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Impfungen bei Tumorpatientenmalignen Erkrankungen und Immunsuppression

Stand Mai 2026
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1Zusammenfassung

Infektiöse Komplikationen sind eine wesentliche Ursache der Morbidität und Mortalität systemischer Tumortherapie. Prävention durch Impfungen ist ein wichtiger Aspekt der Patientenbetreuung. Dabei müssen immunsuppressive Einflüsse sowohl der Grundkrankheit als auch der antineoplastischen Therapie berücksichtigt werden. Diese Empfehlungen schließen die Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation ein, während die allogene Stammzelltransplantation Gegenstand einer eigenen Leitlinie ist.

Infektiöse Komplikationen sind eine wesentliche Ursache der Morbidität und Mortalität systemischer Tumortherapie. Prävention durch Impfungen ist ein wichtiger Aspekt der Patientenbetreuung. Dabei müssen immunsuppressive Einflüsse sowohl der Grundkrankheit als auch der antineoplastischen Therapie berücksichtigt werden. Diese Empfehlungen umfassen allgemeine Aspekte der Impfungen, Informationen zu optimalen Zeitpunkten, dem möglichen Einsatz von Lebend-Impfstoffen und der Immunisierung von engen Kontaktpersonen und Mitgliedern des familiären Umfeldes. In spezifischen Abschnitten wird die Impfstrategie für Patienten mit soliden Tumoren und hämatologischen Malignomen dargestellt und für Therapien mit Tyrosinkinase Inhibitoren, bispezifischen Antikörpern und CAR T Zell Therapie ergänzt. Patienten nach allogener Stammzelltransplantation werden in einer eigenen Leitlinie besprochen.

Die Leitlinie ‚Anti-infective vaccination strategies in patients with hematologic malignancies or solid tumors’ wurde von der Arbeitsgemeinschaft Infektionen der DGHO (AGIHO) für die Diagnostik und Therapie dieser Patienten erstellt Die Leitlinie „Anti-infective vaccination strategies in patients with hematologic malignancies or solid tumors: updated guideline of the Infectious Diseases Working Party of the German Society for Hematoloy and Medical Oncology“ wurde von der Arbeitsgemeinschaft Infektionen der DGHO (AGIHO) für die Diagnostik und Therapie dieser Patienten erstellt [1]. Grundlagen der Empfehlungen sind eine systematische Literaturrecherche, die einheitliche Bewertung der Evidenzstärke [2] und ein Konsensfindungsprozess. Dies ist die Kurzfassung dieser Empfehlungen.

2Grundlagen

Infektionen tragen wesentlich zu Morbidität und Mortalität bei Krebspatienten bei, als Komplikationen einer immunsuppressiven Therapie oder indem sie die Durchführung einer wirksamen Therapie verzögern. Neben der prophylaktischen Therapie Infektionen tragen wesentlich zu Morbidität und Mortalität bei Krebspatienten bei, entweder als Komplikation einer immunsuppressiven Therapie oder indem sie die Durchführung einer wirksamen Therapie verzögern. Neben der Expositionsprophylaxe und medikamentöser Prävention stellen Impfungen eine wirksame Vorbeugung dar. Die Leitlinien beruhen auf einer systematischen Literaturrecherche und einer einheitlichen Bewertung der Empfehlungsstärke (Tabelle 1 stellen Impfungen eine wirksame Vorbeugung dar. Die Leitlinien beruhen auf einer systematischen Literaturrecherche und einer einheitlichen Bewertung der Empfehlungsstärke () und Qualität der Evidenz (Tabelle 12) und Qualität der Evidenz (Tabelle 23) nach den Kategorien der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) [2]) nach den Kategorien der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID). .

