blinatumomab in Sequenz mit dosisreduzierter Chemotherapie untersuchen Die SZT-Indikation wird in der Regel ausschließlich MRD-basiert gestellt und ist in dieser Altersgruppe stark vom individuellen Zustand abhängig. Studien bei älteren Pat. deuten darauf hin, dass eine weitere Reduzierung der Chemotherapie möglich sein könnte. So zeigten zwei Studien, darunter die Initial-1 Studie der GMALL hohe Ansprechraten bei Ersatz der Standardinduktion durch Inotuzumab [60].. In der GMALL-BOLD Studie wurde die Phase II der Induktion sowie weitere Chemotherapieblöcke durch Blinatumomab ersetzt [61]. Diese Studien bei älteren Pat. zeigten vielversprechende Ergebnisse, wenngleich die Mortalität in CR z.T. weiterhin relevant war. Basierend auf diesen Daten und der fehlenden Option einer Chemotherapie-Intensivierung sollte bei älteren Pat. mit B-Vorläufer-ALL bei Therapieversagen bereits nach Induktion I eine Therapieumstellung erfolgen. Hierbei bietet sich zunächst der Einsatz von Inotuzumab und im weiteren Verlauf von Blinatumomab an.

Für Patient*innen, bei denen aufgrund von Komorbiditäten auch eine mäßig intensive Chemotherapie nicht möglich ist, kann eine Behandlung nach der GMALL-Therapieempfehlung für Frail- Patient*innen erfolgen. Bei alten Patient*innen mit Ph+ ALL kann häufig auch mit einer Imatinib-, Dasatinib- oder Nilotinib-Monotherapie bei guter Lebensqualität eine länger anhaltende Remission erreicht werden. Bei Therapieversagen kann eine Umstellung auf Dasatinib passager erfolgreich sein. Auch der Einsatz von Immuntherapien sollte bei fortgesetztem molekularen Versagen oder zytologischem Rezidiv erwogen werden. Hierzu sollte zuvor eine Untersuchung auf mögliche Mutationen der BCR::ABL1 Kinasedomäne erfolgen, da diese entscheidend die Ansprechwahrscheinlichkeit beeinflussen.

Voraussetzung ist, dass auch bei älteren Pat. eine vollständige, hochwertige Initialdiagnostik durchgeführt wird. Entsprechend sollte auch engmaschig die MRD kontrolliert werden, um bei MRD-Persistenz eine Therapieumstellung durchzuführen.

Für Pat., bei denen aufgrund von Komorbiditäten auch eine mäßig intensive Chemotherapie nicht möglich ist, kann eine Behandlung nach der GMALL-Therapieempfehlung für Frail- Pat. erfolgen. In diesem Konzept wird beginnend mit einer stark reduzierten Induktion bei B-Vorläufer ALL sukzessive Immuntherapie integriert.

6.3.2Therapie lymphoblastischer Lymphome

Lymphoblastische LymphomeLBL entsprechen in ihrem Phänotyp der ALL, weisen allerdings einen Knochenmarkbefall unter 25% auf. LBL können sehr erfolgreich mit adaptierten Schemata für die ALL behandelt werden [62]. Die Therapie ist in die aktuellen Protokolle und Empfehlungen für die ALL integriert und beinhaltet in der Regel keine Erhaltungstherapie. Bei lymphoblastischen Lymphomen LBL und generell bei extramedullären Befällen der ALL, hat die Remissionskontrolle mittels Bildgebung eine zentrale Bedeutung. Wenn spätestens nach Konsolidation I keine komplette Remission erreicht ist, sollten Restbefunde (CRu oder PR) mittels einer PET-Untersuchung evaluiert werden. Bei LBL wird keine Erhaltungstherapie durchgeführt.

6.3.3Therapie der reifzelligen B-ALL

Die reifzellige B-ALL wird nach der neuen WHO-Klassifikation der Gruppe der Burkitt-Leukämien/Lymphome zugeordnet. Sie zeigt eine rasche Progredienz und häufig große Tumormasse mit erhöhter Inzidenz von ZNS- (12%) und Organbefall (34%) [49]. Die Therapieergebnisse wurden mit Therapieschemata aus der Pädiatrie, mit rascher Abfolge kurzer, intensiver Chemotherapieblöcke deutlich verbessert; wesentliche Elemente sind Hochdosis-Methotrexat und fraktioniertes Cyclophosphamid bzw. Ifosfamid. Die Therapiedauer beträgt nur 21 Wochen. In der Therapie der B-ALL und Burkitt-Lymphome wird standardmäßig ein monoklonaler Antikörper gegen CD20 eingesetzt. In 80-90% der Fälle weisen diese Leukämien/Lymphome eine CD20-Expression auf. Die Gabe von Rituximab vor den Chemotherapiezyklen hat zu einer deutlichen Verbesserung der Therapieergebnisse geführt [49].

