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Acalabrutinib Monotherapie in der Zweitlinientherapie der CLL

Dies ist eins von drei Verfahren zum Einsatz von Acalabrutinib (Calquence®) bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL), diesmal als Monotherapie ab der Zweitlinienbehandlung. Acalabrutinib ist hier zugelassen zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidivierter/refraktärer CLL. Acalabrutinib hat keinen Orphan-Drug-Status. Das IQWiG wurde mit dem Bericht beauftragt. Subgruppen, zweckmäßige Vergleichstherapie sowie Bewertungsvorschläge sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

Tabelle 1: Vorschläge zum Zusatznutzen von Acalabrutinib nach mindestens einer Vortherapie

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Legende: pU – pharmazeutischer Unternehmer, ZVT – zweckmäßige Vergleichstherapie

Unsere Anmerkungen sind:

  • Die Therapie der CLL ist derzeit in einem grundlegenden Wandel. Dadurch entsprechen die Festlegungen der zweckmäßigen Vergleichstherapie den früheren Therapieempfehlungen, aber nicht dem Stand der Versorgung. Entscheidend für die Therapieentscheidung im Rezidiv oder bei Refraktärität sind der genetische Status, die Art der Erstlinientherapie (BTK-Inhibitor, BCL2-Inhibitor, Chemotherapie) und die Dauer der Wirksamkeit der Erstlinientherapie.
  • Zweckmäßige Vergleichstherapien sind:
    • Frührezidiv nach Chemotherapie: Ibrutinib + Anti-CD20-Antikörper, Venetoclax / Rituximab
    • Spätrezidiv nach Chemotherapie: Wiederholung der Chemotherapie, Ibrutinib + Anti-CD20-Antikörper, Venetoclax / Rituximab
    • nach Venetoclax: Ibrutinib
    • nach BTK-Inhibitor: Acalabrutinib ist in der Zweitlinie nicht indiziert, außer bei Unverträglichkeit von Ibrutinib.
  • Basis der frühen Nutzenbewertung von Acalabrutinib ist die ASCEND-Studie, eine internationale, multizentrische, randomisierte Studie zum Vergleich von Acalabrutinib Monotherapie versus einer Therapie nach Wahl des behandelnden Arztes. Zur Auswahl standen Idelalisib / Rituximab oder Bendamustin / Rituximab. Die Gruppe der Patienten mit Bendamustin / Rituximab. besteht in der Publikation aus 35 Patienten, im Dossier des pU aus 36 Patienten.
  • Acalabrutinib führt gegenüber dem Kontrollarm zu einer deutlichen, statistisch signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (HR 0,31; p < 0,0001). Die Ansprechrate wurde nicht erhöht, auch die Gesamtüberlebenszeit wurde nicht verlängert. Dieser Parameter ist jedoch derzeit wegen der geringen Anzahl von Ereignissen nicht belastbar auswertbar. Auch langfristig wird die Auswertung aufgrund des Crossover-Designs nur eingeschränkt aussagekräftig sein.
  • Die Rate schwerer, unerwünschter Ereignisse ist unter Acalabrutinib Monotherapie niedriger als im Kontrollarm. Allerdings liegt die Rate unerwünschter Ereignisse besonders unter Idelalisib / Rituximab sehr hoch, auch die Rate von Therapieabbrüchen (47%).
  • Bei den Analysen zur Lebensqualität zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Studienarmen.

Bei Patienten mit rezidivierter oder refraktärer CLL zeigen die Daten zu Acalabrutinib im indirekten Vergleich eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie Ibrutinib oder Venetoclax. Mangels direkt vergleichender Daten ist eine Quantifizierung des Zusatznutzens nicht möglich.

Zur Stellungnahme

06.05.2021