Tabelle 1: Stärke der Empfehlung in Leitlinien der AGIHO 

Klassifikation, Grad

Definition

A

Starke Empfehlung

B

Moderate Empfehlung

C

Schwache Empfehlung

D

Empfehlung gegen den Einsatz

Tabelle 2: Qualität der Evidenz in Leitlinien der AGIHO 

Klassifikation, Grad

Definition

I

  • Ergebnisse aus ≥ 1 gut geplanten, randomisierten klinischen Studie

II

  • Ergebnisse aus ≥ 1 gut geplanten klinischen Studie, ohne Randomisation;

  • aus Kohorten- oder Fall-Kontrollstudien (möglichst aus > 1 Zentrum);

  • dramatische Ergebnisse aus nicht - kontrollierten Studien

III

  • Basierend auf Meinungen angesehener Experten, auf klinischer Erfahrung, auf deskriptiven Fallstudien oder auf Berichten von Expertengruppen

Tabelle 3: Qualität der Evidenz in Leitlinien der AGIHO 

Index

(nur für Evidenzqualität Grad II, siehe II)Tabelle 2)

Definition

r

Metaanalyse oder systematische Übersicht kontrollierter, randomisierter Studien

t

Evidenztransfer, d. h. Ergebnisse unterschiedlicher Patientenkohorten oder von Patienten mit ähnlichem Immunstatus

h

Vergleichsgruppe ist eine historische Kontrolle.

u

nicht-kontrollierte klinische Studie

a

Abstract, publiziert bei einem internationalen Treffen

2.1DefinitionAllgemeine Empfehlungen

Infektionen durch ambulant erworbene Virusinfektionen der Atemwege (Community-acquired respiratory tract infections (CRVs) können zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen. Unterschieden werden:

  • Infektionen der oberen Atemwege (Upper Respiratory Tract Infection, URTI)

    • typische Symptome sind Husten, Auswurf, Halsentzündung und/oder Kurzatmigkeit

  • Grippe-ähnliche Erkrankung (Influenza-like Infection, ILI)

    • typische Symptome sind plötzliches Auftreten von Fieber, allgemeines Unwohlsein, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen oder mindestens ein Symptom von Infektionen der oberen Atemwege: Husten, Halsentzündung und/oder Kurzatmigkeit

  • Infektionen der unteren Atemwege (Lower Respiratory Tract Infection, LRTI)

    • klinischer oder radiologischer Nachweis einer Pneumonie

Zur Sicherung der viralen Genese ist der Virusnachweis in Abstrichen, aus Flüssigkeit von Spülungen des Nasen-Rachenraums oder einer bronchoalveolären Lavage erforderlich.

2.1.1Lebend Impfung

Lebendimpfungen sind im Kontext der Behandlung einer Krebserkrankung nicht empfohlen. Das betrifft im Besonderen die Impfung gegen Gelbfieber, Maser, Mumps, Röteln (MMR) sowie die Lebendimpfung gegen das Varizella-Zoster-Virus (VZV). Im Einzelfall kann in Abwägung von Nutzen und Risiko frühestens 24 Monate nach Abschluss der immunsuppressiven Maßnahmen eine solche Impfung durchgeführt werden.

2.1.2Impfung von Personal im Gesundheitswesen und Mitgliedern im familiären Umfeld

Personal im Gesundheitswesen sollte entsprechenden gültigen Leitlinien vollständig geimpft werden. Das gilt vor allem für die Impfung gegen Influenza und COVID-19. Epidemiologische Daten zeigen, dass dadurch die Transmissionsrate auf Patienten mit einer Krebserkrankung reduziert werden kann.

Gleiches gilt für Angehörige und Mitglieder des familiären Umfeldes, für die die vollständige Vakzinierung nach STIKO Empfehlung durchgeführt werden sollte. Vorsicht ist jedoch bei einer Impfung mit Lebendimpfstoffen, der Rotavirus- und der oralen Choleravakzine gebeten, da darunter ein geringes Risiko für eine Übertragung einer Infektion besteht.