6.3.4Therapie der ALL während der COVID19-Pandemie

Da bei der ALL ein kurativer Ansatz mit guten Heilungschancen verfolgt wird, werden keine übergreifenden Änderungen des Therapiekonzepts empfohlen. ALL- Patient*innen bedürfen jedoch ebenso wie andere immunsupprimierte Patient*innen besonders intensive Beratung und Überwachung während der Pandemie. Die GMALL-Studiengruppe hat eine Empfehlung zum Management, während der COVID-Pandemie herausgegeben, die regelmäßig aktualisiert wird. Grundlage ist die Empfehlung der DGHO auf dem jeweils aktuellen Stand. Bei ALL- Patient*innen unter Therapie ist mit einem erhöhten Risiko eines Impfversagens und von einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf auszugehen. Daher wird empfohlen die verfügbaren prophylaktischen Maßnahmen einschließlich allgemeine Verhaltensregeln, Impfung und Boosterung, Postexpositionsprophylaxe und antivirale Therapie möglichst auszuschöpfen.

7[Kapitel nicht relevant]

8Verlaufskontrolle und Nachsorge

8.1Verlaufskontrolle

Auch nach Ende der Therapie können weiterhin bis zu 5 Jahre nach Erstdiagnose Rezidive auftreten. Danach nimmt die RezidivwahrscheinlichkeitRezidiv-Wahrscheinlichkeit stark ab. Weitere regelmäßige Blutbild- und Knochenmarkkontrollen sind daher erforderlich. MRD-Untersuchungen sollten im ersten Jahr nach Ende der Erhaltungstherapie noch 3-monatlich, im folgenden Jahr halbjährlich durchgeführt werden, um ggf. auftretende molekulare Rezidive zu detektieren. Bei PhPos ALL sollte die MRD-Kontrolle mittels Immungen-PCR und quantitativer BCR::ABL1-positiver ALL sollte die MRD-Kontrolle mittels Immungen-PCR und quantitativer BCR::ABL1-Bestimmung erfolgen. Die MRD-Kontrollen nach Rezidivtherapie und/oder StammzelltransplantationSZT erfolgen häufiger und solltesollten nach StammzelltransplantationSZT zusätzlich Untersuchungen zum SpenderzellchimärismusSpenderzell-Chimärismus umfassen.

Kontrolluntersuchungen dienen auch der Erfassung von Spätfolgen der Therapie. Dabei kann es sich um aseptische Knochennekrosen nach Kortison, MDS, Zweitmalignome, z. B. Entwicklung einer AML, Infertilität, hormonelle Störungen, psychische Erkrankungen etc. handeln. Osteonekrosen treten gehäuft bei jüngeren Erwachsenen auf. Die Patient*innenPat. sollten gezielt im Hinblick auf mögliche Symptome befragt werden. Bei Beschwerden sollte die Indikation für eine Bildgebung mittels MRT großzügig gestellt werden. Weiterhin sollten Untersuchungen zur Knochengesundheit z.B. Calcium, Vitamin D erfolgen und bei Abweichungen interveniert werden [63]. Für den Umgang mit Osteonekrosen hat die GMALL eine Standardempfehlung erstellt.

Die Indikation zur Durchführung entsprechender Untersuchungen bei Verdacht auf Spätfolgen orientiert sich an dem individuellen Beschwerdebild des Patienten/ der Patientinvon Pat. Die überwiegende Zahl der ALL- Patient*innenPat. in Langzeitremission ist jedoch als geheilt anzusehen und leidet unter keinen Spätkomplikationen.

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  34. Kantarjian HM, Stein A, Gökbuget N et al.: Blinatumomab versus Chemotherapy for Advanced Acute Lymphoblastic Leukemia. N Engl J Med 376(9): 836-847, 2017. Chalandon Y, Thomas X, Hayette S et al.: Randomized study of reduced-intensity chemotherapy combined with imatinib in adults with Ph-positive acute lymphoblastic leukemia. Blood 125(24):3711-3719, 2015. DOI:10.1056/NEJMoa16097831182/blood-2015-02-627935

  35. Dombret H, Topp MS, Schuh AC et al.: Blinatumomab versus chemotherapy in first salvage or in later salvage for B-cell precursor acute lymphoblastic leukemia. Leuk Lymphoma 60:2214-2222, 2019. Chalandon Y, Rousselot P, Chevret S et al.: Nilotinib with or without cytarabine for Philadelphia-positive acute lymphoblastic leukemia. Blood 143(23):2363-2372, 2024. DOI:10.1080/10428194.20191182/blood.15768722023023502

  36. Martinelli G, Boissel N, Chevallier P et al.: Complete Hematologic and Molecular Response in Adult Patients With Relapsed/Refractory Philadelphia Chromosome-Positive B-Precursor Acute Lymphoblastic Leukemia Following Treatment With Blinatumomab: Results From a Phase II, Single-Arm, Multicenter Study. J Clin Oncol 35:1795-1802, 2017. Jabbour E, Kantarjian HM, Aldoss I et al.: Ponatinib vs Imatinib in Frontline Philadelphia Chromosome-Positive Acute Lymphoblastic Leukemia: A Randomized Clinical Trial. JAMA 331(21):1814-1823, 2024. DOI:10.1200/JCO.20161001/jama.692024.35314783

  37. Gökbuget N, Dombret H, Bonifacio M et al.: Blinatumomab for minimal residual disease in adults with B-precursor acute lymphoblastic leukemia. Blood 131:1522-1531, 2018. Lang F, Pfeifer H, Bruggemann M et al.: A Multicentre, Randomized Trial in Adults with de novo Philadelphia Chromosome-Positive Acute Lymphoblastic Leukaemia to Assess the Efficacy of Ponatinib versus Imatinib in Combination with Low-Intensity Chemotherapy, to Compare End of Therapy with Indication for Stem Cell Transplantation versus Tyrosine Kinase Inhibitor, Blinatumomab, and Chemotherapy in Optimal Responders, and to Evaluate Blinatumomab in Suboptimal Responders (GMALL-EVOLVE). Oncol Res Treat 47(9):430-433, 2024. DOI:10.1182/blood-2017-08-7983221159/000539391

  38. Gökbuget N, Zugmaier G, Dombret H et al. Curative outcomes following blinatumomab in adults with minimal residual disease B-cell precursor acute lymphoblastic leukemia. Leukemia Lymphoma 61(11): 2665-2673, 2020. Lang F, Pfeifer H, Böll B et al.: First promising results in younger adult patients (<65 yrs) with newly diagnosed ph/BCR::ABL positive ALL treated within the randomized GMALL evolve trial. Blood 146(Suppl. 1):3342, 2025. DOI:10.1080/10428194.2020.17805831182/blood-2025-3342

  39. Kantarjian HM, DeAngelo DJ, Advani AS et al.: Hepatic adverse event profile of inotuzumab ozogamicin in adult patients with relapsed or refractory acute lymphoblastic leukaemia: results from the open-label, randomised, phase 3 INO-VATE study. Lancet Haematol 4:e387-e98, 2017. Pfeifer H, Wassmann B, Bethge W et al.: Randomized comparison of prophylactic and minimal residual disease-triggered imatinib after allogeneic stem cell transplantation for BCR-ABL1-positive acute lymphoblastic leukemia. Leukemia 27(6):1254-1262, 2013. DOI:10.1016/S2352-3026(17)30103-51038/leu.2012.352

  40. Majzner RG, Mackall CL: Clinical lessons learned from the first leg of the CAR T cell journey. Nat Med 25:1341-1355, 2019. Rousselot P, Coude MM, Gokbuget N et al.: Dasatinib and low-intensity chemotherapy in elderly patients with Philadelphia chromosome-positive ALL. Blood 128(6):774-782, 2016. DOI:10.1038/s41591-019-0564-61182/blood-2016-02-700153

  41. Brudno JN, Kochenderfer JN: Recent advances in CAR T-cell toxicity: Mechanisms, manifestations and management. Blood Rev 34:45-55, 2019. Fielding AK, Richards SM, Chopra R et al.: Outcome of 609 adults after relapse of acute lymphoblastic leukemia (ALL); an MRC UKALL12/ECOG 2993 study. Blood 109(3):944-950, 2007. DOI:10.1016/j.blre.2018.11.0021182/blood-2006-05-018192

  42. Shah BD, Ghobadi A, Oluwole OO et al.: KTE-X19 for relapsed or refractory adult B-cell acute lymphoblastic leukaemia: phase 2 results of the single-arm, open-label, multicentre ZUMA-3 study. Lancet 398:491-502, 2021. Gokbuget N, Stanze D, Beck J et al.: Outcome of relapsed adult lymphoblastic leukemia depends on response to salvage chemotherapy, prognostic factors, and performance of stem cell transplantation. Blood 120(10):2032-2041, 2012. DOI:10.1016/S0140-6736(21)01222-81182/blood-2011-12-399287

  43. Gökbuget N: Treatment of older patients with acute lymphoblastic leukemia. Hematology Am Soc Hematol Educ Program 2016: 573-579, 2016. Kantarjian HM, DeAngelo DJ, Stelljes M et al.: Inotuzumab Ozogamicin versus Standard Therapy for Acute Lymphoblastic Leukemia. N Engl J Med 375(8):740-753, 2016. DOI:10.1182/asheducation-2016.1.5731056/NEJMoa1509277

  44. Gökbuget N: Treatment of Older Patients with Acute Lymphoblastic Leukaemia. Drugs Aging 35:11-26, 2018. Kantarjian HM, DeAngelo DJ, Stelljes M et al.: Inotuzumab ozogamicin versus standard of care in relapsed or refractory acute lymphoblastic leukemia: Final report and long-term survival follow-up from the randomized, phase 3 INO-VATE study. Cancer 125(14):2474-2487, 2019. DOI:10.1007/s40266-017-0503-51002/cncr.32116

  45. Juliusson G: Most 70- to 79-year-old patients with acute myeloid leukemia do benefit from intensive treatment. Blood 117:3473-3474, 2011. Kantarjian H, Stein K, Gokbuget J et al.: Blinatumomab versus Chemotherapy for Advanced Acute Lymphoblastic Leukemia. N Engl J Med 376(9):836-847, 2017. DOI:10.1182/blood-2010-11-3217371056/NEJMoa1609783

  46. Gökbuget N, Stoltefuß A, Topp M et al.: Dose Reduced Chemotherapy in Sequence with Blinatumomab for Newly Diagnosed Older Patients with B-Precursor Adult Lymphoblastic Leukemia (ALL): Results of the Ongoing GMALL Bold Trial. Blood 138 (Supplement 1): 3399.