2.1.3Zeitpunkt der Impfung

Die Tumortherapie sollte nicht wegen einer Impfung aufgeschoben werden. Trotzdem ist die Vakzinierung vor Beginn der immunsuppressiven Maßnahme anstrebenswert. Der Impfstatus sollte überprüft und aktualisiert werden, wenn ein sofortiger Beginn der Tumortherapie nicht zwingend erforderlich ist.

Grundsätzlich können Impfungen mit einem inaktivierten Impfstoff jederzeit unter Immunsuppression durchgeführt werden. Es gibt kein erhöhtes Risiko für Impfkomplikationen, allerdings kann die serologische Impfantwort dabei vermindert sein.

Es gibt keine ausreichende Evidenz zum optimalen Zeitpunkt für Impfungen unter Tumortherapie. In Tabelle 4 sind Empfehlungen zum pragmatischen Umgang mit dieser Frage im klinischen Alltag dargestellt.

Tabelle 4: Überlegungen zum optimalen Zeitpunkt einer Impfung unter Tumortherapie 

Empfehlung

Hinweis

Dringender Beginn der Tumortherapie erforderlich

Tumortherapie nicht aufgrund inkomplettem Impfstatus verzögern

Impfungen können während der Tumortherapie durchgeführt werden

Beginn der Tumortherapie nicht sofort erforderlich

Impfstatus überprüfen und komplettieren vor Beginn der Tumortherapie

Sinnvoll bei Erkrankungen mit langsamer Progression

Inaktivierte Vakzine vor Tumortherapie

Impfung jederzeit möglich. Ideal 14 Tage vor Beginn, um eine optimale Immunantwort zu erzielen

Reduzierte Immunantwort möglich, jedoch kein Risiko für Komplikationen zu erwarten

Hämatologische Erkrankung

Impfung zu Beginn eines Therapiezyklus bei normalen Leukozyten

Höhere Serokonversion zu erwarten

Inaktivierte Vakzine mit Beginn der Tumortherapie

Impfung jederzeit möglich. CAVE: Unterscheidung von Nebenwirkungen der Impfung versus der Tumortherapie kann erschwert sein, wenn am gleichen Tag gegeben

Information stammt aus Daten einer RCT mit PCV13

Inaktivierte Vakzine während Tumortherapie (solider Tumor)

Impfung jederzeit möglich. CAVE: Unterscheidung von Nebenwirkungen der Impfung versus der Tumortherapie kann erschwert sein, wenn am gleichen Tag gegeben

Beurteilung von Toxizität der Tumortherapie möglicherweise erschwert

Optimaler Zeitpunkt für die Impfung im Therapiezyklus (21 Tage Zyklus)

Keine Evidenz für frühen (Tag 1-5) versus späten (Tag 11-16) Impfzeitpunkt

Studien zeigen hier heterogene Ergebnisse mit Blick auf die Serokonversionsraten

3[Kapitel nicht relevant]

4[Kapitel nicht relevant]

5[Kapitel nicht relevant]

6Krankheitsspezifische Impfstrategien

6.1krankheitsspezifischSolide Tumore

Die Evidenzlage zur Durchführung von Impfungen ist unterschiedlich. Empfehlungen sind in Tabelle 4 zusammengefasst.

Für Patienten mit soliden Tumoren ist die Impfung ein integraler Bestandteil supportiver Therapie und reduziert schwere Infektions-assoziierte Komplikationen. Das gilt auch für diejenigen Patienten, die mit Immuncheckpoint-Inhibitoren oder Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt werden.

Die Empfehlungen zur Impfung mit Stärke der Empfehlung (SoR) und Qualität der Evidenz (QoE) sind in Tabelle 5 zusammengefasst.

Tabelle 5: Krankheitsspezifische ImpfstrategienEmpfehlungen zur Impfung von Patienten mit soliden Tumoren 

Erreger

Akute Leukämie

Intention

Lymphom, Multiples Myelom, Myeloproliferative Neoplasien

SoR

Solide Tumore

QoE

Diphtherie

COVID-19 Impfung

B-IIt1

Verhinderung einer klinisch manifesten COVID-19 Erkrankung

A-IIt

A

A-IIt

IIu

Haemophilus influenzae Typ B

Influenza Impfung

C-IIt

Reduktion von Mortalität

C-IIt

A

C-IIt

IIu,r,h

Herpes zoster3

Hochdosierte Influenza Impfung

-

Verhinderung einer klinisch manifesten Influenza Erkrankung

A-IIt

A

-

I

 2. Influenza Impfung bei unzureichendem Titer

A-IIt, u

Verhinderung einer klinisch manifesten Influenza Erkrankung

A-IIt

C

A-IIt

IIu

Hepatitis A

Pneumokokken: Konjugat Impfstoff

B-IIt

Verhinderung einer invasiven Pneumokokken Erkrankung

B-IIt

A

B-IIt

I

Hepatitis B

PPSV23 Impfstoff

A-IIt

Verhinderung einer invasiven Pneumokokken Erkrankung

B-IIt

C

B-IIt

IIu

Masern2

RSV-Impfung

B-IIt

Verhinderung einer schweren Erkrankung

B-IIt

A

B-IIt

IIu

Meningokokken

Hepatitis A Virus Impfung

C-III

Verhinderung einer Hepatitis A Infektion

C-III

B

C-III

IIt

Mumps2

Hepatitis B Impfung

B-IIt

Verhinderung einer Hepatitis B Infektion

B-IIt

A

B-IIt

IIu

Pertussis

HPV-Impfung (HPV4 und HPV9)

B-IIt

Prävention Zervixkarzinom

A-IIt

B

A-IIt

IIt

Pneumokokken

TBEV-Impfung (FSME Immune)

A-IIt

Verhinderung einer TBEV-Infektion

A-IIt

A

A-IIt

IIt

Röteln2

Adjuvanted Glycoprotein E-based rekombinante Vakzine

B-IIt

Verhinderung einer VZV-Reaktivierung

B-IIt

A

B-IIt

I

Tetanus

Inaktivierte VZV-Impfung

B-IIt1

Verhinderung einer VZV-Reaktivierung

A-IIt

C

A-IIt

I

Varizellen2

Alles: für Patienten mit Therapie mit Immuncheckpoint Inhibitoren

C-III

Reduktion von Mortalität

C-III

A

C-III

IIu,t

Alles: für Patienten mit Behandlung mit Tyrosinkinase Inhibitoren

Reduktion von Morbidität

A

IIu,t


1 Empfehlungsstärke siehe Tabelle 1, Evidenzgrade siehe Tabellen 2 und 3;
2 eine Impfung mit Lebendimpfstoffen soll nicht durchgeführt werden (D-IIt);
3 Für Patienten mit Haarzell-Leukämie kann eine Zoster-Vakzinierung erwogen werden, da das Risiko dieser Patienten für eine Herpes-Infektion ebenfalls erhöht ist. Studienergebnisse hierzu liegen zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht vor. (BIII);Abk.: h=Vergleichsgruppe ist historische Kontrolle; HPV=Humanes Papillomavirus; PPSV23=23-valente Polysaccharid Vakzine; r=Metaanalyse oder systematischer Review von randomisierten Studien; RSV=Respiratory-Syncytial-Virus; t=transferierte Evidenz; TBEV=Tick-borne Encephalitis Virus; u=unkontrollierte Studie; VZV=Varicella-Zoster-Virus.

6.2nach autologer StammzelltransplantationHämatologische Neoplasien

Nach einer autologen Stammzelltransplantation ist ein erneuter Impfschutz erforderlich. Empfehlungen sind in Tabelle 5 zusammengefasst.

Patienten mit hämatologischen Neoplasien wie akute Leukämien, myelodysplastische Syndrome sowie myelo- und lymphoproliferativen Erkrankungen haben ein hohes Risiko für infektiöse Komplikationen. Neben wiederholter Neutropenie und einer zellulären Immunschwäche steht dabei der humorale Immundefekt im Vordergrund. Davon sind besonders Patienten mit multiplem Myelom und Lymphomen mit und ohne Therapie mit monoklonalen Antikörpern betroffen. Hier stellt die konsequente Impfung eine zentrale Säule in der supportiven Therapie dar.