    Gokbuget N, Dombret H, Ribera JM et al.: International reference analysis of outcomes in adults with B-precursor Ph-negative relapsed/refractory acute lymphoblastic leukemia. Haematologica 101(12):1524-1533, 2016. DOI:10.3324/haematol.2016.144311

  47. Stelljes M, Alakel N, Wäsch R et al.: Final Induction Therapy Results of an Open Label Phase II Study Using Inotuzumab Ozogamicin for Induction Therapy, Followed By a Conventional Chemotherapy Based Consolidation and Maintenance Therapy in Patients Aged 56 Years and Older with Acute B-Lymphoblastic Leukemia (INITIAL-1 trial). Blood 138 (Supplement 1): 2300

    Dombret H, Topp MS, Schuh HC et al.: Blinatumomab versus chemotherapy in first salvage or in later salvage for B-cell precursor acute lymphoblastic leukemia. Leuk Lymphoma 60(9):2214-2222, 2019. DOI:10.1080/10428194.2019.1576872

  48. Hoelzer D, Gökbuget N, Digel W et al.: Outcome of adult patients with T-lymphoblastic lymphoma treated according to protocols for acute lymphoblastic leukemia. Blood 99:4379-4385, 2002. Martinelli G, Boissel N, Chevallier P et al.: Complete Hematologic and Molecular Response in Adult Patients With Relapsed/Refractory Philadelphia Chromosome-Positive B-Precursor Acute Lymphoblastic Leukemia Following Treatment With Blinatumomab: Results From a Phase II, Single-Arm, Multicenter Study. J Clin Oncol 35(16):1795-1802, 2017. DOI:10.1182/blood-2002-01-01101200/JCO.2016.69.3531

  49. Hoelzer D, Walewski J, Döhner H et al.: Improved outcome of adult Burkitt lymphoma/leukemia with rituximab and chemotherapy: report of a large prospective multicenter trial. Blood 124:3870-3879, 2014. Gokbuget N, Dombret H, Bonifacio M et al.: Blinatumomab for minimal residual disease in adults with B-precursor acute lymphoblastic leukemia. Blood 131(14):1522-1531, 2018. DOI:10.1182/blood-2014-03-5636271182/blood-2017-08-798322

  50. Kuhlen M, Kunstreich M and Gökbuget N. Osteonecrosis in Adults With Acute Lymphoblastic Leukemia: An Unmet Clinical Need. Hemasphere 5:e544, 2021. Gokbuget N, Zugmaier G, Dombret H et al.: Curative outcomes following blinatumomab in adults with minimal residual disease B-cell precursor acute lymphoblastic leukemia. Leuk Lymphoma 61(11):2665-2673, 2020. DOI:10.1097/HS91080/10428194.00000000000005442020.1780583

  51. Kantarjian HM, DeAngelo DJ, Advani AS, et al.: Hepatic adverse event profile of inotuzumab ozogamicin in adult patients with relapsed or refractory acute lymphoblastic leukaemia: results from the open-label, randomised, phase 3 INO-VATE study. Lancet Haematol 4(8):e387-e398, 2017. DOI:10.1016/S2352-3026(17)30103-5

  52. Lam WA, Rosenbluth MJ, Fletcher DA: Chemotherapy exposure increases leukemia cell stiffness. Blood 109(8):3505-3508, 2007. DOI:10.1182/blood-2006-08-043570

  53. Majzner RG, Mackall CL: Clinical lessons learned from the first leg of the CAR T cell journey. Nat Med 25(9):1341-1355, 2019. DOI:10.1038/s41591-019-0564-6

  54. Maude SL: Tisagenlecleucel in pediatric patients with acute lymphoblastic leukemia. Clin Adv Hematol Oncol 16(10):664-666, 2018. PMID:30543595

  55. Laetsch TW, Maude SL, Rives S et al.: Three-Year Update of Tisagenlecleucel in Pediatric and Young Adult Patients With Relapsed/Refractory Acute Lymphoblastic Leukemia in the ELIANA Trial. J Clin Oncol 41(9):1664-1669, 2023. DOI:10.1200/JCO.22.00642

  56. Shah BD, Bishop MR, Oluwole OO et al.: KTE-X19 anti-CD19 CAR T-cell therapy in adult relapsed/refractory acute lymphoblastic leukemia: ZUMA-3 phase 1 results. Blood 138(1):11-22, 2021. DOI:10.1182/blood.2020009098

  57. Shah BD, Cassaday RD, Park JH et al.: Three-year analysis of adult patients with relapsed or refractory B-cell acute lymphoblastic leukemia treated with brexucabtagene autoleucel in ZUMA-3. Leukemia 39(5):1058-1068, 2025. DOI:10.1038/s41375-025-02532-7

  58. Roddie C, Sandhu KS, Tholouli C et al.: Obecabtagene Autoleucel in Adults with B-Cell Acute Lymphoblastic Leukemia. N Engl J Med 391(23):2219-2230, 2024. DOI:10.1056/NEJMoa2406526

  59. Goekbuget N, Steffen B: How I treat older patients with Ph/BCR-ABL-negative acute lymphoblastic leukemia. Blood 145(1):53-63, 2025. DOI:10.1182/blood.2023023156

  60. Stelljes M, Raffel S, Alakel N et al.: Inotuzumab Ozogamicin as Induction Therapy for Patients Older Than 55 Years With Philadelphia Chromosome-Negative B-Precursor ALL. J Clin Oncol 42(3):273-282, 2024. DOI:10.1200/JCO.23.00546