In Tabelle 6 bis 8 sind die Empfehlungen zur Impfung und der Evaluation einer Immunantwort dargestellt.

Tabelle 6: Empfehlungen für akute Leukämie, myelodysplastisches Syndrom, myeloproliferatives Syndrom 

Intention

SoR

QoE

COVID-19 Impfung

Reduktion von Mortalität und schwerer Erkrankung

A

IIu,t

COVID-19 Booster Impfung

Reduktion von Mortalität und schwerer Erkrankung

A

IIu

Messung von SARS-CoV-2-spike Protein Antikörper Level > 2 Wochen nach der 2. COVID-19 Impfung

Erfassung von Protektion und der Notwenigkeit einer erneuten Impfung

C

IIu,t

Messung der zellulären Immunantwort > 2 Wochen nach der 2. COVID-19 Impfung

Erfassung von Protektion und der Notwenigkeit einer erneuten Impfung

C

I

Influenza Impfung

Reduktion von Mortalität und Prävention einer Influenza Erkrankung

A

IIu,r

 2. Influenza Impfung nach 4 Wochen

Prävention der Infektion

A

IIu

PCV20 Impfung

Reduktion von Morbidität und Mortalität

A

IIt

RSV-Impfung

Prävention Erfassung von Protektion und der Notwenigkeit einer erneuten Impfung n schwerer RSV-Erkrankung

B

II

Rekombinante Zoster Vakzine

Prävention VZV Reaktivierung oder Erkrankung

A

I

Abk.: PCV20=20-valenter Pneumokokken konjugierter Impfstoff; r=Metaanalyse oder systematischer Review von randomisierten Studien; RSV=Respiratory-Syncytial-Virus; t=transferierte Evidenz; u=unkontrollierte Studie; VZV=Varicella-Zoster-Virus.
Tabelle 7: Empfehlungen für Lymphome 

Intention

SoR

QoE

COVID-19 Impfung

Prävention von COVID-19 Erkrankung

B

I

Influenza Impfung

Reduktion von Mortalität

A

IIu

Hoch dosierte Influenza Vakzine

Prävention von Influenza Erkrankung

A

IIu

 2. Influenza Impfung nach 4 Wochen

Prävention der Infektion

A

IIu

PCV20 Impfung

Prävention der Erkrankung mit Pneumokokken und Reduktion von Mortalität

A

IIt

RSV-Impfung

Prävention einer RSV-Infektion der unteren Atemwege

A

IIt

Adjuvanted Glykoprotein E-based rekombinante Vakzine

Prävention einer VZV-Reaktivierung

A

IIt

Abk.: PCV20=20-valenter Pneumokokken konjugierter Impfstoff; r=Metaanalyse oder systematischer Review von randomisierten Studien; RSV=Respiratory-Syncytial-Virus; t=transferierte Evidenz; u=unkontrollierte Studie; VZV=Varicella-Zoster-Virus.
Tabelle 8: Impfstrategien nach autologer Stammzelltransplantation (ASZT)Empfehlungen für multiples Myelom 

Erreger

Grad der Empfehlung / Evidenzgrad

Intention

Zeit nach ASZT (Monate)

SoR

Dosierungen

QoE

 