  61. Goekbuget N, Schwartz S, Faul C et al.: Dose Reduced Chemotherapy in Sequence with Blinatumomab for Newly Diagnosed Older Patients with Ph/BCR::ABL Negative B-Precursor Adult Lymphoblastic Leukemia (ALL): Preliminary Results of the GMALL Bold Trial. Blood 142(Suppl. 1):964, 2023. DOI:10.1182/blood-2023-180472

  62. Hoelzer D, Goekbuget N, Digel W et al.: Outcome of adult patients with T-lymphoblastic lymphoma treated according to protocols for acute lymphoblastic leukemia. Blood 99(12):4379-4385, 2002. DOI:10.1182/blood-2002-01-0110

  63. Kuhlen M, Kunstreich M, Goekbuget N: Osteonecrosis in Adults With Acute Lymphoblastic Leukemia: An Unmet Clinical Need. Hemasphere 5(4):e544, 2021. DOI:10.1097/HS9.0000000000000544

  64. Kantarjian H, Pui CH, Jabbour E: Acute lymphocytic leukaemia. Lancet 406(10506):950-962, 2025. DOI:10.1016/S0140-6736(25)00864-5

10Aktive Studien

10.1Laufende Studien und Therapiedurchführung in Deutschland

Bei seltenen Erkrankungen wie der ALL ist der einzige Weg der Therapieoptimierung die Kombination von Versorgung und klinischer Forschung in Therapieoptimierungsstudien. In Deutschland wird die Mehrzahl der erwachsenen ALL- Patient*innen in klinischen Studien oder nach Therapieempfehlungen behandelt, die von der deutschen multizentrischen Studiengruppe für die ALL des Erwachsenen (GMALL) durchgeführt werden. In ganz Deutschland nehmen mehr als 140 Kliniken an dieser weltweit größten Studiengruppe teil. Die Studien beinhalten zahlreiche innovative Ansätze in der Therapie einschließlich neuer Medikamente, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Entwicklung risikoadaptierter, individualisierter Therapien. In der letzten Studie 07/2003 konnte erstmalig bei der ALL des Erwachsenen (< 55 Jahre) eine Überlebensrate über 60% erreicht werden. Dazu kommen zwei innovative Studien mit Immun-bzw. Antikörper-basierter Therapie bei neu diagnostizierten älteren Patienten mit Ph/BCR::ABL-negativer ALL.

Bei seltenen Erkrankungen wie der ALL ist der einzige Weg der Therapieoptimierung die Kombination von Versorgung und klinischer Forschung in Therapieoptimierungsstudien. In Deutschland wird die Mehrzahl der erwachsenen ALL- Pat. in klinischen Studien oder nach Therapieempfehlungen behandelt, die von der deutschen multizentrischen Studiengruppe für die ALL des Erwachsenen (GMALL) durchgeführt werden. In ganz Deutschland nehmen mehr als 140 Kliniken an dieser weltweit größten Studiengruppe teil. Die Studien beinhalten zahlreiche innovative Ansätze in der Therapie einschließlich neuer Medikamente, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Entwicklung risikoadaptierter, individualisierter Therapien. In der letzten Studie 08/2013 konnte erstmalig bei der ALL des Erwachsenen (< 55 Jahre) eine Überlebensrate über 70% erreicht werden. Die GMALL-Studie 09 soll zeitnah aktiviert werden. Hierbei werden Strategien zur Reduzierung der Chemotherapie-Intensität durch frühzeitigen Einsatz von Immuntherapien ebenso geprüft wir eine MRD-basierte Therapieintensivierung für T-ALL. Weiterhin werden innovative Konzepte für die Risikostratifikation, die Rezidivtherapie und die Therapieoptimierung bei seltenen Subgruppen sowie bei Pat. mit Komorbiditäten untersucht. Für Ph/BCR::ABL-positive ALL läuft die randomisierte GMALL-Evolve-Studie.

Aktuell sollten alle erwachsenen ALL- Patient*innenPat. zunächst über das GMALL-Register registriert werden. Dies beinhaltet auch die Einsendung von Biomaterial. Wenn die Einschlusskriterien für eine klinische Studie erfüllt sind, kann im Anschluss ein Studieneinschluss erfolgen. Wenn kein Studieneinschluss möglich ist, sollten Patient*innenPat. analog zu den GMALL-Empfehlungen behandelt und dokumentiert werden. Durch die Registererfassung können flächendeckend alle Patient*innenPat. auch im Hinblick auf das Langzeitergebnis weiterverfolgt werden.

Eine Übersicht über die Therapiestudien und Empfehlungen der GMALL-Studiengruppe ist aktuell über das Kompetenznetz „akute und chronische Leukämien“ abrufbar (Eine Übersicht über die Therapiestudien und Empfehlungen der GMALL-Studiengruppe ist aktuell die Webseite der GMALL (https://wwwwww.kompetenznetz-leukaemiegmallstudien.de/content/home/de). Hier werden die Ein- und Ausschlusskriterien, die Therapieprotokolle und die Adressen der Studienzentralen aufgeführt. ) oder die Schulungsplattform (https://gmall.uni-frankfurt.de/moodle) abgerufen.werden. Hier werden die Ein- und Ausschlusskriterien der Studien sowie aktive Studienzentren aufgeführt.