Diphtherie

COVID-19 Impfung

B-IIu1

Prävention von COVID-19 Erkrankung

6-12

B

33

I

Haemophilus influenzae Typ B

Zusätzliche COVID-19 Impfung für Patienten vor CAR T Zell Therapie

B-IIt

Prävention von COVID-19 Erkrankung

6-12

A

3-44

IIt

Herpes zoster10

Influenza Vakzine

A-IIa

Reduktion von Mortalität

3-6

A

1-2

IIu

Hoch dosierte Influenza Vakzine

A-IIt

Prävention von Influenza Erkrankung

3-6

A

1-25

IIu

Hepatitis A

 2. Influenza Impfung nach 4 Wochen

B-III

Prävention der Infektion

6-12

A

1-36

IIu

Hepatitis B

PCV20 Impfung

B-IIt

Prävention der Erkrankung mit Pneumokokken und Reduktion von Mortalität

6-12

A

3

IIt

Masern2

RSV-Impfung

B-IIt

Prävention einer RSV-Infektion der unteren Atemwege

24

A

1-2

IIt

Meningokokken

Alles: Patienten mit anti-CD38 Antikörpertherapie

B-IIt

Prävention der Erkrankung

6-12

A

1-24

IIu

Mumps2

Alles: Patienten mit anti-BCMA Antikörpertherapie

B-IIt

Prävention der Erkrankung

24

A

1-2

IIu

Pertussis

B-III

6-12

37

Pneumokokken

A-IIt

3-6

48

Poliomyelitis

B-IIt

6-12

39

Röteln2

B-IIt

24

1-2

Tetanus

B-IIu

6-12

3

Varizellen2

B-IIt

24

1-3


1 Empfehlungsstärke siehe Abk.: PCV20=20-valenter Pneumokokken konjugierter Impfstoff; r=Metaanalyse oder systematischer Review von randomisierten Studien; RSV=Respiratory-Syncytial-Virus; t=transferierte Evidenz; u=unkontrollierte Studie; VZV=Varicella-Zoster-Virus.Tabelle 1, Evidenzgrade siehe Tabellen 2 und 3;
2 keine Impfung mit Lebendimpfstoffen <24 Monaten nach ASZT;
3 volle Dosis („D“) bevorzugt (BIII);
4 konjugierter Impfstoff bevorzugt;
5 bessere Seroprotektion mit 2 Dosen (BIIt);
6 Hepatitis A-Impfung kann durchgeführt werden; individuelle Risikosituation abwägen;
7 volle Dosis der azellulärer Impfstoff (aP) bevorzugt;
8 drei Dosen PCV13, gefolgt von einer Dosis PPSV23;
9 nur inaktivierter Impfstoff; bevorzugt (BIII);
10 eine ausführlichere Darstellung der Empfehlungen zur Herpes-Vakzine findet sich unter www.dgho.de/publikationen/stellungnahmen/gute-aerztliche-praxis/

6.3AsplenieAutologe Stammzelltransplantation

Wir verweisen auf die Onkopedia Empfehlungen zu Prävention von Infektionen und Thrombosen nach Splenektomie oder funktioneller Asplenie Nach einer autologen Stammzelltransplantation ist ein erneuter Impfschutz erforderlich. Empfehlungen sind in Tabelle 9 zusammengefasst.

Tabelle 9: Empfehlungen zur Impfung nach autologer Stammzelltransplantation (ASZT) 

Erreger

SoR/QoE

Zeit nach ASZT (Monate)

Dosierungen

 

 

Diphtherie

B-IIu

6

3

Haemophilus influenzae Typ B

B-IIt

6

3-4

Herpes zoster

A-I

2

2

COVID-19

A-IIt

3

3

Influenza

A-IIt

3

1-2

Hepatitis A

C-IIt

6

3

Hepatitis B

B-IIt

6

3

Masern

B-IIt

24

1-2

Meningokokken

B-IIt

6

1-2

Mumps

B-IIt

24

1-2

Pertussis

B-IIu

6

3

Pneumokokken

A-IIt

3

4

Poliomyelitis

C-IIt

6

3

Röteln

B-IIt

24

1-2

Tetanus

B-IIu

6

3

TBEV

B-IIu

6

3

Varizellen (Lebendimpfung)

A-IIt

24

1-3

Abk.: RSV=Respiratory-Syncytial-Virus; t=transferierte Evidenz; TBEV=Tick-borne Encephalitis Virus; u=unkontrollierte Studie

6.4Neue ArzneimittelCAR T Zelltherapie

Aufgrund der raschen Entwicklungen bei den neuen Arzneimitteln liegen kaum Daten aus großen, kontrollierten Studien vor.

Infektionen sind die wesentliche Ursache für die non-Relapse Mortalität nach CAR T Zelltherapie. Impfungen reduzieren das Risiko. Rezidive von Cytokin Release Syndrome oder Immuneffektor Zell-assoziierte Neurotoxizität werden nach Impfungen bislang nicht beobachtet. Eine Übersicht über die aktuellen Empfehlungen gibt Tabelle 10.

Tabelle 10: Empfehlungen zur Impfung bei CAR T-Zelltherapie 

Zeitpunkt nach CAR T-Zelltherapie (Monate)

SoR

QoE

COVID-19 Impfung

3 (jährlich)

A

IIu

Influenza Impfung

3 (jährlich)

A

IIu

Pneumokokken

6

A

IIu

RSV-Impfung

Optional

A

III

Rekombinante Zoster Virus Impfung

6

A

IIu

Diphterie

6

A

IIu

Hämophilus influenzae Typ B

6

A

IIu

Tetanus

6

A

IIu

Poliomyelitis

6

A

IIu

Pertussis

6

A

IIu

Hepatitis A

6

A

IIu

Hepatitis B

6

A

IIu

Abk.: CAR=chimeric antigen receptor; RSV=Respiratory-Syncytial-Virus; u=unkontrollierte Studie

6.4.1Anti-CD20 Antikörper

Anti-CD20-Antikörper führen zu einer fast vollständigen Depletion von B-Zellen für bis zu 6 Monate. Da eine funktionierende B-Lymphopoese für eine angemessene Immunantwort erforderlich ist, sind Impfstrategien bei diesen Patienten schwierig. Grundsätzlich sollen in den ersten 6 Monaten nach einer Anti-CD20-Antikörpertherapie keine Impfungen durchgeführt werden (D-IIu). Innerhalb des ersten Jahres kann die Bestimmung der Antikörpertiter und ggf. eine erneute Impfung ein Weg zum effektiven Impfschutz sein.

6.4.2Kinase-Inhibitoren

Kinase-Inhibitoren haben sehr unterschiedliche zelluläre Angriffspunkte. Sie können die Immunantwort unterdrücken, steigern oder ohne wesentlichen Einfluss bleiben. Empfohlen wird die Bestimmung der Antikörpertiter und ggf. eine erneute Impfung.

6.4.3Checkpoint-Inhibitoren

Aufgrund ihres Wirkmechanismus ist bei diesen Immuntherapeutika eher mit einer Verstärkung als mit einer Suppression der Immunantwort zu rechnen. Da die Patienten aufgrund der malignen Grundkrankheit weiterhin infektgefährdet sind, sollten sie alle erforderlichen Impfungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt erhalten. Bisher vorliegende Studienergebnisse lassen auf Verträglichkeit und Wirksamkeit der üblichen Impfungen schließen.

7[Kapitel nicht relevant]

8[Kapitel nicht relevant]

9Literatur

  1. Rieger CT, Liss B, Mellinghoff S et al.: Anti-infective vaccination strategies in patients with hematologic malignancies or solid tumors—Guideline of the Infectious Diseases Working Party (AGIHO) of the German Society for Hematology and Medical Oncology (DGHO) Ann Oncol 29:1354-1365, 2018. Mellinghoff, SC, Liss, B, Stemler J … Rieger CT: Anti-infective vaccination strategies in patients with hematologic malignancies or solid tumors – updated guideline of the Infectious Diseases Working Party of the German Society for Hematology and Medical Oncology. Lancet Oncol 2026;27:e195-206. DOI:10.1093/annonc/mdy1171016/S1470-2045(25)00765-X

  2. Maschmeyer G et al.: Ullmann AJ, Aguado JM, Arikan-Akdagli S, et al.: Diagnosis and management of Aspergillus diseases: executive summary of the 2017 ESCMID-ECMM-ERS guideline. Clin Microbiol Infect. 24(Suppl 1): e1-e38, 2018. Onkopedia, Infektionen in der Hämatologie und OnkologieDOI:10.1016/j.cmi.2018.01.002, 2018

  3. Sandherr M et al.: Onkopedia, Antivirale Prophylaxe, 2014;

  4. Engelhardt M et al.: Onkoepdia, Prävention von Infektionen und Thrombosen nach Splenektomie oder funktioneller Asplenie, 2013.