Kontakt Deutschland

GMALL-Studienzentrale
Dr. med. N. Gökbuget
Klinikum der J.W.Goethe Universität
Medizinische Klinik II
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt
Email: gmall@em.uni-frankfurt.de

Web: www.gmallstudien.de

GMALL-Schulungsplattform: https://gmall.uni-frankfurt.de/moodle/?lang=en

10.2Laufende Studien und Therapiedurchführung in Österreich

Österreichweit werden diese Therapiestudien und die Empfehlungen der GMALL-Studiengruppe an den meisten Zentren bereits seit Jahren umgesetzt und mitgetragen und einige Zentren sind Teilnehmer des GMALL-Registers.

Österreichweit werden Empfehlungen der GMALL-Studiengruppe an manchen Zentren bereits seit Jahren umgesetzt. Aktuelle Empfehlungen stehen den teilnehmenden Zentren des GMALL-Registers zur Verfügung.

Momentan befindet sich eine eigenständige Österreichische Studiengruppe für ALL in Aufbau.

Allerdings bieten viele Zentren (z.B. Medizinische Universität Wien) zusätzlich zu den oben angeführten Diagnostiken und Therapien auch amerikanische Therapie-Protokolle an, hier vor allem aus Texas (MD Anderson Cancer Center), die eine deutliche Chemotherapie-Reduktion bei gleichzeitig verstärktem Einsatz der Immuntherapie vorsehen. Hierbei werden zum Beispiel Inotuzumab Ozogamicin und Blinatumomab in der First-line-Therapie verabreicht, zum Teil sogar in Kombination, um herausragende Überlebenswahrscheinlichkeiten, bei deutlich reduzierter Toxizität zu erreichen [64].

Ausserdem wird das österreichische Register (AGMT-ALL-Register) mit Erfassung von diagnostischen als auch therapeutischen Daten von Patient*innen mit akuter lymphatischer Leukämie bzw. von hochaggresssiven Lymphomen wie vom Burkitt- oder vom T-lymphoblastischen Typ gerade aktualisiert. Die hochspezifische MRD-Diagnostik (PCR) wird mittlerweile in Österreich routinemässig durchgeführt,, so dass die vorgesehenen Prognosefaktoren auch hierorts in die Therapieentscheidungen miteinfließen können. Zu Forschungszwecken wird an der Medizinischen Universität Wien Knochenmark asserviert. Dies kommt der derzeitigen Stammzellforschung zu Gute.

Die weitläufige Studienlandschaft in Österreich bietet auch andere weltweit laufende Studien an, wie zum Beispiel die Versorgung mit Blinatumomab subkutan.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch die enge Kooperation mit der GMALL-Studiengruppe und der bereits langjährigen Erfahrung alle oben erwähnten Therapien als auch deren Diagnostik in Österreich zur Verfügung stehen und somit an unsere Patient*innen weitergegeben werden können. Auch wurden in den letzten Jahren Nachsorgekonzepte für genesene Patienten mit adulter akuter lymphatischer Leukämie entwickelt.

Außerdem wird an der Medizinischen Universität Wien (MUW) ein Register mit Erfassung von diagnostischen als auch therapeutischen Daten von Pat. mit adulter akuter lymphatischer Leukämie bzw. von hochaggressiven Lymphomen wie vom Burkitt- oder vom B- bzw. T-LBL Typ ständig aktualisiert.

Die Etablierung sensitiver klonspezifischer Assays zur spezifischen MRD-Diagnostik- bzw. Monitoring mittels real-time quantitative (q)PCR wird am LMGD (Labor für molekulargenetische Diagnostik) des Ordensklinikums Linz für ganz Österreich angeboten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch die enge Kooperation mit der GMALL-Studiengruppe als auch durch das Angebot internationaler Therapien und Studien und der bereits langjährigen Erfahrung alle oben erwähnten Therapien als auch deren Diagnostik in Österreich zur Verfügung stehen und somit an unsere Pat. weitergegeben werden können. Auch wurden in den letzten Jahren Nachsorgekonzepte (IONA) für genesene Pat. mit adulter akuter lymphatischer Leukämie entwickelt.

Kontake Österreich

Medizinische Universität Wien
Innere Medizin I/Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie
Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Alexander W. Hauswirth
Währinger Gürtel 18-20
AT-1090 Wien
Tel: 0043 1 40400-49180
Email: alexander.hauswirth@meduniwien.ac.at

OA Dr. Sigrid Machherndl-Spandl
Abteilung für Innere Medizin I
Hämatologie mit Stammzelltransplantation, Hämostaseologie und medizinische Onkologie
Ordensklinikum Linz, Krankenhaus der Elisabethinen Linz GmbH
Fadingerstraße 1
A-4020 Linz
T: 0043 732 7676 – 4434
sigrid.machherndl-spandl@ordensklinikum.at

Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie gemeinnützige GmbH
Nußdorferplatz 8
AT-1190 Wien

10.3Laufende Studien und Therapiedurchführung in der Schweiz

In der Schweiz nehmen alle Zentren, welche akute lymphatische Leukämien behandeln, an den Protokollen der Group for Research on Adult Acute Lymphoblastic Leukemia GRAALL Intergroup (LALA-GOELAMS-SAKK) teil. Das Protokoll GRAALL-2014 enthält 3 Substudien: GRAALL-2014/B (Ph-negative B-ALL), GRAALL-2014/T (T-ALL) und GRAAPH-2014 (Ph+ ALL). Es handelt ich um ‚pediatric-inspired‘ Protokolle, die durch eine neue Risiko- und Alters-adaptierte Therapie zu einer Behandlungsverbesserung führen sollen. Bei Standardrisiko- Patient*innen soll gezeigt werden, dass der DFS in CR1 es erlaubt auf eine allogene Stammzelltransplantation zu verzichten. Bei Patient*innen mit Hochrisiko ALL soll in entsprechenden Phase II Substudien die frühe Integration neuerer Medikamente in die bestehende Standardtherapie (Nelarabin bei der T-ALL (ATRIALL substudy) und Blinatumomab bei der B-ALL (QUEST substudy) geprüft werden. Allen ‚very high risk‘ Patient*innen, gestützt auf den MRD Verlauf, wird eine allogene Stammzelltransplantation (Geschwister oder 10/10 unverwandt) angeboten. Die Studie wurde im Februar 2021 geschlossen. Eine Nachfolgestudie ist in Planung.

In der Schweiz nehmen alle Zentren, welche die ALL behandeln, an den Protokollen der Group for Research on Adult Acute Lymphoblastic Leukemia GRAALL Intergroup (LALA-GOELAMS-SAKK) teil. Eine randomisierte Studie (GRAALL-2024 ) mit 3 Kohorten evaluiert die Rolle neuer Immuntherapien und der allogenen SZT in der Erstlinienbehandlung der ALL. Die Studie GRAAPH-2024 hat das Ziel die Heilungschancen jüngerer Pat. mit PhPos ALL durch die frühe Einbindung von Blinatumomab und Ponatinib und durch verfeinerte Indikationen für die allogene SZT zu verbessern. In der GRAALL-2024/B wird bei Hochrisiko- Pat. in einer Phase 3-Studie das Ziel verfolgt, die Heilungschancen jüngerer Pat. mit Hochrisiko-B-Vorläufer-ALL durch den frühen Einsatz von Blinatumomab und verfeinerte Transplantationsindikation zu verbessern. Hierbei wird die allogene SZT randomisiert mit einer Fortsetzung von Blinatumomab und Chemotherapie verglichen. Bei Standardrisiko-Pat. wird eine Phase 2-Studie durchgeführt, um bei jüngeren Pat. die Heilungschancen durch frühen Einsatz von Blinatumomab im Vergleich zu einer historischen Kohorte zu verbessern. Die Substudie für T-ALL (GRAALL2024/T) ist derzeit gestoppt, da die geplante Strategie des randomisierten Einsatzes eines anti-CD38 Antikörpers nicht umgesetzt werden konnte. Eine neue Strategie ist derzeit in Planung.

Kontaktdaten

Kontakt Schweiz

Deutschland

Prof. Dr méd. Yves Chalandon
Hôpital Universitaire de Genève
Service d'Hématologie
Rue Gabrielle Perret-Gentil 4
1211 Genève 14
Tel. : +41 22 372 98 70
Fax.: +41 22 372 72 88
Email:yves.chalandon@hcuge.ch

GMALL-Studienzentrale
Dr. med. N. Gökbuget
Klinikum der J.W.Goethe Universität
Medizinische Klinik II
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt
Email: goekbuget@em.uni-frankfurt.de

Österreich

Medizinische Universität Wien
Innere Medizin I/Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie
Univ. Prof. Dr. Ulrich Jäger
Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Alexander W. Hauswirth
Währinger Gürtel 18-20
AT-1090 Wien
Email:ulrich.jaeger@meduniwien.ac.at
alexander.hauswirth@meduniwien.ac.at

OA Dr. Sigrid Machherndl-Spandl

Abteilung für Innere Medizin I

Hämatologie mit Stammzelltransplantation, Hämostaseologie und medizinische Onkologie

Ordensklinikum Linz, Krankenhaus der Elisabethinen Linz GmbH

Fadingerstraße 1

A-4020 Linz

T: 0043 732 7676 - 4434

sigrid.machherndl-spandl@ordensklinikum.at

Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie gemeinnützige GmbH
Nußdorferplatz 8
AT-1190 Wien

Klinisch-wissenschaftlicher Geschäftsführer der AGMT gemeinnützigen GmbH:
Prim. Univ. Prof. Dr. Richard Greil
Universitätsklinik für Innere Medizin III
Universitätsklinikum der PMU
Landeskliniken Salzburg
Müllner Hauptstraße 48
AT-5020 Salzburg

Schweiz

Prof. Dr méd. Yves Chalandon
Hôpital Universitaire de Genève
Service d'Hématologie
Rue Gabrielle Perret-Gentil 4
1211 Genève 14
Tel. : +41 22 372 98 70
Fax.: +41 22 372 72 88
Email:yves.chalandon@hcuge.ch

11[Kapitel nicht relevant]

12[Kapitel nicht relevant]

13[Kapitel nicht relevant]

14[Kapitel nicht relevant]