10[Kapitel nicht relevant]

11[Kapitel nicht relevant]

12[Kapitel nicht relevant]

13[Kapitel nicht relevant]

14[Kapitel nicht relevant]

15Anschriften der Verfasser

PD Dr. med. habil. Maximilian Christopeit
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
II. Medizinische Klinik und Poliklinik
Onkologie, Hämatologie,
Knochenmarktransplantation mit Abteilung für Pneumologie
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Prof. Dr. med. Oliver A. Cornely
Uniklinik Köln, Klinik I für Innere Med.
Zentrum für Klinische Studien
Infektiologie-Hämatologie-Onkologie
Kerpener Str. 62
50937 Köln
Dr. med. Katharina Egger-Heidrich
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Fetscherstr. 74
01307 Dresden
PD Dr.med. Nicola Giesen
Robert-Bosch-Krankenhaus
Auerbachstr. 110
70376 Stuttgart
Dr. med. Tessa Hattenhauer
Uniklinik Bonn
Med. Klinik III
Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
Prof. Dr. med. Werner Heinz
Helios Klinikum Pforzheim
Palliativstation
Kanzlerstraße 2-6
75175 Pforzheim
Dr. med. Andrea Keppler-Hafkemeyer
Universitätsklinikum Freiburg
Klinik für Innere Medizin I
Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation
Hugstetter Str. 55
79106 Freiburg
Dr. med. Dr. phil. Elham Khatamzas
Universitätsklinikum Heidelberg
Zentrum für Infektiologie
Im Neuenheimer Feld 324
69120 Heidelberg
Dr. med. Blasius Liss
HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal
Med. Klinik 1 für Hämatologie,
Onkologie und Palliativmedizin,
Nephrologie, Rheumatologie
Heusnerstr. 40
42283 Wuppertal
Prof. Dr. med. Georg Maschmeyer
Deutsche Gesellschaft für Hämatologie
und Medizinische Onkologie (DGHO)
Onkopedia-Koordinator
Bauhofstr. 12
10117 Berlin
PD Dr. med. Sibylle Mellinghoff
Universitätsklinikum Köln
Klinik I für Innere Medizin
Kerpener Str. 62
50937 Köln
Dr. Rebekka Mispelbaum
Universitätsklinikum Bonn
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
Dr. med. Malte B. Monin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Onkologie, Hämatologie, KMT mit
Abteilung für Pneumologie
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Dr. Verena Petzer
Medizinische Universität Innsbruck
Anichstr. 35
6020 Innsbruck
Dr. med. Tim Richardson
Universitätsklinikum Köln
Klinik I für Innere Medizin
CECAD Institut für Translationale Forschung
Kerpener Str. 62
50937 Köln
Prof. Dr. med. Christina Rieger
Hämatologie Onkologie Germering
Landsberger Str. 27
82110 Germering
Rosanne Sprute
Uniklinik Köln
Klinik I für Innere Medizin
Klinische Infektiologie
50931 Köln
Dr. med. Jonathan Steinke
Universitätsklinikum Köln
Klinik I für Innere Medizin
CECAD Institut für Translationale Forschung
Kerpener Str. 62
50937 Köln
Dr. Jannik Stemler
Universitätsklinikum Köln
Klinik I für Innere Medizin
CECAD Institut für Translationale Forschung
Kerpener Str. 62
50937 Köln

16Erklärung zu möglichen Interessenkonflikten

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