16Anschriften der Verfasser

Prof. Dr. med. Claudia Baldus
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Klinik für Innere Medizin II
Hämatologie und Onkologie
Arnold-Heller-Str. 3
24105 Kiel
Prof. Dr. med. Monika Brüggemann
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Klinik für Innere Medizin II
Hämatologie und Onkologie
Langer Segen 8-10
24105 Kiel
Prof. Dr. med. Yves Chalandon
Hôpital Universitaire de Genève
Département de médecine
Service d'hématologie
HUG 4 rue Gabrielle-Perret-Gentil
CH-1211 Genève 14
Dr. med. Nicola Gökbuget
Universitätsklinikum Frankfurt am Main
Medizinische Klinik II
Abteilung Hämatologie und Onkologie
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt
Prof. Dr. med. Alexander W. Hauswirth
Medizinische Universität Wien
Innere Medizin I/Abteilung f.
Hämatologie u. Hämostaseologie
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Dr. Sigrid Machherndl-Spandl
Ordensklinikum Linz Elisabethinen
Interne 1 - Hämatologie mit
Stammzelltransplantation, Hämostaseologie
und medizinische Onkologie
Fadingerstr. 1
A-4020 Linz
Prof. Dr. med. Matthias Stelljes
Universitätsklinikum Münster
Medizinische Klinik A /
Hämatologie und Onkologie
Albert-Schweizer-Campus 1
48149 Münster
Prof. Dr. med. Max Topp
Universitätsklinikum Würzburg
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Oberdürrbachstr. 6
97080 Würzburg

17Erklärung zu möglichen Interessenkonflikten

Autor*in

Anstellung

Beratung / Gutachten

Aktien / Fonds

Patent / Urheberrecht / Lizenz

Honorare

Finanzierung wissenschaftlicher Untersuchungen

Andere finanzielle Beziehungen

Persönliche Beziehung zu Vertretungsberechtigten

Hauswirth, Alexander W.

Ja

Medizinische Universität Wien

Ja

Amgen: Vortragstätigkeit im Rahmen von Advisory Boards
Pfizer: Vortragstätigkeit im Rahmen von Advisory Boards
Jazz: Vortragstätigkeit im Rahmen von Advisory Boards

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Baldus, Claudia

Ja

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Ja

Amgen, Novartis, Jazz, BMS, Jannsen, AtrsZeneca, Gilead

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Gökbuget, Nicola

Ja

Universität Frankfurt

Ja

Amgen, Gilead, Novartis, Pfizer, Jazz Pharmaceuticals, Incyte, Cellestia, Erytech, Morphosys, Servier

Nein

Nein

Ja

Amgen, Astra Zeneca, Celgene, Gilead, Novartis, Pfizer, Jazz Pharmaceuticals, Incyte, Erytech, Servier

Ja

Amgen, Pfizer, Novartis, Servier, Jazz Pharmaceuticals, Incyte, Abbvie

Nein

Nein

Brüggemann, Monika

Ja

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Ja

Amgen Inc, Molecular Health, Incyte

Nein

Nein

Ja

Amgen Inc, art tempi communication, Becton Dickinson, Celgene, Janssen, Novartis

Ja

Amgen Inc, Becton Dickinson

Nein

Nein

Stelljes, Matthias

Ja

Universitätsklinikum Münster

Ja

Pfizer, Jazz, Amgen, medac, Novartis, Celgene, BMS, MSD, Astella, Incyte

Nein

Nein

Ja

Pfizer, Jazz, Amgen, medac, Novartis, Celgene, BMS, MSD, Astella, Incyte

Ja

Pfizer

Nein

Nein

Topp, Max

Ja

Universitätsklinikum Würzburg

Ja

BMS, KITE, Novartis, Janssen, Pfizer,

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Schanz, Urs

Ja

Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie, Universitätsspital Zürich

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Machherndl-Spandl, Sigrid

Ja

Ordensklinikum Linz Elisabethinen GmbH

Ja

Advisory Board: Servier, Abbvie, Jazz, Celgene, Amgen, Pfizer

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

1 Gegenwärtiger Arbeitgeber, relevante frühere Arbeitgeber der letzten 3 Jahre (Institution/Ort)2 Tätigkeit als Berater*in bzw. Gutachter*in oder bezahlte Mitarbeit in einem wissenschaftlichen Beirat / Advisory Board eines Unternehmens der Gesundheitswirtschaft (z. B. Arzneimittelindustrie, Medizinproduktindustrie), eines kommerziell orientierten Auftragsinstituts oder einer Versicherung3 Besitz von Geschäftsanteilen, Aktien, Fonds mit Beteiligung von Unternehmen der Gesundheitswirtschaft4 Betrifft Arzneimittel und Medizinprodukte5 Honorare für Vortrags- und Schulungstätigkeiten oder bezahlte Autor*innen oder Koautor*innenschaften im Auftrag eines Unternehmens der Gesundheitswirtschaft, eines kommerziell orientierten Auftragsinstituts oder einer Versicherung6 Finanzielle Zuwendungen (Drittmittel) für Forschungsvorhaben oder direkte Finanzierung von Mitarbeiter*innen der Einrichtung von Seiten eines Unternehmens der Gesundheitswirtschaft, eines kommerziell orientierten Auftrags-instituts oder einer Versicherung7 Andere finanzielle Beziehungen, z. B. Geschenke, Reisekostenerstattungen, oder andere Zahlungen über 100 Euro außerhalb von Forschungsprojekten, wenn sie von einer Körperschaft gezahlt wurden, die eine Investition im Gegenstand der Untersuchung, eine Lizenz oder ein sonstiges kommerzielles Interesse am Gegenstand der Untersuchung hat8 Persönliche Beziehung zu einem/einer Vertretungsberechtigten eines Unternehmens der Gesundheitswirtschaft

nach den Regeln der tragenden Fachgesellschaften.

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Reference:

Quellenangabe:

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